Echte Kamille - Matricaria recutita

Chamomilla recutita (syn. Chamomilla meridionalis, C. vulgaris, Chrysanthemum suaveolens, Matricaria pusilla, M. chamomilla, M. suaveolens)
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Echte Kamille (syn. Deutsche Kamille, Feldkamille, Hermel, Kamille, Kleine Kamille).

Kamille

Echte Kamille - Matricaria recutita

Kamille - Matricaria recutita

Echte Kamille - Matricaria recutita

VORKOMMEN

Die ursprüngliche Heimat der Echten Kamille ist Vorderasien, Süd- und Osteuropa. Heute ist sie in ganz Europa, auch in Nordamerika und in Australien eingebürgert. Sie wächst auf Äckern, Wegrändern und auf Ödland, bevorzugt auf frischen, nährstoffreichen, eher humosen Lehm- und Tonböden. Sie kommt bis in die montane Höhenstufe vor, in Tirol steigt sie bis 1300 m. Kultiviert wird die Echte Kamille vor allem in Bulgarien, Ungarn, Ägypten und Argentinien.
Die Echte Kamille ist eine schöne Gartenpflanze und gehört in jeden Naturgarten.

MERKMALE

Die Echte Kamille ist eine einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 50 cm. Alle Pflanzenteile besitzen einen starken, charakteristischen Kamillengeruch. Die Wurzeln sind dünn und spindelförmig. Die Stängel sind aufrecht oder aufsteigend und kahl, im oberen Teil sind sie meist sehr stark verzweigt.
Die Laubblätter sind 4 bis 7 cm lang und zwei- bis dreifach fiederteilig. Die einzelnen Zipfel sind schmal linealisch, knapp 0,5 mm breit, und tragen eine Stachelspitze.
Die Blütenköpfe stehen einzeln und haben einen Durchmesser von 1,5–2,5 cm. Die Zungenblüten sind weiss und 5-10 mm lang. Die Röhrenblüten sind gelb. Der Blütenboden ist kegelförmig und ohne Spreublätter. Die Echte Kamille blüht von Mai bis September.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Matricariae flos - Kamillenblüten, getrocknete, ganze, teilweise oder vollständig zerfallene Blütenkörbchen und kleine Teile der Blütenstiele.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Der für die Nutzung wesentliche Bestandteil der Echten Kamille ist das ätherische Öl, das 0,3 bis 1,5 % der Pflanzenmasse ausmacht. Die quantitativ vorherrschenden Bestandteile sind (−)-α-Bisabolol (5–70 %), die Bisabololoxide A, B und C (5–60, 5–60 bzw. 0–8 %), β-trans-Farnesen (7–45 %), cis-(Z)- und trans-(E)-En-In-Dicycloether (2–30%), sowie die Guaian-Derivate Spathulenol (rund 1 %) und Chamaviolin. Chamazulen, das zu 1 bis 35 % vorkommt, ist ein Artefakt, das durch Esterspaltung, Wasserabspaltung und Decarboxylierung aus dem nichtflüchtigen Matricin entsteht. An Sesquiterpenlactonen (Guaianolide) kommen neben Matricin (0,03–0,2 %) noch Matricarin und Desacetylmatricarin vor. Der Gehalt an Flavonoiden beträgt bis zu 6 %, es wurden über 30 Verbindungen isoliert, darunter Apigenin, Apigenin-7-O-Glucosid, verschiedene Derivate davon, weiters Quercetin, Chrysoeriol, Lutein, Patuletin, Rutin, Hyperosid und Cosmosiin. Weitere Verbindungen sind Cumarine (Umbelliferon, Herniarin, Aesculetin, Cumarin, Scopoletin, Isoscopoletin), rund 2,5 % 2-Glucosyl-4-methoxyzimtsäure, Anissäure, Kaffeesäure, Vanillinsäure und Syringasäure. Der Schleimstoffgehalt beträgt 3 bis 10 %.

Kamille: Inhaltsstoffe

PHARMAKOLOGIE

Die Kamillenblüten haben eine entzündungshemmende Wirkung für die primär (-)-α-Bisabolol, Chamazulen, Chamazulencarbonsäure und die En-In-Dicycloether verantwortlich sind. Die Flavonoide sind an diesem Effekt ebenfalls beteiligt, bei topischer Anwendung aber nur die Aglyka. Angriffspunkte der wirksamen Substanzen sind die Eicosanoidbiosynthese (Hemmung der Cyclooxygenase-2 und Lipoxygenasen) sowie die Mastzelldegranulation (Hemmung der Histaminfreisetzung).

Die krampflösende Wirkung wird von (-)-α-Bisabolol, den Bisaboloiden, den En-In-Dicycloethern und den Flavonoiden verursacht.

Die Hemmung der Magensäure durch Kamillenblüten (ulkusprotektiven Wirkung) wird durch Komponenten des ätherischen Öls ausgelöst, besonders durch (-)-α-Bisabolol und Chamazulen.

Die Inhaltsstoffe (-)-α-Bisabolol und die En-In-Dicycloether besitzen auch bakteriostatische und fungistatische Wirkung.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen:

ESCOP und Kommission E
Innerlich:

  • Krämpfe im Magen-Darm-Bereich
  • entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts (z.B. bei Gastritis oder Magengeschwüren)

äusserlich:

  • entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts (z.B. bei Gastritis oder Magengeschwüren).
  • zur Wundbehandlung bei oberflächlichen Hautverletzungen, Ulcus cruris, Dekubitus, Verbrennungen, Operationswunden, Bestrahlungsschäden, Sonnenbrand, Frostbeulen.
  • Erkrankungen im Anal- und Genitalbereich (Bäder, Spülungen).
  • Atemwegsinfekte und Reizzustände der Luftwege (Inhalationen).

Kamillenblüten und Kamillenöl wurden vom HMPC als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft.

Die Kamillenblüten haben einen angenehmen Duft. Sie werden eingesetzt als Entzündungshemmer, zur Krampflösung, gegen Blähungen und als Magenmittel. Sie haben ebenfalls desodorierende und bakterienabschreckende Wirkung. Hauptanwendungsgebiete sind bei innerlicher Anwendung Magen- und Darmbeschwerden wie Gastritis, Enteritis, Colitis, Blähungen, krampfartige Beschwerden im Verdauungstrakt und Menstruationsbeschwerden. Äusserliche Anwendung findet die Echte Kamille bei Haut- und Schleimhautentzündungen, bei bakteriellen Hauterkrankungen, auch der Mundhöhle und des Zahnfleisches. Bei entzündlichen Erkrankungen der Luftwege werden Inhalationen vorgenommen. Bei Erkrankungen im Anal- und Genitalbereich werden Bäder und Spülungen vorgenommen. Von einer Anwendung des Aufgusses im Augenbereich wird abgeraten - Kamille kann auf die Augen reizend wirken.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Teebereitung: Ein Esslöffel Kamillenblüten (= ca. 3-4 g) wird mit heissem Wasser (ca. 150 mL = 1 Tasse) übergossen. Nach 5 bis 10 Minuten wird durch ein Teesieb filtriert. Beim Teeaufguss verbleiben bis zu 70 % des ätherischen Öls und der nichtflüchtigen Bestandteile im Rückstand. Die Anwendung von standardisierten Fertig­präpa­ra­ten ist empfehlenswert.

In Iberogast® ist neben der Bitteren Schleifenblume, Engelwurz, Kümmel, Mariendistel, Melissen, Pfefferminze, Schöllkraut, Süssholz auch die Kamille enthalten.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
  • Klinische Studien: positiv

HOMÖOPATHIE

Chamomilla recutita HAB1, die frische, ganze, blühende Pflanze.
Anwendungsgebiet: Erkrankungen der Atemwege, Entzündungen und krampfartige Beschwerden der Verdauungsorgane.

KAMILLE IM GARTEN

Die Kamille ist eine Pflanze deren Anbau absolut unkompliziert ist. Sie ist eine sonnenliebende Heilpflanze. Im Garten erfolgt der Anbau bevorzugt auf Schwarzerde-, Aue- und sandigen Lehmböden; sie wächst jedoch auch mit geringerem Ertrag auf Braunerde und Sandböden. Der pH-Wert des Bodens sollte im leicht sauren bis alkalischen pH-Bereich liegen. Auf sauren Böden nimmt Echte Kamille verstärkt Schwermetalle wie beispielsweise Cadmium auf, das sich in den Stängeln, aber auch den Blüten anreichert. Der Anbau erfolgt durch Direktaussaat, die im Herbst unter Überwinterung der Pflanzen im Jungpflanzenstadium oder im Frühjahr erfolgen kann. Einmal angesiedelt vermehrt sich die Kamille durch Selbstaussaat. Für die Pflege der Kamille gibt es keine besonderen Empfehlungen. Als Topfpflanze will sie in der Hauptsache regelmässig gegossen werden.

Kamille

SONSTIGES

Die Kamille ist eine alte Heilpflanze, die vor allem bei Magen- und Darmbeschwerden sowie bei Entzündungen Verwendung findet. Die Echte Kamille wurde vom Verband Deutscher Drogisten (VDD) im Jahre 1987 zur ersten Arzneipflanze des Jahres gekürt. Ausserdem wählte man sie zur Heilpflanze des Jahres 2002.

Letzte Änderung: 31.12.2016 / © W. Arnold