Hopfen (Humulus lupulus)

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | EVIDENZ | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Status | Hopfen im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Die anerkannten medizinischen Anwendungen von Hopfenzapfen (Lupuli flos) sind die Linderung milder Stresssymptome sowie die Unterstützung des Schlafs. Die klinische Evidenz für Hopfen als Monodroge ist begrenzt; Studien betreffen vor allem Kombinationen mit Baldrianwurzel.

Humulus lupulus (syn. Cannabis lupulus, H. americanus, H. vulgaris, Lupulus communis).

Echter Hopfen (Humulus lupulus)

Hopfenpflanze (Humulus lupulus) mit weiblichen Blütenständen

VORKOMMEN

Der Echte Hopfen ist seit dem 8. Jahrhundert in Mitteleuropa eingebürgert. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet lässt sich heute nicht mehr sicher feststellen. Er wird in allen gemässigten Zonen der Welt kultiviert. Die windende Pflanze findet man auch häufig verwildert an Flussufern, in Auwäldern und Hecken. Kultiviert werden ausschliesslich die weiblichen Pflanzen.

MERKMALE

Humulus lupulus ist eine ausdauernde Pflanze mit sich windenden einjährigen Trieben. Diese können eine Länge von etwa 6 m, in Kulturen bis zu 12 m erreichen. Der Stängel ist grün und verholzt nicht. Die Blätter sind gegenständig, bis zu 15 cm breit, eiförmig und in bis zu fünf gezähnte, lang zugespitzte Lappen geteilt.

Die weiblichen Blüten entwickeln sich zu den eiförmigen Fruchtständen, den sogenannten Hopfenzapfen. Diese bestehen aus 1 bis 2 cm langen Deckblättern, die sich dachziegelartig überdecken. Die Zapfen werden insgesamt etwa 2 bis 5 cm lang und 1 bis 2 cm breit. In den Deckblättern befinden sich die Lupulindrüsen, die Bitterstoffe und ätherisches Öl enthalten.

Die Blütezeit der Pflanze liegt in den Monaten Juli und August. Die männlichen Blüten sind unscheinbare grüngelbe Rispen, die im Hochsommer in den Blattachseln erscheinen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Lupuli flos (syn. Lupuli strobulus, Strobili Lupuli);
Hopfenzapfen (weibliche Blütenstände beziehungsweise Fruchtstände von Humulus lupulus).

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die wertbestimmenden Bestandteile sind eine Harzfraktion („Hopfenharz“) und das ätherische Öl. Aus der Harzfraktion werden die oxidationsempfindlichen Hopfensäuren isoliert. Diese werden unterteilt in:

  • Humulone (α-Hopfenbittersäuren: Humulon, Cohumulon, Adhumulon) mit bitterem Geschmack. Humulone sind Monoacylphloroglucide mit zwei Dimethylallyl-Seitenketten.
  • Lupulone (β-Hopfenbittersäuren: Lupulon, Colupulon, Adlupulon), die selbst nicht bitter sind. Lupulone sind strukturell mit den Humulonen verwandt, besitzen jedoch drei Dimethylallyl-Seitenketten.

Chemische Strukturformeln von Humulon und Lupulon - wichtige Inhaltsstoffe des Hopfens

Die Hopfensäuren sind relativ instabil und vor allem im frischen Hopfen vorhanden. Durch Isomerisierung entstehen stark bittere Isohumulone, die insbesondere beim Würzekochen in der Bierherstellung gebildet werden.

Bei längerer Lagerung der Droge entstehen aus den Hopfenbitterstoffen verschiedene Abbauprodukte. Von besonderem Interesse ist 2-Methyl-3-buten-2-ol.

Weiterhin enthält das Harz Chalcone, wobei Xanthohumol die wichtigste Komponente darstellt. Xanthohumol ist charakteristisch für Hopfen und wird häufig als analytische Leitsubstanz verwendet.

Im ätherischen Öl wurden zahlreiche Einzelstoffe nachgewiesen, darunter Mono- und Sesquiterpene wie Myrcen, Humulen, β-Caryophyllen und Farnesen sowie verschiedene Fettsäureester.

Hopfen enthält ausserdem geringe Mengen östrogenwirksamer Prenylflavonoide, insbesondere 8-Prenylnaringenin.

PHARMAKOLOGIE

Zubereitungen aus Hopfenzapfen werden seit langem als mildes Beruhigungs- und Einschlafmittel verwendet. Im Handel sind verschiedene Hopfenextrakte als Fertigarzneimittel erhältlich, häufig in Kombination mit anderen pflanzlichen Sedativa wie Baldrian. Die Anwendung von Hopfen bei nervöser Unruhe und zur Unterstützung des Schlafs wurde in den Monographien der Kommission E sowie in europäischen Arzneipflanzenmonographien als traditionelle Anwendung beschrieben.

Die sedierende Wirkung von Humulus lupulus und seinen Zubereitungen ist pharmakologisch plausibel, während klinische Untersuchungen meist Kombinationen mit Baldrianwurzel betreffen. Welche Inhaltsstoffe hauptsächlich für die beruhigende Wirkung verantwortlich sind, ist nicht vollständig geklärt. Im Mittelpunkt stehen die Hopfenbitterstoffe sowie Bestandteile des ätherischen Öls.

Bei längerer Lagerung der Droge sowie möglicherweise auch im Organismus können aus den Hopfenbitterstoffen Abbauprodukte entstehen, darunter 2-Methyl-3-buten-2-ol. Diese Substanz zeigte in experimentellen Untersuchungen zentral sedierende Effekte und besitzt ausserdem antibakterielle Eigenschaften.

Experimentelle Studien deuten darauf hin, dass Hopfenbestandteile mit dem GABAergen System des Zentralnervensystems interagieren. Dabei wird eine Modulation von GABAA-Rezeptoren diskutiert, die zur sedierenden und schlaffördernden Wirkung beitragen könnte.

In pharmakologischen und klinischen Untersuchungen zeigte sich, dass Kombinationen aus Hopfen und Baldrianwurzel eine stärkere sedierende Wirkung besitzen können als die Einzelsubstanzen. Solche Kombinationen werden daher häufig in pflanzlichen Schlafmitteln eingesetzt.

Traditionell wurden Hopfenzapfen auch in sogenannten Schlafkissen verwendet, deren Duftstoffe eine beruhigende Wirkung entfalten sollten.

EVIDENZ

Die medizinische Anwendung von Hopfenzapfen (Humulus lupulus, Lupuli flos) beruht in erster Linie auf langjähriger traditioneller Verwendung sowie auf pharmakologischen und experimentellen Untersuchungen.

Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittelagentur stuft Hopfenzapfen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung milder Stresssymptome und zur Unterstützung des Schlafs ein. Grundlage dieser Bewertung ist die langjährige medizinische Anwendung, nicht der Nachweis einer gut gesicherten klinischen Wirksamkeit im Sinne einer „well-established use“-Monographie.

Die zugrunde liegende EMA/HMPC-Monographie und der zugehörige Assessment Report zeigen, dass für Hopfen als Einzelzubereitung keine ausreichenden klinischen Studien zu Unruhe oder Schlafstörungen vorliegen.

Klinische Untersuchungen betreffen überwiegend Kombinationspräparate aus Baldrianwurzel und Hopfen. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie zeigte eine Baldrian-Hopfen-Kombination eine bescheidene Verbesserung von Schlafparametern bei leichter Insomnie. Eine weitere randomisierte Doppelblindstudie fand, dass eine fixe Baldrian-Hopfen-Kombination die Einschlaflatenz stärker verringerte als Baldrian allein. Eine neuere randomisierte kontrollierte Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2025 beschrieb für eine Baldrian-Hopfen-Kombination eine signifikante Zunahme der Schlafdauer, ohne Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Tagesfunktion.

Insgesamt ist die klinische Evidenz für Hopfen als Monodroge begrenzt. Die Anwendung bei nervöser Unruhe und zur Unterstützung des Schlafs stützt sich vor allem auf langjährige traditionelle Verwendung und pharmakologische Plausibilität; klinische Daten liegen überwiegend für Kombinationen mit Baldrianwurzel vor.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E):

  • Wirkungen: beruhigend, schlaffördernd.
  • Anwendungsgebiete: Befindlichkeitsstörungen wie nervöse Unruhe, leichte Angstzustände und Schlafstörungen.
  • Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen: keine bekannt.
  • Dosierung: Soweit nicht anders verordnet: Einzelgabe der Droge 0,5 g.
  • Art der Anwendung: Geschnittene Droge, Drogenpulver oder Trockenextrakte für Aufgüsse oder andere Zubereitungen. Flüssige und feste Darreichungsformen zur innerlichen Anwendung.

Die ESCOP äussert sich in ähnlicher Weise. Die Droge wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

Zubereitungen aus Hopfenzapfen werden vor allem als mildes Einschlaf- und Beruhigungsmittel verwendet. Im Handel sind Hopfenextrakte als Fertigarzneimittel erhältlich, häufig in Kombination mit anderen sedativ wirkenden Heilpflanzen wie Baldrian, Melisse, Passionsblume oder der Schwarznessel.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Am besten als standardisierter Trockenextrakt in Fertigarzneimitteln (Tabletten, Kapseln oder Dragées), z. B. in Kombinationen mit Baldrian, Melisse oder anderen sedativ wirkenden Heilpflanzen.

STATUS

  • Kommission E – positive Bewertung
  • ESCOPpositive Bewertung
  • HMPCals traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Lupuli flos)

HOPFEN IM GARTEN

Die bei uns erhältlichen Pflanzen sind ohne Ausnahme mehrjährige, weibliche Kulturformen des Hopfens. Der robuste Hopfen eignet sich auch als Kübelpflanze, z. B. auf Terrassen, wo er im Sommer als natürlicher Schattenspender dienen kann. Im Freiland angebaut empfiehlt sich eine Rhizomsperre.

Humulus lupulus wächst gut auf tiefgründigen, gut durchwurzelbaren, feuchten und fruchtbaren Böden mit hohem Humusanteil, jedoch ohne Staunässe. Die Pflanze benötigt ausreichend Wasser und viel Sonnenschein. Klettergerüste mit Drahtseilen ermöglichen ihr das Klettern.

Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat oder durch Pflanzung. Als Pflanzmaterial können abgetrennte Sprosse („Fechser“) dienen. Jungpflanzen sind in vielen Kräuter- oder Staudengärtnereien erhältlich. Die Ernte erfolgt einmal jährlich; eine Hopfenpflanze kann über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren genutzt werden. Kulturhopfen wird meist vegetativ über Stecklinge aus den Wurzelstöcken vermehrt, während wilder Hopfen sich über Samen ausbreitet.

Im Winter werden die oberirdischen Triebe bis zum Boden zurückgeschnitten. Im Sommer müssen die Triebe gelegentlich gestutzt oder von Hand hochgebunden werden, damit sie sich nicht unkontrolliert ausbreiten. Findet der Hopfen keine Kletterhilfe, wächst er flach über den Boden.

Hopfen ist eine dekorative Kletterstaude für den Naturgarten und eignet sich zudem hervorragend als Sichtschutz.

Hopfenzapfen (Humulus lupulus)

SONSTIGES

Vermutlich legten Mönche bereits im 9. Jh. in Mitteleuropa erste Hopfengärten an. Die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 736 und weisen den Hopfenbau in der Hallertau in Bayern nach. Die Hallertau ist noch heute das grösste zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Baldrian (Valeriana officinalis) – klassische Arzneipflanze bei Einschlafstörungen und nervöser Unruhe.
  • Passionsblume (Passiflora incarnata) – beruhigende Heilpflanze bei nervöser Unruhe und Schlafproblemen.
  • Melisse (Melissa officinalis) – mild sedierend bei nervöser Unruhe und Stress.
  • Lavendel (Lavandula angustifolia) – anxiolytische Heilpflanze bei Unruhe und Angstzuständen.
  • Weissdorn (Crataegus-Arten) – bei nervösen Herzbeschwerden und vegetativer Unruhe.

FAQ ZU HOPFEN

  • Hilft Hopfen beim Einschlafen?
    Hopfenzapfen (Humulus lupulus) werden traditionell bei nervöser Unruhe und zur Unterstützung des Schlafs eingesetzt. Pharmakologische Untersuchungen deuten auf beruhigende Effekte hin. Klinische Studien betreffen jedoch überwiegend Kombinationen mit Baldrianwurzel.
  • Kann man Hopfen als Tee trinken?
    Ja. Hopfenzapfen können als Tee zubereitet werden. Wegen des sehr bitteren Geschmacks werden sie häufig mit Baldrian, Melisse oder Passionsblume kombiniert.
  • Warum wird Hopfen oft mit Baldrian kombiniert?
    Kombinationen aus Hopfen und Baldrian werden in vielen pflanzlichen Schlafmitteln verwendet. Klinische Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich die Wirkungen beider Heilpflanzen ergänzen können.
  • Sind Nebenwirkungen von Hopfen bekannt?
    Bei üblicher Dosierung gelten Hopfenzubereitungen als gut verträglich. Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen sind selten beschrieben.
  • Welche Pflanzenteile werden medizinisch verwendet?
    Als Arzneidroge dienen die weiblichen Blütenstände, die sogenannten Hopfenzapfen (Lupuli flos).

Letzte Änderung: 14.04.2026 / © W. Arnold