Ackerschachtelhalm - Equisetum arvense


Die anerkannte medizinische Anwendung von Acker-Schachtelhalmkraut ist die innerlich Verwendung zur Durchspülung der Harnwege, insbesondere bei Entzündungen und Nierengriess; ausserdem unterstützend bei der Behandlung bakterieller Harnwegsinfektionen. Äusserlich kann das Schachtelhalmkraut zur unterstützenden Behandlung schlecht heilender Wunden angewendet werden.

Ackerschachtelhalm (syn. Katzenschwanz, Pferdeschwanz, Schachtelhalm, Scheuergras, Zinngras, Zinnkraut);
Equisetum arvense (syn. Allosites arvense, Equisetum boreale).

Schachtelhalm, Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense)

Heilpflanze Acker-Schachtelhalm

Gruppe von Ackerschachtelhalmpflanzen

VORKOMMEN

Der Ackerschachtelhalm ist praktisch weltweit verbreitet. Equisetum arvense besiedelt Äcker, lehmige feuchte Wiesenränder, Gräben und Böschungen. Er gilt als Zeigerpflanze für Staunässe. Schachtelhalm ist entwicklungsgeschichtlich eine sehr alte Pflanze.

MERKMALE

Die Stängel sind 10–20 cm hoch, von brauner bis gelber Farbe, nicht über 0,5 cm dick, und nach der Sporenreife absterbend. Das Rhizom treibt bis 2 Meter in den Boden. Die Stängel sind mit Ausnahme der Spitze reichlich und regelmässig quirlig verzweigt mit einfachen, aufsteigenden bis aufrecht abstehenden Ästen. Die sporangientragenden Triebe erscheinen von März bis Anfang Mai, die Laubtriebe im Mai.

Nicht mit dem leicht giftigen Sumpfschachtelhalm (Equisetum palustre) verwechseln!

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Equiseti herba (syn. Herba Equiseti); Schachtelhalmkraut (syn. Kannenkraut, Pferdeschwanzkraut, Scheuerkraut, Tannenkraut), die getrockneten, grünen, sterilen Sprossen.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Anorganische Verbindungen: Die Droge enthält bis zu 7,7 % Kieselsäure, wovon etwa 10% in wasserlöslicher Form vorliegen. Im Weiteren wurden Aluminium- und Kaliumchlorid gefunden.

Flavonoide: Mengenmässig überwiegen Kämpferol- und Quercetinglykoside wie Kämpferol-3-O-β-D-glucosid.

Nach neuerer Literatur wurden neben den Flavonoiden auch Derivate der Kaffeesäure, wie Dicaffeoyl-meso-Weinsäure und Caffeoylshikmimisäure gefunden.

Alkaloide: Es wurden geringe Mengen an Alkaloiden wie Nicotin, 3-Methoxypyridin und manchmal Spuren von Palustrin (und Nebenalkaloiden) gefunden.

PHARMAKOLOGIE

Die beschriebenen Wirkungen werden vor allem den Flavonoiden, den Kaffeesäure-Derivaten und dem hohen Kaliumgehalt zugeschrieben.

Bei Untersuchungen von Schachtelhalmextrakten wurden antimikrobielle, sedative, leberschützende und entzündungshemmende Effekte gefunden. Mit der tratitionellen Anwendung als Diuretikum haben diese Effekte aber nichts zu tun.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen:

  • Kommission E: innerlich beim posttraumatischen und statischen Ödem und zur Durchspülung bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei Nierengriess.
    Äusserlich zur unterstützenden Behandlung schlecht heilender Wunden.
  • ESCOP: innerlich zur Durchspülung der Harnwege, insbesondere bei Entzündungen und Nierengriess; ausserdem unterstützend bei der Behandlung bakterieller Harnwegsinfektionen; äusserlich als blutstillendes Mittel und zur Wundheilung.
  • Vom HMPC wurde das Schachtelhalmkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Schachtelhalmkraut bei leichten Harnwegsbeschwerden zur Erhöhung der Urinmenge zwecks Durchspülung der ableitenden Harnwege eingenommen werden.

Zinnkraut-Tee wird zur Durchspülung bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der Nieren und Harnwege und bei Nierengries verwendet. Er eignet sich auch zur Behandlung von chronischem Husten und zur Ausschwemmung von Ödemen.

Auch in der Arthrosemedizin finden Konzentrate (Elixier) erfolgreich Anwendung. Heute ist Acker-Schachtelhalm Bestandteil vieler standardisierter Präparate, wie Rheuma-, Husten-, Nieren-, Blasen- und Blutreinigungstees. Wegen des hohen Kieselsäuregehaltes wird dem Acker-Schachtelhalm in erster Linie eine stärkende Wirkung auf das Bindegewebe zugeschrieben, er soll den Stoffwechsel und die Durchblutung fördern und blutstillend wirken.

Er zeigt leicht harntreibende (diuretische), abschwellende und immunstimulierende Effekte und stärkt das Verdauungssystem. In vielen Urologika ist Schachtelhalm neben z.B. Birkenblätter, Bärentrauben, Hagebutte, Goldrute, Brennessel, Hauhechel, Anis, Mädesüss und Kalmus enthalten.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Teebereitung: etwa 3 g Droge werden mit einer Tasse heissem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abfiltriert. Die mittlere Tagesdosis liegt bei etwa 6 g.

Äusserlich verwendet man das Kraut beispielsweise bei der Behandlung schlecht heilender Wunden, in Bädern bei Frostschäden, Durchblutungsstörungen, Schwellungen nach Knochenbrüchen, rheumatischen Beschwerden sowie bei Wundliegen.

Produkte (Schweiz):

  • Sidroga Schachtelhalm, geschnittene Droge (Sidroga AG)
  • Phytopharma Blasen Dragées (Phytopharma S.A.)
  • Morga Zinnkrauttee, geschnittene Droge (Morga AG)

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

HOMÖOPATHIE

Equisetum arvense HAB34, die frischen Pflanzen mit sterilen Stengeln.
Anwendungsgebiet: bei Nieren- und Harnwegserkrankungen.

SCHACHTELHALM IM GARTEN

Wer den Ackerschachtelhalm im Garten hat, braucht sich um die Vermehrung keine Sorgen zu machen. Für die meisten Gartenbesitzer ist die Pflanze ein lästiges Unkraut. Die Wurzeln der Pflanze erreichen Tiefen von bis zu 200 cm und vermehren sich rasant.
Wenn sie den Ackerschachtelhalm im Garten haben wollen, dann bitte nur als Topfpflanze. Er kommt mit jedem Boden, an voller Sonne, oder im Schatten zurecht.

Schachtelhalm (Equisetum arvense) - Habitus der Pflanze

SONSTIGES

Bereits im Altertum wurde der Acker-Schachtelhalm in der Heilkunde oder Phytotherapie als Lieferant von Kieselsäure geschätzt, Dioskurides lobt seine blutstillende Kraft, und Plinius der Ältere behauptet über ihn sogar, dass die blutstillende Kraft so gross sei, dass es genüge, ihn bloss in der Hand zu halten.

Letzte Änderung: 25.09.2020 / © W. Arnold