Goldrute – Echte Goldrute (Solidago virgaurea)

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Echtes Goldrutenkraut (Solidaginis virgaureae herba) wird traditionell zur Erhöhung der Harnmenge und zur unterstützenden Durchspülung der ableitenden Harnwege bei leichten Harnwegsbeschwerden verwendet. Die pharmakologische Plausibilität beruht vor allem auf diuretischen, entzündungsmodulierenden und schwach spasmolytischen Effekten. Eine robuste klinische Evidenz nach heutigen Kriterien ist jedoch nur begrenzt vorhanden.

Solidago virgaurea L. (syn. Amphiraphis leiocarpa, Doria virgaurea, Solidago cantonensis);
Echte Goldrute (syn. Fuchsschwanz, Gemeine Goldrute, Heidnisch Wundkraut).

Echte Goldrute (Solidago virgaurea) – blühende Heilpflanze

Weitere Bilder:

Blütenstände der Echten Goldrute (Solidago virgaurea) Blüte der Echten Goldrute (Solidago virgaurea) Blühende Echte Goldrute (Solidago virgaurea) mit Insektenbesuch Blütenrispe der Echten Goldrute (Solidago virgaurea)

VORKOMMEN

Die Echte Goldrute kommt als Wildpflanze in den gemässigten Klimaregionen Europas, Asiens, Nordafrikas und Nordamerikas vor. Sie wächst bevorzugt an eher trockenen, nährstoffärmeren Standorten wie in lichten Wäldern, an Waldrändern, auf Heiden und Weiden. In Mitteleuropa ist sie weit verbreitet und eignet sich gut für naturnahe Gärten.

Solidago virgaurea bildet im Unterschied zu einigen aus Nordamerika stammenden Goldrutenarten keine so dichten Massenbestände. Besonders die Riesengoldrute (Solidago gigantea) und die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) haben sich an Flussufern, auf Schuttplätzen und in Ruderalflächen eingebürgert.

MERKMALE

Die Echte Goldrute ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen bis etwa 100 Zentimeter erreichen kann. Sie besitzt einen knotigen Wurzelstock und einen aufrechten, meist im oberen Bereich verzweigten Stängel. Die wechselständigen, gezähnten Blätter sind unten stielartig verschmälert, oben lanzettlich und sitzend. Solidago virgaurea blüht von Juli bis Oktober.

Die gelben Blütenköpfchen sind kurz gestielt und an den Spitzen der Äste angeordnet. Die Hüllblätter stehen mehrreihig und dachziegelartig. Die mittleren Blüten sind Röhrenblüten, die randlichen Blüten besitzen eine deutlich ausgeprägte gelbe Zunge. Von nordamerikanischen Goldrutenarten unterscheidet sich Solidago virgaurea unter anderem durch eine allseitswendige Anordnung der Blütenköpfchen und durch grössere Köpfchen mit auffälligen Zungenblüten.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Virgaureae herba (syn. Herba Solidaginis virgaureae, Herba Consolidae aureae, Solidaginis virgaureae herba);

Echtes Goldrutenkraut, Goldwundkraut oder Heidnisch Wundkraut: die während der Blütezeit gesammelten und getrockneten oberirdischen Teile von Solidago virgaurea.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Goldrutenkraut enthält ätherisches Öl bis etwa 0,5 %, unter anderem mit Sesquiterpenen wie γ-Cadinen, ferner Flavonoide, Triterpensaponine mit Polygalasäure als Triterpengrundkörper, Phenolglykoside, Kaffeesäurederivate, Iridoide und Polysaccharide. Besonders charakteristisch für Solidago virgaurea sind die Salicylbenzoatderivate Leiocarposid und Virgaureosid A.

Strukturformeln von Leiocarposid und Virgaureosid A aus Echtem Goldrutenkraut

PHARMAKOLOGIE

Die pharmakologische Wirkung von Echtem Goldrutenkraut wird auf das Zusammenspiel von Flavonoiden, Phenolglykosiden, Saponinen und phenolischen Säuren zurückgeführt. Experimentelle Untersuchungen beschreiben eine diuretische Wirkung, wodurch die Harnausscheidung gesteigert und eine Durchspülung der ableitenden Harnwege unterstützt werden kann.

Zusätzlich wurden präklinisch entzündungsmodulierende und schwach spasmolytische Effekte beschrieben. Für diese Eigenschaften werden unter anderem Leiocarposid, Virgaureosid A, Flavonoide und weitere phenolische Verbindungen diskutiert. Solche Befunde stützen die traditionelle Anwendung, ersetzen aber keine klinischen Wirksamkeitsnachweise.

EVIDENZ

Die Anwendung der Echten Goldrute bei leichten Beschwerden der ableitenden Harnwege beruht vor allem auf langjähriger traditioneller Nutzung, pharmakologischer Plausibilität und präklinischen Daten. Klinische Studien zur Wirksamkeit von Solidago virgaurea liegen nur begrenzt vor und sind nach heutigen evidenzbasierten Kriterien nicht ausreichend, um eine robuste klinische Wirksamkeit eindeutig zu belegen.

Das HMPC der EMA stuft Solidaginis virgaureae herba als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein. Die Anwendung dient der Erhöhung der Harnmenge und der unterstützenden Durchspülung der ableitenden Harnwege bei leichten Harnwegsbeschwerden. Diese Einstufung beruht auf langjähriger Anwendung und nicht auf einer well-established-use-Monographie.

  • EMA – Solidaginis virgaureae herba – HMPC-Übersichtsseite zur traditionellen Anwendung von Echtem Goldrutenkraut.
  • ESCOP – zentrale ESCOP-Referenz für pflanzliche Arzneimittel.
  • Fursenco et al. 2020 – Review zu Ethnomedizin, Phytochemie und pharmakologischen Daten von Solidago virgaurea.
  • Chodera et al. 1991 – tierexperimentelle Untersuchung zur diuretischen Wirkung von Flavonoidfraktionen aus Solidago virgaurea.
  • Melzig 2004 – Übersichtsarbeit zu Echtem Goldrutenkraut in der urologischen Phytotherapie.

ANWENDUNG

Goldrutenkraut wird zur Erhöhung der Harnmenge und zur unterstützenden Durchspülung der ableitenden Harnwege bei leichten Harnwegsbeschwerden verwendet. Traditionell wird es auch bei Neigung zu Harnsteinen und Nierengriess eingesetzt. Die Anwendung erfolgt vor allem als Tee oder in geeigneten pflanzlichen Zubereitungen.

In der Phytotherapie wird Solidago virgaurea häufig mit anderen traditionell verwendeten Harnwegsdrogen kombiniert, etwa mit Schachtelhalm, Birkenblättern, Hauhechel, Brennnessel oder Katzenbart.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Tee

  • Zur Zubereitung eines Goldrutentees werden etwa 2,5 g zerkleinertes Goldrutenkraut mit einer Tasse heissem Wasser übergossen. Nach etwa 10 Minuten wird abgeseiht.
  • Traditionell werden 3 bis 5 Tassen täglich verwendet. Die durchschnittliche Tagesdosis liegt bei etwa 6 bis 12 g Droge.

Während einer Durchspülungstherapie ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Bei Fertigpräparaten gelten die Angaben der jeweiligen Zubereitung.

SICHERHEIT

Goldrutenkraut gilt bei sachgemässer Anwendung im Allgemeinen als gut verträglich. Eine Durchspülungstherapie darf jedoch nicht durchgeführt werden, wenn eine reduzierte Flüssigkeitszufuhr erforderlich ist, beispielsweise bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion.

Bei Fieber, Blut im Urin, Harnverhalt, starken Schmerzen, zunehmenden Beschwerden oder wiederkehrenden Harnwegsbeschwerden ist eine medizinische Abklärung erforderlich. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern sollte Goldrutenkraut mangels ausreichender Sicherheitsdaten nur nach fachlicher Rücksprache angewendet werden.

STATUS

  • Kommission E: positive Bewertung für Goldrutenkraut
  • ESCOP: positive Bewertung für Echtes Goldrutenkraut
  • HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Solidaginis virgaureae herba)

GARTEN

Die Goldrute ist eine anspruchslose Heilpflanze und für unterschiedliche Gartenbedingungen geeignet. Solidago virgaurea passt gut in Bauern- und Wildblumengärten. Da sie sich auch auf nährstoffarmen Böden wohlfühlt, sollte sie nur wenig gedüngt werden. Zur Vermehrung kann der knotige Wurzelstock geteilt werden. Die Pflanze wird dadurch verjüngt und bleibt über viele Jahre wuchs- und blühfreudig.

Direkt nach der Blüte kann die Goldrute zurückgeschnitten werden. Die Pflanze ist winterhart. Im Garten wächst die Echte Goldrute an eher trockenen Stellen gut zusammen mit Schöllkraut, Thymian, Rosmarin, Schwalbenwurz, Malven und Johanniskraut.

SONSTIGES

Der Gattungsname Solidago ist aus dem Lateinischen abgeleitet und wird mit solidus im Sinne von gesund oder fest in Verbindung gebracht. Der Artname virgaurea setzt sich aus virga für Rute und aureus für golden zusammen und bezieht sich auf Form und Farbe des Blütenstandes. Wegen des hohen Gehalts an Flavonoiden wurde die Echte Goldrute auch zum Färben von Wolle oder Baumwolle verwendet.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Birke (Betula pendula) – Blätter werden traditionell zur Durchspülung der ableitenden Harnwege verwendet.
  • Schachtelhalm (Equisetum arvense) – kieselsäurehaltige Pflanze mit traditioneller Anwendung bei leichten Harnwegsbeschwerden.
  • Hauhechel (Ononis spinosa) – Wurzeldroge mit traditioneller Anwendung zur Durchspülung der Harnwege.
  • Brennnessel (Urtica dioica) – Blätter werden traditionell zur Erhöhung der Harnmenge eingesetzt.
  • Katzenbart (Orthosiphon aristatus) – traditionell verwendete Harnwegsdroge.
  • Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) – gerbstoff- und arbutinhaltige Pflanze bei Harnwegsbeschwerden.

FAQ

  • Wofür wird Goldrute angewendet?
    Die Echte Goldrute wird traditionell zur Erhöhung der Harnmenge und zur unterstützenden Durchspülung der ableitenden Harnwege bei leichten Harnwegsbeschwerden verwendet.
  • Wirkt Goldrute harntreibend?
    Pharmakologische und präklinische Daten sprechen für eine diuretische Wirkung. Die klinische Evidenz ist jedoch begrenzt.
  • Ist Goldrute bei Blasenentzündung sinnvoll?
    Goldrute kann unterstützend bei leichten Harnwegsbeschwerden eingesetzt werden. Bei Fieber, Blut im Urin, starken Schmerzen oder wiederkehrenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
  • Wie wird Goldrute als Tee angewendet?
    Üblich sind etwa 2,5 g zerkleinertes Kraut pro Tasse. Die Tagesdosis liegt traditionell bei etwa 6 bis 12 g Droge.
  • Wann darf Goldrute nicht angewendet werden?
    Eine Durchspülungstherapie ist bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion nicht geeignet.

Letzte Änderung: 03.05.2026 / © W. Arnold