Fieberklee - Menyanthes trifoliata

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Menyanthes trifoliata (syn. Menyanthes palustris); Fieberklee, Bitterklee, Dreiblatt.

Fieberkleeblätter sind eine klassische Bitterstoffdroge. Anerkannte Anwendungen betreffen Appetitlosigkeit und dyspeptische Beschwerden. Die frühere Anwendung gegen Fieber ist historisch und nicht pharmakologisch belegt.

Fieberklee (Menyanthes trifoliata)

VORKOMMEN

Fieberklee ist in Europa, Asien und Nordamerika verbreitet. Er wächst vor allem in Mooren, Sümpfen, Verlandungszonen, nassen Wiesen und an nährstoffarmen Gewässerrändern. In vielen Regionen ist die Art durch Lebensraumverlust zurückgegangen.

MERKMALE

Die ausdauernde Pflanze bildet kriechende Rhizome. Charakteristisch sind die dreizähligen Blätter mit langem Blattstiel. Die auffälligen weisslichen bis rosafarbenen Blüten stehen in traubigen Blütenständen. Die Kronblätter sind innen stark zottig behaart.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Menyanthidis folium – Fieberkleeblätter, die während der Blütezeit gesammelten und getrockneten Laubblätter.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Wichtig sind Bitterstoffe aus der Gruppe der Secoiridoidglykoside, darunter Dihydrofoliamenthin, Menthiafolin und Swerosid. Daneben enthält die Droge Flavonoide, Cumarine, Phenolsäuren, Gerbstoffe und weitere Begleitstoffe.

PHARMAKOLOGIE

Als Bittermittel steigert Fieberklee reflektorisch die Speichel- und Magensaftsekretion. Daraus ergibt sich die traditionelle Anwendung bei Appetitlosigkeit, Völlegefühl und funktionellen Verdauungsbeschwerden.

EVIDENZ

Die Evidenz beruht vor allem auf traditioneller Anwendung, Bitterstoff-Pharmakologie und regulatorischer Bewertung. Kommission E bewertet Fieberkleeblätter positiv bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden. Der HMPC führt Menyanthidis trifoliatae folium als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei vorübergehendem Appetitverlust sowie leichten dyspeptischen Beschwerden.

Moderne klinische Studien speziell zu Fieberklee sind begrenzt. Die heutige Einordnung stützt sich deshalb primär auf langjährige Anwendungserfahrung, pharmakologische Plausibilität bitterstoffhaltiger Drogen und regulatorische Monographien. Humanmedizinische Wirksamkeitsdaten nach aktuellem Standard sind deutlich geringer als bei besser untersuchten Arzneipflanzen.

Die Anwendung ist konservativ als klassische Bitterstoffdroge mit plausibler Wirkung, jedoch mit begrenzter moderner Studiendichte einzuordnen.

  • EMA/HMPC: Menyanthidis trifoliatae folium – offizielle EU-Monographie mit traditioneller Anwendung bei vorübergehendem Appetitverlust und leichten dyspeptischen Beschwerden.
  • Jonsdottir et al. (2011) – experimentelle Studie zu Extrakten aus Menyanthes trifoliata mit Effekten auf entzündungsbezogene Signalwege; präklinische Daten ohne klinischen Wirksamkeitsnachweis.
  • PubMed-Suche: Menyanthes trifoliata – weitere wissenschaftliche Literatur zu Inhaltsstoffen, Pharmakologie und experimentellen Untersuchungen.

ANWENDUNG

Fieberkleeblätter werden verwendet bei:

  • Appetitlosigkeit
  • dyspeptischen Beschwerden
  • Völlegefühl
  • funktionellen Verdauungsstörungen

Traditionell wird Fieberklee häufig in Bittertees mit anderen Bitterstoffdrogen kombiniert, etwa mit Gelbem Enzian, Tausendgüldenkraut oder Wermut.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Als Teeaufguss werden traditionell etwa 0,5–1 g Droge pro Tasse verwendet. Übliche Tagesmengen liegen im Bereich von 1–3 g Droge.

SICHERHEIT

Nicht anwenden bei aktivem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür. Höhere Mengen können Magenreizungen, Übelkeit oder Durchfall auslösen. In Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Daten vor.

STATUS

GARTEN

Fieberklee eignet sich für Sumpfbeete und flache Teichränder. Er bevorzugt dauerhaft feuchte, humose und eher nährstoffarme Böden. Die Vermehrung erfolgt über Teilung des Rhizoms.

SONSTIGES

Der Name Fieberklee erinnert an die frühere volksheilkundliche Anwendung bei Fieber. Botanisch gehört die Pflanze nicht zu den echten Kleearten.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Gelber Enzian (Gentiana lutea) – klassische Bitterstoffdroge bei Appetitlosigkeit.
  • Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) – bitterstoffreiche Droge für Verdauungsbeschwerden.
  • Wermut (Artemisia absinthium) – traditionell als Bittermittel verwendet.
  • Benediktenkraut (Cnicus benedictus) – weitere Bitterstoffdroge.

FAQ

  • Wofür wird Fieberklee verwendet?
    Bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden.
  • Hilft Fieberklee gegen Fieber?
    Nein, dies ist historisch und nicht belegt.
  • Ist Fieberklee bitter?
    Ja, die Bitterstoffe bestimmen die Wirkung.
  • Gibt es eine HMPC-Monographie?
    Ja, als traditionelles pflanzliches Arzneimittel.

Letzte Änderung: 20.04.2026 / © W. Arnold