Bärentraube – Arctostaphylos uva-ursi

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Bärentraube im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Die medizinische Anwendung von Bärentraubenblättern beruht vor allem auf traditioneller Anwendung bei leichten wiederkehrenden Beschwerden der unteren Harnwege bei Frauen, etwa Brennen beim Wasserlassen oder häufigem Wasserlassen, nachdem ernsthafte Ursachen ärztlich ausgeschlossen wurden.

Die Anwendung soll nur kurzfristig erfolgen. Bei Fieber, Flankenschmerzen, Blut im Urin, anhaltenden Beschwerden oder Harnwegsinfektionen bei Männern ist eine ärztliche Abklärung notwendig.

Arctostaphylos uva-ursi (syn. Arbutus uva-ursi, Arctostaphylos media, Arctostaphylos officinalis, Arctostaphylos procumbens, Mairania uva-ursi, Uva-ursi buxifolia, Uva-ursi procumbens).

Bärentraube (syn. Mehlbeere, Moosbeere, Sandbeere, Wilder Buchsbaum, Wolfstraube).

Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi)

Weitere Bilder:

Blühende Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) mit Beeren Botanische Zeichnung der Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi)  

VORKOMMEN

Das Vorkommen der Bärentraube erstreckt sich von Spanien über weite Teile Mitteleuropas nordwärts bis nach Skandinavien und ostwärts bis zum Himalaya; auch Teile Nordamerikas sind eingeschlossen.

Die Bärentraube findet sich in lichten, trockenen Föhrenwäldern, auf Heiden und in sonnigen Zwergstrauchgesellschaften, oft auch oberhalb der Baumgrenze. Der kleine Strauch bevorzugt sandige, saure und gut durchlässige Böden.

MERKMALE

Die Bärentraube ist ein niederliegender, kriechender Spalierstrauch mit bis zu 1,2 m langen Trieben und einer Wuchshöhe von meist unter 50 cm. Die elastischen, rotbraunen Zweige bilden häufig dichte Matten.

Die Laubblätter sind derb, ledrig, ganzrandig, immergrün, verkehrt-eiförmig, kahl und glänzend. Sie werden etwa 10 bis 30 mm lang und 4 bis 15 mm breit. Unterseits ist die Nervatur deutlich sichtbar.

Die weisslich bis rosafarbenen Blüten stehen in kurzen, endständigen, überhängenden Trauben. Die Blütezeit reicht von März bis Juni. Im Herbst reifen scharlachrote, beerenartige Steinfrüchte mit einem Durchmesser von etwa 6 bis 8 mm.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Uvae-ursi folium (syn. Folia Arctostaphyli, Folia Garjubae, Folia Uvae ursi, Folia Vaccinii ursi, Herba Garjubae);
Bärentraubenblätter (syn. Achelblätter, Achelkraut, Bärenkraut, Moosbeerenblätter, Sandblätter, Steinbeerenblätter, Wolfsbeerenblätter), die getrockneten Laubblätter.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die Droge enthält Phenolglykoside, darunter vor allem Arbutin und – je nach Herkunft der Droge – Methylarbutin. Der Gehalt an Methylarbutin kann deutlich schwanken; offenbar existieren verschiedene chemische Rassen mit unterschiedlicher Zusammensetzung.

Weitere Hydrochinonderivate sowie freies Hydrochinon sind nur in geringen Konzentrationen vorhanden.

Im Weiteren sind enthalten:

  • Flavonoide, besonders Flavonolglykoside
  • Gerbstoffe, vorwiegend Gallo- und Ellagitannine
  • Phenolcarbonsäuren, z. B. Gallussäure
  • Triterpene, z. B. Ursolsäure
  • das Iridoidglykosid Monotropein

Chemische Struktur von Arbutin und Monotropein – Inhaltsstoffe der Bärentraube

PHARMAKOLOGIE

Zubereitungen aus Bärentraubenblättern zeigen in vitro antibakterielle Effekte gegen verschiedene Mikroorganismen. Von zentraler Bedeutung ist Arbutin. Nach der Aufnahme entstehen daraus Hydrochinon-Derivate, die über den Harn ausgeschieden werden und dort antimikrobiell wirksam sein können.

Arbutin ist damit eine Vorstufe für Hydrochinon-Derivate. Die toxikologische Relevanz von Hydrochinon ist bekannt; bei bestimmungsgemässer, kurzfristiger Anwendung wird das Risiko jedoch als begrenzt beurteilt.

Die früher stark betonte Notwendigkeit eines alkalischen Harns wird heute zurückhaltender beurteilt. Ein leicht alkalischer Harn kann die Wirkung begünstigen, ist aber nicht der einzige entscheidende Faktor.

Die antibakterielle Wirkung richtet sich insbesondere gegen typische Harnwegskeime wie Escherichia coli.

EVIDENZ

Die Evidenz für Bärentraubenblätter bei unkomplizierten Harnwegsbeschwerden ist insgesamt begrenzt. Pharmakologische Daten stützen eine plausible antimikrobielle Wirkung über Arbutin beziehungsweise Hydrochinon-Derivate, die klinische Wirksamkeit ist jedoch nicht so gut belegt wie bei einer antibiotischen Standardtherapie.

Die HMPC-Einstufung beruht auf traditioneller Anwendung, nicht auf einer Einstufung als medizinisch allgemein anerkannte Anwendung. Neuere klinische Untersuchungen zeigen zwar ein mögliches antibiotikasparendes Potenzial, zugleich aber eine höhere Symptomlast oder Sicherheitsbedenken gegenüber einer wirksamen antibiotischen Vergleichsstrategie.

  • HMPC / Uvae ursi folium – Die europäische Bewertung stuft Bärentraubenblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Symptomen leichter wiederkehrender Infektionen der unteren Harnwege bei Frauen ein, nachdem ernsthafte Ursachen ausgeschlossen wurden.
  • Moore et al. 2019, ATAFUTI-Studie, PubMed – Faktorielle randomisierte Studie zu Uva-ursi-Extrakt und Ibuprofen bei unkomplizierter Harnwegsinfektion bei Frauen. Die Ergebnisse sprechen nicht für eine klare Überlegenheit der Uva-ursi-Behandlung bei der Symptomkontrolle.
  • Gágyor et al. 2021, PubMed – Vergleich von Uva-ursi-Extrakt mit Fosfomycin bei unkomplizierter Harnwegsinfektion. Uva-ursi reduzierte den Antibiotikagebrauch, war aber mit höherer Symptomlast und mehr Sicherheitsbedenken verbunden.
  • Datta & Juthani-Mehta 2019, PubMed – Kommentierende Bewertung zu antibiotikasparenden Strategien bei unkomplizierter Zystitis; Uva-ursi und Ibuprofen werden als noch nicht ausreichend überzeugend für den breiten Routineeinsatz beurteilt.

ANWENDUNG

Bärentraubenblätter werden traditionell zur Linderung von Symptomen leichter wiederkehrender Infektionen der unteren Harnwege bei Frauen verwendet, insbesondere bei Brennen beim Wasserlassen oder häufigem Wasserlassen, nachdem ernsthafte Ursachen ärztlich ausgeschlossen wurden.

Die Kommission E bewertete Bärentraubenblätter positiv bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Die ESCOP beurteilt die Droge ebenfalls positiv und nennt die Anwendung vor allem dann, wenn eine antibiotische Behandlung nicht erforderlich ist.

Das HMPC stuft Uvae ursi folium als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein.

Harnwegsinfektionen beim Mann sollten grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden, da häufig auch die Prostata beteiligt ist und oft eine antibiotische Behandlung erforderlich wird.

Die Droge ist in verschiedenen Nieren- und Blasentees beziehungsweise entsprechenden Kombinationspräparaten enthalten, oft zusammen mit Goldrute, Hauhechel, Echinacea, Kamille, Birkenblättern, Hagebutte, Liebstöckel, Schachtelhalm, Katzenbart und Kalmus.

Volksheilkundlich wurden Bärentraubenblätter vor allem bei Harnwegsbeschwerden, seltener auch bei Durchfall und anderen Beschwerden verwendet. Im Vordergrund der heutigen medizinischen Bewertung stehen jedoch Anwendungen im Bereich der unteren Harnwege.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Bevorzugt werden standardisierte flüssige oder feste Darreichungsformen. Bei Verwendung der geschnittenen Droge wird häufig ein Kaltauszug empfohlen, da dieser weniger Gerbstoffe enthält als ein heisser Aufguss und meist besser verträglich ist.

Übliche Einzeldosis: 3 g Bärentraubenblätter auf 150 ml Wasser als Aufguss oder Kaltmazerat beziehungsweise entsprechende Zubereitungen. Die Einnahme erfolgt bis zu 4-mal täglich.

Die Anwendung sollte ohne ärztlichen Rat nicht länger als eine Woche dauern und höchstens fünfmal jährlich erfolgen.

SICHERHEIT

Mögliche unerwünschte Wirkungen sind vor allem Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Magenschmerzen. Eine grünlich-braune Verfärbung des Urins kann auftreten.

Nicht empfohlen wird die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Bei Fieber, Flankenschmerzen, Blut im Urin, Krämpfen, Harnverhalt, anhaltenden Beschwerden oder häufig wiederkehrenden Infekten ist eine ärztliche Abklärung notwendig.

Bärentraubenblätter-Zubereitungen sollten nicht zusammen mit Mitteln angewendet werden, die den Harn deutlich ansäuern, da dies die antimikrobielle Wirkung vermindern kann.

STATUS

  • Kommission E: positive Bewertung
  • ESCOP: positive Bewertung
  • HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Uvae ursi folium)

BÄRENTRAUBE IM GARTEN

Die Bärentraube liebt sonnige bis leicht schattige Standorte mit saurem, gut durchlässigem Boden. Bewährt haben sich lockere, sandige Substrate mit humosen Anteilen. Im Steingarten oder Alpinum entwickelt sich die Pflanze besonders gut.

Der Boden sollte mässig feucht, aber niemals staunass sein. Vermehrt wird die Pflanze vegetativ durch Absenker oder durch Stecklinge aus noch nicht vollständig verholzten Trieben. Die Blätter können ganzjährig geerntet werden.

Die Bärentraube wird viele Jahre alt, ist frosthart und bei geeignetem Standort ausgesprochen pflegeleicht. In meinem Garten wächst sie in Begleitung von Preiselbeere, Heidelbeere, Alpenrose und Rosenwurz.

SONSTIGES

Die Bärentraube scheint den griechischen und römischen Ärzten kaum bekannt gewesen zu sein. In nördlichen Regionen wurde sie dagegen schon früh als Heilpflanze genutzt und findet in englischen Kräuterbüchern des 13. Jahrhunderts Erwähnung.

Die roten Früchte sind für den Menschen geschmacklich wenig attraktiv, werden aber von verschiedenen Wildtieren gefressen. Der Name Bärentraube verweist auf diese Beobachtung.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) – traditionell bei Harnwegsbeschwerden und zur unterstützenden Prophylaxe verwendet.
  • Goldrute (Solidago virgaurea) – durchspülend bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege.
  • Birke (Betula pendula) – harntreibend und unterstützend bei Harnwegsbeschwerden.
  • Schachtelhalm (Equisetum arvense) – mild diuretisch bei Harnwegsbeschwerden.
  • Katzenbart (Orthosiphon aristatus) – durchspülend bei Beschwerden der ableitenden Harnwege.
  • Hauhechel (Ononis spinosa) – traditionell als harntreibende Arzneipflanze verwendet.

HÄUFIGE FRAGEN (FAQ)

  • Wofür werden Bärentraubenblätter angewendet?
    Bärentraubenblätter werden traditionell zur Linderung von Symptomen leichter wiederkehrender Infektionen der unteren Harnwege eingesetzt, etwa bei Brennen beim Wasserlassen oder häufigem Wasserlassen bei Frauen, nachdem ernsthafte Ursachen ärztlich ausgeschlossen wurden.
  • Wie wirken Bärentraubenblätter?
    Die enthaltenen Phenolglykoside, vor allem Arbutin, werden im Körper zu Hydrochinon-Derivaten umgewandelt, die über den Harn ausgeschieden werden und antimikrobiell wirken können.
  • Wie werden Bärentraubenblätter dosiert?
    Üblich sind bis zu 4-mal täglich 3 g der Droge auf 150 ml Wasser als Kaltauszug oder Aufguss beziehungsweise entsprechende Fertigarzneimittel.
  • Wie lange dürfen Bärentraubenblätter angewendet werden?
    Ohne ärztlichen Rat sollte die Anwendung nicht länger als eine Woche dauern und höchstens fünfmal jährlich erfolgen.
  • Wer sollte Bärentraubenblätter nicht anwenden?
    Nicht empfohlen wird die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren.
  • Können Bärentraubenblätter Antibiotika ersetzen?
    Ein gesicherter Ersatz für eine notwendige antibiotische Behandlung ist nicht belegt. Bei stärkeren, anhaltenden oder komplizierten Infektionen ist eine ärztliche Abklärung notwendig.
  • Sind Bärentraubenblätter für Männer geeignet?
    Harnwegsinfektionen bei Männern sollten grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden, da häufig die Prostata mitbetroffen ist und oft eine antibiotische Therapie erforderlich wird.

Letzte Änderung: 04.05.2026 / © W. Arnold