Myrrhe - Commiphora myrrha
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die medizinisch anerkannte Hauptanwendung der Myrrhe ist heute die lokale Behandlung leichter Entzündungen im Mund- und Rachenraum, insbesondere in Form verdünnter Tinkturen. Die Evidenz ist für diesen traditionellen Einsatz deutlich stärker als für innere Anwendungen bei Magen-Darm-Beschwerden.
Commiphora myrrha (syn. Balsamodendron myrrha, Commiphora molmol);
Myrrhenbaum.


VORKOMMEN
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Myrrhenbaums liegt im nordöstlichen Afrika und auf der südlichen arabischen Halbinsel. Vorkommen werden insbesondere aus Somalia, Äthiopien, Dschibuti, Kenia, Oman und Jemen beschrieben. Die Pflanze wächst in trockenen, heissen und oft steinigen Regionen.
MERKMALE
Commiphora myrrha wächst als laubabwerfender, stämmiger Strauch oder kleiner Baum. Die Pflanze ist reich verzweigt, oft dornig und an trockene Standorte angepasst. Die Blüte erscheint meist kurz vor oder zu Beginn der Regenzeit. Zur Gewinnung der Droge wird das aus verletzter Rinde austretende Harz gesammelt und an der Luft getrocknet.
DROGEN
Myrrha (syn. Gummi Myrrha, Gummiresina Myrrha): das aus der Rinde austretende und an der Luft getrocknete Gummiharz des Myrrhenbaums.

WIRKSTOFFE
Myrrhe enthält ätherisches Öl, Harzfraktionen und Gummibestandteile. Im ätherischen Öl finden sich vor allem Sesquiterpene und Furanosesquiterpene. Für Geruch und pharmakologische Eigenschaften sind mehrere lipophile Harz- und Ölbestandteile mitverantwortlich.

PHARMAKOLOGIE
Myrrhe zeigt in experimentellen Untersuchungen antimikrobielle, adstringierende und entzündungsmodulierende Eigenschaften. Für die lokale Anwendung im Mundbereich sind vor allem antibakterielle und leicht lokalanästhetische Effekte von Bedeutung. Diese pharmakologischen Eigenschaften stützen die traditionelle Anwendung bei leichten entzündlichen Veränderungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches.
EVIDENZ
Die Evidenz für Myrrhe beruht vor allem auf traditioneller Anwendung, regulatorischer Bewertung und pharmakologischer Plausibilität. Am besten abgestützt ist die lokale Anwendung im Mund- und Rachenraum sowie bei kleineren Hautläsionen. Klinische Daten zu anderen Einsatzgebieten, insbesondere zur innerlichen Anwendung bei Darmerkrankungen, sind deutlich begrenzter und erlauben keine gleich starke Bewertung.
- HMPC – zentrale Informationsseite des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel.
- Myrrha-Monographie der EMA / HMPC – traditionelle Anwendung bei kleineren Entzündungen und Ulzerationen im Mund sowie bei kleineren Hautläsionen.
- ESCOP – europäische Monographien zu Heilpflanzen.
- ESCOP-Monographie zu Myrrha – Monographieeintrag zu Myrrhe.
- PMC – systematische Übersichtsarbeit zu Myrrhe in der parodontalen Therapie.
ANWENDUNG
Die traditionelle Anwendung von Myrrhe betrifft vor allem die lokale Behandlung leichter Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie entzündlicher Veränderungen des Zahnfleisches. Verwendet wird dazu meist eine verdünnte Tinktur.
Historisch und in der Volksmedizin wurde Myrrhe auch innerlich oder bei weiteren Beschwerden eingesetzt. Diese Anwendungen sind jedoch deutlich schwächer belegt als der lokale Einsatz im Mundbereich. Aussagen zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Reizdarmsyndrom oder Bronchitis sind deshalb vorsichtig einzuordnen und gehören nicht zum zentral abgesicherten Anwendungsbereich.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Gebräuchlich ist vor allem die verdünnte Myrrhentinktur zur lokalen Anwendung im Mund- und Rachenraum. Die Anwendung erfolgt als Pinselung, Spülung oder verdünnte Zubereitung gemäss Produktinformation. Unverdünnte alkoholische Zubereitungen können Schleimhäute reizen.
SICHERHEIT
Myrrhe gilt bei sachgerechter lokaler Anwendung im Allgemeinen als gut verträglich. Nicht angewendet werden sollte sie bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Myrrhe. Während Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung mangels ausreichender Daten vorsichtshalber nicht empfohlen. Augenkontakt mit Myrrhentinktur ist zu vermeiden.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: positive Bewertung
- HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Myrrha)
GARTEN
Der Myrrhenbaum ist eine wärmeliebende Art trockener Regionen und in Mitteleuropa nicht winterhart. Eine Kultur ist nur unter sehr milden Bedingungen oder im Kübel mit geschützter Überwinterung möglich. Für die Freilandkultur in der Schweiz ist die Pflanze in der Regel nicht geeignet.
SONSTIGES
Myrrhe gehört neben Weihrauch zu den ältesten bekannten Harzdrogen. Bereits in der Antike wurde sie für kultische, konservierende und medizinische Zwecke verwendet. Das gelblich-braune Harz spielte im Nahen Osten und in Nordostafrika über Jahrtausende eine wichtige Rolle als Heilmittel, Räucherwerk und Handelsgut.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Weihrauch (Boswellia sacra) – aromatische Harzdroge mit traditioneller Anwendung und ähnlichem kulturgeschichtlichem Hintergrund.
- Kamille (Matricaria recutita) – klassische Heilpflanze zur lokalen Anwendung bei entzündeten Schleimhäuten.
- Salbei (Salvia officinalis) – bewährte Arzneipflanze für Mund- und Rachenschleimhaut mit adstringierenden und antimikrobiellen Eigenschaften.
FAQ
- Wofür wird Myrrhe medizinisch verwendet? Vor allem lokal bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie bei kleineren entzündlichen Veränderungen der Mundschleimhaut.
- Ist Myrrhe auch für Darmerkrankungen gut belegt? Für innere Anwendungen ist die Evidenz deutlich schwächer als für die lokale Anwendung im Mundbereich.
- Welche Zubereitung ist üblich? Meist wird eine verdünnte Myrrhentinktur verwendet.
- Ist Myrrhe in Schwangerschaft und Stillzeit geeignet? Mangels ausreichender Daten wird die Anwendung vorsichtshalber nicht empfohlen.
Letzte Änderung: 23.04.2026 / © W. Arnold


