Arnika - Arnica montana
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe / Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung & Dosierung | Sicherheit | Status | Arnika im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Arnika wird äusserlich bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Blutergüssen und Verstauchungen sowie bei lokalisierten Muskel- und Gelenkbeschwerden angewendet. Die Anwendung erfolgt meist als Gel, Salbe oder verdünnte Tinktur.
Arnika darf nicht innerlich angewendet werden. Zubereitungen dürfen nicht auf offene Wunden, verletzte Haut, Schleimhäute oder in die Augen gelangen. Bei Korbblütler-Allergie ist Arnika kontraindiziert.
Arnica montana L. (syn. Doronicum arnica, Doronicum montanum);
Arnika (syn. Bergdotterblume, Bergwohlverleih, Fallkraut, Kraftrose, Kraftwurz, Sankt-Luzianskraut, Wundkraut).
Arnika-Blüte (Arnica montana) mit Schmetterling
Drei Arnika-Blüten (Arnica montana) im Detail
Arnikablüten (Arnica montana) in Nahaufnahme
Bergwohlverleih (Arnica montana) – Blütenstände von der Seite
Arnikapflanzen (Arnica montana) im Bestand
VORKOMMEN
Arnika kommt in weiten Teilen Europas vor. In den mitteleuropäischen Gebirgen ist sie regional noch anzutreffen, in tieferen Lagen und in der Ebene sind die Bestände selten geworden. Die Pflanze gedeiht am besten auf sauren, mageren und kalkarmen Wiesen, auf feuchten torfigen Standorten sowie in lichten Wäldern. In den Alpen findet man sie auch auf trockeneren Magerwiesen. Arnika ist kalkmeidend und wächst von der Tallage bis in alpine Höhen.
Arnikapflanzen auf einer Bergwiese
MERKMALE
Die Echte Arnika ist eine aromatisch duftende, sommergrüne, ausdauernde und krautige Pflanze. Sie bildet unterirdische Rhizome. Die sehr schöne Pflanze wird 20-60 cm hoch. Sie hat eine Blattrosette und am Stengel 1-2 Paar lanzettliche, gegenständige Blätter. Die Blüten sind 5-7 cm breit, goldgelb, endständig, einzeln und mit Röhren- und Zungenblüten. Die Blütezeit ist Juni bis August. Arnika ist in Deutschland streng geschützt. In der Schweiz ist die Echte Arnika selten geworden und gilt als gefährdet. Wildvorkommen sollten nicht gesammelt werden.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Arnikablüten (syn. Arnicae flos, Flos Arnicae; Bergwurzblumen, Wohlverleihblüten), die getrockneten, ganzen oder teilweise zerfallenen Blütenstände beziehungsweise Blütenkörbchen. Aus den Blüten werden vorwiegend Ethanolextrakte und Arnikatinkturen zur äusserlichen Anwendung hergestellt.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Blüten enthalten Sesquiterpenlaktone vom Helenanolidtyp, vor allem Esterderivate von Helenalin und 11,13-Dihydrohelenalin. Daneben finden sich Flavonoide wie Isoquercitrin, Luteolin-7-glucosid und Astragalin, ätherisches Öl mit Thymol und Thymolderivaten, Phenolcarbonsäuren wie Chlorogensäure, Cynarin und Kaffeesäure sowie Cumarine.
Für die pharmakologische Wirkung und für das Reiz- und Allergiepotenzial sind besonders die Sesquiterpenlaktone wichtig. Helenalin und verwandte Verbindungen können entzündungshemmend wirken, zugleich aber bei empfindlichen Personen Kontaktallergien auslösen.

PHARMAKOLOGIE
Helenalin- und Dihydrohelenalinester wirken antibakteriell und antiphlogistisch. Sie können Entzündungsreaktionen verringern und tragen damit zur traditionellen äusserlichen Anwendung bei stumpfen Verletzungen und lokalen Muskel- oder Gelenkbeschwerden bei. Auch Flavonoide und Triterpendiole können an der antiphlogistischen Wirkung beteiligt sein.
Bei der äusserlichen Anwendung werden häufig alkoholische Auszüge, Tinkturen, Gele oder Salben eingesetzt. Dabei gehen die Sesquiterpenlaktone in Lösung. Diese Zubereitungen können lokal antimikrobiell, reizend und entzündungshemmend wirken.
Als toxikologisch wichtige Inhaltsstoffe der Arnikablüten gelten die Sesquiterpenlaktone. Die Toxizität von Helenalin und verwandten reaktiven Sesquiterpenlaktonen ist experimentell nachgewiesen. Die innere Anwendung ist deshalb nicht zugelassen.
EVIDENZ
Für Arnika besteht eine plausible pharmakologische Grundlage, insbesondere durch Sesquiterpenlaktone wie Helenalin mit entzündungshemmenden Mechanismen. Die klinische Evidenz zur topischen Anwendung ist insgesamt begrenzt und uneinheitlich. Unterschiedliche Präparate, Konzentrationen und Studiendesigns erschweren eine klare Bewertung.
Die HMPC-Einstufung beruht ausdrücklich auf traditioneller Anwendung und nicht auf einer gesicherten klinischen Wirksamkeit im Sinn eines well-established use. Arnika ist deshalb vor allem als traditionelle äusserliche Arzneipflanze bei Blutergüssen, Verstauchungen und lokalisierten Muskelschmerzen einzuordnen.
- HMPC – Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur. Die spezifische Monographieseite zu Arnicae flos führt Arnikablüten-Zubereitungen zur äusserlichen Anwendung im Sinn des traditional use bei Blutergüssen, Verstauchungen und lokalisierten Muskelschmerzen.
- PMC: Smith A. G. et al. 2021 – Übersichtsarbeit zu klinischen Studien, möglichen Wirkmechanismen und Nebenwirkungen von Arnika als ergänzende äusserliche Anwendung bei Schmerzen.
- PubMed: Pumpa K. L. et al. – kontrollierte Studie zur äusserlichen Anwendung von Arnika bei verzögert auftretendem Muskelkater nach intensiver exzentrischer Belastung.
- PubMed: Adkison J. D. et al. – klinische Studie zu topischer Arnika bei Muskelschmerzen nach exzentrischer Belastung; Beispiel für die uneinheitliche Studienlage.
Zusammenfassend ist die Evidenz für Arnika bei äusserlicher Anwendung als traditionell gut begründet, klinisch aber nur begrenzt und uneinheitlich belegt einzustufen. Die Anwendung sollte sich auf geeignete äusserliche Zubereitungen, unverletzte Haut und kurze Behandlungszeiträume beschränken.
ANWENDUNG
Medizinisch steht heute die äusserliche Anwendung von Arnikazubereitungen bei stumpfen Verletzungen und lokalen Muskelbeschwerden im Vordergrund. Die traditionelle Bewertung wird durch Kommission E, ESCOP und HMPC gestützt, wobei die HMPC Arnika als traditionelles pflanzliches Arzneimittel einstuft.
Anerkannte beziehungsweise traditionelle medizinische Anwendungen:
- Die Kommission E nennt für die äusserliche Anwendung Verletzungs- und Unfallfolgen wie Hämatome, Distorsionen, Prellungen, Quetschungen und Frakturödeme sowie rheumatische Muskel- und Gelenkbeschwerden.
- Die ESCOP beurteilt Arnikablüten positiv für äusserliche Anwendungen bei stumpfen Verletzungen und lokalen Beschwerden des Bewegungsapparates.
- Das HMPC führt für Arnicae flos eine Monographie und stuft Arnikablüten-Zubereitungen als traditionelle pflanzliche Arzneimittel zur äusserlichen Anwendung bei Blutergüssen, Verstauchungen und lokalisierten Muskelschmerzen ein.
Zubereitungen aus Arnika werden vielfach als Gel, Salbe, Creme oder verdünnte Tinktur gegen Prellungen, Blutergüsse, Verstauchungen sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden angewendet. Entscheidend ist eine sachgerechte äusserliche Anwendung auf unverletzter Haut.
Volkstümliche Anwendungen:
Arnikablüten und ihre Zubereitungen wurden volksmedizinisch auch bei
Indikationen verwendet, die heute nicht anerkannt sind. Dazu zählen
unter anderem Anwendungen bei Uterusblutungen, Herzbeschwerden oder
Erschöpfungszuständen. Für diese Indikationen liegen keine ausreichenden
klinischen Belege vor; zudem ist die innerliche Anwendung von Arnika
wegen möglicher Toxizität nicht zulässig.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Arnika (Arnica montana) wird ausschliesslich äusserlich angewendet. Eine innerliche Anwendung ist wegen potenziell toxischer Inhaltsstoffe, insbesondere der Sesquiterpenlaktone, nicht zugelassen.
Arnikatinktur:
Arnikatinktur wird für Umschläge in der Regel verdünnt angewendet.
Traditionelle Angaben nennen für Umschläge eine 3- bis 10fache
Verdünnung mit Wasser. Für Mundspülungen wurden früher stärkere
Verdünnungen beschrieben; wegen Reizpotenzial und Sicherheitsfragen
ist eine solche Anwendung heute zurückhaltend zu beurteilen.
Arnika-Gel / Arnika-Salbe:
Fertigpräparate werden gemäss Packungsbeilage dünn auf die betroffene
Stelle aufgetragen, beispielsweise bei Prellungen, Blutergüssen,
Zerrungen sowie Muskel- oder Gelenkbeschwerden.
Arnika-Salben und ölhaltige Zubereitungen:
Salben mit Arnikatinktur oder ölhaltige Arnikazubereitungen werden
äusserlich auf unverletzte Haut aufgetragen. Die Konzentration und
Anwendungshäufigkeit richten sich nach der jeweiligen Zubereitung.
Behandlungsdauer:
Die Anwendung sollte auf wenige Tage begrenzt werden. Bei starken,
anhaltenden, wiederkehrenden oder unklaren Beschwerden ist eine
ärztliche Abklärung erforderlich.
Wichtiger Hinweis: Arnika nicht auf offene Wunden, verletzte Haut, Schleimhäute oder in die Augen bringen. Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Korbblütler (Asteraceae) ist Arnika kontraindiziert. Innere Einnahme ist nicht erlaubt.
SICHERHEIT
Arnika sollte wegen ihres Reiz- und Allergiepotenzials sachgerecht und ausschliesslich äusserlich angewendet werden. Besonders wichtig ist die Abgrenzung zwischen geeigneten äusserlichen Zubereitungen und der nicht zulässigen innerlichen Anwendung.
Wichtige Hinweise:
- nicht innerlich anwenden
- nicht auf offene Wunden oder verletzte Haut auftragen
- Kontakt mit Augen und Schleimhäuten vermeiden
- nicht über längere Zeit ohne Unterbrechung anwenden
- bei Korbblütler-Allergie nicht anwenden
Mögliche Nebenwirkungen:
- Hautreizungen
- Rötungen
- Juckreiz
- allergische Kontaktdermatitis, besonders bei Korbblütler-Allergie
Bei Schwangerschaft, Stillzeit, empfindlicher Haut oder Anwendung bei Kindern sollte vorher fachlicher Rat eingeholt werden. Bei Hautreaktionen oder Verschlechterung der Beschwerden ist die Anwendung zu beenden.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: positive Bewertung
- HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Arnicae flos)
ARNIKA IM GARTEN
Arnika galt lange Zeit als nicht kultivierbar, heute kann man sie anbauen. Die Pflanze ist sehr empfindlich gegenüber bestimmten Bodentypen. Am besten wächst sie auf lockeren, humosen, phosphorarmen und gut durchlüfteten Böden. Ausreichend Wasser ist nötig, aber stehendes Wasser wird nicht vertragen.
Der Boden sollte im leicht sauren bis neutralen Bereich liegen. Der freie Kalkanteil im Boden darf nicht höher als 1,5 Prozent sein. Arnika verträgt durchaus ausgiebige Sonnenbestrahlung und heftige Niederschläge. Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung.
Saure und magere Wiesen sind also der ideale Standort für die recht seltene Heilpflanze. Moorböden sind ebenfalls beliebt. Das Bergwohlverleih bildet bei guten Bedingungen durch vegetative Vermehrung relativ schnell kleine Horste aus. Arnica montana ist selten in einem Garten zu finden und ist deshalb immer ein Blickfang. Schmetterlinge und andere Insekten mögen die Pflanze sehr.
Mehrere Arnikablüten (Arnica montana) in voller Blüte
Die Arnika ist eine sehr anspruchsvolle Gartenpflanze und entsprechend schwer zu ziehen. Berg-Wohlverleih verträgt keine Düngung und kein kalkhaltiges Wasser. In meinem Garten habe ich Mühe, eine stabile Population zu etablieren.
PS: Mai 2020
Nun haben wir kaltes und nasses Wetter. Trotzdem entwickelt sich die
Arnika (Arnica montana) weiterhin sehr gut. Im Garten blüht
sie direkt neben der
Rostblättrigen Alpenrose
(Rhododendron ferrugineum).
Arnika (Arnica montana) im Gartenbeet
SONSTIGES
Arnica montana zählt zu den alten Zauberpflanzen. Einige volkstümliche Namen deuten darauf hin, zum Beispiel Donnerwurz oder Wolfsbanner. Im Kult der Sommersonnenwende spielte die Arnika früher eine bedeutende Rolle. Am 24. Juni, also dem Tag der Sonnenwende, galten Arnikablüten als besonders heilkräftig.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Beinwell (Symphytum officinale) – äusserlich bei Prellungen, Verstauchungen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen.
- Ringelblume (Calendula officinalis) – traditionell bei entzündlichen Hautveränderungen und zur Unterstützung der Wundheilung.
- Schafgarbe (Achillea millefolium) – traditionell bei entzündlichen Haut- und Schleimhautbeschwerden.
- Johanniskraut (Hypericum perforatum) – äusserlich als Ölzubereitung bei stumpfen Verletzungen und Muskelbeschwerden.
FAQ
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Wofür wird Arnika angewendet?
Arnika (Arnica montana) wird äusserlich bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Blutergüssen und Verstauchungen sowie bei lokalen Muskel- und Gelenkbeschwerden angewendet. Die Anwendung erfolgt meist als Gel, Salbe oder verdünnte Tinktur. -
Darf Arnika innerlich angewendet werden?
Nein. Arnika darf nicht innerlich eingenommen werden. Sesquiterpenlaktone wie Helenalin können toxisch wirken. Arnika ist daher ausschliesslich zur äusserlichen Anwendung bestimmt. -
Wie gut ist die Wirkung von Arnika belegt?
Für Arnika besteht eine pharmakologische Plausibilität und eine lange traditionelle Anwendung. Die klinische Evidenz zur äusserlichen Anwendung ist jedoch uneinheitlich; die HMPC-Einstufung beruht auf traditional use. -
Wie wird Arnika richtig angewendet?
Arnika wird als Gel, Salbe oder verdünnte Tinktur dünn auf die betroffene Hautstelle aufgetragen. Die Anwendung erfolgt nur äusserlich und nur auf unverletzter Haut. -
Welche Nebenwirkungen kann Arnika verursachen?
Bei äusserlicher Anwendung können Hautreizungen, Rötungen, Juckreiz oder allergische Kontaktdermatitis auftreten. Besonders Personen mit einer Allergie gegen Korbblütler sollten Arnika nicht anwenden.
Letzte Änderung: 28.04.2026 / © W. Arnold






