Bittere Schleifenblume - Iberis amara

Iberis amara (syn. Biauricula amara, Thlaspi amarum);
Bittere Schleifenblume (syn. Bitterer Bauernsenf, Grützblume, Bauernsenf).

Bittere Schleifenblume

VORKOMMEN

Die Bittere Schleifenblume ist heimisch in Mittel- und Südeuropa. Verbreitet in Nordspanien und Frankreich, nach Norden bis Südengland. Die Pflanze kommet vor allem in Getreideäckern, auf sommertrockenen, basenreichen, meist kalkhaltigen, steinigen Lehmböden vor. Manchmal ist sie auch im offenen Flusskies zu finden. Als verwilderte Zierpflanze ist die Schleifenblume gelegentlich an Schuttstellen zu finden. In Deutschland ist die bittere Schleifenblume vom Aussterben bedroht.

MERKMALE

Die Bittere Schleifenblume wird 10–40 cm hoch, ist oben verzweigt und mehr oder weniger behaart. Die Blätter sind lanzettlich bis spatelförmig geformt, bis zu 5 cm lang und etwa 8 mm breit, jederseits mit 2-4 stumpfen Zähnen, am Rande sind sie bewimpert. Die Kronblätter sind weiss oder rötlich, die äusseren sind 6-8 mm lang, ca. 2mal so lang wie die inneren. Der Fruchtstand ist verlängert. Die Fruchtstiele sind fast rechtwinklig abstehend, kurz behaart, 1-2mal so lang wie die Schötchen. Diese sind rundlich, 4-7 mm lang, vorn geflügelt und spitzwinklig ausgerandet.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Iberidis semen - (syn. Semen Iberidis); Schleifenblumensamen, die reifen Samen.
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Iberis amara totalis - (Herba Iberidis, Iberis amara recens); Schleifenblumenkraut, die frische oder gefrorene, ganze blühende Pflanze.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Iberidis semen:

Cucurbitacine
: Die Cucurbitacine bilden das bittere Prinzip der Samen. Hauptkomponenten sind Cucurbitacin E und Cucurbitacin I (0,2 bis 0,4 %, bez. auf das Frischgewicht), daneben finden sich Spuren weiterer Cucurbitacine.
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Fettes Öl: Die Samen enthalten etwa 13 % fettes Öl, das hauptsächlich aus Behensäure, Ölsäure, Palmitinsäure, Linolensäure, Arachidonsäure und Linolsäure besteht.
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Glucosinolate: In den Samen sind noch Glucosinolate (1,4 % bez. auf Frischgewicht) wie Glucoiberin, Glucocheirolin und Glucoibervirin enthalten.
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Hydmxyzimtsäurederivate: Aus den Samen wurde ein Sinapinsäureester in Mengen von 0,15 % isoliert.

Cucurbitacin E: Inhaltsstoff der Bitteren Schleifenblume

Iberis amara totalis:

In der Ganzpflanze sind abhängig vom Reifegrad der Samen Cucurbitacine mit den Hauptsubstanzen Cucurbitacin E und Cucurbitacin I sowie Glucosinolate enthalten.
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In den Blüten findet man reichlich Flavonolglykoside mit Kämpferol und Quercetin als Aglyka. Ein neues und für Iberis amara charakteristisches Flavonolglykosid ist Kämpferol-3,4'-0-diglucosyl-7-0- rhanmosid.
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Die Frischpflanze enthält in allen Teilen noch verschiedene Amine, wie z.B. 3-Methylthiopropylamin, (R)-3-Methylsulphinylpropylamin und Ethanolamin.

Glucoiberin: Inhaltsstoff der Bitteren Schleifenblume

PHARMAKOLOGIE

In einer Studie mit Patienten mit Colon irritabile (Reizdarm) wurde in Trend zur Besserung der Symtome nach 4-wöchiger Behandlung mit Frischpflanzensaft der Bitteren Schleifenblume beobachtet. In Iberogast® trägt die Bitteren Schleifenblume wohl wesentlich zur Gesamtwirkung bei.

ANWENDUNG

Wegen ihres bitteren Geschmacks hat die Bittere Schleifenblume anregende Wirkungen auf die Magen- und Gallensaftsekretion; ausserdem hat sie krampflösende und entzündungshemmende Eigenschaften. Die Bittere Schleifenblume wurde im späten Mittelalter sowie in der frühen Neuzeit mitunter als günstiges Hausmittel, meist als Wein oder Tonikum, gegen Krämpfe und Entzündungen genutzt.
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In Iberogast® ist neben Engelwurz, Kümmel, Mariendistel, Melisse, Pfefferminze, Schöllkraut, Süssholz und Kamille auch die Bittere Schleifenblume enthalten.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Die Bittere Schleifenblume alleine wird heute nicht mehr arzneilich genutzt, aber ihre Frischpflanzenextrakte sind neben anderen Wirkstoffen wesentlicher Bestandteil einiger Fertigpräparate. Indikationen sind Magen-Darmstörungen wie Reizmagen, Reizdarm, Krämpfe, Schleimhautentzündungen, Magengeschwüre, Verdauungsbeschwerden und Übelkeit.

STATUS

  • Kommission E: - Keine Bearbeitung, da nur in Kombinationspräparaten enthalten.
  • ESCOP: - Keine Bearbeitung
  • HMPC: - Keine Bearbeitung

HOMÖOPATHIE

Iberis amara HAB1; Schleifenblume, die getrockneten, reifen Samen.
Anwendungsgebiete: Erkrankungen des Herzens (Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche) und des arteriellen Gefässsystems.

BITTERE SCHLEIFENBLUME IM GARTEN

Der Boden für die Schleifenblume soll leicht trocken sein und ein schwach saures bis alkalisches Milieu haben. Die Bittere Schleifenblume hat es gerne sonnig, ideal ist ein Steingarten oder eine Natursteinmauer. Sie bildet ein dichtes blumiges Polsterkraut und blüht von Mai bis April. Die Pflanze kann aus Samen gezogen werden, oder sie kaufen sich Jungpflanzen in der Gärtnerei. Die bittere Schleifenblume ist immergrün und sehr pflegeleicht und zudem auch frosthart.

Bittere Schleifenblume

SONSTIGES

Die Anwendung der Bitterer Schleifenblume war bereits im Altertum bekannt. Angeblich soll der Name Iberis von einem Arzt geprägt sein, der mit der Pflanze seinen Freund in Iberien geheilt haben soll (lat amara = bitter).
Nach anderen Quellen ist der Gattungsname Iberis griechisch und bedeutet „Kresse”. Das Artepitheton amara (lat. ,amarus' = bitter) bezieht sich wohl auf den bitteren Geschmack der alten Heilpflanze. Die ungleiche Grösse der vier weissen Kronblätter erinnert an eine Schleife, daher „Schleifenblume”.

Letzte Änderung: 18.03.2017 / © W. Arnold