Teebaum - Melaleuca alternifolia

Teebaum bzw. das Teebaumöl hat eine anerkannte medizinische Anwendung. Dieses wird aus den Blättern und Zweigspitzen durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Teebaumöl wird bei bakteriellen Infektionen und Pilzinfektionen der Haut einschliesslich Furunkulose, Fusspilz, Nagelpilz und Schuppen und zur Eradikation von MRSA bei Krankenhausaufenthalten, sowie bei vaginalen Infektionen eingesetzt. Für die Mehrheit der Indikationen werden Verdünnungen des Öles eingesetzt. Es darf nicht eingenommen werden und soll nicht in die Augen gelangen.

Melaleuca alternifolia (syn. Melaleuca linariifolia var. alternifolia)

Teebaum (Melaleuca alternifolia)

ALLGEMEINES

Als Teebaum werden verschiedene Bäume und Sträucher der Gattungen Baeckea, Kunzea, Leptospermum und Melaleuca (Myrtaceae) bezeichnet. Im 18. Jahrhundert wurde im australasiatischen Raum aus ihren Blättern Tee zubereitet.
Während die Bezeichnung Teebaumöl im engeren Sinn für das Australische Teebaumöl steht, wird sie im weiteren Sinn für die ätherischen Öle von verschiedenen Arten dieser Gattungen verwendet.
Im folgenden wird also der Australische Teebaum (Melaleuca alternifolia) beschrieben.

VORKOMMEN

Diese australische Art hat ihre Heimat in New South Wales und Queensland. Dort wächst der Australische Teebaum entlang von Flüssen und in Sümpfen.

MERKMALE

Der Australische Teebaum (Melaleuca alternifolia) ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum, der Wuchshöhen von bis zu 7 (bis 10) Meter erreicht. Er weist eine weisse, papierähnliche Borke auf. Die Rinde junger Zweige und die Blütenstände sind seidig behaart; die Rinde älterer Zweige ist kahl. Die gegenständig bis wirtelig angeordneten Laubblätter sind lanzettlich, gerade bis sichelförmig gebogen, etwa 1 bis 3,5 cm lang und 1 mm breit. Der Blattstiel ist nur etwa 1 mm lang.
Die vielblütigen, ährigen, 3 bis 5 cm langen Blütenstände wirken durch die vielen weissen Staubblätter der dicht stehenden Blüten wie weisslicher Flaum. Die Blütezeit ist im Frühling.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Melaleucae aetheroleum (syn. Oleum Melaleucae);
Teebaumöl, das aus den Blättern und Zweigspitzen gewonnene ätherische Öl. Das Teebaumöl stammt zu zu 90% aus Australien.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Gaschromatografische Analysen ergaben, dass Teebaumöl ein Gemisch aus ca. 100 Substanzen ist. Hervorzuheben sind (+)-Terpinen-4-ol (etwa 40 %), α-Terpinen (etwa 20 %), Terpinolen, Terpineol (jeweils 3 bis 4 %), Pinen, Myrcen, Phellandren, p-Cymen, Limonen, 1,8-Cineol.
Teebaumöl hat eine sehr starke antimikrobielle Wirkung. Im Vergleich zum relativ giftigen Phenol ist das Teebaumöl 11 bis 13 Mal wirksamer und damit beispielsweise viel stärker bakterizid als Eukalyptusöl (Phenolkoeffizient etwa 3,5).

PHARMAKOLOGIE

Als kritisch wird das Risiko der Entwicklung von Kontaktallergien angesehen, Auslöser sind dabei unterschiedliche Anteile des Öls (d-Limonen und α-Terpinen) und deren Oxidationsprodukte Ascaridol und 1,2,4-Trihydroxymenthan. Je älter das Öl ist, desto grösser wird das Risiko. Bereits nach vier Tagen beginnt der Oxidationsprozess des Öls. Die Allergenmenge steigt an und besonders auf vorerkrankter Haut kann es zu Kontaktekzemen kommen. Bis zu drei Prozent der getesteten Personen waren 2003 auf Teebaumöl sensibilisiert.

Ascaridol

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen:

  • Die ESCOP schreibt:
    bei bakteriellen Infektionen und Pilzinfektionen der Haut einschliesslich Furunkulose, Fusspilz, Nagelpilz und Schuppen; zur Eradikation von MRSA (Multiresistenter Staphylococcus aureus) bei Krankenhausaufenthalten; bei vaginalen Infektionen wie trichomonale Scheidenentzündung, vaginale Candidiasis und Cervicitis.
  • Vom HMPC wurde das Teebaumöl als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

Teebaumöl wird in vielen dermatologischen Präparaten verwendet: in Shampoos, Hand- und Körpercremes (besonders bei unreiner Haut, wie Akne), in Deodorants, Badezusätzen, Seifen, Zahnpasta, Mundwässern. Bei Pilz- und Bakterienbefall der Haut (z.B. bei Akne, Fusspilz) werden zumeist Zubereitungen mit 5 bis 10 % Teebaumöl verwendet. Bei Anwendungen im Mundraum muss Teebaumöl sehr stark verdünnt werden. Die Konservierung von vielen kosmetischen Produkten ist mit Teebaumöl möglich.

Auch in der Tierpflege sind äussere Anwendungen von Teebaumöl bekannt, wobei wie beim Menschen Überdosierungen oder sehr häufige Behandlungen vermieden werden sollten. Will man Teebaumöl an Tieren anwenden, ist unbedingt der Tierarzt zu Rate zu ziehen. Durch den Gehalt an Terpenen und Phenolen ist das Teebaumöl genau wie andere ätherischen Öle zum Beispiel für Katzen toxisch. Die Anwendung endet nicht selten tödlich für das Tier. Typische Symptome der „Teebaumöl-Vergiftungen” sind Zittern, Taumeln, Unruhe und allgemeine Schwäche.

Die australischen Ureinwohner verwendeten Teebaumöl bei offenen Wunden, Hautinfektionen, Erkältungskrankheiten, Zahnfleischentzündungen und beim Läusebefall.

Teebaumöl ist in vielen Erkältungsmitteln und Mitteln gegen Gelenkschmerzen enthalten, oft in Kombination mit z.B. Anis, Eukalyptus, Scheinbeere, Pfefferminze, Rosmarin, Kiefer, Thymian und Arnika.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Die Dosierung ist abhängig vom Anwendungsgebiet. Für die Mehrheit der Indikationen werden Verdünnungen eingesetzt.

Äusserliche Anwendungen: Teebaumöl in 0,5 bis 10 prozentiger Lösung bis zu 3-mal täglich auf die betroffenen Hautstellen auftragen. Möglich ist auch eine Kompresse mit einer Aufschüttelung von 1 mL Teebaumöl in 100 mL Wasser.
Zum Gurgeln kann eine Aufschüttelung von 0,1 bis 0,3 mL Teebaumöl in 100 mL Wasser mehrmals täglich angewendet werden.

STATUS

SONSTIGES

Der englische Trivialname von Melaleuca alternifolia, „Tea Tree“, entstand 1770. James Cook, damals noch Lieutenant der British Royal Navy, landete mit seiner „HMS Endeavour“ in Botany Bay an der Ostküste Australiens. Cook führte seine Mannschaft auf eine Expedition in die durch zahlreiche Schlangen gefährliche Sumpfregion. Dort fand er dichte Gehölze von Bäumen mit aromatisch duftenden Blättern.
Cook und seine Leute beobachteten, wie die einheimische Bevölkerung Blätter und Rinde des Teebaumes verarbeiteten. Daraufhin liess er einen Sud aus Teebaumblättern herstellen. Diesen setzte er erfolgreich zur Behandlung verschiedener Hautkrankheiten ein, wie sie bei Schiffsbesatzungen infolge von Vitaminmangel häufig auftraten.

Letzte Änderung: 21.04.2024 / © W. Arnold