Pfefferminze - Mentha x piperita

(syn. Mentha piperita)

Pfefferminze

Pfefferminze - Mentha x piperita

Pfefferminze

Pfefferminze - Blüte

VORKOMMEN

Die Pfefferminze stammt immer aus Kulturen der gemässigten Klimazonen in Europa und den USA. Die Duftpflanze verwildert häufig aus den Kulturen. Da Pfefferminze kultiviert wird, kommen Verwechslungen am Standort nicht vor. Die Pfefferminze ist anscheinend gegen Ende des 17. Jahrhunderts aus der Kreuzung zwischen der Wasserminze (Mentha aquatica) und der Ährigen Minze (Mentha spicata L. ssp. spicata) entstanden.

MERKMALE

Die Pfefferminze ist eine ausdauernde Pflanze, 50 bis 90 cm hoch, mit meist verzweigten Stengeln, meist ganz kahl, manchmal auch graufilzig, meistens violett überlaufen. Die Laubblätter sind länglich-eiförmig bis lanzettlich, gesägt und deutlich gestielt. Beim Zerreiben riechen sie intensiv nach dem darin enthaltenen Pfefferminzöl. Die Blütenkrone ist violett, innen kahl, mit fast gleichmässigem vierspaltigem Saum. Die Blütezeit ist Juli bis September. Die Grundachse der aufsteigenden Sprosse stehen nur bei Tageslängen über 14 h aufrecht (Langtagspflanze), haben gestielte Blätter und kommen zum Blühen. Im Kurztag, also vorrangig im Herbst, entwickeln sich die Sprosse mehr oder weniger ausläuferartig mit eng am Stengel anliegenden Blättern.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Menthae piperitae aetheroleum (syn. Oleum Menthae piperitae); Pfefferminzöl.
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2. Menthae piperitae folium (syn. Folia Menthae piperitae); Pfefferminzblätter (syn. Pfefferminze).

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Menthae piperitae aetheroleum:

Hauptkomponenten sind Menthol (35-45%), Menthon (15-20%), Menthylacetat (3-5%), 1,8-Cineol (6-8%), Menthofuran (möglichst unter 5%, riecht unangenehm ), Neomenthol, Isomenthon, Limonen, Pulegon, α- und β-Pinen, β-Caryophyllen, Viridiflorol und Germacren.

Menthol
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2. Menthae piperitae folium:

Ätherisches Öl (bis zu 4%), Zusammensetzung siehe Menthae piperitae aetheroleum.
Im weiteren Gerbstoffe, vor allem Lamiaceengerbstoffe, Phenolcarbonsäurederivate, unter anderem Rosmarinsäure, Kaffeesäure und p-Cumarsäure sowie Triterpene und Flavonoide (3- 6 %), vor allem Eriocitrin.

PHARMAKOLOGIE

Auch anhand von Metaanalysen ist die Wirksamkeit von magensaftresistenten Verabreichungen von Pfefferminzöl beim Reizdarmsyndrom belegt.
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Es wurden bisher unzählige pharmakologische Untersuchungen von Pfefferminzöl- und Blätter durchgeführt. Für die Pfefferminze ist insbesondere die spasmolytische und choleretische Wirkung von Bedeutung, die auch belegt ist.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E):

1. Menthae piperitae aetheroleum:

  • Wirkungen: Spasmolytisch, carminativ, cholagog, antibakteriell, sekretolytisch, kühlend.
  • Anwendungsgebiete: Innere Anwendung: krampfartige Beschwerden im oberen Gastrointestinaltrakt und der Gallenwege; Colon irritabile: Katarrhe der oberen Luftwege; Mundschleimhautentzündungen.
    Äussere Anwendung: Myalgien und neuralgiforme Beschwerden. Katarrhe der oberen Luftwege.
  • Gegenanzeigen: Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenentzündungen, schwere Leberschäden.
    Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit einem Arzt anzuwenden. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollten pfefferminzölhaltige Zubereitungen nicht im Bereich des Gesichts, speziell der Nase, aufgetragen werden.
  • Dosierung: Soweit nicht anders verordnet.
    Innere Anwendung: Mittlere Tagesdosis 6 bis 12 Tropfen, zur Inhalation 3 bis 4 Tropfen in heisses Wasser geben. Bei Colon irritabile: mittlere Einzeldosis 0,2 ml, mittlere Tagesdosis 0,6 ml, in magensaftresistenter Umhüllung
    Äussere Anwendung: In halbfesten und öligen Zubereitungen 5 bis 20 Prozent, in wassrig- ethanolischen Zubereitungen 5 bis 10 Prozent, in Nasensalben 1 bis 5 Prozent ätherisches Öl.
  • Nebenwirkungen: Bei empfindlichen Personen können Magenbeschwerden auftreten.
  • Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.

ESCOP: Pfefferminzöl innerlich zur symptomatischen Behandlung von Verdauungsbeschwerden wie Flatulenz; Reizdarm-Syndrom; Husten und Erkältungen. Äusserlich bei Erkältungen, rheumatischen Beschwerden, Spannungskopfschmerzen, bei Hautsymptomen wie Juckreiz, Nesselsucht und schmerzhaften Hautreizungen.

HMPC: Pfefferminzöl wurde vom HMPC für die Anwendung bei Husten und Erkältungen, bei lokalen Muskelschmerzen und bei Juckreiz der intakten Haut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt.

2. Menthae piperitae folium:

  • Wirkungen: Direkte spasmolytische Wirkung an der glatten Muskulatur des Verdauungstraktes; choleretisch und carminativ.
  • Anwendungsgebiete: Krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich sowie der Gallenblase-und Wege.
  • Gegenanzeigen: Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit einem Arzt anzuwenden.
  • Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.

ESCOP: Pfefferminzblätter zur symptomatischen Anwendung von Verdauungsbeschwerden wie Dyspepsie, Flatulenz und Gastritis.

HMPC: Pfefferminzblätter bei dyspeptischen Verdauungsbeschwerden und Flatulenz. In Kombination mit anderen Drogen zur Unterstützung der Verdauungsfunktion bzw. zur Unterstützung der Schleimlösung im Bereich der Atemwege.

Volkstümlich auch bei Übelkeit und leichtem Brechreiz.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

1. Menthae piperitae aetheroleum:
Äusserlich in Zubereitungen bei Muskel-, Gelenk- und auch Nervenschmerzen. In vielen Gels und Salben ist Pfefferminzöl (manchmal auch alkoholische Blattextrakte) enthalten, kombiniert mit z.B. Beinwell, Johanniskraut, Ringelblume, Echinacea, Eukalyptus, Rosmarin, Arnika und Thymian.
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Auch in Dul-X Crème (Topische Mittel gegen Muskel- und Gelenkschmerzen) ist Pfefferminzöl enthalten, neben den ätherischen Ölen von Anis, Scheinbeere, Zitronengras, Eukalyptus, Teebaum, Rosmarin, Thymian und Arnika (Ölextrakt).
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Pfefferminzöl wird ferner als Aromatikum verwendet.

2. Menthae piperitae folium:
Bestandteil vieler Teemischungen (siehe Anwendung) und Fertigarzeimitteln, so ist in Iberogast® neben der Bitteren Schleifenblume, Kümmel, Mariendistel, Melisse, Schöllkraut, Süssholz und Kamille auch die Pfefferminze enthalten.
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Auch in vielen pflanzlichen Beruhigungs- und Schlafmitteln ist die Pfefferminze enthalten, oft in Kombination mit Kamille, Hopfen, Baldrian, Anis, Rosmarin, Melisse, Artischocke und Lavendel.
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Teebereitung:
Ca. 1,5 g fein geschnittene Pfefferminzblätter mit 150 mL heissem Wasser übergiessen (nicht kochen!), 5 bis 10 Min. ziehen lassen und abseihen. 3-mal täglich 1 Tasse frisch bereiteten Pfefferminztee warm trinken.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
  • Klinische Studien: positiv

HOMÖOPATHIE

In homöopathischen Hustentropfen oft kombiniert mit z.B. Berberitze, Echinacea, Eucalyptus, Zaunrübe und Thymian.

PFEFFERMINZE IM GARTEN

Der optimale Standort für die winterharte Pfefferminze im Garten ist ein leicht sonniges bis halbschattiges Plätzchen. Die bis zu 100 Zentimeter hoch werdende Pfefferminze braucht einen feuchten und nährstoffreichen Boden. Dieser sollte humos, lehmig oder sandig sein. Wie alle Minze-Arten wuchert auch die Pfefferminze – lassen Sie ausreichend Platz zu den nächsten Pflanzen und bringen sie vor dem einpflanzen im Garten eine Wurzelsperre an. Sie können die Pfefferminze auch auch mit einem Topf in die Erde setzen oder auch in einem schönen Kübel auf die Terrasse stellen. Bevor die Pfefferminze gepflanzt wird, kann ein wenig Kompost in den Boden eingearbeitet werden. Weitere Düngergaben sind nicht unbedingt nötig, schaden ihr aber auch nicht. Soll die Pfefferminze frisch verbraucht werden, kann sie jederzeit geerntet werden, hier muss man nicht bis kurz vor die Blüte warten.

Pfefferminze

SONSTIGES

Die Pfefferminze (Mentha × piperita) ist eine beliebte Heil- und Gewürzpflanze aus der Gattung der Minzen. Es ist eine – vermutlich zufällig entstandene – Kreuzung zwischen M. aquatica und M. spicata, wobei M. spicata wiederum eine Kreuzung von M. rotundifolia und M. longifolia ist. Von anderen Minzen unterscheidet sich die Pfefferminze vor allem durch den hohen Menthol- und niedrigen Carvongehalt bzw. durch den schärferen Geschmack (daher der Name Pfefferminze).

Letzte Änderung: 05.02.2017 / © W. Arnold