Gemeine Quecke – Agropyron repens

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Die anerkannte medizinische Anwendung des Queckenwurzelstockes ist die Erhöhung der Harnmenge zur Durchspülung der Harnwege bei leichten Harnwegsbeschwerden; zusätzlich nennt ESCOP die Reizblase und andere Störungen der ableitenden Harnwege.

Agropyron repens (syn. Agropyron caesium, Elymus repens, Elytrigia repens, Triticum arundinaceum, Triticum repens).

Gemeine Quecke (syn. Ackergras, Knotengras, Kriechweizen, Kriechende Quecke, Laufquecke, Schnürgras, Spitzgras, Zweckgras).

Gemeine Quecke, blühende Pflanze

VORKOMMEN

Die Quecke ist über die ganze nördliche Erdhalbkugel verbreitet. In Grönland, Südamerika, Australien und Neuseeland wurde sie eingeschleppt. Zu finden ist die Pflanze an Wegrändern, auf Äckern und in Gärten. Auf besseren Böden ist sie als Unkraut weit verbreitet.

MERKMALE

Die Quecke ist eine 0,2 bis 1,5 m hohe, oft etwas blaugrüne, ausdauernde Pflanze. Sie bildet lange unterirdische Ausläufer. Die Blätter sind bis 12 mm breit, flach, mehr oder weniger fein behaart und am Rand sowie unterseits meist rau. Das Blatthäutchen ist bis 1 mm lang. Die Blattnerven sind im durchfallenden Licht als feine weisse Linien zwischen breiten grünen Streifen zu sehen. Der Blütenstand besteht aus einer bis 15 cm langen, aufrechten oder etwas nickenden, zweizeiligen Ähre. Die Ährchen sind mehrblütig und flach; beide Hüllspelzen sind ungefähr so lang wie die Deckspelzen. Die Granne ist kürzer als die Deckspelze.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Agropyri repentis rhizoma (syn. Graminis rhizoma, Radix Agropyri).

Queckenwurzelstock (syn. Ackergraswurzel, Kriechweizenwurzel, Queckenwurzel), der getrocknete, im Frühling oder im Herbst gesammelte Wurzelstock.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die Hauptmenge des extrahierbaren Anteils besteht aus wasserlöslichen Polysacchariden. Hauptkomponente ist das Polyfructosan Triticin, das dem Inulin verwandt ist. Weiter wurden gefunden: Schleimstoffe (bis zu 10 %), 2 bis 3 % Zuckeralkohole, unter anderem Mannit und Inosit, sowie lösliche Kieselsäure und Silikate. Saponine sind wahrscheinlich nicht vorhanden; auch das früher genannte Acetylenderivat Agropyren als Hauptkomponente des ätherischen Öls wurde in neueren Untersuchungen nicht bestätigt. Die Droge enthält wenig ätherisches Öl sowie p-Hydroxyzimtsäurealkylester.

PHARMAKOLOGIE

Welche Inhaltsstoffe im engeren Sinn wirkbestimmend sind, ist nicht genau bekannt. Die Anwendung beruht vor allem auf dem traditionellen Einsatz als milde harntreibende Droge zur Durchspülung der Harnwege. Die wasserlöslichen Polysaccharide und Schleimstoffe dürften zur guten Verträglichkeit beitragen; ausgeprägt pharmakologisch auffallende Leitsubstanzen sind jedoch nicht bekannt. Ein spezifischer Wirkmechanismus ist nicht gesichert; die Wirkung wird als milde diuretische Spülwirkung interpretiert.

EVIDENZ

Für den Queckenwurzelstock (Agropyri repentis rhizoma) liegt keine ausreichende Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien vor. Die heutige Einordnung beruht vor allem auf traditioneller Anwendung, pharmakologischer Plausibilität und Monographien.

Die Datenlage entspricht damit einer klassischen traditionell verwendeten Droge mit plausibler diuretischer Wirkung, jedoch begrenzter moderner klinischer Evidenz. Der EMA-Assessment-Report weist darauf hin, dass die nichtklinischen Daten begrenzt sind und eine diuretische Wirkung des Teeaufgusses nicht überzeugend belegt ist.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen:

  • Kommission E: zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und als Vorbeugung bei Nierengriess.
  • ESCOP: zur Behandlung einer Reizblase und anderer Störungen der ableitenden Harnwege.
  • HMPC: traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Erhöhung der Harnmenge und damit zur Durchspülung der Harnwege, unterstützend bei leichten Harnwegsbeschwerden.

Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sind nicht bekannt. Allgemein gilt jedoch: Eine Durchspülungstherapie ist nicht angezeigt bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion.

Volkstümliche Anwendungen:
Neben der Anwendung bei Blasenkatarrhen und Nierensteinleiden wird der Queckenwurzelstock auch bei Gicht, rheumatischen Beschwerden und chronischen Hauterkrankungen verwendet. Wegen des Schleimgehaltes gilt die Droge zudem als reizlinderndes Hustenmittel bei Katarrhen der oberen Luftwege und findet in Form eines Infuses bei Verstopfung Verwendung. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungen ist derzeit nicht belegt.

ZUBEREITUNG & DOSIERUNG

Teeaufguss: bis zu 4-mal täglich eine Tasse Queckenwurzelstocktee trinken, vorzugsweise mit Wasser kalt angesetzt und dann zum Sieden erhitzt. Die Tagesdosis beträgt 10 bis 20 g Droge.

Sinnvoll ist eine Kombination mit anderen Drogen wie Hauhechelwurzel, Goldrutenkraut, Bärentraubenblätter, Süssholzwurzel, Birkenblätter oder Brennnesselblätter in Blasen- und Nierentees.

STATUS

QUECKE IM GARTEN

Im Garten ist Agropyron repens für manche ein gefürchtetes Unkraut, da sich die Pflanze sowohl über Samen als auch über die unterirdischen Kriechtriebe verbreitet. Die Rhizome können unter günstigen Bedingungen pro Jahr bis zu einem Meter wachsen und dabei zahlreiche Tochterpflanzen bilden. Sie verlaufen im Boden meist waagerecht in einer Tiefe von drei bis zehn Zentimetern. Wer die Quecke bewusst in den Garten holen will, sollte dies nur mit Rhizomsperre tun, denn sie ist ein extrem hartnäckiger Vertreter unter den "Unkräutern".

Gemeine Quecke (Agropyron repens) im Garten

SONSTIGES

Vermutlich handelte es sich bei der Quecke um ein Gras, das bereits bei Dioskurides als Wundheilmittel und als Mittel bei Blasenleiden beschrieben wurde. In einigen älteren Kräuterbüchern wird die Queckenwurzel als harntreibendes und steintreibendes Mittel genannt.

Abgeleitet ist der Gattungsname Agropyron von griechisch agros (= Acker) und pyros (= Weizen), wodurch deutlich wird, dass manche Arten, so auch die Quecke, dem Weizen ähnlich sind.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

FAQ

  • Wofür wird Quecke medizinisch verwendet?
    Queckenwurzelstock wird traditionell zur Erhöhung der Harnmenge und damit zur Durchspülung der Harnwege bei leichten Harnwegsbeschwerden eingesetzt. ESCOP nennt zusätzlich die Reizblase.
  • Ist die Wirkung gut klinisch belegt?
    Die Anwendung ist vor allem monographisch und traditionell abgesichert. Der HMPC stuft die Droge als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein; grosse moderne klinische Studien sind jedoch begrenzt.
  • Wie wird Queckenwurzelstock zubereitet?
    Üblich ist ein Teeaufguss. Die Tagesdosis beträgt 10 bis 20 g Droge, vorzugsweise zunächst kalt angesetzt und danach zum Sieden erhitzt.
  • Wann ist eine Durchspülungstherapie nicht sinnvoll?
    Nicht geeignet ist sie bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion.

Letzte Änderung: 30.03.2026 / © W. Arnold