Birke (Betula pendula)
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Status | Birke im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die anerkannte medizinische Anwendung von Birkenblättern besteht in der Durchspülung der Harnwege, insbesondere bei Harnwegsentzündungen und Nierengriess sowie unterstützend bei bakteriellen Harnwegsinfektionen. Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
Betula pendula (syn. Betula alba, B. lobulata, B. odorata,
B. rhombifolia, B. verrucosa);
Gewöhnliche Birke (syn. Hängebirke, Harzbirke, Rauhbirke, Sandbirke,
Weissbirke)
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VORKOMMEN
Die Birke ist eine eurasische Pflanze und besiedelt mit Ausnahme Südeuropas und des nördlichen Skandinaviens weite Teile Europas. In Mitteleuropa ist die Birke eine typische Pionierbaumart, die Kahlflächen rasch besiedelt. Im Osten reicht ihr Verbreitungsgebiet bis nach Sibirien. In den Alpen wächst die Birke bis in Höhen von etwa 1900 m.
Die Birke ist gegenüber dem Boden wenig anspruchsvoll, wächst jedoch wegen der Konkurrenz anderer Baumarten bevorzugt auf sauren Böden. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt in den Nadelmischwäldern Sibiriens und Skandinaviens in Begleitung von Kiefer und Eiche.
MERKMALE
Die Hängebirke ist ein grosser Baum (bis zu 25 Meter hoch) mit schlankem, meist durchgehendem Stamm und lockerer, hochgewölbter Krone. Sie kann ein Alter von bis zu 150 Jahren erreichen. Die Hauptäste breiten sich weit aus, die Seitenzweige sind oft lang und herunterhängend. Der Baum ist raschwüchsig und zeigt eine ausserordentlich vielgestaltige Wuchsform.
Die Hängebirke besitzt eine weisse Glattrinde, die von einem Oberflächenperiderm gebildet wird. Mit zunehmendem Alter platzt die Rinde borkig auf und wird durch ein Tiefenperiderm ersetzt.
Die Hänge-Birke ist einhäusig. Weibliche und männliche Blüten sind getrennt in hängenden Kätzchen auf derselben Pflanze angeordnet. Die Blütezeit reicht von April bis Mai, die Samen reifen von August bis September.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Betulae cortex – (syn.: Cortex Betulae); Birkenrinde.
2. Betulae folium – (syn.: Folia Betulae, Folium Betulae); Birkenblätter.
3. Betulae succus recens – Frischer Birkensaft: durch Anbohren der Stämme gewonnener Saft.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Betulae cortex – Gerbstoffe (Proanthocyanidine und Leucoanthocyanidine) sind mit 4 bis 15 % enthalten. Bis zu 8 Triterpene (Betulin, Betulinsäure, Lupeol, Betulinaldehyd, β-Sitosterin) wurden identifiziert. Betulin stellt den Hauptanteil mit bis zu 22 % dar.
Im Weiteren finden sich Phenolcarbonsäuren (Benzoesäure, Salicylsäure, Vanillinsäure) sowie langkettige Fettsäuren. Ausserdem sehr wenig ätherisches Öl (ca. 0,05 %) mit monocyclischen Sesquiterpenen. Gefunden wurde bis zu 0,3 % Betulosid.
2. Betulae folium – 2 bis 3 % Flavonoide (vor allem Hyperosid ca. 0,8 % und Avicularin 0,6 %) sowie Glykoside des Quercetins, Myricetins und Kämpferols neben Proanthocyanidinen.
Triterpen-Saponine:
Triterpenalkohole vom Dammarantyp, u. a. Betulafolientriol,
teilweise mit hämolytischer Aktivität sowie acylierte
Dammaranderivate mit hämolytischer Aktivität.
Sehr wenig ätherisches Öl (bis 0,1 %). Im Weiteren Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäure, Chlorogensäure).
Weiterhin wurden bis zu 0,5 % Ascorbinsäure sowie etwa 4 % mineralische Bestandteile wie Kaliumtartrat und Calciumoxalat gefunden.
PHARMAKOLOGIE
Die pharmakologische Wirkung von Birkenblättern (Betulae folium) beruht hauptsächlich auf einem Zusammenwirken von Flavonoiden, Saponinen und Phenolcarbonsäuren.
Die harntreibende Wirkung (Diurese) wird vor allem den Flavonoiden zugeschrieben. Diese werden als Mitverursacher der diuretischen Wirkung angesehen. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt. Die gesteigerte Harnmenge führt zu einer mechanischen Durchspülung der ableitenden Harnwege.
Saponine können zusätzlich die Ausscheidung fördern und zeigen membranaktive Eigenschaften. Sie werden als Mitverursacher der diuretischen Wirkung diskutiert.
Phenolcarbonsäuren (z. B. Kaffeesäure, Chlorogensäure) besitzen antioxidative und schwach entzündungshemmende Eigenschaften. Diese können zur Linderung entzündlicher Prozesse im Bereich der Harnwege beitragen.
Für Extrakte aus Birkenrinde (Betulae cortex) sind entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Effekte beschrieben, die vor allem auf Triterpene wie Betulin und Betulinsäure zurückgeführt werden. Diese beeinflussen entzündliche Signalwege und fördern die Reepithelisierung der Haut.
Insgesamt ergibt sich eine Kombination aus diuretischer, schwach antiphlogistischer und unterstützend antimikrobieller Wirkung, die den Einsatz von Birkenblättern bei Harnwegsbeschwerden pharmakologisch plausibel erklärt.
EVIDENZ
Die Anwendung von Birkenblättern (Betulae folium) zur Durchspülung der Harnwege beruht vorwiegend auf traditioneller Anwendung und pharmakologischer Plausibilität. Klinische Studien zur Wirksamkeit bei Harnwegsinfektionen sind nur in sehr begrenztem Umfang verfügbar.
Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (HMPC) stuft Birkenblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein zur Durchspülung der Harnwege bei leichten Beschwerden.
Auch die positive Bewertung durch die Kommission E basiert auf langjähriger Anwendung sowie pharmakologischen Erkenntnissen. Eine ausreichende Evidenz im Sinne randomisierter, kontrollierter Studien liegt nicht vor.
In der wissenschaftlichen Literatur finden sich vorwiegend präklinische Untersuchungen sowie Arbeiten zu isolierten Inhaltsstoffen (z. B. Triterpene). Diese Ergebnisse sind jedoch nur eingeschränkt auf die klinische Anwendung von Birkenblättern übertragbar.
- HMPC-Monographie: Betulae folium (EMA/HMPC)
ANWENDUNG
1. Betulae cortex – Extrakte aus Birkenrinde zeigen entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Eigenschaften. Ein Gel mit Birkenrinden-Trockenextrakt (72–88 mg Betulin pro g Gel, Episalvan®) erhielt 2016 die Zulassung zur äusserlichen Behandlung oberflächlicher Hautwunden.
2. Betulae folium
Anerkannte medizinische Anwendung (Kommission E):
- Wirkungen: diuretisch.
- Anwendungsgebiete: Zur Durchspülung bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege sowie bei Nierengriess; unterstützend bei rheumatischen Beschwerden.
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Gegenanzeigen:
Keine bekannt.
Hinweis: Keine Durchspülungstherapie bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit. - Nebenwirkungen: Keine bekannt.
- Wechselwirkungen: Keine bekannt.
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Dosierung:
Soweit nicht anders verordnet:
Mehrmals täglich 2,0–3,0 g Droge;
entsprechende Zubereitungen. -
Art der Anwendung:
Zerkleinerte Droge oder Trockenextrakte für Aufgüsse
sowie andere galenische Zubereitungen und
Frischpflanzenpresssäfte zum Einnehmen.
Hinweis: Bei Durchspülungstherapie ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.
Die Bewertung durch ESCOP entspricht weitgehend den Angaben der Kommission E, wobei die unterstützende Behandlung rheumatischer Beschwerden nicht erwähnt wird.
Der HMPC stuft Birkenblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein: Betulae folium (EMA/HMPC)
Die harntreibende Wirkung der Birkenblätter ist seit Jahrhunderten bekannt. Blättertees werden traditionell bei Nierengriess sowie bei leichten Beschwerden der Harnwege angewendet.
Birkenblätter werden in Urologika häufig mit anderen Arzneipflanzen kombiniert, z. B. mit Bärentrauben, Hagebutte, Schachtelhalm, Goldrute, Brennnessel, Liebstöckel, Katzenbart und Hauhechel.
3. Betulae succus recens – Der frische Birkensaft wird innerlich als Nahrungsergänzung sowie äusserlich traditionell angewendet.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Teezubereitung (Birkenblätter):
2–3 g fein geschnittene Birkenblätter werden mit
kochendem Wasser übergossen und nach etwa
10–15 Minuten durch ein Teesieb filtriert.
Dosierung:
Mehrmals täglich eine Tasse trinken.
Im Rahmen einer Durchspülungstherapie ist auf eine
ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.
STATUS
(nur für Birkenblätter)
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: positive Bewertung
- HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Betulae folium)
BIRKE IM GARTEN
Die Birke ist ein schnell wachsender Baum und wird sehr gross. Für die Pflanzung ist daher ein ausreichend grosser Garten erforderlich, in dem auch eine stärkere Beschattung toleriert werden kann.
Die Birke ist gegenüber dem Boden wenig anspruchsvoll, verträgt jedoch keine Staunässe. Bevorzugt werden sonnige bis helle Standorte. Die beste Pflanzzeit ist im Frühjahr oder Herbst, also in der laublosen Zeit.
Die Birke ist pflegeleicht und benötigt in der Regel keine zusätzliche Düngung.
SONSTIGES
Im Frühjahr wird durch Anbohren der Stämme ein Saft gewonnen, aus dem Haarwasser und Birkenwein hergestellt werden. Aus der Rinde lässt sich Birkenteer (Pix Betulinae) gewinnen, der traditionell bei Hauterkrankungen sowie zur Behandlung von Leder (Juchtenöl) verwendet wurde.
Bei weiterer Destillation entsteht Birkenpech, das früher als vielseitiger Klebstoff diente.
In der Volksüberlieferung gilt die Birke als Symbol für Liebe, Glück, Schönheit und Schutz.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) – bei Harnwegsinfektionen mit antibakterieller Wirkung (Arbutin).
- Goldrute (Solidago virgaurea) – diuretisch und entzündungshemmend bei Harnwegsbeschwerden.
- Brennnessel (Urtica dioica) – harntreibend, unterstützend bei Durchspülungstherapie.
- Schachtelhalm (Equisetum arvense) – mild diuretisch, traditionell bei Harnwegsproblemen.
- Katzenbart (Orthosiphon aristatus) – stark diuretisch, häufig in Blasen- und Nierentees.
- Hauhechel (Ononis spinosa) – diuretisch bei Harnwegsbeschwerden und Nierengriess.
FAQ
Wofür werden Birkenblätter verwendet?
Birkenblätter (Betulae folium) werden traditionell zur Durchspülung der Harnwege bei leichten Beschwerden wie Harnwegsreizungen und Nierengriess eingesetzt.
Wirken Birkenblätter wirklich bei Harnwegsinfektionen?
Die Wirkung beruht hauptsächlich auf einer erhöhten Harnausscheidung (Diurese), die die Harnwege mechanisch durchspült. Eine direkte antibakterielle Wirkung ist nur schwach ausgeprägt, und klinische Studien sind begrenzt.
Wie wird Birkenblättertee zubereitet?
2–3 g fein geschnittene Birkenblätter werden mit kochendem Wasser übergossen und nach 10–15 Minuten abgeseiht. Mehrmals täglich eine Tasse trinken.
Gibt es Nebenwirkungen oder Risiken?
Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Eine Durchspülungstherapie sollte jedoch nicht bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit durchgeführt werden.
Wie ist die wissenschaftliche Evidenz?
Birkenblätter sind als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt. Die Anwendung beruht auf langjähriger Erfahrung und pharmakologischer Plausibilität, während klinische Studien nur in begrenztem Umfang vorliegen.
Letzte Änderung: 22.03.2026 / © W. Arnold





