Beinwell - Symphytum officinale
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe / Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung & Dosierung | Sicherheit | Status | Beinwell im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Beinwell wird heute vor allem äusserlich als Salbe, Gel oder Creme bei leichten Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden angewendet. Verwendet werden vorzugsweise standardisierte und kontrollierte Beinwellwurzel-Extrakte.
Die innerliche Anwendung der Beinwellwurzel (z. B. als Tee, Pulver, Tinktur oder Kapseln) ist aufgrund des Gehalts an toxischen Pyrrolizidinalkaloiden heute nicht empfohlen.
Echter Beinwell, Schwarzwurz, Wallwurz, Comfrey, Beinwurz, Bienenkraut, Schadheilwurzel, Schmalwurz, Wundallheil.
VORKOMMEN
Der Echte Beinwell kommt im grössten Teil Europas, in Westasien und
Kleinasien vor. In Europa ist die Pflanze häufig an feuchten Stellen,
insbesondere an Bachufern, Gräben, feuchten Wiesen und nährstoffreichen
Ruderalstandorten zu finden.
Der Wallwurz ist eine beliebte und schöne Gartenpflanze; Handelsware stammt
überwiegend aus gewerbsmässigem Anbau. An eher schattigen Standorten im
Garten kann Beinwell lange ausdauernde Bestände bilden. Hummeln und andere
langrüsselige Insekten besuchen die Blüten regelmässig.
MERKMALE
Beinwell ist eine 30-100 cm hohe Staude mit rübenförmiger Wurzel und borstiger Behaarung. Die Blätter sind breitlanzettlich, herablaufend und wechselständig. Der Wurzelstock besteht aus gedrungenen, braunen Hauptwurzeln, die eine Länge von bis zu 60 Zentimetern erreichen können. Die Blüten erscheinen in reichblütigen Doppelwickeln und besitzen glockige Röhren. Die Blütenfarbe reicht von gelblichweiss bis rötlichviolett. Die vegetative Vermehrung erfolgt durch Verzweigung des Rhizoms. Die Pflanze blüht meist von Mai bis Juli. Jede Blüte besitzt fünf Staubblätter.
Bei uns kommen mehrere Unterarten beziehungsweise Varietäten des Beinwells vor:
- Echter Beinwell (Symphytum officinale subsp. officinale)
- Sumpfbeinwell (Symphytum officinale subsp. uliginosum)
- Weisser Beinwell (Symphytum officinale subsp. bohemicum)
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Symphyti radix (syn. Radix Consolidae, Radix Symphyti);
Beinwellwurzel, die frische oder getrocknete Wurzel von
Symphytum officinale.
Medizinisch relevant sind heute vor allem standardisierte Zubereitungen zur äusserlichen Anwendung. Wegen der Pyrrolizidinalkaloide werden bevorzugt PA-arme oder PA-freie beziehungsweise entsprechend kontrollierte Extrakte verwendet.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Wichtige Inhaltsstoffe der Beinwellwurzel sind Allantoin, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Rosmarinsäure, Chlorogensäure, Kaffeesäure und Cholin. Der Allantoingehalt kann jahreszeitlich schwanken; in älteren Angaben werden etwa 0,6 bis 0,8 % im Frühjahr beschrieben. Nachgewiesen wurden ausserdem Triterpenoide wie Isobanerenol und β-Sitosterin sowie kleine Mengen verschiedener Alkaloide und Glykoalkaloide.
Toxikologisch besonders wichtig sind die Pyrrolizidinalkaloide. Diese Stoffgruppe begrenzt die Anwendung deutlich und ist der Hauptgrund, weshalb Beinwell heute nicht innerlich angewendet wird.
Weitere Inhaltsstoffe sind Kieselsäure, Harz, Asparagin und wenig ätherisches Öl.

PHARMAKOLOGIE
Die pharmakologische Wirkung der Beinwellwurzel wird vor allem mit Allantoin, Rosmarinsäure, Schleimstoffen und weiteren phenolischen Verbindungen in Verbindung gebracht. Beschrieben werden wundheilungsfördernde, reizlindernde, entzündungshemmende, abschwellende und schmerzlindernde Eigenschaften.
Allantoin gilt als geweberegenerierend und epithelisierungsfördernd. Rosmarinsäure und verwandte phenolische Verbindungen tragen zur entzündungshemmenden Wirkung bei. Schleimstoffe können reizlindernde und protektive Effekte auf der Hautoberfläche unterstützen.
Bei sachgemässer äusserlicher Anwendung auf intakter Haut ist die systemische Aufnahme der Pyrrolizidinalkaloide deutlich geringer als bei innerlicher Anwendung. Dennoch bleibt die Anwendung zeitlich zu begrenzen und sollte nur mit geeigneten, kontrollierten Präparaten erfolgen. Die innerliche Anwendung wurde wegen des leberschädigenden Potenzials der Pyrrolizidinalkaloide aufgegeben.
EVIDENZ
Die Evidenz zu Beinwell (Symphytum officinale) betrifft vor allem die äusserliche Anwendung standardisierter Beinwellwurzel-Extrakte. Sie beruht auf traditioneller Anwendung, pharmakologischer Plausibilität, regulatorischer Bewertung und mehreren klinischen Studien zu definierten Extrakten.
Randomisierte kontrollierte Studien zeigten bei akuten Rückenschmerzen und Sprunggelenksdistorsionen eine Verminderung von Schmerz, Schwellung und Bewegungseinschränkung. Die Aussagekraft gilt für die geprüften Extrakte und Darreichungsformen; sie lässt sich nicht ohne Weiteres auf selbst hergestellte Zubereitungen oder auf innerliche Anwendungen übertragen.
- PubMed: Giannetti B. et al. – randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit einer Beinwellwurzel-Extrakt-Salbe bei akuten Rückenschmerzen.
- PubMed: Koll R. et al. – multizentrische, randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie zu Beinwellwurzel-Extrakt bei Sprunggelenksdistorsionen mit Reduktion von Schmerz, Schwellung und Bewegungseinschränkung.
- PubMed: Staiger C. – Review zu Beinwellwurzel zwischen traditioneller Anwendung, moderner klinischer Prüfung und äusserlicher Anwendung bei Muskel- und Gelenkbeschwerden.
- HMPC – Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur. Die spezifische Monographieseite zu Symphyti radix führt Beinwellwurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur äusserlichen Anwendung bei leichten Prellungen und Verstauchungen.
- ESCOP – europäische Fachgesellschaft für wissenschaftliche Monographien zu pflanzlichen Arzneidrogen.
Zusammenfassend ist die Evidenz für die äusserliche Anwendung standardisierter Beinwellwurzel-Extrakte bei bestimmten akuten Muskel- und Gelenkbeschwerden als moderat bis gut einzustufen. Gleichzeitig bleibt die Sicherheit wegen der Pyrrolizidinalkaloide zentral: Die Anwendung soll äusserlich, zeitlich begrenzt und vorzugsweise mit PA-armen oder PA-freien Präparaten erfolgen.
ANWENDUNG
Anerkannte beziehungsweise gut belegte medizinische Anwendungen:
- Die Kommission E nennt für die äusserliche Anwendung Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen. Die Wirkung wird als entzündungshemmend und kallusbildungsfördernd beschrieben.
- Die ESCOP nennt die äusserliche Anwendung bei Schwellungen und Schmerzen von Gelenken und Muskeln, unter anderem bei Arthrose, akuten Rückenschmerzen, Muskelzerrungen, Prellungen, Verstauchungen, schmerzhaftem Reizzustand der Sehnenansätze, Sehnenscheidenentzündung und Schultergelenkentzündung.
- Das HMPC führt für Symphyti radix eine Monographie und stuft Beinwellwurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur äusserlichen Anwendung bei leichten Verstauchungen und Prellungen ein.
Zubereitungen aus der Beinwellwurzel werden traditionell als äusserliche Mittel bei stumpfen Verletzungen, Muskel- und Gelenkbeschwerden, schmerzhaften Schwellungen und Reizzuständen des Bewegungsapparates eingesetzt. Die Anwendung erfolgt überwiegend in Form von Salben, Gelen oder Cremes. Selbst hergestellte Breiumschläge sind wegen fehlender Standardisierung und möglicher Pyrrolizidinalkaloid-Belastung heute deutlich kritischer zu beurteilen als kontrollierte Fertigpräparate.

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Beinwell wird vor allem zu Salben, Gelen und Cremes verarbeitet. Verwendet
werden standardisierte, in der Regel pyrrolizidinalkaloid-arme oder
pyrrolizidinalkaloid-freie Extrakte aus Beinwellwurzeln.
Bei äusserlicher Anwendung auf intakter Haut ist die Aufnahme problematischer
Alkaloide deutlich geringer als bei innerlicher Anwendung. Dennoch soll die
Anwendung zeitlich begrenzt und gemäss Packungsbeilage erfolgen.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Beinwell wird heute medizinisch ausschliesslich äusserlich angewendet, vorzugsweise in Form von geprüften Fertigpräparaten wie Salben, Gelen oder Cremes. Diese enthalten standardisierte und kontrollierte Beinwellwurzel-Extrakte.
Die Anwendung erfolgt gemäss den Angaben des jeweiligen Präparates auf intakter Haut. Für die traditionelle Anwendung von Symphyti radix nennt der HMPC eine Anwendung bei Erwachsenen über einen begrenzten Zeitraum von bis zu 10 Tagen. Längere Anwendungen sollten nicht ohne fachliche Beurteilung erfolgen.
Nicht empfohlen sind selbst hergestellte Tees, Tinkturen, Pulver, Kapseln oder andere innerliche Zubereitungen aus Beinwell. Auch Umschläge aus frischem oder getrocknetem Pflanzenmaterial sind wegen unklarer Pyrrolizidinalkaloid-Gehalte nicht mit standardisierten Fertigpräparaten gleichzusetzen.
SICHERHEIT
Die Sicherheit von Beinwell wird wesentlich durch die Pyrrolizidinalkaloide bestimmt. Diese Stoffgruppe kann leberschädigend wirken und ist der wichtigste Grund, weshalb die innerliche Anwendung von Beinwell heute nicht empfohlen wird.
- Keine innerliche Anwendung als Tee, Pulver, Tinktur, Saft oder Kapsel.
- Nur äusserlich auf intakter Haut anwenden.
- Nicht auf offene Wunden, Schleimhäute oder stark geschädigte Haut auftragen.
- Anwendung zeitlich begrenzen und die Packungsbeilage beachten.
- Für Kinder, Schwangerschaft und Stillzeit nur nach fachlicher Beurteilung geeignet.
- Bei Hautreizungen, allergischen Reaktionen oder Verschlechterung der Beschwerden Anwendung beenden.
PA-arme oder PA-freie Fertigpräparate sind deutlich besser kontrollierbar als selbst hergestellte Zubereitungen. Auch bei solchen Präparaten bleibt die zeitliche Begrenzung der Anwendung wichtig.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: positive Bewertung
- HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Symphyti radix)
- Klinische Studien: positiv für definierte äusserliche Extrakte
BEINWELL IM GARTEN
Egal ob schwerer Lehmboden, leichter Sandboden, feuchter oder trockener,
sonniger oder schattiger Standort, saure oder kalkhaltige Erde:
Beinwell gedeiht in vielen Gartenböden.
Trotzdem bevorzugt Beinwell sumpfige, feuchte und humose Böden.
Er steht nahezu ideal auf feuchten Wiesen neben Sumpfdotterblumen und
Farnen. Gepflanzt wird Beinwell in Abständen von etwa fünfzig
Zentimetern im Frühjahr oder Herbst. Dazu reicht ein Stück Wurzel, das
wenige Zentimeter in den Boden gesteckt wird. Beinwell benötigt nahezu
keine Pflege, da er als Wildpflanze weitgehend von allein wächst.
Auch eine Düngung ist nicht erforderlich, wenn er einen feuchten,
halbschattigen Platz erhalten hat. Beinwell ist mehrjährig und braucht
keinen Winterschutz.
Andere Raublattgewächse wie Ochsenzunge, Borretsch, Natternkopf und Hundszunge sind gute Begleiter im Garten.
SONSTIGES
Beinwell wird seit Jahrhunderten als Heilpflanze verwendet. Der Name Beinwell leitet sich vermutlich von der traditionellen Anwendung bei Knochen- und Gewebeverletzungen ab. Auch bei Verletzungen von Bändern oder Sehnen wurde dem Beinwell früher grosse Heilwirkung zugeschrieben. Der Gattungsname Symphytum und der in älteren Werken gebräuchliche Name Consolida beziehen sich sinngemäss auf das Zusammenwachsen.
Die historische Bedeutung erklärt viele volkstümliche Namen wie Wallwurz, Beinwurz oder Wundallheil. Die heutige Anwendung ist jedoch enger gefasst und sicherheitsorientiert: äusserlich, zeitlich begrenzt und vorzugsweise mit kontrollierten Fertigpräparaten.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Arnika (Arnica montana) – klassische Heilpflanze bei Prellungen, Zerrungen und Blutergüssen mit entzündungshemmender Wirkung.
- Ringelblume (Calendula officinalis) – wundheilungsfördernd und entzündungshemmend bei Hautreizungen und kleineren Verletzungen.
- Johanniskraut (Hypericum perforatum) – äusserlich traditionell bei Prellungen, Muskelbeschwerden und nervennahen Schmerzen eingesetzt.
- Zaubernuss (Hamamelis virginiana) – adstringierend und entzündungshemmend bei Hautreizungen und oberflächlichen Beschwerden.
- Weide (Salix alba) – salicylathaltige Arzneipflanze mit schmerzlindernder und entzündungshemmender Wirkung.
FAQ
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Wofür wird Beinwell medizinisch angewendet?
Beinwell wird heute vor allem äusserlich als Salbe, Gel oder Creme bei leichten Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen angewendet. Klinische Studien untersuchten ausserdem standardisierte Beinwellwurzel-Extrakte bei akuten Rückenschmerzen und Sprunggelenksdistorsionen. -
Welche Inhaltsstoffe sind in Beinwell enthalten?
Zu den wichtigen Inhaltsstoffen der Beinwellwurzel gehören Allantoin, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Rosmarinsäure, Chlorogensäure, Kaffeesäure, Cholin und Pyrrolizidinalkaloide. -
Warum wird Beinwell nicht innerlich angewendet?
Beinwell enthält Pyrrolizidinalkaloide, die leberschädigend wirken können. Deshalb wird die innerliche Anwendung als Tee, Pulver, Tinktur oder Kapsel heute nicht empfohlen. -
Wie lange sollte Beinwell äusserlich angewendet werden?
Die äusserliche Anwendung sollte zeitlich begrenzt erfolgen. Für die traditionelle Anwendung von Symphyti radix nennt der HMPC eine Anwendung bei Erwachsenen bis zu 10 Tagen; zusätzlich sind die Angaben des jeweiligen Präparates zu beachten. -
Darf Beinwell auf offene Wunden aufgetragen werden?
Beinwellpräparate sollten nicht auf offene Wunden, Schleimhäute oder verletzte Haut aufgetragen werden. Die Anwendung erfolgt nur äusserlich auf intakter Haut.
Letzte Änderung: 28.04.2026 / © W. Arnold







