Eibisch (Althaea officinalis)
Die anerkannte medizinische Anwendung der Eibischwurzel ist die Therapie bei trockenem Reizhusten sowie bei Reizungen der Mund-, Rachen- und Magenschleimhaut. Eibischblätter sind bei Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und dem damit verbundenen trockenen Reizhusten anerkannt. Unerwünschte Wirkungen sind keine bekannt.
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Status | Echter Eibisch im Garten | Sonstiges | FAQ | Ähnliche Heilpflanzen
Eibisch (Synonyme: Heilwurz, Sammetpappel, Ibischwurz)
Weitere Bilder:
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VORKOMMEN
Der Echte Eibisch ist ursprünglich eine asiatische Pflanze, die westwärts bis nach Südosteuropa und ostwärts über Zentralasien bis nach China verbreitet ist. Die Pflanze bevorzugt trockene bis feuchte Böden in warmen Lagen (Salzwiesen, Brackröhrichte sowie nassfeuchte, eher salzhaltige und tonige Böden). In den gemässigten Zonen beider Hemisphären ist sie als Gartenpflanze verwildert.
MERKMALE
Der Eibisch wird bis zu 150 cm hoch, ist meist unverzweigt und samtig-filzig behaart. Die Blätter sind im Umriss drei- oder fünfeckig, mit spitzen Lappen und unregelmässig gezähnt. Die Blüten stehen zu mehreren, kurz gestielt, in den Blattwinkeln. Die Aussenkelchblätter sind allmählich verschmälert und am Grunde verwachsen. Die Kronblätter sind blassrosa bis weiss, 1,5–2,5 cm lang und etwa doppelt so lang wie der Kelch. Die Frucht ist dicht behaart und fein gerippt mit einem Durchmesser von 5–8 mm. Die Blütezeit reicht von Juli bis August.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Althaeae flos (syn. Flores Althaeae, Flores Hibisci, Flores Bismalvae); Eibischblüten (syn. Altheeblüten).
2. Althaeae folium (syn. Folia Althaeae, Folia Bismalvae, Folia Hibisci, Herba Malvae Visci); Eibischblätter (syn. Altheeblätter).
3. Althaeae radix (syn. Radix Althaeae, Radix Bismalvae, Radix Hibisci); Eibischwurzel (syn. Bismalvawurzel, Altheewurzel).
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Blüten und Blätter enthalten 5–10 % Schleimstoffe (Galacturonorhamnane, hochverzweigte Arabinane, Glucane und Arabinogalactane), die Wurzel 10–20 %.
PHARMAKOLOGIE
Die Schleimstoffe des Eibisch sind überwiegend wasserlösliche Polysaccharide. Sie besitzen lokal erweichende, reizmildernde und einhüllende Eigenschaften auf den Schleimhäuten. Durch die Bildung eines schützenden Schleimfilms auf den Schleimhäuten des Mund- und Rachenraums werden empfindliche Nervenendigungen abgeschirmt, wodurch der Hustenreiz gemildert werden kann.
Im Magen-Darm-Trakt können Schleimstoffe ebenfalls schützend auf die Schleimhäute wirken. Wasserunlösliche Bestandteile der Schleimstoffe tragen zur Volumenvergrösserung des Darminhalts bei und können dadurch den Stuhlgang regulieren. Darüber hinaus besitzen Schleimstoffe eine gewisse Fähigkeit, reizende oder toxische Stoffe zu binden.
Experimentelle Untersuchungen zeigen zudem entzündungshemmende Eigenschaften der Schleimstoffe. In einzelnen Studien wurden auch leichte Effekte auf den Blutzuckerstoffwechsel sowie auf immunologische Prozesse beschrieben.
EVIDENZ
Die medizinische Anwendung von Zubereitungen aus Eibischwurzel (Althaea officinalis) bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie bei trockenem Reizhusten ist pharmakologisch plausibel und durch eine lange traditionelle Anwendung belegt. Die schleimstoffreichen Polysaccharide bilden auf entzündeten Schleimhäuten einen schützenden Film, der die Reizung empfindlicher Nervenendigungen vermindert und dadurch den Hustenreiz abschwächen kann.
Die Wirksamkeit von Eibischzubereitungen bei trockenem Reizhusten wurde in klinischen Untersuchungen und Anwendungsbeobachtungen untersucht. Dabei zeigten sich Hinweise auf eine Linderung von Husten und Schleimhautreizungen sowie eine gute Verträglichkeit. Die Aussagekraft der klinischen Daten ist jedoch begrenzt, sodass die heutige Bewertung vor allem auf der langjährigen traditionellen Anwendung und der pharmakologischen Plausibilität beruht.
Experimentelle Untersuchungen und pharmakologische Studien bestätigen zudem entzündungshemmende und reizlindernde Eigenschaften der enthaltenen Polysaccharide. Diese bilden auf der Schleimhaut einen schützenden Film und unterstützen die Regeneration gereizter Schleimhäute.
Die Bewertung des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittelagentur kommt zu dem Schluss, dass Zubereitungen aus Eibischwurzel aufgrund ihrer langjährigen sicheren Anwendung bei Reizungen im Mund- und Rachenraum sowie bei damit verbundenem trockenem Reizhusten eingesetzt werden können.
Quellen:
- Fink C. et al. (2018): Marshmallow Root Extract for the Treatment of Irritative Cough.
- European Medicines Agency (HMPC): Althaeae radix – Herbal medicinal product.
- Bonaterra G.A. et al. (2020): Anti-inflammatory effects of marshmallow extracts.
ANWENDUNG
ESCOP und Kommission E: Blätter und Wurzel zur Reizlinderung bei Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum sowie bei damit verbundenem trockenem Reizhusten. Die Wurzel wird auch zur Reizlinderung bei leichten Entzündungen der Magenschleimhaut eingesetzt.
Die Eibischwurzel wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
Bei Erkältungserkrankungen mit starker Verschleimung der Atemwege wird von Eibischpräparaten abgeraten, da der Hustenreiz gedämpft und dadurch das Abhusten erschwert werden kann.
Eibischwurzel ist in vielen Fertigpräparaten neben Thymian, Spitzwegerich, Fenchel, Isländisch Moos und Süssholz enthalten.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Teebereitung: 1 bis 2 g fein zerschnittener Blätter oder Blüten werden mit einer Tasse heissem Wasser übergossen, etwa 10 Minuten ziehen gelassen und anschliessend abgeseiht. 2–3-mal täglich eine Tasse trinken.
Von der fein geschnittenen Wurzel werden pro Tasse 10 bis 15 g Droge verwendet. Die Droge wird mit einer Tasse kaltem Wasser übergossen und unter öfterem Rühren 1 bis 2 Stunden stehengelassen, bevor über ein Teesieb abgegossen wird. Soweit nicht anders verordnet, mehrmals täglich 1 Tasse leicht erwärmten, frisch bereiteten Tee trinken.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung (Blätter und Wurzel)
- ESCOP: positive Bewertung (Wurzel)
- HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Althaeae radix)
ECHTER EIBISCH IM GARTEN
Echter Eibisch mag es gerne warm und sonnig. Er begnügt sich aber auch mit Halbschatten. Frische, schwere und nährstoffreiche Böden sind ideal für die Pflanzung. Die Pflanze steht in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter Naturschutz; sie darf also in der freien Natur nicht ausgegraben werden. Jungpflanzen sind in jeder Kräutergärtnerei zu kaufen. Ältere Pflanzen können gut durch Wurzelteilung vermehrt werden. Eibisch ist mehrjährig, winterhart und eigentlich pflegeleicht. Er gehört zu den alten Heilpflanzen und darf in keinem naturnahen Garten fehlen. Insekten, vor allem Bienen, schätzen die alte Heilpflanze als Nektarspender sehr.
Althaea officinalis ist eine dekorative Gartenpflanze. In meinem Garten gedeiht die Pflanze sehr gut in Nachbarschaft von Fenchel, Herzgespann, Alant, Steinklee und Echinacea.
SONSTIGES
Der Name Marshmallow leitet sich von der englischen Bezeichnung marsh mallow (deutsch: Sumpf-Malve) für den Eibisch ab. Verwendet wurden dafür sowohl die Stängel und Blätter als auch die Wurzel; heute verwendet die Industrie dafür Ersatzstoffe.
Gegessen hat man früher auch die Wurzeln, die zuerst gekocht und dann gebraten wurden. Essbar sind auch die Blüten, und die jungen Blätter können im Salat mitgegessen werden.
Die Römer verwendeten die Pflanze als Suppenkraut und zur Füllung von Spanferkeln. Bei Hungersnöten hat man die weisse, mohrrübenähnliche Wurzel als Nahrung verwendet.
Die einzige Bezugnahme in der Bibel spielt auf den faden Geschmack des Eibischschleims an (Hi 6,6; EU): „Wird Fades ohne Salz gegessen, oder ist Geschmack im Eibischschleim?“ Das weist darauf hin, dass man Eibischschleim kaum ohne Gewürz oder ausserhalb von Notzeiten gegessen hätte.
FAQ ZU EIBISCH
Wofür wird Eibisch verwendet?
Eibisch (Althaea officinalis) wird traditionell bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie bei trockenem Reizhusten eingesetzt. Die schleimstoffreichen Zubereitungen bilden einen schützenden Film auf den Schleimhäuten.
Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Arzneilich verwendet werden vor allem die Wurzel (Althaeae radix), seltener auch die Blätter und Blüten.
Wie wirkt Eibisch bei Husten?
Die Schleimstoffe der Pflanze legen sich als schützender Film auf gereizte Schleimhäute und können dadurch den Hustenreiz mildern.
Wie wird Eibischtee zubereitet?
Die Wurzel wird traditionell als Kaltauszug zubereitet. Dazu wird die fein geschnittene Droge mit kaltem Wasser übergossen und mehrere Stunden stehen gelassen, bevor der Tee abgeseiht wird.
Gibt es Nebenwirkungen?
Unerwünschte Wirkungen sind bei bestimmungsgemässer Anwendung kaum bekannt.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
Mehrere Heilpflanzen enthalten ebenfalls Schleimstoffe oder werden traditionell zur Linderung von Reizhusten und Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum eingesetzt. Dazu gehören insbesondere:
Letzte Änderung: 12.03.2026 / © W. Arnold








