Zaunrübe (Bryonia alba, Bryonia cretica)

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe / Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Die Zaunrübe hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Die Wurzel enthält stark wirksame und toxikologisch problematische Inhaltsstoffe. Historische Anwendungen als drastisches Abführmittel oder Brechmittel sind obsolet; von einer Selbstanwendung ist abzuraten.

Bryonia alba (syn. Bryonia monoeca, B. nigra, Vitis alba, Vitis nigra); Weisse Zaunrübe, schwarzbeerige Zaunrübe.

Bryonia cretica L. (einschliesslich der in älterer Literatur häufig als Bryonia dioica bezeichneten rotfrüchtigen Sippe); Zweihäusige Zaunrübe, rote Zaunrübe, rotfrüchtige Zaunrübe.

VORKOMMEN

Die Weisse Zaunrübe (Bryonia alba) ist ursprünglich in östlichen und südöstlichen Teilen Europas bis nach Westasien verbreitet. In Mitteleuropa ist sie gebietsweise eingebürgert. Sie wächst an Hecken, Zäunen, Gebüschen und nährstoffreichen Standorten.

Zaunrübe (Bryonia alba) an einem Zaun

Weisse Zaunrübe (Bryonia alba) mit Blättern und Früchten

Die Zweihäusige Zaunrübe (Bryonia cretica) ist im westlichen Mittelmeerraum, in Teilen Mittel- und Südeuropas sowie in Nordafrika verbreitet. Auch sie kommt an Hecken, Mauern, Gebüschen und anderen rankgeeigneten Standorten vor.

Zweihäusige Zaunrübe (Bryonia cretica) in Blüte

Rote Früchte der Zweihäusigen Zaunrübe (Bryonia cretica)

MERKMALE

Beide Zaunrüben sind mehrjährige, kletternde Pflanzen aus der Familie der Cucurbitaceae. Sie besitzen rankende Sprosse, gelappte Blätter und eine kräftige, rübenförmige Wurzel. Die Weisse Zaunrübe ist der rotfrüchtigen Form im Habitus sehr ähnlich, trägt jedoch schwarze Beeren. Die Zweihäusige Zaunrübe ist zweihäusig, ihre reifen Früchte sind scharlachrot. Die Pflanzen führen einen scharfen Milchsaft.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Bryoniae radix (syn. Radix Bryoniae) – Zaunrübenwurzel aus Bryonia alba beziehungsweise Bryonia cretica.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

In der Wurzel finden sich vor allem Cucurbitacine und deren Glykoside, ausserdem Triterpene wie Bryonolsäure und weitere Begleitstoffe. Für Bryonia cretica wurden zusätzlich Bryocumarsäure, Chrysophansäure und ribosomeninaktivierende Proteine wie Bryodin beschrieben.

Cucurbitacin-Strukturen als Inhaltsstoffe der Zaunrüben

PHARMAKOLOGIE

Cucurbitacine zeigen in experimentellen Untersuchungen zellschädigende, entzündungsmodulierende und zytotoxische Effekte. Solche Befunde erklären das pharmakologische Interesse an der Pflanze, begründen aber keine therapeutische Anwendung. Die gleiche Stoffgruppe ist wesentlich für die Giftigkeit der Zaunrüben mitverantwortlich. Historisch wurden der Wurzel drastisch abführende und brechreizerregende Wirkungen zugeschrieben.

EVIDENZ

Die Evidenz für eine medizinische Anwendung der Zaunrübe ist unzureichend. Es liegen vor allem historische Angaben, ethnomedizinische Berichte sowie experimentelle Arbeiten zu einzelnen Inhaltsstoffen und Extrakten vor. Klinische Studien, die eine sichere und wirksame therapeutische Anwendung der Zaunrübenwurzel belegen, fehlen. Wegen der Giftigkeit überwiegen heute toxikologische Vorbehalte deutlich gegenüber einem möglichen Nutzen.

  • Ukiya et al. (2002) – experimentelle Untersuchung zu entzündungshemmenden und tumorpromotionshemmenden Effekten von Cucurbitan-Glykosiden aus Bryonia dioica-Wurzeln.
  • Benarba et al. (2012) – in-vitro-Arbeit zu apoptoseinduzierenden Effekten eines wässrigen Extrakts aus Bryonia dioica.
  • Kujawska et al. (2019) – kultur- und medizinhistorischer Überblick zu Bryonia alba.
  • Muñoz et al. (1992) – toxikologische Arbeit zu einem toxischen Protein aus Früchten von Bryonia dioica.

ANWENDUNG

Die Zaunrübenwurzel wurde früher als drastisches Abführmittel und Brechmittel verwendet. Solche Anwendungen gelten heute als obsolet. Die Droge wird therapeutisch nicht empfohlen. Experimentelle Untersuchungen zu einzelnen Extrakten oder Inhaltsstoffen ändern nichts daran, dass für die Pflanze als Arzneidroge keine ausreichende klinische Absicherung besteht.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Giftpflanze. Für die Zaunrübenwurzel besteht keine vertretbare Dosierungsempfehlung für die Selbstanwendung. Die historische Arzneidroge ist obsolet.

SICHERHEIT

Die Zaunrübe ist eine giftige Pflanze. Besonders Wurzel und Beeren sind toxikologisch relevant. Beschrieben werden unter anderem starke Reizungen des Magen-Darm-Trakts mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Wegen der Giftigkeit und der fehlenden therapeutischen Absicherung ist von einer innerlichen oder äusserlichen Selbstanwendung abzuraten.

STATUS

  • Kommission E: negative Bewertung der Zaunrübenwurzel
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

GARTEN

Beide Arten bevorzugen warme, sonnige bis halbschattige Standorte und klettern an Zäunen, Sträuchern oder Rankhilfen. Die kräftigen Wurzeln machen die Pflanzen ausdauernd. Im Garten ist wegen der Giftigkeit Vorsicht geboten, besonders in Haushalten mit Kindern. Die auffälligen roten oder schwarzen Beeren sind dekorativ, aber nicht harmlos.

Rote Zaunrübe an einer Rankhilfe im Garten

Zaunrübe an einem Fenster im Garten

Kräftige Wurzel einer Zaunrübe

SONSTIGES

Die Zaunrübe war bereits in der Antike bekannt. Die oft menschenähnliche, rübenförmige Wurzel wurde in der Volksüberlieferung manchmal mit der Alraune in Verbindung gebracht. Der Gattungsname Bryonia geht auf antike Bezeichnungen für rankende Pflanzen zurück. Kulturgeschichtlich ist die Pflanze interessant, medizinisch steht heute jedoch ihre Giftigkeit im Vordergrund.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Alraune (Mandragora officinarum) – kulturgeschichtlich ähnlich aufgeladene Giftpflanze mit starker Überlieferung.
  • Koloquinte (Citrullus colocynthis) – ebenfalls cucurbitacinhaltige Pflanze mit drastischer Wirkung und erheblicher Toxizität.
  • Berberitze (Berberis vulgaris) – traditionsreiche Arzneipflanze, deren innere Anwendung heute ebenfalls zurückhaltend beurteilt wird.

FAQ

  • Hat die Zaunrübe eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Die Zaunrübenwurzel hat keine anerkannte medizinische Anwendung.
  • Ist die Zaunrübe giftig?
    Ja. Besonders Wurzel und Beeren sind giftig.
  • Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
    Vor allem Cucurbitacine und ihre Glykoside sind pharmakologisch und toxikologisch relevant.
  • Gibt es klinische Belege für eine Anwendung?
    Nein. Es fehlen ausreichende klinische Studien für eine sichere und wirksame therapeutische Anwendung.
  • Sollte die Pflanze medizinisch selbst verwendet werden?
    Nein. Wegen der Giftigkeit ist von einer Selbstanwendung abzuraten.

Letzte Änderung: 19.04.2026 / © W. Arnold