Eibisch (Althaea officinalis)

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Status | Echter Eibisch im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Die anerkannte medizinische Anwendung der Eibischwurzel ist die Behandlung von Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut mit trockenem Reizhusten sowie die symptomatische Linderung leichter Reizungen der Magenschleimhaut. Eibischblätter werden traditionell ebenfalls bei Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und dem damit verbundenen trockenen Reizhusten verwendet. Unerwünschte Wirkungen sind bei bestimmungsgemässer Anwendung kaum bekannt.

Eibisch (Synonyme: Heilwurz, Sammetpappel, Ibischwurz)

Eibischpflanze (Althaea officinalis)

Weitere Bilder:

Eibisch (Althaea officinalis) Echter Eibisch (Althaea officinalis) Eibischblüte (Althaea officinalis) Eibischpflanze (Althaea officinalis)

VORKOMMEN

Der Echte Eibisch ist ursprünglich in West- und Zentralasien sowie in Teilen Südosteuropas beheimatet. Er bevorzugt sonnige, warme Standorte und wächst natürlicherweise auf feuchten bis zeitweise salzhaltigen Böden, etwa in Salzwiesen, Brackröhrichten und an Ufern. In den gemässigten Zonen ist die Pflanze auch als Gartenpflanze verbreitet und stellenweise verwildert.

MERKMALE

Der Eibisch wird bis etwa 150 cm hoch, ist meist nur wenig verzweigt und auffallend samtig-filzig behaart. Die Blätter sind rundlich bis schwach gelappt, weich und graugrün. Die Blüten stehen zu mehreren in den Blattwinkeln; ihre Kronblätter sind blassrosa bis fast weiss. Die Blütezeit reicht gewöhnlich von Juli bis August. Die Frucht ist dicht behaart und in mehrere Teilfrüchte gegliedert.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Althaeae flos (syn. Flores Althaeae, Flores Hibisci, Flores Bismalvae); Eibischblüten.

2. Althaeae folium (syn. Folia Althaeae, Folia Bismalvae, Folia Hibisci); Eibischblätter.

3. Althaeae radix (syn. Radix Althaeae, Radix Bismalvae, Radix Hibisci); Eibischwurzel.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die medizinisch wichtigen Inhaltsstoffe sind vor allem Schleimstoffe, also wasserquellende Polysaccharide. Blätter und Blüten enthalten etwa 5 bis 10 % Schleimstoffe, die Wurzel meist 10 bis 20 %. Daneben kommen Pektine, Stärke, Flavonoide und geringe Mengen weiterer Begleitstoffe vor.

PHARMAKOLOGIE

Die Schleimstoffe des Eibisch sind überwiegend hochmolekulare, wasserlösliche Polysaccharide. Sie besitzen lokal reizmildernde, einhüllende und schleimhautschützende Eigenschaften. Auf gereizten Schleimhäuten des Mund- und Rachenraums bilden sie einen schützenden Film, der empfindliche Nervenendigungen abschirmt und dadurch den Hustenreiz dämpfen kann.

Im Magen-Darm-Trakt wirken Schleimstoffe ebenfalls lokal protektiv. Sie können Reizungen der Magenschleimhaut mildern und die Schleimhaut mechanisch abschirmen. Darüber hinaus werden entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften beschrieben, die vor allem experimentell untersucht wurden.

Da Schleimstoffe die Resorption anderer Stoffe verzögern können, sollten Eibischzubereitungen nicht gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln eingenommen werden. Ein zeitlicher Abstand ist sinnvoll.

EVIDENZ

Die Anwendung von Eibischwurzel bei trockenem Reizhusten sowie bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut ist pharmakologisch gut nachvollziehbar. Die enthaltenen Schleimstoffe wirken lokal reizlindernd und bilden auf entzündeten Schleimhäuten einen schützenden Film. Die heutige regulatorische Bewertung stützt sich vor allem auf diese Plausibilität und auf die langjährige traditionelle Verwendung.

Für Eibischwurzel liegt eine europäische HMPC-Monographie vor. Darin wird Althaeae radix als traditionelles pflanzliches Arzneimittel für die symptomatische Behandlung von Reizungen im Mund- und Rachenraum mit trockenem Reizhusten sowie zur symptomatischen Linderung leichter gastrointestinaler Beschwerden eingeordnet. Eine neuere HMPC-Ergänzung von 2025 nennt keine Änderungen, die derzeit eine Revision der Monographie erforderlich machen.

Klinische Daten sind vorhanden, aber begrenzt. Eine 2018 publizierte Untersuchung mit anwenderberichteten Daten zu Eibischpräparaten bei irritativem Husten zeigte eine rasche subjektive Besserung der Beschwerden und eine gute Verträglichkeit. Die Studie stützt damit den traditionellen Gebrauch, ersetzt aber keine robuste randomisierte klinische Evidenz.

Präklinische Arbeiten zeigen zusätzliche entzündungshemmende und antioxidative Effekte von Eibischwurzel-Extrakten. Diese Befunde passen zur traditionellen Anwendung, sind aber vor allem als experimentelle Unterstützung der pharmakologischen Plausibilität zu werten.

  • HMPC / EMA: Althaeae radix – offizielle europäische Monographie zur Eibischwurzel; zentrale Primärquelle für Indikationen, traditionelle Einstufung und regulatorische Bewertung.
  • HMPC Addendum Assessment Report (2025) – bestätigt, dass derzeit keine neuen Erkenntnisse vorliegen, die eine inhaltliche Revision der Monographie erforderlich machen.
  • Fink C. et al. (2018) – Anwenderbefragung zu Eibischwurzel-Präparaten bei irritativem Husten; zeigt gute Verträglichkeit und subjektive Symptomlinderung, aber nur begrenzte klinische Aussagekraft.
  • Bonaterra G.A. et al. (2020) – experimentelle Arbeit zu antiinflammatorischen und antioxidativen Effekten; relevant als pharmakologische Unterstützung, nicht als direkter klinischer Wirksamkeitsnachweis.

ANWENDUNG

Eibischwurzel wird traditionell zur Reizlinderung bei Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum mit trockenem Reizhusten verwendet. Zusätzlich kommt sie zur symptomatischen Linderung leichter Reizungen der Magenschleimhaut in Betracht.

Eibischblätter werden traditionell ebenfalls bei Reizungen im Mund- und Rachenraum und dem damit verbundenen trockenen Reizhusten eingesetzt. Die Wurzel ist jedoch die regulatorisch und pharmakognostisch wichtigste Arzneidroge.

Bei Erkältungen mit starker Verschleimung der Atemwege sind Eibischpräparate weniger geeignet, da hier eher sekretolytische oder auswurffördernde Arzneipflanzen bevorzugt werden.

Eibischwurzel findet sich auch in Kombinationen mit anderen schleimhautschützenden oder hustenbezogenen Arzneipflanzen wie Thymian, Spitzwegerich, Fenchel, Isländisches Moos und Süssholz.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Blätter und Blüten können als Tee mit heissem Wasser zubereitet werden. Üblich sind 1 bis 2 g fein zerschnittene Droge pro Tasse, 2- bis 3-mal täglich.

Die Wurzel wird traditionell als Kaltauszug zubereitet, um die Schleimstoffe besonders gut zu gewinnen. Dazu werden 3 bis 10 g fein geschnittene Wurzel mit einer Tasse kaltem Wasser übergossen und unter gelegentlichem Umrühren 1 bis 2 Stunden stehen gelassen. Anschliessend wird abgeseiht; der Auszug kann leicht erwärmt werden. Mehrmals täglich 1 Tasse frisch bereiteten Tee trinken.

Zwischen der Einnahme von Eibischzubereitungen und anderen Arzneimitteln sollte ein zeitlicher Abstand eingehalten werden.

STATUS

  • Kommission E: positive Bewertung (Blätter und Wurzel)
  • ESCOP: positive Bewertung (Wurzel)
  • HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (HMPC; spezifische Monographie: Althaeae radix)

ECHTER EIBISCH IM GARTEN

Echter Eibisch bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standort sowie frische, eher schwere und nährstoffreiche Böden. Die Pflanze ist mehrjährig, winterhart und im Garten insgesamt unkompliziert, wenn der Standort ausreichend warm ist.

Da die Art in Teilen Mitteleuropas geschützt ist, sollten Wildpflanzen nicht aus der Natur entnommen werden. Für den Garten eignen sich kultivierte Jungpflanzen. Ältere Exemplare lassen sich auch durch Teilung vermehren.

Althaea officinalis ist eine attraktive und nützliche Gartenpflanze. In meinem Garten gedeiht sie sehr gut in Nachbarschaft von Fenchel, Herzgespann, Alant, Steinklee und Echinacea. Bienen und andere Insekten besuchen die Blüten gerne.

SONSTIGES

Der Name Marshmallow leitet sich von der englischen Bezeichnung marsh mallow für den Eibisch ab. Ursprünglich wurden aus schleimstoffreichen Pflanzenteilen, besonders aus der Wurzel, süsse Zubereitungen hergestellt; moderne Produkte verwenden dafür meist andere Grundlagen.

Früher wurden auch Wurzeln gekocht und gebraten verzehrt. Junge Blätter und Blüten gelten ebenfalls als essbar. Historisch diente Eibisch in Notzeiten sogar als Nahrungsmittel.

Die Erwähnung in Hiob 6,6 wird oft als Hinweis auf den faden Geschmack des Eibischschleims gedeutet. Das unterstreicht den lange bekannten schleimigen Charakter der Pflanze.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Spitzwegerich (Plantago lanceolata) – reizlindernd bei Husten und Entzündungen im Mund- und Rachenraum.
  • Isländisches Moos (Cetraria islandica) – schleimhautschützend bei trockenem Reizhusten und Heiserkeit.
  • Königskerze (Verbascum densiflorum) – traditionell bei trockenem Reizhusten und zur milden Schleimhautberuhigung.
  • Huflattich (Tussilago farfara) – traditionell bei Reizhusten, heute wegen Pyrrolizidinalkaloiden nur eingeschränkt relevant.
  • Süssholz (Glycyrrhiza glabra) – schleimhautschützend und entzündungshemmend bei Reizungen im oberen Verdauungs- und Atemtrakt.

FAQ

  • Wofür wird Eibisch verwendet?
    Eibisch wird traditionell bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie bei trockenem Reizhusten verwendet. Die Wurzel wird zudem zur symptomatischen Linderung leichter Reizungen der Magenschleimhaut eingesetzt.
  • Welche Pflanzenteile werden medizinisch verwendet?
    Verwendet werden vor allem die Wurzel (Althaeae radix), daneben auch die Blätter (Althaeae folium) und seltener die Blüten (Althaeae flos).
  • Wie wirkt Eibisch bei Husten?
    Die Schleimstoffe bilden einen schützenden Film auf gereizten Schleimhäuten und können dadurch den Hustenreiz mildern.
  • Wie wird Eibischwurzel zubereitet?
    Traditionell als Kaltauszug: fein geschnittene Wurzel mit kaltem Wasser übergiessen, längere Zeit ziehen lassen und anschliessend abseihen.
  • Gibt es Nebenwirkungen?
    Bei bestimmungsgemässer Anwendung sind kaum unerwünschte Wirkungen bekannt. Andere Arzneimittel sollten jedoch nicht gleichzeitig eingenommen werden.

Letzte Änderung: 12.04.2026 / © W. Arnold