Echter Kümmel - Carum carvi

Kümmel (syn. Echter Kümmel, Feldkümmel, Garbe, Gemeiner Kümmel, Gewöhnlicher Kümmel, Wiesenkümmel).
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Carum carvi
(syn. Apium carvi, Selinum carvi, Karos carvi, Seseli carum, Sium carum, Aegopodium carum, Carum decussatum, Carum aromaticum, Carum officinale).

Kümmel

Carum carvi

Kümmel

VORKOMMEN

Der Echte Kümmel ist in Eurasien beheimatet. Heute heimisch in fast ganz Europa. Kümmel ist wildwachsend auf Wiesen und an Wegrändern zu finden, auch in den Alpen. Die Pflanze kommt ausserdem in Sibirien, Kaukasus, Vorderasien, Himalaya, Mongolei und Marokko vor. In Nordamerika ist er nicht heimisch, sondern nach Einfuhr verwildert.

MERKMALE

Der Echte Kümmel ist 30–60 cm hoch, kahl und sparrig verzweigt. Kümmel ist eine zweijährige krautige Pflanze. Die unteren Blätter sind 2-3fach gefiedert, im Umriss länglich. Die Teilblätter der letzter Ordnung sind fiederteilig mit fein zugespitzten Zähnen und Spitzen. Das unterste Teilblattpaar der untersten Blätter ist auffallend nach unten abgerückt. Die oberen Blätter sind viel kleiner und feiner. Die Dolden sind 8-16strahlig. Eine Hülle fehlt meistens, die Hüllchen sind 0–2blättrig. Die Blüten sind weiss oder rötlich. Die Frucht ist oval, 3–3,5 mm lang und kahl, zerrieben riechen die Früchte aromatisch.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Carvi fructus - (syn. Fructus Carvi); Kümmelfrüchte.
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2. Carvi aetheroleum - (syn. Oleum Carvi); Kümmelöl, das aus den reifen Früchten gewonnene ätherische Öl.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Carvi fructus - Die Droge enthält 3 bis 7 % ätherisches Öl (siehe unten). Weiter Fettes Öl, Kohlenhydrate, Phenolsäuren und Depside, Flavonoide (Quercetin und Kämpferol) sowie Flavonolglykoside (hauptsächlich Isoquercitrin und Astragalin) und wenig Cumarine.

Carvon, Limonen

2. Carvi aetheroleum - Kümmelöl besteht zu 45 bis 65 % aus (S)-(+)-Carvon und zu 30 bis 40 % aus (R)-(+)- Limonen. Ersteres ist für den typischen Geruch des Öls verantwortlich.
Folgende weitere Terpene sind vorhanden: Myrcen, α-Phellandren, p-Cymen und β-Caryophyllen sowie cis- und trans-Carveol, cis- und trans-Dihydrocarvon und trans-Dihydrocarveol. Carvenon, Carvacrol und Perillalkohol sind Destillations- bzw. Lagerungsartefakte.

PHARMAKOLOGIE

Kümmel hat eine stärkere krampflösende Wirkung als Anis oder Koriander. Für Kümmelöl wurden antimikrobielle Eigenschaften nachgewiesen.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendung (Kümmelfrüchte) der Kommission E:

  • Wirkungen: Spasmolytisch, antimikrobiell
  • Anwendungsgebiete: Dyspeptische Beschwerden wie leichte, krampfartige Beschwerden im Magen- Darm-Bereich, Blähungen und Völlegefühl
  • Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Nicht bekannt
  • Dosierung: Soweit nicht anders verordnet: Tagesdosis: 1,5-6 g Droge; Zubereitungen entsprechend
  • Art der Anwendung: Frisch zerkleinerte Droge für Aufgüsse sowie andere galenische Zubereitungen zum Einnehmen

In gleicher Weise äussert sich die ESCOP, erweitert aber das Anwendungsgebiet von Kümmel auf die Behandlung von blähenden Koliken bei Kindern und das Roemheld-Syndrom.
Kümmel und Kümmelöl wurden vom HMPC als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft.

Allgemein gilt:
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1. Carvi fructus - Kümmelfrüchte wirken spasmolytisch und antimikrobiell. Die Anwendung erfolgt bei dyspeptische Beschwerden wie leichte, krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, Blähungen und Völlegefühl, nervöse Herz-Magen-Beschwerden und bei Verdauungsbeschwerden bei Säuglingen.
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2. Carvi aetheroleum - Dyspeptische Beschwerden, wie leichte, krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, Blähungen und Völlegefühl.

Kümmel (bzw. Kümmelöl) ist in vielen Fertigpräparaten enthalten. In Iberogast® ist neben der Bitteren Schleifenblume, Engelwurz, Kamille, Mariendistel, Melissen, Pfefferminze, Schöllkraut, Süssholz auch der Kümmel enthalten.
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Auch in Kernosan Heidelberger Kräuterpulver ist Kümmel neben Wermut, Anis, Fenchel, Wacholder, Schafgarbe und Bibernelle vorhanden.
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Kümmel ist auch in Weleda Stilltee, neben Anis, Bockshornklee, Fenchel und Zitronenstrauch, enthalten.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

1. Carvi fructus - Teezubereitung: Ein bis zwei Teelöffel voll Kümmelfrüchte werden unmittelbar vor Gebrauch gequetscht und mit einer Tasse siedendem Wasser (ca. 150 mL) aufgegossen. Nach 15 Minuten (bedeckt stehen lassen!) gibt man durch ein Teesieb.
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2. Carvi aetheroleum - Gebräuchliche Einzeldosis: ein bis zwei Tropfen auf Zucker. Tagesdosis: drei bis sechs Tropfen.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

HOMÖOPATHIE

Carum carvi HAB1, die getrockneten, reifen Früchte.

Anwendungsgebiet: Die Anwendungsgebiete sind nicht ausreichend belegt.

KÜMMEL IM GARTEN

Kümmel ist eine pflegeleichte Heilpflanze, die auch in schwierigen Lagen wächst. Die Pflanze liebt einen sonnigen Standort, kommt aber auch mit einem mässig halbschattigen Platz zurecht. Die zweijährige Kümmel-Pflanze braucht einen feuchten, nicht zu sandigen und eher kalkhaltigen Boden. Dieser kann ruhig mit etwas Kompost verbessert werden. In den gelockerten und gut vorbereiteten Boden bringt man den Kümmelsamen als Direktsaat ein, oder man kauft sich in der Kräutergärtnerei Jungpflanzen.
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Der Kümmel ist eine recht robuste, winterharte krautige Heilpflanze, die normalerweise von April bis Juni des zweiten Anbaujahres erblüht. Auch bei kurzen Trockenperioden sollten Sie den Kümmel, wie auch andere Kräuter im Garten, regelmässig giessen. Die Früchte des Kümmels werden in den Sommermonaten langsam braun, ein Zeichen dafür, dass sie geerntet werden können. Man schneidet das ganze Kraut und trocknet dieses auf einer sauberen Unterlage. Danach können die Samen ausgeklopft werden.

Kümmel

SONSTIGES

Das Wort Kümmel ist dem lateinischen cuminum entlehnt, das wiederum aus dem hebräischen kammon stammen soll.
Kümmelfrüchte wurden schon in Ausgrabungen von Pfahlbauten gefunden, die sich auf 3000 v. Chr. zurückdatieren lassen. Die Verwendung des Kümmels in der Küche lässt sich bereits in dem Apicius zugeschriebenen Kochbuch De re coquinaria nachweisen, das wahrscheinlich im 3. Jahrhundert n. Chr. entstand.

Letzte Änderung: 05.01.2017 / © W. Arnold