Pfefferminze – Mentha × piperita

Inhaltsverzeichnis: Vorkommen | Merkmale | Drogen | Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung & Dosierung | Status | FAQ | Im Garten | Sonstiges | Literatur | Links

Pfefferminzblätter und Pfefferminzöl besitzen eine anerkannte medizinische Anwendung. Die Blätter werden bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen und Gastritis (Magenkatarrh) eingesetzt. Das ätherische Öl wird innerlich zur symptomatischen Behandlung von Verdauungsbeschwerden wie Flatulenz und Reizdarm-Syndrom sowie bei Husten und Erkältungen verwendet. Äusserlich findet Pfefferminzöl Anwendung bei Erkältungen, rheumatischen Beschwerden, Spannungskopfschmerzen sowie bei Hautsymptomen wie Juckreiz, Nesselsucht und schmerzhaften Hautreizungen.

Pfefferminze mit Blüte

Mehrere Pfefferminzpflanzen

Bild von Pfefferminzpflanzen

VORKOMMEN

Pfefferminze stammt ausschliesslich aus Kulturen der gemässigten Klimazonen Europas und Nordamerikas. Die Duftpflanze verwildert gelegentlich aus dem Anbau. Da Mentha × piperita nicht wild vorkommt, sind Verwechslungen am Standort praktisch ausgeschlossen.

Die Art ist vermutlich gegen Ende des 17. Jahrhunderts aus einer natürlichen Kreuzung zwischen der Wasserminze (Mentha aquatica) und der Ährigen Minze (Mentha spicata L. ssp. spicata) hervorgegangen.

MERKMALE

Die Pfefferminze ist eine ausdauernde, 50–90 cm hohe Pflanze mit meist verzweigten Stängeln. Diese sind überwiegend kahl, gelegentlich graufilzig behaart und häufig violett überlaufen. Die Laubblätter sind länglich-eiförmig bis lanzettlich, gesägt und deutlich gestielt. Beim Zerreiben verströmen sie den typischen, intensiven Geruch des enthaltenen Pfefferminzöls.

Die Blütenkrone ist violett, innen kahl, mit nahezu gleichmässigem, vierspaltigem Saum. Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Die aufsteigenden Sprosse entwickeln sich nur bei Tageslängen von über 14 Stunden aufrecht (Langtagspflanze), tragen gestielte Blätter und gelangen zur Blüte. Bei Kurztagbedingungen, insbesondere im Herbst, bilden sich hingegen überwiegend ausläuferartige Sprosse mit eng am Stängel anliegenden Blättern.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Menthae piperitae aetheroleum (syn. Oleum Menthae piperitae); Pfefferminzöl.

2. Menthae piperitae folium (syn. Folia Menthae piperitae); Pfefferminzblätter.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Menthae piperitae aetheroleum:
Hauptkomponenten sind Menthol (35–45 %), Menthon (15–20 %), Menthylacetat (3–5 %), 1,8-Cineol (6–8 %) sowie Menthofuran (möglichst unter 5 %, sensorisch unerwünscht). Weitere Bestandteile sind Neomenthol, Isomenthon, Limonen, Pulegon, α- und β-Pinen, β-Caryophyllen, Viridiflorol und Germacren.

Chemische Strukturformel von Menthol und weiteren Inhaltsstoffen

2. Menthae piperitae folium:
Ätherisches Öl (bis zu 4 %), Zusammensetzung entsprechend Menthae piperitae aetheroleum. Daneben enthalten die Blätter Gerbstoffe, vor allem Lamiaceengerbstoffe, Phenolcarbonsäurederivate (u. a. Rosmarinsäure, Kaffeesäure und p-Cumarsäure) sowie Triterpene und Flavonoide (3–6 %), insbesondere Eriocitrin.

PHARMAKOLOGIE

Die Wirksamkeit magensaftresistenter Zubereitungen von Pfefferminzöl bei Patienten mit Reizdarm-Syndrom ist durch klinische Studien und Metaanalysen belegt.

Zu Pfefferminzöl und Pfefferminzblättern liegen zahlreiche pharmakologische Untersuchungen vor. Von besonderer therapeutischer Bedeutung sind die spasmolytischen Wirkungen auf die glatte Muskulatur des Gastrointestinaltrakts sowie die choleretische Wirkung, die experimentell und klinisch nachgewiesen wurden.

EVIDENZ

Für Pfefferminzöl (Menthae piperitae aetheroleum) liegt eine vergleichsweise gute klinische Evidenz vor: Randomisierte Studien und Metaanalysen zeigen, dass magensaftresistente Präparate bei Patientinnen und Patienten mit Reizdarm-Syndrom (IBS) die Gesamtsymptomatik und Bauchschmerzen gegenüber Placebo verbessern können.

Die Evidenz zu Pfefferminzblättern (Menthae piperitae folium) beruht dagegen vor allem auf langjähriger Anwendungserfahrung und pharmakologischen Daten; klinische Studien mit Pfefferminzblättern als Monopräparat sind begrenzt. Entsprechend werden die Blätter in den HMPC/EMA-Unterlagen überwiegend als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Linderung von Verdauungsbeschwerden (z. B. Dyspepsie, Flatulenz) geführt.

Regulatorisch sind die anerkannten bzw. traditionellen Anwendungsgebiete in den Monographien des HMPC/EMA dokumentiert:

Beispiele für Sekundärliteratur (Übersichtsarbeiten) zur IBS-Anwendung von Pfefferminzöl:

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen ( Kommission E):

1. Menthae piperitae aetheroleum:

  • Wirkungen: Spasmolytisch, carminativ, cholagog, antibakteriell, sekretolytisch, kühlend.
  • Anwendungsgebiete:
    Innerlich: Krampfartige Beschwerden im oberen Gastrointestinaltrakt und der Gallenwege; Reizdarm-Syndrom (Colon irritabile); Katarrhe der oberen Luftwege; Entzündungen der Mundschleimhaut.
    Äusserlich: Myalgien und neuralgiforme Beschwerden sowie Katarrhe der oberen Luftwege.
  • Gegenanzeigen: Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenentzündung, schwere Leberschäden. Bei Gallensteinleiden nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden. Bei Säuglingen und Kleinkindern keine Anwendung im Gesichtsbereich, insbesondere im Nasenbereich.
  • Dosierung:
    Innerlich: Mittlere Tagesdosis 6–12 Tropfen; zur Inhalation 3–4 Tropfen in heissem Wasser. Bei Reizdarm-Syndrom: mittlere Einzeldosis 0,2 mL, mittlere Tagesdosis 0,6 mL, in magensaftresistenter Umhüllung.
    Äusserlich: In halbfesten und öligen Zubereitungen 5–20 %, in wässrig-ethanolischen Zubereitungen 5–10 %, in Nasensalben 1–5 % ätherisches Öl.
  • Nebenwirkungen: Bei empfindlichen Personen können Magenbeschwerden auftreten.
  • Wechselwirkungen: Keine bekannt.

ESCOP: Pfefferminzöl innerlich zur symptomatischen Behandlung von Verdauungsbeschwerden (z. B. Flatulenz), Reizdarm-Syndrom, Husten und Erkältungen; äusserlich bei Erkältungen, rheumatischen Beschwerden, Spannungskopfschmerzen sowie bei Hautsymptomen wie Juckreiz, Nesselsucht und schmerzhaften Hautreizungen.

HMPC: Pfefferminzöl ist als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt zur Anwendung bei Husten und Erkältungen, lokalen Muskelschmerzen sowie bei Juckreiz der intakten Haut.

2. Menthae piperitae folium:

  • Wirkungen: Spasmolytisch auf die glatte Muskulatur des Verdauungstraktes, choleretisch und carminativ.
  • Anwendungsgebiete: Krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich sowie der Gallenblase und Gallenwege.
  • Gegenanzeigen: Bei Gallensteinleiden nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden.
  • Neben- und Wechselwirkungen: Keine bekannt.

ESCOP: Pfefferminzblätter zur symptomatischen Anwendung bei Verdauungsbeschwerden wie Dyspepsie, Flatulenz und Gastritis.

HMPC: Pfefferminzblätter bei dyspeptischen Verdauungsbeschwerden und Flatulenz; in Kombination mit anderen Drogen zur Unterstützung der Verdauungsfunktion oder der Schleimlösung im Bereich der Atemwege. Volkstümlich auch bei Übelkeit und leichtem Brechreiz.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

1. Menthae piperitae aetheroleum:
Äusserlich in Zubereitungen bei Muskel-, Gelenk- und Nervenschmerzen. In zahlreichen Gels und Salben ist Pfefferminzöl (teilweise auch alkoholische Blattextrakte) enthalten, häufig kombiniert mit Beinwell, Johanniskraut, Ringelblume, Echinacea, Eukalyptus, Rosmarin, Arnika und Thymian.

In vielen topischen Mitteln gegen Muskel- und Gelenkschmerzen ist Pfefferminzöl ebenfalls enthalten, unter anderem zusammen mit den ätherischen Ölen von Anis, Scheinbeere, Zitronengras, Eukalyptus, Teebaum, Rosmarin, Thymian und Arnika (Ölextrakt).

Pfefferminzöl wird ferner als Aromatikum verwendet.

2. Menthae piperitae folium:
Bestandteil zahlreicher Teemischungen (siehe Anwendung) und pflanzlicher Fertigarzneimittel. So ist Pfefferminze in Iberogast® neben der Bitteren Schleifenblume, Kümmel, Mariendistel, Melisse, Schöllkraut, Süssholz und Kamille enthalten.

Auch in zahlreichen pflanzlichen Beruhigungs- und Schlafmitteln findet sich Pfefferminze, häufig in Kombination mit Kamille, Hopfen, Baldrian, Anis, Rosmarin, Melisse, Artischocke und Lavendel.

Teebereitung:
1,5 g fein geschnittene Droge mit 150 mL heissem Wasser übergiessen (nicht kochen), 5–10 Minuten ziehen lassen und abseihen. 3-mal täglich eine Tasse frisch bereiteten Tee warm trinken.

STATUS

FAQ ZUR PFEFFERMINZE

Wofür wird Pfefferminztee verwendet?

Pfefferminztee (Menthae piperitae folium) wird traditionell bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden und Dyspepsie eingesetzt. Die Wirkung beruht unter anderem auf spasmolytischen und carminativen Eigenschaften.

Hilft Pfefferminzöl beim Reizdarm-Syndrom?

Für magensaftresistente Pfefferminzöl-Präparate liegt klinische Evidenz vor. Studien und Metaanalysen zeigen eine Besserung von Bauchschmerzen und Gesamtsymptomatik bei Reizdarm-Syndrom (IBS).

Wie wird Pfefferminzöl angewendet?

Innerlich wird Pfefferminzöl in magensaftresistenter Form zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Äusserlich findet es Anwendung bei Spannungskopfschmerzen, Muskelschmerzen sowie bei Erkältungssymptomen.

Gibt es Gegenanzeigen?

Pfefferminzöl darf nicht bei Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenentzündungen oder schweren Leberschäden angewendet werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollten pfefferminzölhaltige Zubereitungen nicht im Gesichtsbereich aufgetragen werden.

Wann sollte Pfefferminztee nicht angewendet werden?

Bei Gallensteinleiden sollte die Anwendung nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.

PFEFFERMINZE IM GARTEN

Der optimale Standort für die winterharte Pfefferminze ist ein leicht sonniger bis halbschattiger Platz. Die bis zu etwa 100 cm hoch werdende Pflanze bevorzugt einen feuchten, nährstoffreichen Boden, der humos, lehmig oder sandig sein kann.

Wie alle Minzen neigt auch die Pfefferminze zu starkem Ausbreitungsdrang. Es sollte daher ausreichend Abstand zu benachbarten Pflanzen eingehalten und idealerweise bereits beim Pflanzen eine Wurzelsperre eingebracht werden. Alternativ kann die Pfefferminze in einen Topf gesetzt und dieser in den Boden eingelassen oder als Kübelpflanze auf Terrasse oder Balkon kultiviert werden.

Vor dem Pflanzen kann etwas Kompost in den Boden eingearbeitet werden. Weitere Düngergaben sind in der Regel nicht erforderlich, werden jedoch gut vertragen. Soll die Minze frisch verwendet werden, kann sie während der gesamten Vegetationsperiode geerntet werden; ein Abwarten bis kurz vor die Blüte ist nicht notwendig.

Die Pfefferminze lässt sich leicht vegetativ vermehren, insbesondere durch Teilung des Wurzelstocks nach der Blüte oder durch Stecklinge. Auch abgeschnittene Triebspitzen bewurzeln im Wasserglas zuverlässig. Eine Vermehrung durch Aussaat ist dagegen weniger empfehlenswert.

Pfefferminze – Pflanze mit Blüte

SONSTIGES

Die Pfefferminze (Mentha × piperita) ist eine verbreitete Heil- und Gewürzpflanze aus der Gattung der Minzen. Sie ist eine vermutlich zufällig entstandene Kreuzung aus der Wasserminze (Mentha aquatica) und der Ährigen Minze (Mentha spicata), wobei M. spicata ihrerseits als Hybrid aus M. rotundifolia und M. longifolia gilt.

Von anderen Minzen unterscheidet sich die Pfefferminze vor allem durch ihren hohen Menthol- und vergleichsweise niedrigen Carvongehalt, was den typisch scharfen, kühlenden Geschmack begründet und zum Namen „Pfefferminze“ geführt hat.

Letzte Änderung: 02.03.2026 / © W. Arnold