HEILPFLANZEN

Johanniskraut - Hypericum perforatum

Hypericum perforatum (syn. Hypericum officinarum, H. officinale, H. vulgare);
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Echtes Johanniskraut (syn. Herrgottsblut, Hexenkraut, Tüpfel-Hartheu).
Johanniskraut
Johanniskraut
Hypericum perforatum - Johanniskraut
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VORKOMMEN

Das Johanniskraut ist in Europa, Westasien und Nordafrika heimisch. In Mitteleuropa ist die Pflanze häufig snzutreffen, in lichten Wäldern, Gebüschen, Wegrändern, Magerwiesen und -rasen, in Ginster- und Heidekrautheiden, in Brachen und Waldverlichtungen oder auf Bahnschotter als Pionierpflanze.
Aufgrund der Verwendung als Heilpflanze wird das echte Johanniskraut landwirtschaftlich angebaut. Gleichzeitig gilt es im übrigen landwirtschaftlichen Anbau als "Unkraut".
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MERKMALE

Das Echte Johanniskraut erreicht wuchshöhen von bis zu 1 Meter. Sie ist eine ausdauerne Pflanze mit astigen Wurzeln. Der Stengel ist stielrund mit 2 Längskanten. Die Blätter sitzen elliptisch-eiförmig oder sind kurzgestielt. Die Blätter sind durchscheinend punktiert, am Rande mit schwarzen Drüsen.

Die Blüten sind goldgelb mit schwarzen Punkten oder Strichen. Die Blüte sitz auf einem schwarzdrüsigem Stiel, in trugdoldigem Blütenstand. Die Frucht ist breit bis schmal eiförmig, mit Drüsen.
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DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Hyperici flos recens (syn. Flores Hyperici recentes); Frische Johanniskrautblüten.
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Hyperici herba (syn. Herba Hyperici, Herba Solis, Hypericum cum flore, Sumitates Hype­rici); Johanniskraut (syn. Blutkraut, Feldhopfenkraut, Tüpfelhartheu).
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WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

HyperforinJohanniskraut guter Qualität enthält durchschnittlich 0,1–0,15 % Gesamt-Hypericine (Ph. Eur. 5.0, S. 2485), welche vor allem in den Exkretblättern der Blüten und Knospen lokalisiert sind. Diese setzen sich aus durchschnittlich 0,2–0,3 % Hypericin, Pseudohypericin und ähnlichen Substanzen zusammen. Für die Wirksamkeit sind des Weiteren 2–4 % Flavonoide und Bioflavone verantwortlich. Bisher ausschliesslich in dieser Art nachgewiesen wurden das antibiotisch wirksame Hyperforin sowie das Adhyperforin in den Blüten (2 %) und Früchten (4 %).
Nachdem der Hypericingehalt bis 1995 zur Bestimmung der Wirksamkeit der Droge Hyperici herba benutzt wurde, geht man inzwischen davon aus, dass die therapeutische Wirksamkeit durch ein Zusammenwirken mehrerer Wirkstoffe und Wirkmechanismen zusammenkommt. Zur Arzneimittelherstellung werden Hypericingehalte von 0,15 % und hohe Flavonoidgehalte gefordert, zudem müssen Grenzwerte für Cadmium (0,5 mg/kg) und Blei (5,0 mg/kg) eingehalten werden. Ein weiterer medizinisch wirksamer Inhaltsstoff ist mit bis zu 7,2 % Gehalt im ätherischen Öl das Sesquiterpen Spathulenol.
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PHARMAKOLOGIE

Als Hauptwirkstoff des Johanniskrauts gilt Hyperforin. Standardisierter Johanniskrautextrakt erhöht durch eine Wiederaufnahmehemmung der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin deren Konzentration an den Synapsen. Ebenfalls steigt auch die Konzentration von Gamma-Aminobuttersäure (GABA), Dopamin und L-Glutamat an, was in dieser Form kein Antidepressivum vermag. In der Folge vermindert sich die Anzahl der (noradrenergen) β-Rezeptoren, ausserdem bewirkt es eine Downregulation der 5-HT2-Rezeptoren.
Die Wirkung der Johanniskraut-Präparate soll auf die chemisch definierten Substanzen Hyperforin und Hypericin zurückzuführen sein. Diese bewirken eine geringe bis mittelstarke cerebrale Wiederaufnahmehemmung von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin; dies sind bekannte Wirkmechanismen synthetischer Antidepressiva. Das Verhältnis der Wiederaufnahmehemmung beträgt in tierexperimentellen Untersuchungen Serotonin:Dopamin:Noradrenalin:GABA:Glutamat = 2:1:5:1:11. Eine MAO-Hemmung wurde immer wieder behauptet, konnte aber nie nachgewiesen werden. Andere Rezeptoren werden nicht beeinflusst.
Wie synthetische Antidepressiva zeigen auch Johanniskraut-Arzneimittel eine gewisse Wirklatenz, d. h., man spürt erst nach mehreren Wochen der Einnahme eine Verbesserung der depressiven Symptome.
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ANWENDUNG

Bereits in der Antike wurde Johanniskraut als Heilpflanze verwendet. Heute wird es als pflanzliches Arzneimittel zur Behandlung von leichten bis mittelstarken depressiven Verstimmungen oder nervöser Unruhe eingesetzt. Äusserlich werden ölige Zubereitungen angewendet. Die Pflanze wurde im Herbst 2014 von Wissenschaftlern der Universität Würzburg („Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“) mit Verweis auf das grosse medizinische Potenzial zur „Arzneipflanze des Jahres 2015“ gewählt.
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Johanniskraut wird auch in Gelen gegen Muskel- und Gelenkschmerzen angewendet, of in Kombination mit z.B. Beinwell, Ringelblume, Echinacea und Pfefferminze.
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HOMÖOPATHIE

Hypericum perforatum - Johanniskraut (Hypericum)
Anwendungsgebiet: Verletzungen des zentralen und peripheren Nervensystems; Verstimmungszustände.
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Wichtig: Johanniskraut ist nicht in der Lage Angst -oder Panikstörungen zu lindern!
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WECHSELWIRKUNGEN

Lange Zeit galten Hypericumpräparate als fast völlig frei, von Nebenwirkungen, bis 1999 erst Berichte über die zum Teil erhebliche Abschwächung der Wirksamkeit von Cyclo­sporin, Amitriptylin, Digoxin und anderen erschienen sind. In Deutschland hat das Bun­des­institut für Arzneimittel ziemlich rasch reagiert (übrigens auch einige Hersteller) und eine Anhörung zur Abwehr von Arzneimittelrisiken, Stufe II, eingeleitet. Demnach sollen Hypericumpräparate nicht zusammen mit

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Cumarinartigen gerinnungshemmenden Mitteln (z.B. Phenprocoumon u.ä. )
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Ciclosporin und andere Immunsuppressiva
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Digoxin
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Methadon
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Indinavir und anderen Protease-Hemmstoffen in der Anti-HIV-Behandlung angewendet werden.

Ausserdem besteht die Gefahr eines Serotoninsyndroms mit Antidepressiva und anderen serotoninerge Substanzen (wie Buspiron, Amitriptylin, Nortriptylin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin u.a.).

In Einzelfällen wurden Wechselwirkungen auch mit Theophyllin, oralen Kontrazeptiva, Amitriptylin und anderen beobachtet. Die Ursache dieser Interaktionen wird in einer Induktion von CYP450-Isoenzymen durch Hypericum-Inhaltsstoffe gesehen, auch eine Stimulierung der P-Glykoproteine wird vermutet. Nicht angewendet werden sollen Hypericum-Präparate bei Anwendung von intensiver UV-Bestrahlung (Höhensonne, Solarien, längere Sonnenbäder), da Hypericine photosensibilisierend wirken.
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JOHANNISKRAUT IM GARTEN

JohanniskrautDas Johanniskraut ist eine anspruchslose und dekorative Staudenpflanze. Für nährstoffarme Wildgärten ist es besonders gut geeignet.
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Der Anbau von Johanniskraut im eigenen Garten ist einfach. Am besten die Saat in kleinen Töpfen vorkeimen lassen. Bedecken Sie diese nur mit wenig Erde. Nach ca 10 Tagen müssen die Setzlinge pickiert werden. Bei einer Grösse von ca. 10 cm werden die Jungpflanzen an ihren entgültigen Standort verpflanzt.
Die Vermehrung kann neben der Aussaat auch durch Wurzelteilung (Herbst) älterer Pflanzen vorgenommen werden. Mann kann auch die Ausläufer lösen, die sich auf der Mutterpflanze bilden und diese neu pflanzen. In meinem Heilpflanzengarten erhält sich das Johanniskraut von alleine.
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Das Johanniskraut stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden, liebt es jedoch kalkhaltig. Nur Staunässe muss vermieden werden.
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Das mehrjährige Johanniskraut ist winterhart und bleibt (ohne besonderen Schutz) das ganze Jahr im Garten.
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Knospen, Blüten und Zweigspitzen des Johanniskrauts werden ein- bis zweimal pro Jahr während der Blütezeit geerntet. Anschliessend wird das Erntegut im Schatten bei max. 40 °C getrocknet.
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SONSTIGES

Schon die Germanen verehrten das Johanniskraut als Lichtbringer und Symbol für die Sonne. Geerntet wurde es zur Sommersonnenwende am 21. Juni, und zu Sonnenwendfeiern tragen Frauen und Mädchen Kränze aus Johanniskraut. Mit der Christianisierung verschob sich die rituelle Bedeutung auf Johannes den Täufer. Auf diesen beziehen sich neben dem deutschen Namen auch der englische St John's wort und der spanische Name hierba de San Juan, da die Pflanze um den Johannistag (24. Juni) herum blüht.
Letzte Änderung: 08.04.2015 / © W. Arnold
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Spacer Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Spacer M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
Spacer Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
Spacer Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
Spacer L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.
Spacer M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen; Nikol Verlag, 2013.


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Icon JOHANNISKRAUT-FORSCHUNG
Wie Johanniskraut wirkt
Icon Johanniskraut - Schweizer Radio und Fernsehen (Video, 3:15)


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Hypericum perforatum - Johanniskraut


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  Ordnung
Familie
Gattung
Art
Malpighiales
Hypericaceae
Hypericum
Echtes Johanniskraut
  Wiss. Bez. Hypericum perforatum


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Spacer Verwechslungen: Verwechslungsgefahr besteht mit den nahe verwandten Species H. hirsutum, H. maculatum (am häuf­igsten), H. montanum und H. tetrap­terum. Diese Arten kommen sehr oft vergesel­lschaftet mit der offizinellen Art vor.
Spacer Bei milder bis mittelschwerer De­pres­sion ist die klinische Wirksamkeit vielfach nachgewiesen.


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Hypericum perforatum - Johanniskraut Briefmarke

Die von meinem Foto entstandene Briefmarke der Schweizer Post (2003)



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Spacer Kommission E: positiv
Spacer Klinische Studien: positiv



 

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