Salbei (Salvia officinalis)
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Die medizinisch anerkannte Anwendung von Salbeiblättern umfasst die innerliche Anwendung bei vermehrter Schweisssekretion sowie die äusserliche Anwendung bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und bei Zahnfleischentzündungen. Salbei wirkt antibakteriell, adstringierend und entzündungshemmend.
Salvia officinalis
(syn. Salvia cretica, S. grandiflora)
Echter Salbei (auch Garten-Salbei)
VORKOMMEN
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Echten Salbeis liegt im Mittelmeerraum. Heute wird die Pflanze in vielen Ländern Europas kultiviert und ist in Bauerngärten weit verbreitet. Die wärmeliebende Pflanze bevorzugt sonnige, trockene und kalkreiche Standorte.
MERKMALE
Salvia officinalis ist ein mehrjähriger, aromatisch riechender Halbstrauch mit verholzender Basis und einer Wuchshöhe bis etwa 60 cm. Die länglichen, filzig behaarten Blätter sind graugrün und reich an Drüsenhaaren mit ätherischem Öl. Die blauvioletten Lippenblüten erscheinen meist zwischen Mai und Juli.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Salviae folium (syn. Folia Salviae); Salbeiblätter, die getrockneten Laubblätter.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Ätherisches Öl mit α- und β-Thujon, Cineol, Campher, Borneol sowie weiteren Monoterpenen. Weiterhin enthalten die Blätter Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide, Rosmarinsäure, Kaffeesäurederivate, Diterpene und Triterpene wie Ursolsäure.
PHARMAKOLOGIE
Wässerige Auszüge aus Salbeiblättern wirken antibakteriell gegenüber grampositiven und gramnegativen Keimen. Darüber hinaus wurden fungistatische und antivirale Effekte beschrieben. Rosmarinsäure besitzt entzündungshemmende Eigenschaften. Ursolsäure zeigt in experimentellen Untersuchungen antiproteolytische und zellbiologische Effekte; daraus lässt sich jedoch keine klinische Krebswirkung ableiten.
Das ätherische Salbeiöl enthält Thujon. Thujon besitzt neurotoxisches Potenzial und kann in hoher Dosierung zentrale Nebenwirkungen wie Verwirrtheit oder Krampfanfälle auslösen. Bei üblichen wässrigen Zubereitungen aus Salbeiblättern werden toxische Thujonmengen nicht erreicht. Von einer innerlichen Anwendung des reinen ätherischen Salbeiöls wird abgeraten.
EVIDENZ
Die medizinische Anwendung von Salbeiblättern (Salvia officinalis) ist durch langjährige traditionelle Erfahrung, pharmakologische Untersuchungen sowie durch mehrere europäische Monographien dokumentiert. Die beste Evidenz besteht für die lokale Anwendung im Mund- und Rachenraum bei entzündlichen Beschwerden.
Wässrige und alkoholische Zubereitungen aus Salbeiblättern zeigen antibakterielle, antivirale, adstringierende und entzündungshemmende Eigenschaften. Die enthaltene Rosmarinsäure gilt als wichtiger entzündungshemmender Inhaltsstoff. Klinische Untersuchungen und experimentelle Studien unterstützen insbesondere die Anwendung bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.
Für die innerliche Anwendung bei vermehrter Schweisssekretion liegt vor allem traditionelle Erfahrungsmedizin sowie pharmakologische Plausibilität vor. Die Evidenz für andere systemische Anwendungen ist begrenzt.
Die Kommission E bewertet Salbeiblätter positiv. Auch ESCOP und HMPC führen Monographien zu Salvia officinalis bzw. Salviae officinalis folium.
Quellen
- EMA / HMPC: Salviae officinalis folium – offizielle europäische HMPC-Monographie mit Angaben zu Wirksamkeit, Dosierung und Sicherheit.
- EU-Herbal-Monograph zu Salvia officinalis – wissenschaftliche Bewertungsgrundlage des HMPC.
- Beheshti-Rouy et al. – klinisch orientierte Untersuchung zur lokalen Anwendung von Salbei im Mundraum.
- Übersichtsarbeit zu Salvia officinalis – Zusammenfassung pharmakologischer, antimikrobieller und entzündungshemmender Eigenschaften.
- Beheshti-Rouy M. et al. – Klinische Untersuchung zur antibakteriellen Wirkung einer Mundspülung mit Salvia officinalis gegen Streptococcus mutans; J Tradit Complement Med. 2015.
- Monsen R.E. et al. – Randomisierte kontrollierte Studie zu einer Mundspülung mit Salvia officinalis bei Beschwerden im Mundraum; Support Care Cancer. 2021.
ANWENDUNG
Angaben der Kommission E:
- Wirkungen: antibakteriell, adstringierend, entzündungshemmend, schweisshemmend.
- Anwendungsgebiete:
Äussere Anwendung bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie Zahnfleischentzündungen.
Innere Anwendung bei vermehrter Schweisssekretion und dyspeptischen Beschwerden. - Art der Anwendung: Aufgüsse, Tinkturen, Extrakte und Gurgellösungen.
- Gegenanzeigen: Das reine ätherische Öl sowie hochprozentige alkoholische Extrakte sollen während der Schwangerschaft nicht innerlich angewendet werden.
- Wechselwirkungen: Keine bekannt.
Salbei wird traditionell auch in Mundwässern und Gurgellösungen verwendet, häufig in Kombination mit Kamille, Pfefferminze, Eichenrinde, Myrrhenbaum und Blutwurz.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Salbeiblätter, innerlich: Tagesdosis 4 bis 6 g Droge als Aufguss oder entsprechende Zubereitungen.
Teeaufguss: 1 bis 1,5 g fein geschnittene Salbeiblätter mit einer Tasse heissem Wasser übergiessen und nach etwa 10 Minuten abseihen. Mehrmals täglich nach Bedarf anwenden.
Zum Gurgeln und Spülen: 2,5 g Droge auf etwa 100 ml Wasser als Aufguss zubereiten. Alternativ können geeignete verdünnte alkoholische Auszüge verwendet werden.
Pinselung: unverdünnter alkoholischer Auszug, sofern die Zubereitung dafür vorgesehen ist.
Reines ätherisches Salbeiöl sollte wegen des Thujongehalts nicht innerlich angewendet werden.
SICHERHEIT
Zubereitungen aus Salbeiblättern gelten bei sachgemässer Anwendung als gut verträglich. Bei wässrigen Aufgüssen werden toxische Mengen an Thujon nicht erreicht.
Das ätherische Salbeiöl enthält Thujon, das neurotoxische Eigenschaften besitzt. In hoher Dosierung können zentrale Nebenwirkungen wie Unruhe, Verwirrtheit oder epileptische Krampfanfälle auftreten. Von einer innerlichen Anwendung des reinen ätherischen Öls wird daher abgeraten.
Während der Schwangerschaft sollten alkoholische Extrakte und ätherisches Salbeiöl nicht eingenommen werden. Ein dauerhafter, hochdosierter Gebrauch von Salbei als Kräutertee wird nicht empfohlen.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: positive Bewertung
- HMPC: EU herbal monograph vorhanden; als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Salviae officinalis folium)
GARTEN
Der Echte Salbei bevorzugt einen sonnigen, warmen Standort mit gut durchlässigem, eher kalkhaltigem Boden. Staunässe wird schlecht vertragen. In milden Regionen kann die Pflanze problemlos im Freiland überwintern, sollte jedoch bei starkem Frost geschützt werden.
Salbei gehört zu den klassischen Heil- und Gewürzpflanzen im Kräutergarten. Die Pflanze eignet sich auch gut für Steingärten und Trockenmauern. In meinem Garten wächst der Salbei zusammen mit Rosmarin, Lavendel, Thymian und Schlüsselblumen.
SONSTIGES
Salbei zählt zu den ältesten bekannten Heil- und Gewürzpflanzen Europas. Bereits im Mittelalter galt die Pflanze als wichtiges Mittel bei Erkältungen, Entzündungen und Verdauungsbeschwerden. Der botanische Name Salvia leitet sich vom lateinischen „salvare“ (= heilen) ab.
Historisch wurde Salbei auch als konservierende und desinfizierende Pflanze geschätzt. In Bauerngärten gehörte er traditionell zu den wichtigsten Küchen- und Heilkräutern.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Thymian (Thymus vulgaris) – antiseptische Heilpflanze bei Atemwegsinfekten.
- Kamille (Matricaria recutita) – entzündungshemmend bei Haut- und Schleimhautentzündungen.
- Pfefferminze (Mentha × piperita) – krampflösend und antimikrobiell im Magen-Darm-Bereich.
- Lavendel (Lavandula angustifolia) – mild sedierend bei nervöser Unruhe und Schlafstörungen.
- Rosmarin (Rosmarinus officinalis) – verdauungsfördernd und durchblutungsanregend.
- Eichenrinde (Quercus robur) – stark adstringierend bei Schleimhautentzündungen.
FAQ
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Wofür wird Salbei medizinisch verwendet?
Salbeiblätter werden bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie innerlich bei vermehrter Schweisssekretion und dyspeptischen Beschwerden verwendet. -
Ist Salbei gut verträglich?
Zubereitungen aus Salbeiblättern gelten bei sachgemässer Anwendung als gut verträglich. -
Warum sollte ätherisches Salbeiöl nicht innerlich angewendet werden?
Das ätherische Öl enthält Thujon, das in hoher Dosierung neurotoxisch wirken kann. -
Kann Salbei als Tee verwendet werden?
Ja. Salbei wird traditionell als Teeaufguss bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie bei vermehrtem Schwitzen verwendet. -
Ist Salbei eine anerkannte Heilpflanze?
Ja. Salbeiblätter besitzen positive Bewertungen der Kommission E sowie europäische HMPC-Monographien.
Letzte Änderung: 11.04.2026 / © W. Arnold