Süssholz – Glycyrrhiza glabra

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Die anerkannte medizinische Anwendung von Süssholzwurzel ist die unterstützende Therapie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sowie bei Magenschleimhautentzündung und als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchialkatarrh.

Bei längerer Anwendung und hoher Dosierung können Nebenwirkungen (mineralocorticoide Effekte) auftreten.

Glycyrrhiza glabra (syn. Glycyrrhiza officinalis, Liquiritia officinalis);
Süssholz (syn. Deutsches Süssholz, Gemeines Süssholz, Lakritze).

Süssholz (Glycyrrhiza glabra) - Blüte und Blätter

weitere Bilder:

Lakritze, Süssholz (Glycyrrhiza glabra) Süssholz, Lakritze - Glycyrrhiza glabra    

VORKOMMEN

Das Süssholz bevorzugt eher trockene Stellen, vor allem in trockenen Gebüschen, allgemein auf Sand- und Lehmböden. Die Pflanze ist auch auf Sand- und Lehmböden von Flussufern zu finden. Vorkommen vor allem im Mittelmeergebiet, in Westasien, zum Teil kultiviert in europäischen Ländern.

MERKMALE

Süssholz ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 100 Zentimetern erreicht. Die wechselständigen, unpaarig gefiederten Laubblätter besitzen drei bis fünfzehn Fiederblättchen. Die Nebenblätter sind winzig. In achselständigen, ährigen oder traubigen Blütenständen stehen kleine Schmetterlingsblüten und kleine Hochblätter zusammen. Im Spätsommer erscheinen bläulich-violette und weisse Schmetterlingsblüten in kurzen, aufrechten Ähren.
Die Pflanze ist frostempfindlich und bevorzugt volle Sonne und tiefe, humusreiche, durchlässige Erde. Die Wurzeln werden im Herbst geerntet.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Liquiritiae radix (syn. Glycyrrhizae radix, Radix Glycyrrhizae, Radix Liquiritiae); Süssholzwurzel (syn. Lakritzenwurzel, Spanisches Süssholz, Süssholz), die geschälten oder ungeschälten, getrockneten Wurzeln und Ausläufer.
Lakritze ist der Wurzelextrakt des Echten Süssholzes (Glycyrrhiza glabra).

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Lakritze enthält Glycyrrhizin, ein Gemisch aus Ammonium- und Calciumsalzen der Glycyrrhizinsäure. Dieses Glykosid (ein Triterpensaponin), das der Lakritze ihren Geschmack verleiht, besitzt etwa die 50-fache Süsskraft von Rohrzucker. Durch Abspaltung des Diglucuronids entsteht aus Glycyrrhizin die 18-β-Glycyrrhetinsäure, die selbst keine Süsskraft mehr besitzt. In geringer Konzentration sind zahlreiche Triterpensaponine wie das 24-Hydroxyglycyrrhizin und die Sojasaponine I und II enthalten. Neben weiteren Glykosiden wie Glabrinsäure und Oleanolsäurederivate enthält Süssholzwurzel mehr als 40 identifizierte Flavonoide. Hierzu gehören das Chalconderivat Isoliquiritigenin und das zugehörige 4-O-Glycosid Isoliquirtin und das Flavanon Liquiritigenin und sein Glycosid Liquiritin. Auch Isoflavone wie Formononetin, oder auch Sterin und höhere Alkohole sind nachgewiesen worden. Weiterhin sind Cumarine wie beispielsweise das auch in Doldenblütlern wie Liebstöckel vorkommende Umbelliferon enthalten. An flüchtigen Aromastoffen wurden neben anderen Anethol und Geraniol identifiziert. Das saure Polysaccharid Glycyrrhizan GA ist der Hauptbestandteil der weiterhin enthaltenen Polysaccharide.

Inhaltsstoffe des Süssholzes

PHARMAKOLOGIE

Die entzündungshemmenden und krampflösenden Wirkungen sind experimentell gut belegt, klinische Daten sind jedoch begrenzt. Die nachgewiesene entzündungshemmende Wirkung der Glycyrrhizinsäure soll nicht primär durch eine Hemmung der Prostaglandinbiosynthese, sondern durch Einfluss auf die Wanderung der Leukozyten zum Entzündungsort entstehen. Daneben beeinflusst Glycyrrhizinsäure den Steroidstoffwechsel, indem sie das Enzym Steroid-5β-Reduktase, möglicherweise auch die NAD+-abhängige 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase 2, hemmt. Diese Enzyme bauen Cortison und Aldosteron ab; ihre Hemmung führt daher zu einer Verlängerung der biologischen Halbwertszeit der Corticosteroide sowie bei hohem Aldosteronspiegel zu Bluthochdruck und Kaliumverlust.

EVIDENZ

Die Anwendung von Süssholzwurzel ist pharmakologisch gut plausibel. Für expektorierende, sekretolytische und entzündungshemmende Wirkungen liegen vor allem experimentelle Daten vor.

Für Beschwerden der oberen Luftwege und dyspeptische Beschwerden stützt sich die therapeutische Verwendung in Europa wesentlich auf traditionelle Anwendung sowie auf die Monographien von Kommission E, ESCOP und HMPC/EMA (Liquiritiae radix).

Klinische Hinweise auf eine unterstützende Wirkung bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren liegen vor; die klinische Evidenz ist insgesamt jedoch begrenzt. Der HMPC stuft Liquiritiae radix als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein.

Eine gut geeignete Übersichtsarbeit zur Pharmakologie ist: Hosseinzadeh et al. 2015, PubMed.

ANWENDUNG

Angaben der Kommission E:

  • Wirkungen: Glycyrrhizinsäure und das Aglukon der Glycyrrhizinsäure beschleunigen nach kontrollierten klinischen Studien die Abheilung von Magenulcera. Sekretolytische und expektorierende Wirkungen sind im Tierversuch nachgewiesen. Am isolierten Ileumsegment des Kaninchens wurde in einer Konzentration von 1:2500 bis 1:5000 eine spasmolytische Wirkung nachgewiesen.
  • Anwendungsgebiete: Katarrhe der oberen Luftwege und Ulcus ventriculi et duodeni.
  • Nebenwirkungen: Bei längerer Anwendung und höherer Dosierung können mineralocorticoide Effekte in Form einer Natrium- und Wasserretention, Kaliumverlust mit Hypertonie, Ödemen und Hypokaliämie und in seltenen Fällen Myoglobinurie auftreten.
  • Wechselwirkungen: Kaliumverluste durch andere Arzneimittel, z. B. Thiazid- und Schleifendiuretika, können verstärkt werden. Durch Kaliumverluste nimmt die Empfindlichkeit gegen Digitalisglykoside zu.
  • Dosierung: Soweit nicht anders verordnet: mittlere Tagesdosis Süssholz ca. 5–15 g Droge entsprechend 200–600 mg Glycyrrhizin; Succus Liquiritiae: 0,5–1 g bei Katarrhen der oberen Luftwege; 1,5–3,0 g bei Ulcus ventriculi et duodeni; Zubereitungen entsprechend.
  • Art der Anwendung: Klein geschnittene Droge, Drogenpulver, Trockenextrakte für Aufgüsse, Abkochungen sowie flüssige und feste Formen zur oralen Anwendung (Succus liquiritiae).
  • Dauer der Anwendung: Ohne ärztlichen Rat nicht länger als 4–6 Wochen.
  • Hinweis: Gegen die Verwendung der Droge als Geschmackskorrigens bestehen keine Einwände.

Die ESCOP ergänzt die Anwendung wie folgt:

  • Zur unterstützenden Therapie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sowie bei Magenschleimhautentzündung.
  • Als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchialkatarrh.

Die Süssholzwurzel wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Linderung von dyspeptischen Beschwerden, bei Sodbrennen sowie als schleimlösendes Mittel bei erkältungsbedingtem Husten).

Süssholzwurzel wirkt aufgrund der enthaltenen Saponine, vor allem der Glycyrrhizinsäure, expektorierend (auswurffördernd), sekretolytisch (schleimverflüssigend) und sekretomotorisch (schleimlösend). Bei Süssholzextrakten wurden zudem antibakterielle und antimykotische Wirkungen beschrieben. Typische Anwendungsgebiete sind Husten, Bronchialkatarrh und andere Erkrankungen der oberen Atemwege. Bei Gastritis und Magengeschwüren findet die Süssholzwurzel ebenfalls Anwendung.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Soweit nicht anders verordnet:
Mittlere Tagesdosis: Süssholz ca. 5–15 g Droge entsprechend 200–600 mg Glycyrrhizin;
Succus Liquiritiae: 0,5–1 g bei Katarrhen der oberen Luftwege; 1,5–3,0 g bei Ulcus ventriculi et duodeni; Zubereitungen entsprechend.

Süssholzwurzel ist Bestandteil verschiedener pflanzlicher Zubereitungen. Sie wird häufig mit Heilpflanzen wie Thymian, Spitzwegerich, Fenchel, Isländisch Moos und Eibisch kombiniert.

Auch in Zubereitungen zur Unterstützung der Verdauung kann Süssholz enthalten sein, unter anderem zusammen mit Bitterer Schleifenblume, Engelwurz, Kümmel, Kamille, Mariendistel, Pfefferminze, Schöllkraut und Melisse.

STATUS

  • Kommission E: positive Bewertung
  • ESCOP: positive Bewertung
  • HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Liquiritiae radix)

SÜSSHOLZ IM GARTEN

Am wohlsten fühlt sich das Süssholz an voller Sonne, wobei die Pflanze einen windgeschützten Standort bevorzugt. Die robuste, mehrjährige und nicht ganz frostharte Staude bevorzugt tiefgründige, humusreiche und durchlässige Böden, also ohne Staunässe. Dank seines natürlichen Charakters eignet sich Süssholz gut für Wildstaudenpflanzungen oder grosse Staudenbeete. Solange die Staude am richtigen Standort steht, ist sie sehr anspruchslos und pflegeleicht. Dünger braucht das Süssholz nicht, der Boden sollte immer etwas feucht gehalten werden.

SONSTIGES

In Mitteleuropa kennt man Lakritze als Heilmittel seit dem Mittelalter. Später wurde Lakritze in verschiedenen Ländern Europas auch als Süssigkeit populär.

In der traditionellen chinesischen Medizin werden verwandte Süssholz-Arten ebenfalls verwendet. Genannt werden vor allem Glycyrrhiza uralensis und Glycyrrhiza inflata. Sie gelten dort als vielseitig einsetzbare Arzneipflanzen.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Eibisch (Althaea officinalis) – schleimhautschützend bei Reizhusten und Schleimhautreizungen
  • Spitzwegerich (Plantago lanceolata) – reizlindernd bei Husten und Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut
  • Thymian (Thymus vulgaris) – sekretolytisch und antimikrobiell bei produktivem Husten
  • Huflattich (Tussilago farfara) – traditionell bei Husten (mit Sicherheitsaspekten beachten)
  • Kamille (Matricaria recutita) – entzündungshemmend bei Schleimhautreizungen im Magen-Darm-Bereich

FAQ

  • Was ist Süssholz?
    Süssholz (Glycyrrhiza glabra) ist eine Heilpflanze, deren Wurzel (Liquiritiae radix) medizinisch verwendet wird. Der daraus gewonnene Extrakt ist als Lakritze bekannt.
  • Welche Wirkung hat Süssholzwurzel?
    Süssholzwurzel wirkt schleimlösend (expektorierend), entzündungshemmend und schleimhautschützend. Sie wird vor allem bei Husten, Bronchialkatarrh sowie bei Magenbeschwerden eingesetzt.
  • Bei welchen Beschwerden wird Süssholz angewendet?
    Typische Anwendungsgebiete sind Erkältungshusten, Reizungen der oberen Atemwege sowie dyspeptische Beschwerden wie Gastritis oder Sodbrennen. Auch zur unterstützenden Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren wird Süssholzwurzel verwendet.
  • Wie wird Süssholzwurzel dosiert?
    Die übliche Tagesdosis beträgt etwa 5–15 g Droge entsprechend 200–600 mg Glycyrrhizin. Die Anwendung erfolgt meist als Tee, Extrakt oder in anderen pflanzlichen Zubereitungen.
  • Welche Nebenwirkungen sind möglich?
    Bei längerer Anwendung oder hoher Dosierung kann es zu mineralocorticoiden Effekten kommen, insbesondere zu Bluthochdruck, Kaliumverlust und Wassereinlagerungen (Ödemen).
  • Wie lange darf Süssholz angewendet werden?
    Ohne ärztlichen Rat sollte Süssholzwurzel nicht länger als 4–6 Wochen eingenommen werden.
  • Gibt es Wechselwirkungen?
    Süssholz kann Kaliumverluste verstärken, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika. Dadurch kann die Empfindlichkeit gegenüber Digitalisglykosiden erhöht werden.
  • Ist Süssholz für jeden geeignet?
    Personen mit Bluthochdruck, Nierenerkrankungen oder Kaliumstoffwechselstörungen sollten Süssholz nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden.
  • Ist die Wirkung wissenschaftlich belegt?
    Die Wirkungen sind pharmakologisch gut plausibel und experimentell belegt. Die klinische Evidenz ist jedoch begrenzt; die Anwendung beruht teilweise auf traditioneller Verwendung.

Letzte Änderung: 26.03.2026 / © W. Arnold