Johanniskraut - Hypericum perforatum

Hypericum perforatum (syn. Hypericum officinarum, H. officinale, H. vulgare);
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Echtes Johanniskraut (syn. Herrgottsblut, Hexenkraut, Tüpfel-Hartheu).

Johanniskraut

Johanniskraut

Johanniskraut - Hypericum perforatum
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Johanniskraut

VORKOMMEN

Das Johanniskraut ist in Europa, Westasien und Nordafrika heimisch. Das Echte Johanniskraut ist bei uns in Wiesen, am Böschungen und in lichten Wäldern verbreitet. In mageren Wiesen breitet sie sich dann aus, wenn diese nicht regelmässig gemäht werden. Das Johanniskraut ist eine interessante und schöne Pflanze und gehört in jeden Naturgarten. Bei mir im Garten wächst es an eher trockenen Stellen in Begleitung von Schöllkraut, Thymian, Rosmarin, Schwalbenwurz, Malven und Goldrute.

MERKMALE

Das Echte Johanniskraut erreicht wuchshöhen von bis zu 1 Meter. Sie ist eine ausdauerne Pflanze mit astigen Wurzeln. Der Stengel ist stielrund mit 2 Längskanten. Die Blätter sitzen elliptisch-eiförmig oder sind kurzgestielt. Die Blätter sind durchscheinend punktiert, am Rande mit schwarzen Drüsen.
Die Blüten sind goldgelb mit schwarzen Punkten oder Strichen. Die Blüte sitz auf einem schwarzdrüsigem Stiel, in trugdoldigem Blütenstand. Die Frucht ist breit bis schmal eiförmig, mit Drüsen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Hyperici flos recens (syn. Flores Hyperici recentes); Frische Johanniskrautblüten.

Hyperici herba
(syn. Herba Hyperici, Herba Solis, Hypericum cum flore, Sumitates Hype­rici); Johanniskraut (syn. Blutkraut, Feldhopfenkraut, Tüpfelhartheu).

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Naphthodianthrone:
Johanniskraut enthält durchschnittlich 0.1 - 0.3 % Naphthodianthrone, darunter Hypericin, Pseudohypericin, Protohypericin, Protopseudohypericin, Cyclohypericin und Skyrinderivate. Diese sind vor allem in den Exkretblättern der Blüten und Knospen lokalisiert.

Hypericin

Flavon- und Flavonolderivate:
Nachgewiesen wurden 2 bis 4 % Flavonoide, vorwiegend Quercetinglykoside mit Hyperosid (ca. 0,7 %), Quercitrin (ca. 0,3 %), Rutosid ca. (0,3 %) und Isoquerictrin (ca. 0,3 %) als Hauptkomponenten. Ferner die Aglyka Quercetin, Kämpferol, Luteolin und Myricetin sowie Biflavone wie I3,II8-Biapigenin, Amentoflavon.

biapigenin

Phloroglucinderivate:
Hauptsächlich Hyperforin 2 bis 4 % (HPLC) neben wenig Adhyperforin. Der Hyperforingehalt ist am höchsten in reifen Früchten (etwa 4,5 %), Adhyperforin wurde in einer erheblichen Menge von ca. 1,8 % in Früchten nachgewiesen.

Hyperforin

Xanthone:
In der Droge wurden etwa 2-4 % gefunden, vor allem 1,3,5-trioxygenierte Xanthone und Xanthanolignoide, wie z.B. Kielkorin und 1,3,6,7-Tetrahyroxyxanthon.

Ätherisches Öl.:
Durch Wasserdampfdestillation lassen sich bis ca. 1 % ätherisches Öl aus der Droge gewinnen. Hauptbestandteile sind höhere n-Kohlenwasserstoffe insbesondere 2-Methyloctan, Undecan und Dodecanol sowie Mono- und Sesquiterpene mit α-Pinen und Caryophyllen als Hauptvertreter. Nachgewiesen wurde auch 2-Methyl-3-buten-2-ol, bekannt als Abbauprodukt im Hopfen.

Procyanidine und Gerbstoffe:
Procyanidin B2. Gerbstoffe: Verbindungen vom Catechin-Typ, Gehalt 6,5-15 %.

Weitere Bestandteile:
Wachse (Paraffine und Wachsalkohole), Pflanzensäuren (Kaffee- und Chlorogensäure), Cholin und Spuren von Alkaloiden. Ein weiterer bedeutsamer Inhaltsstoff ist mit bis zu 7,2 % Gehalt im ätherischen Öl das Sesquiterpen Spathulenol.

PHARMAKOLOGIE

Aus heutiger Sicht gilt wohl Hyperforin als Hauptwirkstoff des Johanniskrauts. Standardisierter Johanniskrautextrakt erhöht durch eine Wiederaufnahmehemmung der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin deren Konzentration an den Synapsen. Die Wirksamkeit der Extrakte ist mit der von synthetischen Antidepressiva wie Sertralin (SSRI), bzw. Imipramin (trizyklisches Antidepressivum) durchaus vergleichbar.
Auch die Konzentration von Gamma-Aminobuttersäure (GABA), Dopamin und L-Glutamat steigt an, was in dieser Form kein synthetisches Antidepressivum vermag. In der Folge vermindert sich die Anzahl der noradrenergen β-Rezeptoren, ausserdem bewirkt es eine Downregulation der 5-HT2-Rezeptoren.
Heute gilt es als sicher, dass neben Hyperforin auch Hypericine, Flavonoide und die Biflavone zur Wirksamkeit der Johanniskraut-Extrakte beitragen.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E):

  • innerlich:
    psychovegetative Störungen, depressive Verstimmungszustände, Angst und/oder nervöse Unruhe; ölige Johanniskraut-Zubereitungen bei dyspeptischen Beschwerden;
    äusserlich:
    ölige Johanniskraut-Zubereitungen zur Behandlung und Nachbehandlung von kleinen Wunden, bei Myalgien (Muskelschmerzen) und Verbrennungen 1. Grades.

Die ESCOP definiert die Anwendung wie folgt:

  • leichte depressive Störungen oder leichte bis mittelschwere depressive Episoden entsprechend ICD-10.

Vom HMPC wurde das Johanniskraut für die Behandlung leichter und mittelschwerer Depressionen sowie zur kurzzeitigen Behandlung depressiver Störungen als „medizinisch allgemein anerkannt" beurteilt.

Wichtig: Johanniskraut ist kaum in der Lage Angst -oder Panikstörungen zu lindern! Für diese Anwendungen ist die Passionsblume oder der Lavendel besser geeignet.

Johanniskraut wird auch in Gelen gegen Muskel- und Gelenkschmerzen angewendet, of in Kombination mit z.B. Beinwell, Ringelblume, Echinacea und Pfefferminze.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Hauptsächlich in Form standardisierter Extrakte in Fertigarzneimitteln (z.B. Jarsin®, Rebalance®, Remotiv®, Ceres®, Hyperiforce®) zur Behandlung leichter bis mittelschwerer depressiver Verstimmungen. Die Arzneimittel werden regelmässig ein- bis dreimal täglich mit bzw. nach den Mahlzeiten eingenommen. Die antidepressiven Effekte treten verzögert innert zwei bis vier Wochen ein. Konsultieren sie auf jeden Fall ihren Arzt oder Apotheker.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
  • Klinische Studien: positiv

WECHSELWIRKUNGEN

Lange Zeit galten Hypericumpräparate als fast völlig frei, von Nebenwirkungen, bis 1999 erst Berichte über die zum Teil erhebliche Abschwächung der Wirksamkeit von Cyclo­sporin, Amitriptylin, Digoxin und anderen erschienen sind.
Hypericumpräparate können die Wirkung von zahlreichen Wirkstoffen verringern. Betroffen sind insbesondere:

  • Cumarinartigen gerinnungshemmenden Mitteln (z.B. Phenprocoumon u.ä. )
  • Ciclosporin und andere Immunsuppressiva
  • Digoxin
  • Methadon
  • Indinavir und anderen Protease-Hemmstoffen in der Anti-HIV-Behandlung.

Ausserdem besteht die Gefahr eines Serotoninsyndroms mit Antidepressiva und anderen serotoninerge Substanzen (wie Buspiron, Amitriptylin, Nortriptylin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin u.a.).

In Einzelfällen wurden Wechselwirkungen auch mit Theophyllin, oralen Kontrazeptiva, Amitriptylin und anderen beobachtet. Die Ursache dieser Interaktionen wird in einer Induktion von CYP450-Isoenzymen durch Hypericum-Inhaltsstoffe gesehen, auch eine Stimulierung der P-Glykoproteine wird vermutet. Nicht angewendet werden sollen Hypericum-Präparate bei Anwendung von intensiver UV-Bestrahlung (Höhensonne, Solarien, längere Sonnenbäder), da Hypericine photosensibilisierend wirken.

HOMÖOPATHIE

Hypericum perforatum - Johanniskraut (Hypericum)
Anwendungsgebiet: Verletzungen des zentralen und peripheren Nervensystems; Verstimmungszustände.

JOHANNISKRAUT IM GARTEN

Das Johanniskraut ist eine anspruchslose und dekorative Staudenpflanze. Für nährstoffarme Wildgärten ist es besonders gut geeignet.
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Der Anbau von Johanniskraut im eigenen Garten ist einfach. Am besten die Saat in kleinen Töpfen vorkeimen lassen. Bedecken Sie diese nur mit wenig Erde. Nach ca 10 Tagen müssen die Setzlinge pickiert werden. Bei einer Grösse von ca. 10 cm werden die Jungpflanzen an ihren entgültigen Standort verpflanzt.
Die Vermehrung kann neben der Aussaat auch durch Wurzelteilung (Herbst) älterer Pflanzen vorgenommen werden. Mann kann auch die Ausläufer lösen, die sich auf der Mutterpflanze bilden und diese neu pflanzen. In meinem Heilpflanzengarten erhält sich das Johanniskraut von alleine.
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Das Johanniskraut stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden, liebt es jedoch kalkhaltig. Nur Staunässe muss vermieden werden.
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Das mehrjährige Johanniskraut ist winterhart und bleibt (ohne besonderen Schutz) das ganze Jahr im Garten.
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Knospen, Blüten und Zweigspitzen des Johanniskrauts werden ein- bis zweimal pro Jahr während der Blütezeit geerntet. Anschliessend wird das Erntegut im Schatten bei max. 40 °C getrocknet.

Johanniskraut

SONSTIGES

Das auffallende Johanniskraut heisst unter anderem "Hartheu", weil ihre Stengel derb und hart sind. Die Namen Johannis- und Sonnwendkraut beziehen sich auf die Blütezeit.

Letzte Änderung: 13.02.2017 / © W. Arnold