Rosmarin - Rosmarinus officinalis

Rosmarinus officinalis (syn. Rosmarinus angustifolius, R. flexuosus, Salvia rosmarinus)

Rosmarin

Rosmarin - Rosmarinus officinalis

Rosmarin - Rosmarinus officinalis

VORKOMMEN

Rosmarin wächst im westlichen und zentralen Mittelmeerraum wild, insbesondere in Küstenregionen von Portugal bis zum Ionischen Meer. Auch im östlichen Mittelmeergebiet und am Schwarzen Meer wird die Art seit der Antike kultiviert und tritt gelegentlich verwildert auf, manchmal sogar bestandsbildend, z.B. auf Santorin. Rosmarin bevorzugt sonnige, trockene, kalkreiche Standorte.

MERKMALE

Rosmarin ist ein immergrüner, buschig verzweigte Strauch und duftet intensiv aromatisch. Er erreicht eine Grösse von 0,5 bis 2 Meter. Die Äste sind braun und meist aufrecht. Die Blüten können das ganze Jahr über entstehen. Sie stehen an zwei- bis zehnblütigen, sternhaarig-filzigen Scheinquirlen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Rosmarini aetheroleum - Rosmarinöl
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2. Rosmarini folium - Rosmarinblätter
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3. Flores Rosmarini - Rosmarinblüten

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Rosmarini aetheroleum - 1,8-Cineol (etwa 15–55 %), Campher (10–25 %), 1-Pinen (15–25 %), Camphen (5–10 %), Borneol (2 %), Sesquiterpene, Monoterpenole, Phenole, Ketone und Ester.

2. Rosmarini folium - Rosmarin enthält 2,5 % ätherische Öle (Terpene: Cineol, Borneol, Bornylacetat, Campher, Carnosol, Carnosolsäure, Terpineol), 8 % Gerbstoff (hauptsächlich Rosmarinsäure), Flavonoide, Glycolsäure, Bitterstoffe, Saponine, Harz.

3. Flores Rosmarini - Ätherisches Öl.

Rosmarin: Inhaltsstoffe

PHARMAKOLOGIE

Das ätherische Rosmarinöl bildet je nach Standort, Höhenlage, Klima und Boden unterschiedliche Chemotypen aus, die sich in komplett verschiedenen Inhaltsstoffen und Wirkweisen unterscheiden.

Rosmarinus officinalis Chemotyp 1,8 Cineol enthält 45 % Oxide, 30 % Monoterpene, Sesquiterpene, Monoterpenole, Phenole, Ketone und Ester.

Rosmarinus officinalis Chemotyp Verbenon enthält 50 % Monoterpene, 15 % Ketone, Monoterpenole, Ester und Oxide.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen:

  • Kommission E:
    Innerlich: bei dyspeptischen Beschwerden (Verdauungsstörungen im Oberbauch);
    Äussere Anwendung: Kreislaufbeschwerden, zur unterstützenden Therapie rheumatischer Erkrankungen.
  • ESCOP:
    Zur Verbesserung der Leber- und Gallefunktion sowie bei dyspeptischen Beschwerden;
    Äusserlich zur unterstützenden Therapie rheumatischer Erkrankungen und bei Kreislaufbeschwerden sowie als leichtes Antiseptikum zur Förderung der Wundheilung.
  • Rosmarinblätter und Rosmarinöl wurden vom HMPC hat als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.


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ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

In der Naturheilkunde wird Rosmarin innerlich als Tee zur Kreislaufanregung und gegen Blähungen verwendet, vor allem wirkt er anregend bei der Blutzufuhr zu den Unterleibsorganen und der Bildung von Magen- und Darmsaft. Auch wirkt die Droge galle- und harntreibend und findet als Tee Anwendung als Appetitanreger. Hier wird Rosmarin gerne gemischt mit Schafgarbe, Bitterorange, Tausengüldenkraut, Anis, Basilikum, Koriander und Fenchel.

Zu hohe Dosen können Rauschzustände und Krämpfe auslösen. Tagesdosen von 6 g Blätter für Teeaufgüsse, 20 Tropfen ätherisches Öl und 50 g für Bäder sollten nicht überschritten werden; Schwangeren wird generell von der Einnahme abgeraten.

Nach dem Europäischen Arzneibuch zeigt Rosmarinöl antimikrobielle Aktivität gegen zahlreiche Bakterien, Hefen und Schimmelpilze und wirkt auf der Haut durchblutungsfördernd. Bei Kreislaufbeschwerden, rheumatischen Erkrankungen, Zerrungen wird eine 6- bis 10-prozentige Zubereitung in Form von Badezusätzen oder in 6- bis 10-prozentigen Salben angegeben.

In Dul-X Emulsion und Crème ist Rosmarinöl neben z.B. Anis, Eukalyptus, Scheinbeere, Pfferminze, Thymian und Arnika enthalten.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft

HOMÖOPATHIE

Rosmarinus officinalis HAB 1; Rosmarin, die getrockneten Blätter.
Anwendungsgebiet: Erkrankungen des Zentralnervensystems und der weiblichen Geschlechtsorgane.

ROSMARIN IM GARTEN

Rosmarin ist eine wärme- und sonneliebende Pflanze, selbst die pralle Sonne in der Mittagszeit verträgt er gut. Er ist mehrjährig, aber in unseren Breiten nur bedingt winterhart. Rosmarin gibt es in jeder guten Gärtnerei als Jungpflanze.
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Der ideale Boden für den Rosmarin ist locker und sandig, am besten eine Mischung aus vorhandener Gartenerde und Sand. Er reagiert empfindlich auf Nässe, ein durchlässiger Boden ist also wichtig für den Halbstrauch. Aus dem Grund können Sie den Lippen­blütler auch auf einen kleinen „Hügel“ pflanzen, den Sie mit Kieselsteinen abdecken. Der Rosmarin erhält nur sparsam Wasser. Die Erde soll sich vollsaugen können und bis zur nächsten Wassergabe austrocknen. Kurzzeitige Ballentrockenheit verträgt die Pflanze gut. Pflanzen im Topf brauchen ab und zu etwas Dünger.
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Als Winterschutz eignet sich Rindenmulch und Fliess. Vor dem Einpacken werden die Triebe auf eine Höhe von ungefähr 10 Zentimetern zurückgeschnitten. Haben sie Rosmarin in einen Topf gepflanzt, muss dieser an einem frostsicheren und hellen Ort überwintern.

Rosmarin

SONSTIGES

Als Symbol repräsentierte Rosmarin die Liebe. In der antiken Kultur hat der Rosmarin als eine den Göttern, insbesondere der Aphrodite, geweihte Pflanze eine grosse Rolle gespielt. Troubadoure überreichten der Dame ihrer Wahl Rosmarin, Ophelia band Hamlet einen Rosmarinkranz als Zeichen ihrer Treue und in Deutschland trugen Bräute lange Zeit einen Rosmarinkranz, bevor die Myrte in Mode kam.

Letzte Änderung: 21.12.2016 / © W. Arnold