Mariendistel - Silybum marianum

Silybum marianum (syn. Carduus marianus, Silybum maculatum);

Mariendistel (syn. Frauendistel).

Mariendistel

Mariendistel

VORKOMMEN

Die Mariendistel ist hauptsächlich im Mittelmeerraum verbreitet, vor allem auf der Pyrenäenhalbinsel bis Südrussland. Die schöne Distel ist in Nord- und Südamerika und auch in Südaustralien als invasive Pflanze eingeschleppt. Stellenweise wird die Mariendistel als Heilpflanze kultiviert.

Die Mariendistel mag trockene, steinige Böden (Ruderalstandorte) wie Schuttplätze, Wegränder oder Viehweiden.

Die Mariendistel ist eine dekorative Gartenpflanze, und sollte in keinem Heilpflanzengarten fehlen. Sie kann auch gut als Kübelpflanze gezogen werden.

MERKMALE

Die Mariendistel ist eine ein- manchmal auch zweijährige auffallend schöne Pflanze. Sie erreicht Wuchshöhen von bis zu 1.5 m. Die Blätter sind weissgefleckt, buchtig gelappt, stengelumfassend und mit Dornen besetzt. Die Blüten sind etwa 5 mm lang und sitzen in kugeligen Köpfchen. Die Hüllblätter sind zu starken Stacheln ausgebildet.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Cardui mariae fructus - (syn. Silybi marianae fructus, Semen Cardui mariae); Mariendistelfrüchte (syn. Frauendistelfrüchte, Magendistelsamen).

2. Cardui mariae herba - Mariendistelkraut.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Flavonolignane:
1,5 bis 3 % Silymarin (Isomerengemisch aus den Flavonolignanen, Silybin, Silychristin und Silydianin). In geringen Konzentrationen weitere Flavonolignane wie Isosilybin, Isosilicristin, Dehydrosilybin und Dehydrosilicristin. Im weiteren die 3-Desoxyverbindungen des Isosilybins (= Silandrin) und Silidianins (= Silymonin) sowie des Silicristins (= Silyhermin) und des Isosilicristins.

Mariendistel: Inhaltsstoffe

Flavonoide:
Nachgewiesen wurden Apigenin, Chrysoeriol, 5,7-Dihydroxychromon, Dihydrokämpferol, Isofraxidin, Naringenin, Quercetin und Taxifolin.

Neolignane: Dehydrodiconiferylalkohol.

Fettes Öl:
Bis zu 30 % fettes Öl mit hohem Linolsäureanteil (ca. 60 %), Ölsäure (bis zu 30 %) und Palmitinsäure (etwa 8 %), Stearinsäure (etwa 5 %), Arachidonsäure (etwa 3 %) und Behensäure (ungefähr 3 %) sowie Tocopherol und Sterole wie Campesterol, Cholesterol, β-Sitosterol.

Sonstige Verbindungen: Ca. 25 bis 30 % Eiweiss und Schleim.

PHARMAKOLOGIE

Silymarine verursachen eine Strukturveränderung der äusseren Leberzellmembranen, was zu einer leberschützenden (hepatoprotektiven) Wirkung führt. Ausserdem haben Silymarine Radikalfängereigenschaften und führen zu einer Stimulierung der Leberzellregeneration. Silymarine blockieren diverse Bindungs- oder Transportproteine an der Leberzellmembran und erschweren dadurch die Aufnahme von toxischen Stoffen. In der Leber wird der Glutathionspiegel erhöht. Die Biosynthese ribosomaler RNA wird angeregt durch die Förderung der Aktivität der DNA-abhängigen RNA-Polymerase I der Leberzellen. Die Proteinsynthese wird dadurch stimuliert.

ANWENDUNG

1. Cardui mariae fructus:

Anerkannte medizinische Anwendung (Kommission E):

  • Wirkungen: Silymarin wirkt antagonistisch gegenüber zahlreichen Leberschädigungsmodellen (siehe Pharmakologie).
  • Anwendungsgebiete: Droge: Dyspeptische Beschwerden. Zubereitungen: Toxische Leberschäden; zur unterstützenden Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose.
  • Gegenanzeigen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.
  • Nebenwirkungen:
    Droge: Keine bekannt.
    Zubereitungen: Vereinzelt wird eine leicht laxierende Wirkung beobachtet.
  • Dosierung: Soweit nicht anders verordnet:
    mittlere Tagesdosis Droge: 12-15g.
    Zubereitungen: Entsprechend 200-400 mg Silymarin, berechnet als Silibinin.
  • Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge für Aufgüsse sowie andere galenische Zubereitungenzum Einnehmen.

Die ESCOP äussert sich in gleicher Weise zu den Anwendungen, geht aber nicht auf die Droge ein, sondern bezieht sich auf standardisierte Mariendistel-Extraktpräparate und Silymarin.

Vom HMPC wurden Mariendistelfrüchte in Pulverform und andere Mariendistelfrüchte-Zubereitungen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

Weitere Anwendungen: Neben Gallenbeschwerden und dyspeptische Beschwerden werden Migräne, Reisekrankheit, Krampfadern und Pfortaderstauung genannt. Die Wirksamkeit bei diesen Indikationen ist nicht belegt.

Viele käufliche Gallen- und Lebertees enthalten neben der Mariendistelfrüchten z.B. Artischocke, Pfefferminze, Schafgarbe, Löwenzahn und Kamille. In der Volksheilkunde wird die Droge auch bei Kreislauferkrankungen, Hypertonie und gastrointestinalen Beschwerden eingesetzt.

In Iberogast® ist neben der Bitteren Schleifenblume, Engelwurz, Kümmel, Kamille, Melissen, Pfefferminze, Schöllkraut, Süssholz auch die Mariendistel enthalten.

2. Cardui mariae herba - Die Blattdroge wird heute kaum mehr eingesetzt. In der Volksheilkunde bei Verdauungsbeschwerden und Frauenleiden. Die Kommission E beurteilt Mariendistelkraut negativ, da kein Nachweis der Wirksamkeit vorhanden ist.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Als Lebertherapeutikum in Form von standardisierten Zubereitungen (Kapseln, Tabletten, Tinktur, Tropfen). Die Teezubereitung ist nicht gebräuchlich.

STATUS

HOMÖOPATHIE

1. Silybum marianum HAB 1; Mariendistel, die getrockneten Früchte.
Anwendungsgebiete: Erkrankungen der Leber und Galle.

MARIENDISTEL IM GARTEN

Mariendistel liebt sonnige und windgeschützte Plätze. Sandige, stark durchlässige Böden sind für den Anbau am besten. Moorböden und trockene Standorte werden ebenfalls toleriert. Der PH-Wert des Bodens sollte neutral bis leicht alkalisch sein. Die Heilpflanze hat einen mässigen Wasserbedarf. Auf trockenen Böden muss im Sommer öfters gegossen werden. Angebaut wird Mariendistel durch Aussaat, die Pflanze ist meistens einjährig. Im Garten macht sie sich gut neben anderen einjährigen Pflanzen, wie z.B. dem Einjährigen Beifuss.
Die Mariendistel ist eine sehr schöne Heilpflanze und kann auch als dekorative Kübelpflanze gezogen werden.

Mariendistel

SONSTIGES

Die heilige Maria soll beim stillen ihres Kindes einige Tropfen Milch verloren haben. Diese fielen auf die Blätter einer Distel, nämlich der Mariendistel. Die Heilpflanze hatte dieser Legende nach ihren Namen erhalten.
Die ursprüngliche Bezeichnung der Mariendistel war Carduus marianus (Carduus = Distel), später wurde sie in die neue Gattung Silybum überführt.

Wissenschaftler vom Krebszentrum der Colorado State University haben 2011 eine Studie veröffentlicht, wonach die Zufuhr von Mariendistel das Wachstum von Lungenkrebs bei Mäusen verlangsamt.
Die Droge war lange in Vergessenheit geraten. Inzwischen fanden die Mariendistelfrüchte bzw. seine Inhaltsstoffe durch umfangreiche analytische und klinische Studien ihre wissenschaftliche Bestätigung.

Letzte Änderung: 07.07.2017 / © W. Arnold