Ringelblume (Calendula officinalis)
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die anerkannte medizinische Anwendung der Ringelblumenblüten (Calendulae flos) besteht in der lokalen äusserlichen Behandlung kleiner Hautentzündungen, kleiner Wunden sowie leichter Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Die HMPC-Einstufung beruht auf traditioneller Anwendung; klinische Studien wurden berücksichtigt, reichen jedoch nicht für eine Einstufung als gesicherte, gut belegte Anwendung aus.
Calendula officinalis (syn. Caltha officinalis);
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Ringelblume (syn. Feminell, Goldblume, Goldrose, Marienrose, Studentenblume, Totenblume, Weckbröselchen)
VORKOMMEN
Die ursprüngliche Herkunft der Ringelblume (Calendula officinalis) ist nicht eindeutig geklärt; als wahrscheinliches Ursprungsgebiet gilt der Mittelmeerraum. Vermutlich ist sie durch züchterische Selektion aus der im Mittelmeergebiet heimischen Calendula arvensis hervorgegangen.
Die Ringelblume wird seit Jahrhunderten als Zier- und Heilpflanze kultiviert und ist heute in ganz Europa weit verbreitet. In Mitteleuropa tritt sie gelegentlich verwildert auf, gilt jedoch als Adventivpflanze und ist nicht dauerhaft eingebürgert. Verwilderte Bestände sind meist unbeständig.
Als Standort bevorzugt die Ringelblume nährstoffreiche, lockere Böden, Schuttflächen sowie Garten- und Ruderalstandorte. In Mitteleuropa findet man sie vor allem in der collinen bis montanen Höhenstufe. In Gärten werden häufig gefülltblühende Sorten mit mehreren Kreisen von Zungenblüten kultiviert.
Calendula officinalis ist eine typische Pflanze des Bauerngartens und wird heute auch in Naturgärten häufig verwendet.
MERKMALE
Die Ringelblume (Calendula officinalis) ist überwiegend eine einjährige, krautige Pflanze; gelegentlich tritt sie auch überwinternd einjährig oder zweijährig auf. Sie erreicht in der Regel Wuchshöhen von etwa 20 bis 60 cm.
Die Pflanze bildet eine bis etwa 20 cm lange Pfahlwurzel mit zahlreichen dünnen Seitenwurzeln aus. Der Stängel ist aufrecht, wenig verzweigt oder nur im oberen Bereich verzweigt, kantig und kurz flaumig behaart.
Die wechselständig angeordneten Blätter sind filzig behaart, 10 bis 15 cm lang und etwa 3 bis 4 cm breit. Die unteren Blätter sind überwiegend spatelförmig, während die oberen Blätter eher lanzettlich geformt sind.
Die Blütezeit der Ringelblume erstreckt sich von Juni bis September. Ein einzelner Blütenkorb ist meist etwa fünf Tage geöffnet. Die Blütenkörbe stehen einzeln an langen Blütenstandsstielen und erreichen Durchmesser von bis zu etwa 5 cm. Die Hüllblätter sind 10 bis 12 mm lang und in einer Anzahl von etwa 12 bis über 40 vorhanden.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Calendulae flos (syn. Flores Calendulae) – Ringelblumenblüten. Medizinisch relevant sind vor allem die getrockneten, vollständig entfalteten Blüten bzw. Zungenblüten.
Calendulae flos cum calyce (syn. Flores Calendulae cum calycibus) – Ringelblumenblüten mit Kelch; zerkleinerte Blütenkörbchen.
Calendulae herba (syn. Herba Calendulae) – Ringelblumenkraut. Es besitzt nicht dieselbe therapeutische Bedeutung wie Calendulae flos.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Calendulae flos (Ringelblumenblüten) enthält eine Vielzahl pharmakologisch relevanter Inhaltsstoffe.
Flavonoide: Die Blüten enthalten überwiegend Flavonolglykoside mit Isorhamnetin und Quercetin als Aglyka sowie freies Isorhamnetin. Der Gesamtgehalt an Flavonoiden kann bis zu etwa 2 % betragen.
Cumarine: Nachgewiesen wurden unter anderem Scopoletin, Umbelliferon und Aesculetin.
Carotinoide: Die charakteristische Färbung der Ringelblumenblüten ist auf ihren Gehalt an Carotinoiden zurückzuführen. Orangeblühende Varietäten enthalten vorwiegend Carotine, während gelb blühende Formen hauptsächlich Xanthophylle aufweisen.
Sterole: Sterole liegen als freie Alkohole, Ester und Glykoside vor. Der Gesamtgehalt beträgt etwa 0,08 %, wovon rund 15–20 % in veresterter Form vorliegen.
Triterpenalkohole: Die getrockneten Blüten enthalten ein Gemisch überwiegend acylierter pentacyclischer Mono-, Di- und Trihydroxytriterpene, die frei oder verestert vorkommen. Zu den identifizierten Verbindungen zählen unter anderem Taraxasterol, Arnidiol und Heliantriol.
Triterpenglykoside: Die Saponoside der Blüten sind Derivate der Oleanolsäure, die stets mit Glucuronsäure verknüpft ist; diese wiederum ist an Glucose oder Galactose gebunden. Die Glykoside werden als Saponoside A bis F bezeichnet.
Ätherisches Öl: Nur in sehr geringen Mengen vorhanden (maximal etwa 0,3 %); es besteht überwiegend aus Sesquiterpenen, unter anderem Cadinol und Jonon.
Calendulae flos cum calyce (Ringelblumenblüten mit Kelch) entspricht in seiner stofflichen Zusammensetzung im Wesentlichen Calendulae flos.
Calendulae herba (Ringelblumenkraut) enthält unter anderem ätherisches Öl, Carotinoide, Saponine, Phytosterole sowie Loliolid, einen bitter schmeckenden Norisoprenoid-Abkömmling.
PHARMAKOLOGIE
Für Zubereitungen aus Ringelblumenblüten (Calendula officinalis, Calendulae flos) wurden in pharmakologischen und experimentellen Untersuchungen mehrere Wirkungen beschrieben.
- entzündungshemmende Effekte, unter anderem durch Modulation entzündlicher Mediatoren
- wundheilungsfördernde Eigenschaften, insbesondere durch Förderung von Granulation und Epithelisierung
- antimikrobielle Wirkungen gegenüber bestimmten Bakterien und Pilzen, überwiegend in In-vitro-Untersuchungen
- epithelregenerierende Effekte auf Haut und Schleimhäute
Diese pharmakologischen Eigenschaften liefern eine plausible Erklärung für die traditionelle und anerkannte Anwendung der Ringelblume bei oberflächlichen Hautschädigungen, entzündlichen Hautveränderungen sowie bei Entzündungen der Schleimhäute. Die experimentelle Datenlage ersetzt jedoch keine robusten klinischen Wirksamkeitsnachweise.
EVIDENZ
Die medizinische Anwendung der Ringelblumenblüten (Calendula officinalis, Calendulae flos) beruht auf einer Kombination aus langjähriger traditioneller Verwendung, pharmakologischer Plausibilität und begrenzten klinischen Untersuchungen. Am besten begründet ist die lokale äusserliche Anwendung bei kleinen Hautentzündungen, kleinen Wunden sowie leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum.
Die HMPC-Einstufung von Calendulae flos erfolgt als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. Das bedeutet, dass die Wirksamkeit als plausibel gilt und eine lange sichere Anwendung belegt ist, dass die klinische Evidenz aber nicht ausreicht, um eine gesicherte Anwendung im Sinne von well-established use abzuleiten.
Klinische Studien zu Ringelblumenpräparaten wurden unter anderem bei Hautreizungen, Wunden, venösen Ulzera, Verbrennungen und Strahlendermatitis untersucht. Insgesamt ist die Studienlage heterogen; methodische Schwächen, unterschiedliche Zubereitungen und verschiedene Endpunkte begrenzen die Aussagekraft. Die stärkste Bewertung bleibt deshalb: traditionelle Anwendung mit guter pharmakologischer Plausibilität und insgesamt günstiger Verträglichkeit.
Quellen:
- HMPC – Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur.
- EMA – Calendulae flos – Monographieseite zur traditionellen Anwendung bei kleinen Hautentzündungen, kleinen Wunden sowie leichten Mund- und Rachenentzündungen.
- PubMed – systematische Übersichtsarbeit zu Calendula officinalis-Extrakten und Wundheilung.
- PubMed – systematische Übersicht zu Ringelblume und Wundheilung mit Schwerpunkt auf randomisierten klinischen Untersuchungen.
- PubMed – Review zu Phytochemie und ethnopharmakologischen Aspekten der Gattung Calendula.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendung
Die medizinisch anerkannte Anwendung der Ringelblumenblüten (Calendulae flos) bezieht sich auf die lokale äusserliche Anwendung. Dazu gehören Hautanwendungen sowie Spülungen oder Gurgellösungen im Mund- und Rachenraum.
- Wirkungen: Förderung der Wundheilung sowie entzündungshemmende und granulationsfördernde Effekte bei lokaler Anwendung.
- Anwendungsgebiete:
- kleine Hautentzündungen, zum Beispiel leichte Reizungen oder Sonnenbrand
- kleine oberflächliche Wunden
- leichte Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut
- Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge zur Bereitung von Aufgüssen sowie galenische Zubereitungen wie Salben, Cremes, Gele, Lösungen, Spülungen und Gurgellösungen.
Calendulae flos cum calyce (Ringelblumenblüten mit Kelch) entspricht in der Anwendung im Wesentlichen Calendulae flos.
Calendulae herba (Ringelblumenkraut) besitzt nicht dieselbe therapeutische Bedeutung wie die Blüten. Für die arzneiliche Anwendung stehen Ringelblumenblüten im Vordergrund.
Traditionelle und volkstümliche Anwendungen
In der Volksheilkunde wurde die Ringelblume über Jahrhunderte in einem deutlich weiteren Anwendungsspektrum eingesetzt. Diese Anwendungen beruhen überwiegend auf traditioneller Erfahrung und sind nicht oder nur unzureichend wissenschaftlich belegt.
Äusserlich: Traditionell bei Haut- und Schleimhautveränderungen wie Riss-, Schnitt-, Quetsch- und schlecht heilenden Wunden, Hautentzündungen, Sonnenbrand, trockenen Dermatosen, Ekzemen, Akne, Frostschäden, Insektenstichen sowie zur allgemeinen Hautpflege.
Innerlich: Traditionell bei Magen-Darm-Beschwerden, Gallen- und Harnwegserkrankungen sowie als schweiss-, harn- oder galletreibendes Mittel. Diese innerlichen Anwendungen gelten aus heutiger Sicht als nicht ausreichend belegt und werden nicht als medizinisch anerkannte Anwendungsgebiete der Ringelblumenblüten bewertet.
In der modernen Phytotherapie findet die Ringelblume vor allem als lokal angewendete Zubereitung Verwendung.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Ringelblumenblüten (Calendulae flos) werden überwiegend zur lokalen äusserlichen Anwendung eingesetzt. Gebräuchliche Zubereitungsformen sind Teeaufgüsse und wässrige Auszüge, alkoholische Tinkturen und Extrakte sowie halbfeste Zubereitungen wie Salben, Cremes oder Gele.
Für Umschläge, Spülungen oder Gurgellösungen werden traditionell 1 bis 2 g Ringelblumenblüten mit etwa 150 ml heissem Wasser übergossen. Der Aufguss wird nach dem Abkühlen lokal angewendet. Bei Fertigpräparaten sind die Angaben der Fach- oder Gebrauchsinformation massgebend.
Bei Beschwerden, die länger als eine Woche bestehen, sich verschlechtern oder mit starken Schmerzen, Fieber, Eiterung oder ausgedehnten Hautveränderungen einhergehen, ist eine medizinische Abklärung notwendig.
SICHERHEIT
Ringelblumenblüten gelten bei sachgemässer lokaler Anwendung als gut verträglich. Eine Anwendung ist zu vermeiden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen Ringelblume oder andere Korbblütler (Asteraceae) bekannt ist.
Möglich sind seltene allergische Reaktionen oder Hautsensibilisierung. Bei Rötung, Juckreiz, Brennen, Ausschlag oder Verschlechterung der Beschwerden sollte die Anwendung beendet werden.
Tiefe, stark verschmutzte, grossflächige, eitrige oder schlecht heilende Wunden sollten nicht ausschliesslich selbst behandelt werden. Für Kinder, Schwangerschaft und Stillzeit sind bei Arzneimitteln die jeweiligen Fach- oder Packungsinformationen zu beachten.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung für Ringelblumenblüten (Calendulae flos) bei entzündlichen Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie schlecht heilenden Wunden.
- ESCOP: Monographie vorhanden für die äusserliche Anwendung von Ringelblumenblüten.
- HMPC: Monographie vorhanden für Calendulae flos; Einstufung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel.
- Calendulae herba: keine entsprechende fertige HMPC-Monographie vorhanden; bei der EMA ist lediglich ein Datenaufruf bzw. Bewertungsverfahren dokumentiert.
RINGELBLUME IM GARTEN
Die Ringelblume bevorzugt einen sonnigen Standort. Ideal sind durchlässige, eher leichte und mässig nährstoffreiche Böden, die auch einen gewissen Sandanteil enthalten dürfen.
Ringelblumen lassen sich aus Samen im zeitigen Frühjahr in der Wohnung vorziehen; bewährt hat sich jedoch die Aussaat ab März direkt ins Freiland. Nicht gefüllte, einfache Formen nahe der Wildform sind aus gärtnerischer und ökologischer Sicht besonders zu empfehlen.
Um die Anfälligkeit für Mehltau zu verringern, sollten Ringelblumen nicht zu dicht gepflanzt werden. Einmal etabliert, sät sich die einjährige und nicht frostharte Ringelblume zuverlässig selbst aus.
Die Ringelblume ist eine anspruchslose, robuste und zugleich dekorative Heilpflanze, die in Bauern-, Natur- und Wildgärten gut zur Geltung kommt.
SONSTIGES
Die Ringelblume zählt zu den alten und bedeutsamen Heilpflanzen Europas. Bereits die Heilige Hildegard von Bingen erwähnte sie in ihren Schriften unter den Namen Ringula oder Ringella.
Der Gattungsname Calendula leitet sich vom lateinischen calendae (erster Tag des Monats) ab und verweist darauf, dass die Pflanze über einen langen Zeitraum hinweg immer wieder neue Blüten ausbildet.
In der Volksüberlieferung ist die Ringelblume zudem als „Orakelblume“ bekannt und wird traditionell für das Abzählen von Liebesorakeln verwendet. Aberglauben zufolge soll das Abpflücken der Blüten Gewitter heraufbeschwören.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Kamille (Matricaria recutita) – bei Hautreizungen sowie im Mund- und Rachenraum.
- Zaubernuss (Hamamelis virginiana) – adstringierend bei Haut- und Schleimhautbeschwerden.
- Beinwell (Symphytum officinale) – äusserlich zur Unterstützung der Regeneration bei Verletzungen und Reizzuständen.
- Arnika (Arnica montana) – äusserlich bei stumpfen Verletzungen und entzündlichen Beschwerden.
- Salbei (Salvia officinalis) – bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum.
FAQ
- Wofür werden Ringelblumenblüten medizinisch angewendet?
Ringelblumenblüten (Calendulae flos) werden lokal äusserlich bei kleinen Hautentzündungen, kleinen Wunden sowie bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum angewendet. - Welche Wirkungen werden der Ringelblume zugeschrieben?
Bei lokaler Anwendung werden entzündungshemmende, wundheilungsfördernde, granulationsfördernde und epithelregenerierende Effekte beschrieben. Diese Wirkungen sind pharmakologisch plausibel und experimentell gestützt. - Ist die Wirkung der Ringelblume wissenschaftlich belegt?
Die Anwendung der Ringelblume beruht auf langjähriger traditioneller Verwendung, pharmakologischer Plausibilität und begrenzten klinischen Daten. Die HMPC-Einstufung erfolgt als traditionelle Anwendung, nicht als well-established use. - Darf Ringelblume innerlich angewendet werden?
Die medizinisch relevante Anwendung der Ringelblumenblüten bezieht sich auf lokale äusserliche Anwendung. Spülungen und Gurgellösungen im Mund- und Rachenraum gelten als lokale Anwendung. Andere innerliche Anwendungen sind nicht ausreichend belegt. - Gibt es Gegenanzeigen oder Nebenwirkungen?
Ringelblumenblüten dürfen bei Überempfindlichkeit gegen Ringelblume oder andere Korbblütler nicht angewendet werden. Selten sind allergische Reaktionen oder Hautsensibilisierung möglich. - Welche Pflanzenteile werden medizinisch verwendet?
Medizinisch verwendet werden vor allem die Blüten der Ringelblume (Calendulae flos). Das Ringelblumenkraut (Calendulae herba) besitzt nicht dieselbe therapeutische Bedeutung.
Letzte Änderung: 28.04.2026 / © W. Arnold






