Arnika – Arnica montana

Arnika (Arnica montana) ist eine bekannte Heilpflanze der europäischen Volksmedizin. Sie wird traditionell äusserlich bei Prellungen, Blutergüssen und Muskelbeschwerden eingesetzt. Aufgrund ihrer wirksamen Inhaltsstoffe zählt Arnika zu den wichtigsten Pflanzen der klassischen Phytotherapie, darf jedoch ausschliesslich äusserlich angewendet werden.

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Anwendung | Dosierung | Nebenwirkungen | Evidenz | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Arnica montana L. (syn. Doronicum arnica, D. montanum);

Arnika (syn. Bergdotterblume, Bergwohlverleih, Fallkraut, Kraftrose, Kraftwurz, Sankt-Luzianskraut, Wundkraut).

Arnika-Blüte (Arnica montana) mit Schmetterling
Arnika-Blüte (Arnica montana) mit Schmetterling
Drei Arnika-Blüten (Arnica montana) im Detail
Drei Arnika-Blüten (Arnica montana) im Detail
Arnikablüten (Arnica montana) in Nahaufnahme
Arnikablüten (Arnica montana) in Nahaufnahme
Bergwohlverleih (Arnica montana) – Blütenstände von der Seite
Bergwohlverleih (Arnica montana) – Blütenstände von der Seite
Arnikapflanzen (Arnica montana) im Bestand
Arnikapflanzen (Arnica montana) im Bestand

VORKOMMEN

Arnika kommt in ganz Europa vor. In den mitteleuropäischen Gebirgen ist es recht häufig anzutreffen. In der Ebene sind die Vorkommen selten geworden. Die Pflanze gedeiht am besten auf feuchten, torfigen Wiesen, in den Alpen auch auf trockenen Magerwiesen. Die Echte Arnika bevorzugt saure und magere Wiesen und ist kalkmeidend. Man findet sie auch in lichten Wäldern. Arnika ist von der Tallage bis in Höhenlagen von 2800 Meter anzutreffen.

Arnika (Arnica montana) auf einer Bergwiese
Arnikapflanzen auf einer Bergwiese

MERKMALE

Die Echte Arnika ist eine aromatisch duftende, sommergrüne, ausdauernde und krautige Pflanze. Sie bildet unterirdische Rhizome. Die sehr schöne Pflanze wird 20-60 cm hoch. Sie hat eine Blattrosette und am Stengel 1-2 Paar lanzettliche, gegenständige Blätter. Die Blüten sind 5-7 cm breit, goldgelb, endständig, einzeln und mit Röhren und Zungenblüten. Die Blütezeit ist Juni bis August. Arnika ist in Deutschland streng geschützt. In der Schweiz darf Arnika nicht gesammelt werden, die Pflanze ist in der roten Liste der gefährdeten Arten der Schweiz enthalten.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Arnica-montana-Blüten (syn. Arnicae flos, Flos Arnicae);
Arnikablüten (syn. Bergwurzblumen, Wohlverleihblüten), die getrockneten, ganzen oder teilweise zerfallenen Blütenstände bzw. Blütenkörbchen. Aus den Blüten werden vorwiegend mit Ethanol Extrakte und die Arnikatinktur hergestellt.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die Blüten enthalten Sesquiterpenlaktone vom Helenanolidtyp und zwar vorwiegend Esterderivate von Helenalin und 11,13-Dihydrohelenalin. Daneben finden sich in der Droge als weitere Inhaltsstoffe Flavonoide (z.B. Isoquercitrin, Luteolin-7-glucosid und Astragalin), ätherisches Öl (mit Thymol und Thymolderivaten), Phenolcarbonsäuren (Chlorogensäure, Cynarin, Kaffeesäure) und Cumarine.

Strukturformel von Helenalin (Arnika-Inhaltsstoff)

PHARMAKOLOGIE

Helenalin- bzw. Dihydrohelenalinester wirken antibakteriell und antiarthritisch. Diese können ausserdem eine Entzündungsreaktion verringern. Zudem können die in Arnika enthaltenen Flavonoide und Triterpendiole - bei äusserer Anwendung - ebenfalls antiphlogistisch wirken. Bei der äusseren Anwendung wird am häufigsten eine alkoholische Tinktur hergestellt, dabei gehen die meisten Sesquiterpenlactone in Lösung. Tinkturen bzw. Auszüge zur äusseren Anwendung wirken antimikrobiell und antiphlogistisch. Die innere Anwendung ist nicht zugelassen, so wurden viele Teepräparate vom Markt genommen (ausgenommen sind homöopathischen Zubereitungen ab D4).

Als toxisches Prinzip der Arnikablüten sind die Sesquiterpenlactone anzusehen. Die Toxizität von Helenalin, wie auch die anderer Sesquiterpenlactone mit nukleophil angreifbaren Doppelbindungen, ist in vivo-Untersuchungen an verschiedenen Säugetierarten nachgewiesen worden.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendung:

Kommission E:

  • Anwendungsgebiete: Zur äusserlichen Anwendung bei Verletzungs- und Unfallfolgen, z. B. bei Hämatomen, Distorsionen, Prellungen, Quetschungen, Frakturödemen sowie bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden. Weiterhin bei Entzündungen der Schleimhäute von Mund- und Rachenraum, Furunkulose, Entzündungen nach Insektenstichen sowie bei Oberflächenphlebitis.
  • Dosierung:
    Soweit nicht anders verordnet:
    Aufguss: 2,0 g Droge auf 100 ml Wasser.
    Tinktur: Für Umschläge 3- bis 10fach mit Wasser verdünnt.
    Für Mundspülungen: Tinktur 10fach verdünnt.
    Salben mit maximal 20-25 Prozent Tinktur.
    "Arnika-Öl": Auszug aus 1 Teil Droge und 5 Teilen fettem Pflanzenöl. Salben mit maximal 15 Prozent "Arnika-Öl".
  • Art der Anwendung: Ganze Droge, geschnittene Droge, Drogenpulver für Aufgüsse sowie flüssige und halbfeste Darreichungsformen zur äusserlichen Anwendung.
  • Wirkungen: Zubereitungen aus Arnika wirken – vorwiegend bei topischer Applikation – antiphlogistisch, infolge der Entzündungshemmung auch analgetisch sowie antiseptisch.

Auch die ESCOP beurteilt Arnika positiv.

Die Arnikablüten wurden vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Die Blüten können äusserlich zur Behandlung von Blutergüssen, Verstauchungen und lokalen Muskelschmerzen (Muskelkater) eingesetzt werden.

Die Droge wird vielfach als Gel gegen Muskel- und Gelenkschmerzen angewendet, oft in Kombination mit Echinacea, Ringelblume, Beinwell, Rosskastanie, Rosmarin und Pfefferminze.

Volkstümliche Anwendungen:
Arnikablüten und ihre Zubereitungen werden volksmedizinisch vor allem in Russland bei Uterusblutungen während der Geburt und in der klimakterischen Periode verwendet. Die Droge wird weiterhin bei Myokarditis, Herzstörungen infolge Arteriosklerose und bei Angina pectoris eingesetzt. Die Arnikatinktur soll, ähnlich wie Zubereitungen aus Maiglöckchenkraut, bei schweren Erschöpfungszuständen und bei Herzschwäche wirksam sein. Zu den genannten Indikationen liegen keine klinischen Studien vor. Die genannten Anwendungsgebiete sind somit nicht ausreichend belegt.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Arnika (Arnica montana) wird ausschliesslich äusserlich angewendet. Eine innerliche Anwendung ist wegen potenziell toxischer Inhaltsstoffe (u. a. Sesquiterpenlactone wie Helenalin) nicht zugelassen.

Arnikatinktur (verdünnt)

Anwendung: 10–20 Tropfen Arnikatinktur mit ca. 100 ml Wasser verdünnen und als Umschlag, Waschung oder Einreibung auf unverletzte Haut auftragen. 2–3-mal täglich.

Arnika-Gel / Salbe

Anwendung: Fertigpräparate (z. B. Gel oder Salbe) 2–3-mal täglich dünn auf die betroffene Stelle auftragen (z. B. bei Prellungen, Blutergüssen, Zerrungen, Muskel- oder Gelenkbeschwerden).

Arnika-Umschlag

Zubereitung: 1 Teelöffel Arnikablüten mit 150 ml heissem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und abkühlen lassen. Ein Tuch tränken und auf die betroffene Stelle legen.

Behandlungsdauer

Die Anwendung sollte auf wenige Tage begrenzt werden. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Wichtiger Hinweis: Arnika nicht auf offene Wunden, Schleimhäute oder in die Augen bringen. Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Korbblütler (Asteraceae) ist Arnika kontraindiziert. Innere Einnahme ist nicht erlaubt.

SICHERHEIT, NEBENWIRKUNGEN UND HINWEISE

Arnika ist eine stark wirksame Heilpflanze und sollte sachgerecht verwendet werden.

Wichtige Hinweise:

  • nicht innerlich anwenden
  • nicht auf offene Wunden oder verletzte Haut auftragen
  • Kontakt mit Augen und Schleimhäuten vermeiden
  • nicht über längere Zeit ohne Unterbrechung anwenden

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Hautreizungen
  • Rötungen
  • allergische Kontaktdermatitis (v. a. bei Korbblütler-Allergie)

Bei Schwangerschaft, Stillzeit, empfindlicher Haut oder Anwendung bei Kindern sollte vorher fachlicher Rat eingeholt werden.

STUDIENLAGE & EVIDENZ

Einordnung

Für Arnika besteht eine pharmakologische Plausibilität, insbesondere durch Sesquiterpenlactone wie Helenalin, die entzündungshemmende Mechanismen auf molekularer Ebene zeigen [PubMed: Helenalin]. Die klinische Evidenz ist jedoch insgesamt heterogen. Unterschiedliche Präparate, Konzentrationen, Anwendungsformen und Studiendesigns erschweren eine einheitliche Bewertung, und die Datenlage zu topischer Anwendung ist uneinheitlich [NCBI Bookshelf: Systematic Review].

Topische (äusserliche) Arnika – klinische Daten

Systematische Übersichtsarbeiten zur topischen Anwendung berichten über eine inkonsistente Datenlage, in der teils kleine symptomatische Effekte beschrieben werden, viele Studien jedoch methodische Einschränkungen aufweisen (z. B. geringe Fallzahlen) [NCBI Bookshelf: Systematic Review]. Einzelne kontrollierte Studien zeigen teils eine schnellere Rückbildung von Hämatomen oder Beschwerden, andere wiederum keinen signifikanten Unterschied gegenüber Placebo [PubMed: Topical Arnica DOMS].

Homöopathische Arnica

In mehreren randomisierten kontrollierten Studien zeigte homöopathische Arnica häufig keinen Vorteil gegenüber Placebo bei postoperativen Beschwerden wie Schmerz, Schwellung oder Hämatomen [PubMed: E. Ernst 1998 Meta-Analysis] und in chirurgischen Kontexten.

Pharmakologische Plausibilität

Präklinische Untersuchungen (in vitro und tierexperimentell) beschreiben entzündungshemmende und antioxidative Aktivitäten von Inhaltsstoffen aus Arnica montana. Diese Befunde stützen die biologische Plausibilität der traditionellen äusserlichen Anwendung, ersetzen jedoch keine robuste klinische Evidenz ( PMC: Clinical Trials, Potential Mechanisms, and Adverse Effects of Arnica (2021)).

Kurzfazit

Arnika wird traditionell äusserlich angewendet. Die klinische Evidenz ist begrenzt und uneinheitlich. Wenn eingesetzt, dann als kurzzeitige symptomatische Unterstützung, und nicht als Ersatz für eine medizinische Abklärung, insbesondere bei starken, anhaltenden oder unklaren Beschwerden.

STATUS

  • Kommission E: positive Bewertung
  • ESCOP: positive Bewertung
  • HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Arnicae flos)

ARNIKA IM GARTEN

Arnika galt lange Zeit als nicht kultivierbar, heute kann man sie anbauen. Die Pflanze ist sehr empfindlich gegenüber bestimmten Bodentypen. Am besten wächst sie auf lockeren, humosen, phosphorarmen und gut durchlüfteten Böden. Ausreichend Wasser ist nötig, aber stehendes Wasser wird nicht vertragen.

Der Boden sollte im leicht sauren bis neutralen Bereich liegen. Der freie Kalkanteil im Boden darf nicht höher als 1,5 Prozent sein. Arnika verträgt durchaus ausgiebige Sonnenbestrahlung und heftige Niederschläge. Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung.

Saure und magere Wiesen sind also der ideale Standort für die recht seltene Heilpflanze. Moorböden sind ebenfalls beliebt. Das Bergwohlverleih bildet, bei guten Bedingungen, durch vegetative Vermehrung relativ schnell kleine Horste aus. Arnica montana ist selten in einem Garten zu finden und ist deshalb immer ein Blickfang. Schmetterlinge und andere Insekten mögen die Pflanze sehr.

Mehrere Arnikablüten (Arnica montana) in voller Blüte
Mehrere Arnikablüten (Arnica montana) in voller Blüte

Die Arnika ist eine sehr anspruchsvolle Gartenpflanze und entsprechend schwer zu ziehen. Berg-Wohlverleih verträgt keine Düngung und kein kalkhaltiges Wasser. In meinem Garten habe ich Mühe eine stabile Population zu etablieren.

PS: Mai 2020
Nun haben wir kaltes und nasses Wetter. Trotzdem entwickelt sich die Arnika (Arnica montana) weiterhin sehr gut. Im Garten blüht es direkt neben der Rostblättrigen Alpenrose (Rhododendron ferrugineum).

Arnika (Arnica montana) im Gartenbeet
Arnika (Arnica montana) im Gartenbeet

SONSTIGES

Arnica montana zählt zu den alten Zauberpflanzen. Einige volkstümliche Namen deuten darauf hin, z. B. Donnerwurz oder Wolfsbanner. Im Kult der Sommersonnenwende spielte die Arnika früher eine bedeutende Rolle. Am 24. Juni, also dem Tag der Sonnenwende, galten Arnikablüten als besonders heilkräftig.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

Heilpflanzen mit ähnlicher Anwendung bei Verletzungen, Schmerzen oder entzündlichen Beschwerden des Bewegungsapparates:

  • Beinwell – äusserlich bei Prellungen, Verstauchungen, Muskel- und Gelenkschmerzen.
  • Ringelblume – fördert die Wundheilung und wirkt entzündungshemmend.
  • Zaubernuss – adstringierend bei Hautentzündungen und kleinen Verletzungen.
  • Schafgarbe – traditionell bei entzündlichen Haut- und Schleimhautbeschwerden.
  • Johanniskraut – äusserlich als Johanniskrautöl bei Prellungen und Muskelbeschwerden.

HÄUFIGE FRAGEN ZU ARNIKA (FAQ)

Darf Arnika innerlich eingenommen werden?
Nein. Arnika (Arnica montana) darf nicht innerlich angewendet werden, da bestimmte Inhaltsstoffe – insbesondere Sesquiterpenlactone wie Helenalin – toxisch wirken können. Arnika wird daher ausschliesslich äusserlich als Salbe, Gel oder Tinktur verwendet.

Wie schnell wirkt Arnika?
Bei äusserlicher Anwendung kann Arnika bei Prellungen, Blutergüssen oder Muskelbeschwerden häufig bereits nach ein bis mehreren Tagen zu einer spürbaren Linderung beitragen.

Ist Arnika für Kinder geeignet?
Arnika kann bei Kindern äusserlich angewendet werden, jedoch nur in geeigneten Zubereitungen und auf unverletzter Haut. Eine Anwendung sollte im Zweifelsfall ärztlich oder pharmakologisch abgeklärt werden.

Kann Arnika täglich angewendet werden?
Eine kurzfristige äusserliche Anwendung ist in der Regel unproblematisch. Eine dauerhafte oder grossflächige Anwendung über längere Zeiträume sollte jedoch vermieden werden.

Letzte Änderung: 28.12.2025 / © W. Arnold