Schafgarbe (Achillea millefolium)

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Die Schafgarbe (Achillea millefolium) ist eine der klassischen europäischen Heilpflanzen. Kraut und Blüten werden traditionell bei Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit und Menstruationskrämpfen eingesetzt. Die Wirkung beruht vor allem auf ätherischen Ölen, Bitterstoffen und Flavonoiden. Schafgarbe wirkt entzündungshemmend, krampflösend und leicht antibakteriell und wird häufig als Tee, Tinktur oder Bestandteil von Kräutermischungen verwendet.

Achillea millefolium (Syn.: Achillea asplenifolia, A. collina, A. sudetica, A. pannonica, A. roseo-alba, A. setacea).

Gemeine Schafgarbe (Syn.: Achilleskraut, Bauchwehkraut, Bertramsgarbe, Blutstillkraut, Gachelkraut, Gänsezungen, Grützblume, Kachel, Katzenschwanz, Schafrippe, Schafzunge, Tausendblatt, Zangeblume, Feldgarbenkraut, Garbenkraut, Katzenkraut, Grundheil).

Achillea millefolium wird als Sammelart bezeichnet, die morphologische, zytogenetische und chemische Unterschiede aufweist. Ihre Sippen werden von verschiedenen Autoren als Varietäten, Unterarten oder Kleinarten beschrieben. Sie sind meist diploid, zum Teil jedoch auch tetraploid, hexaploid oder octoploid.

Blühende Schafgarbe (Achillea millefolium)

Schafgarbenpflanzen im Bestand

Blütenstand der Schafgarbe – Makroaufnahme

VORKOMMEN

Die Schafgarbe ist in den subtropischen bis gemässigten Zonen Eurasiens beheimatet; einige Arten kommen auch in Nordafrika und Amerika vor. In Europa ist sie bis zum Polarkreis verbreitet und steigt in den Alpen bis in höhere Lagen auf. Die weissen Blütenstände findet man häufig auf Wiesen und Weiden sowie an Strassenrändern und Böschungen.

MERKMALE

Der wissenschaftliche Artname der Schafgarbe „millefolium“ („tausendblättrig“) bezieht sich nicht auf die Zahl der Blätter, sondern auf die unzähligen Blattzipfel, in die jedes Blatt geteilt ist. Achillea millefolium ist sehr formenreich und umfasst eine Reihe von schwierig voneinander zu unterscheidenden Klein- oder Unterarten. Auf Wiesen erträgt die Pflanze häufiges Abmähen gut und treibt aus ihrem unterirdisch kriechenden Wurzelstock immer wieder neue, blühende und nicht blühende Sprosse. Die steifen, gefurchten und behaarten Stängel verzweigen sich nur im oberen Teil. Die Schafgarbe wird bis zu 80 cm hoch.

Die Blütenköpfchen bilden an der Stängelspitze einen fast doldenartigen Gesamtblütenstand, der zahlreiche Insekten anlockt. Die gelbgrünen Hüllblätter der Köpfchen besitzen braune bis schwarze Ränder. Die meist weissen Zungenblüten können gelegentlich auch rötlich gefärbt sein und sind in der Regel nur etwa halb so lang wie die Hülle. Die kleinen Früchtchen tragen an ihrer Spitze keinen Haarkranz. Die Schafgarbe blüht bei uns von Juni bis Oktober.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Millefolii herba; Schafgarbenkraut, die zur Blütezeit gesammelten und getrockneten Triebspitzen der Pflanze.
Flores Millefolii (Schafgarbenblüten) werden aus wirtschaftlichen Gründen nur selten verwendet, obwohl sie die bessere Droge darstellen.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Ätherisches Öl:
Das Kraut enthält bis über 1 % ätherisches Öl. Dieses enthält bis zu 40 % Azulene, die sich bei der Destillation aus entsprechenden Vorstufen bilden. Im Durchschnitt sind etwa 6–20 % Azulen (Chamazulen) vorhanden; entsprechend variiert die Farbe des Öls von gelblich bis schwarzblau. Das ätherische Öl enthält ausserdem zahlreiche Monoterpene. Je nach Herkunft des Öls können unter anderem vorkommen: Campher (bis zu 20 %), β-Pinen (bis zu 23 %), 1,8-Cineol (bis zu 10 %), Caryophyllen (bis zu 10 %), (+)-α-Pinen (ca. 5 %), Bornylacetat (ca. 2 %) und Isoartemisiaketon (ca. 8 %). Je nach Herkunft können auch Sesquiterpene überwiegen, unter anderem Germacren D.

Chamazulen und Achillicin – wichtige Inhaltsstoffe der Schafgarbe (Achillea millefolium)

Genuine Sesquiterpene (Guajanolide):
Achillicin (= 8α-Acetoxy-10-epi-artabsin), 8-Desacetyl-8α-tigloylmatricin, Rupicolin A, Rupicolin B, 1,4-Peroxide, Achillin und Desacetoxymatricarin (= Leucodin). Ferner 3-Oxa-Derivate von Achillicin und dessen Analoga.

Germacranolide:
Acetylbalchanolid, Balchanolid, Dehydroparthenolid, Millefolid, Millefin und Achillifolin.

Eudesmanolide:
Dihydroreynosin und Tauremisin.

Longipinen-Derivate:
Achimillsäuremethylester A bis C, α-Longipin-2-en-1-on und weitere Derivate.

Flavonoide (Flavone):
Glykoside von Apigenin und Luteolin sowie C-Glykoside wie Orientin, Isoorientin, Vitexin, Swertinin und Schaftosid. Weiter kommen methylierte bzw. methoxylierte Aglykone wie Casticin, Artemetin und 6-Hydroxy-luteolin-6,7,3',4'-tetramethylether vor. In geringerer Menge finden sich auch Flavonole (z. B. Rutin). Ferner sind Cumarine, Phenolcarbonsäuren, Betaine sowie Polyine wie Ponticaepoxid und cis- bzw. trans-Matricariaester enthalten. Ausserdem kommen verschiedene Mineralstoffe vor, insbesondere Kalium.

PHARMAKOLOGIE

Für Schafgarbe wurden in verschiedenen experimentellen Untersuchungen antiphlogistische, spasmolytische, choleretische und antimikrobielle Wirkungen beschrieben (Review; Studie). Die entzündungshemmende Wirkung wird vor allem den Sesquiterpenlactonen, Azulenen und Germacranoliden zugeschrieben.

In experimentellen Untersuchungen konnte ausserdem eine spasmolytische Wirkung nachgewiesen werden; Extrakte von Achillea millefolium hemmen Kontraktionen der glatten Darmmuskulatur (Studie).

EVIDENZ

Die Anwendung von Schafgarbenkraut (Achillea millefolium) bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit wird durch pharmakologische Untersuchungen sowie durch eine langjährige traditionelle Anwendung gestützt. Experimentelle Studien zeigen entzündungshemmende, spasmolytische und antimikrobielle Wirkungen verschiedener Inhaltsstoffe, insbesondere von Sesquiterpenlactonen, Flavonoiden und Azulenen.

Klinische Studien zur Wirksamkeit der Schafgarbe sind jedoch begrenzt. Die Bewertung als Arzneipflanze beruht daher vor allem auf pharmakologischen und phytochemischen Untersuchungen sowie auf traditioneller Anwendung.

Weiterführende Literatur und Monographien:

ANWENDUNG

Angaben der Kommission E:

  • Wirkungen: choleretisch, antibakteriell, adstringierend, spasmolytisch.
  • Anwendungsgebiete:
    Bei innerlicher Anwendung: Appetitlosigkeit sowie dyspeptische Beschwerden wie leichte krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich.
    In Sitzbädern: bei Pelvipathia vegetativa (schmerzhafte Krampfzustände psychovegetativen Ursprungs im kleinen Becken der Frau).
  • Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Schafgarbe und andere Korbblütler.
  • Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Nicht bekannt.
  • Dosierung:
    Soweit nicht anders verordnet:
    Tagesdosis bei innerlicher Anwendung: 4,5 g Schafgarbenkraut, 3 Teelöffel Frischpflanzenpresssaft oder 3 g Schafgarbenblüten; entsprechende Zubereitungen.
    Für Sitzbäder: 100 g Schafgarbenkraut auf 20 Liter Wasser.

Die ESCOP äussert sich in ähnlicher Weise und empfiehlt Schafgarbenkraut ausserdem zur Behandlung leichter Haut- und Schleimhautentzündungen.

Vom HMPC wurden Schafgarbenkraut und Schafgarbenblüten als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft.

Verwendung finden die blühenden Triebspitzen der Schafgarbe vor allem als Bittertonikum bei Verdauungsstörungen und Koliken. Das Kraut ist Bestandteil vieler Magentees, meist in Kombination mit Tausendgüldenkraut, Anis, Basilikum, Koriander, Rosmarin, Löwenzahn und Fenchel.

In der Volksmedizin wird Schafgarbe ausserdem äusserlich bei leichten Hautreizungen sowie in Kräuterzubereitungen für Sitzbäder verwendet.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

In Fertigarzneimitteln: siehe Packungsbeilage.
Als Tee: 2–4 g fein geschnittenes Schafgarbenkraut mit etwa 150 ml siedendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. 2–4 mal täglich eine Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken. Tagesdosis: bis zu 4,5 g Droge.

STATUS

SCHAFGARBE IM GARTEN

Die winterharte Schafgarbe ist robust, anspruchslos und kommt mit fast allen Bodenarten zurecht. Achillea millefolium ist eine ausgesprochene Sonnenpflanze und gedeiht am besten in durchlässigen, nährstoffreichen Böden. Die mehrjährige Pflanze verträgt auch längere Trockenperioden ohne Probleme. Schafgarbe gehört in jeden Naturgarten.

Für die Pflanzung im Garten stehen auch Zuchtformen mit gelben, roten oder orangefarbenen Blüten zur Verfügung; diese sollten jedoch nicht zur Zubereitung von Tee verwendet werden. Die alte Heilpflanze vermehrt sich über kurze Ausläufer und lässt sich im Frühjahr oder Herbst leicht durch Teilung vermehren. Die Pflanze bleibt in der Regel gesund und bereitet bei guter Pflege kaum Probleme.

Blühende Schafgarbe (Achillea millefolium)

SONSTIGES

Der deutsche Name „Schafgarbe“ hängt vermutlich damit zusammen, dass Schafe das Kraut gerne fressen. Der Gattungsname Achillea bezieht sich auf Achilles, den sagenhaften Helden des trojanischen Krieges. Der Überlieferung nach soll Achilles die Pflanze zur Behandlung von Wunden verwendet haben. Das Artepitheton millefolium („tausendblättrig“) bezieht sich auf die Form der Blätter, die mehrfach fiederschnittig sind und zahlreiche schmale Fiedern tragen.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

Weitere Heilpflanzen mit ähnlichen Anwendungen bei Verdauungsbeschwerden oder als Bittermittel sind:

  • Tausendgüldenkraut – klassisches Bittermittel zur Appetitanregung
  • Wermut – stark bitteres Magenmittel
  • Löwenzahn – Bitterstoffe zur Förderung der Verdauung
  • Kamille – entzündungshemmend und krampflösend im Magen-Darm-Bereich
  • Pfefferminze – spasmolytisch bei Verdauungsbeschwerden

FAQ

Wofür wird Schafgarbe verwendet?
Schafgarbenkraut (Achillea millefolium) wird traditionell bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden wie leichten krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich eingesetzt. Äusserlich wird Schafgarbe auch in Sitzbädern verwendet.

Welche Wirkstoffe enthält Schafgarbe?
Schafgarbenkraut enthält ätherisches Öl mit Azulenen, Sesquiterpenlactone, Flavonoide, Cumarine und Bitterstoffe. Diese Inhaltsstoffe tragen zu entzündungshemmenden, krampflösenden und antimikrobiellen Wirkungen bei.

Wie wird Schafgarbe als Tee zubereitet?
Zur Zubereitung eines Tees werden etwa 2–4 g fein geschnittenes Schafgarbenkraut mit etwa 150 ml siedendem Wasser übergossen und etwa 10 Minuten ziehen gelassen. Der Tee kann mehrmals täglich zwischen den Mahlzeiten getrunken werden.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?
Nebenwirkungen sind selten. Bei Personen mit Überempfindlichkeit gegen Korbblütler (Asteraceae) können allergische Reaktionen auftreten.

Ist Schafgarbe wissenschaftlich untersucht?
Pharmakologische Untersuchungen zeigen entzündungshemmende, spasmolytische und antimikrobielle Wirkungen verschiedener Inhaltsstoffe. Klinische Studien sind jedoch begrenzt, weshalb die Bewertung überwiegend auf traditioneller Anwendung beruht.

Letzte Änderung: 08.03.2026 / © W. Arnold