Rosmarin – Salvia rosmarinus (syn. Rosmarinus officinalis)

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe / Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Wissenschaftliche Evidenz | Status | Rosmarin im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | Häufige Fragen zu Rosmarin

Rosmarin wird traditionell innerlich bei dyspeptischen Beschwerden eingesetzt. Äusserlich wird Rosmarin (insbesondere als Öl in Zubereitungen) unterstützend bei rheumatischen Beschwerden und leichten Kreislaufproblemen verwendet. Je nach Quelle (Kommission E, ESCOP, HMPC/EMA) unterscheiden sich die Bewertungen und Indikationen.

Botanischer Name: Salvia rosmarinus (syn. Rosmarinus officinalis; weitere Synonyme: R. angustifolius, R. flexuosus).

Rosmarin (Rosmarinus officinalis, syn. Salvia rosmarinus) – Zweig mit nadelförmigen Blättern

Echter Rosmarin (Rosmarinus officinalis) im Steingarten – mediterrane Heilpflanze

VORKOMMEN

Rosmarin wächst ursprünglich im westlichen und zentralen Mittelmeerraum wild, insbesondere in sonnigen Küstenregionen von Portugal bis zum Ionischen Meer. Auch im östlichen Mittelmeergebiet sowie am Schwarzen Meer wird die Art seit der Antike kultiviert und tritt regional verwildert auf, teilweise sogar bestandsbildend (z. B. auf Santorin).

Bevorzugt werden sonnige, trockene und kalkreiche Standorte mit gut durchlässigem Boden; Rosmarin ist ausgesprochen trockenheitsverträglich.

MERKMALE

Rosmarin ist ein immergrüner, buschig verzweigter Strauch mit intensiv aromatischem Duft. Er erreicht Wuchshöhen von etwa 0,5 bis 2 m. Die Äste sind braun, verholzend und meist aufrecht.

Die Blüten können – je nach Klima – nahezu das ganze Jahr über erscheinen. Sie stehen in zwei- bis zehnblütigen, sternhaarig-filzigen Scheinquirlen und sind meist hellblau bis violett gefärbt.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Rosmarini aetheroleum – Rosmarinöl
2. Rosmarini folium – Rosmarinblätter
3. Flores Rosmarini – Rosmarinblüten

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Rosmarini aetheroleum – Das ätherische Öl enthält vor allem 1,8-Cineol (ca. 15–55 %), Campher (10–25 %), α-Pinen (15–25 %), Camphen (5–10 %) und Borneol (ca. 2 %). Daneben sind weitere Monoterpene, Monoterpenole, Sesquiterpene, Ketone und Ester enthalten.

2. Rosmarini folium – Die Blätter enthalten etwa 1–2,5 % ätherisches Öl (u. a. Cineol, Campher, Borneol, Bornylacetat, Terpineol). Daneben finden sich phenolische Diterpene (Carnosolsäure, Carnosol), phenolische Säuren (v. a. Rosmarinsäure), Flavonoide, sowie Bitterstoffe, Harzstoffe und geringe Mengen weiterer sekundärer Pflanzenstoffe.

3. Flores Rosmarini – Die Blüten enthalten geringe Mengen ätherischen Öls; eine medizinische Verwendung ist jedoch nicht etabliert.

Rosmarin – wichtige Inhaltsstoffe: Rosmarinsäure und Campher

PHARMAKOLOGIE

Das ätherische Öl des Rosmarins (Rosmarinus officinalis) zeigt eine ausgeprägte Chemotypen-Variabilität. Abhängig von Standort, Höhenlage, Klima und Bodenbeschaffenheit entstehen unterschiedliche Zusammensetzungen des ätherischen Öls, die sich in ihren pharmakologischen Eigenschaften deutlich unterscheiden können.

Chemotyp 1,8-Cineol:
Dieser Chemotyp enthält überwiegend Oxide (ca. 45 %, vor allem 1,8-Cineol) sowie etwa 30 % Monoterpene. Daneben finden sich Sesquiterpene, Monoterpenole, Phenole, Ketone und Ester. Pharmakologisch steht eine sekretolytische, mukolytische und leicht antiseptische Wirkung im Vordergrund.

Chemotyp Verbenon:
Dieser Chemotyp ist durch einen hohen Anteil an Monoterpenen (ca. 50 %) sowie Ketonen (ca. 15 %, v. a. Verbenon) gekennzeichnet. Weitere Bestandteile sind Monoterpenole, Ester und Oxide. Ihm werden eher regulierende und mild stimulierende Wirkungen zugeschrieben.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen:

  • Kommission E:
    Innerliche Anwendung: bei dyspeptischen Beschwerden (Verdauungsstörungen im Oberbauch).
    Äusserliche Anwendung: bei Kreislaufbeschwerden sowie zur unterstützenden Therapie rheumatischer Erkrankungen.
  • ESCOP:
    Zur Verbesserung der Leber- und Gallefunktion sowie bei dyspeptischen Beschwerden.
    Äusserlich: zur unterstützenden Therapie rheumatischer Erkrankungen, bei Kreislaufbeschwerden sowie als leichtes Antiseptikum zur Förderung der Wundheilung.
  • HMPC (EMA) – Rosmarinblätter
    HMPC (EMA) – Rosmarinöl
    Rosmarinblätter (Rosmarini folium) und Rosmarinöl (Rosmarini aetheroleum) sind als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft in der Europäischen Union.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Volksmedizinische Anwendung

In der Volks- und Naturheilkunde wird Rosmarin innerlich vor allem als Tee zur Förderung der Kreislauftätigkeit sowie bei dyspeptischen Beschwerden (z. B. Blähungen, Völlegefühl) eingesetzt. Ihm werden anregende Effekte auf die Durchblutung sowie auf die Sekretion von Magen- und Darmsäften zugeschrieben. Zudem gilt Rosmarin traditionell als galle- und harntreibend und wird als Appetitanreger verwendet.

In Teemischungen wird Rosmarin häufig kombiniert mit Schafgarbe, Bitterorange, Tausendgüldenkraut, Anis, Basilikum, Koriander und Fenchel.

Dosierung und Warnhinweise

Zu hohe Dosen von Rosmarin können unerwünschte Wirkungen wie Unruhe, Krampfzustände oder zentrale Reizerscheinungen hervorrufen. Als obere Richtwerte gelten:

  • bis zu 6 g Rosmarinblätter pro Tag für Teeaufgüsse
  • ätherisches Rosmarinöl nur äusserlich, stark verdünnt
  • bis zu 50 g Droge für Badezusätze

Schwangeren wird von der innerlichen Anwendung abgeraten, insbesondere aufgrund der potenziell uterusreizenden Wirkung hoher Dosen.

Äusserliche Anwendung

Gemäss dem Europäischen Arzneibuch besitzt Rosmarinöl eine antimikrobielle Aktivität gegenüber verschiedenen Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen. Auf der Haut wirkt es durchblutungsfördernd und leicht reizend.

Bei Kreislaufbeschwerden, rheumatischen Erkrankungen, Zerrungen und muskulären Beschwerden werden 6–10 %ige Zubereitungen in Form von Badezusätzen, Einreibungen oder Salben verwendet.

In Fertigpräparaten wie Dul-X® Emulsion und Crème ist Rosmarinöl u. a. in Kombination mit Anis, Eukalyptus, Scheinbeere, Pfefferminze, Thymian und Arnika enthalten.

WISSENSCHAFTLICHE EVIDENZ

Die europäische Bewertung durch das HMPC der EMA stuft Rosmarinblätter (Rosmarini folium) und Rosmarinöl (Rosmarini aetheroleum) als traditionelle pflanzliche Arzneimittel ein. Das bedeutet: Die Anwendungsgebiete sind ausschliesslich aufgrund langjähriger Verwendung anerkannt; eine klinische Evidenz im Sinn von „well-established use“ ist nicht belegt.

  • Rosmarinblätter (EU-HMPC Monographie, Revision 1): traditionell zur symptomatischen Linderung dyspeptischer Beschwerden sowie als Badzusatz bei leichten Muskel-/Gelenkschmerzen und leichten peripheren Durchblutungsstörungen.
    EMA/HMPC EU-Monographie Rosmarini folium (PDF)
  • Rosmarinöl (EU-HMPC Monographie, Revision 1): traditionell zur Linderung leichter Muskel-/Gelenkschmerzen und bei leichten peripheren Durchblutungsstörungen (äusserlich, verdünnte Zubereitungen).
    EMA/HMPC EU-Monographie Rosmarini aetheroleum (PDF)
  • Assessment Report (HMPC, Revision 1): Zusammenfassung der herangezogenen Daten (historische Nutzung, nicht-klinische Daten, begrenzte klinische Daten) und Begründung der Einstufung als „traditional use“.
    EMA/HMPC Assessment Report (PDF)
  • Referenzliste (HMPC, Revision 1): vollständige Literaturliste zur HMPC-Bewertung.
    EMA/HMPC List of References (PDF)

Fazit: Die regulatorische Anerkennung in der EU basiert primär auf langjähriger Verwendung. Klinische Studien existieren je nach Fragestellung, sind jedoch häufig heterogen; die klinische Relevanz ist insgesamt als begrenzt einzuordnen.

STATUS

ROSMARIN IM GARTEN

Rosmarin ist eine wärme- und sonnenliebende Pflanze, die auch volle Mittagssonne gut verträgt. Er ist mehrjährig, in unseren Breiten jedoch nur bedingt winterhart. Rosmarin ist in gut sortierten Gärtnereien problemlos als Jungpflanze erhältlich.

Der ideale Boden für Rosmarin ist locker, sandig und gut durchlässig, am besten eine Mischung aus vorhandener Gartenerde und Sand. Staunässe wird schlecht vertragen, weshalb ein durchlässiger Untergrund besonders wichtig ist. Bewährt hat sich die Pflanzung auf einem kleinen „Hügel“, der zusätzlich mit Kies abgedeckt werden kann.

Rosmarin benötigt nur sparsame Wassergaben. Die Erde sollte gut durchfeuchtet werden, vor der nächsten Wassergabe jedoch wieder abtrocknen. Kurzzeitige Ballentrockenheit wird gut toleriert. Topfpflanzen benötigen gelegentlich eine mässige Düngung.

Als Winterschutz eignen sich Rindenmulch und Vlies. Vor dem Abdecken können die Triebe auf eine Höhe von etwa 10 cm zurückgeschnitten werden. In Töpfen kultivierter Rosmarin sollte an einem hellen, frostfreien Ort überwintert werden.

In meinem Garten wächst Rosmarin gemeinsam mit Lavendel, Salbei, Thymian, Goldrute und Schlüsselblume.

Blühende Rosmarinpflanze im Garten

SONSTIGES

Rosmarin galt seit der Antike als Symbol der Liebe und Treue. In der antiken Kultur spielte er als den Göttern geweihte Pflanze, insbesondere im Zusammenhang mit Aphrodite, eine bedeutende Rolle. Troubadoure überreichten der Dame ihrer Wahl Rosmarin als Zeichen der Zuneigung.

Auch in der Literatur und im Brauchtum findet sich Rosmarin häufig: Ophelia überreicht Hamlet einen Rosmarinkranz als Symbol ihrer Treue, und in Deutschland trugen Bräute lange Zeit einen Rosmarinkranz, bevor die Myrte in der Hochzeitssymbolik verbreitet wurde.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

HÄUFIGE FRAGEN ZU ROSMARIN

Ist Rosmarin als Arzneipflanze anerkannt?

Ja. Rosmarinblätter (Rosmarini folium) und Rosmarinöl (Rosmarini aetheroleum) sind vom HMPC der Europäischen Arzneimittelagentur als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft.

Wofür wird Rosmarin medizinisch angewendet?

Innerlich wird Rosmarin traditionell bei dyspeptischen Beschwerden eingesetzt. Äusserlich findet Rosmarinöl Anwendung bei leichten Muskel- und Gelenkschmerzen sowie bei leichten peripheren Durchblutungsstörungen.

Ist die Wirkung von Rosmarin wissenschaftlich belegt?

Die regulatorische Anerkennung basiert auf langjähriger traditioneller Anwendung. Klinische Studien liegen vor, sind jedoch heterogen; die klinische Evidenz wird insgesamt als begrenzt eingestuft.

Darf Rosmarin innerlich angewendet werden?

Rosmarinblätter können traditionell als Tee verwendet werden. Das ätherische Rosmarinöl ist nicht zur innerlichen Anwendung geeignet und sollte nur äusserlich, stark verdünnt, eingesetzt werden.

Ist Rosmarin für Schwangere geeignet?

Von der innerlichen Anwendung von Rosmarin wird in der Schwangerschaft abgeraten, da hohe Dosen eine uterusreizende Wirkung haben können.

Gibt es Nebenwirkungen?

Bei sachgemässer Anwendung gilt Rosmarin als gut verträglich. Zu hohe Dosen können jedoch Unruhe, Magenbeschwerden oder Krampfzustände verursachen.

Letzte Änderung: 16.02.2026 / © W. Arnold