Isländisches Moos - Cetraria islandica
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Isländisches Moos ist eine schleimstoffreiche Flechtendroge. Traditionell wird sie als reizlinderndes Mittel bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut mit trockenem Husten sowie bei vorübergehendem Appetitverlust verwendet.
Cetraria islandica (syn. Lichen islandicus); Isländisches Moos (syn. Blätterflechte, Isländische Flechte, Lungenflechte, Lungenmoos).
VORKOMMEN
Isländisches Moos wächst vor allem in kühlen, lichtreichen Regionen der nördlichen Hemisphäre, besonders in arktischen, subarktischen und alpinen Lagen. In Europa kommt die Flechte in Mittel- und Hochgebirgen sowie in nördlichen Regionen vor. Die Arzneidroge stammt überwiegend aus kontrollierter Wildsammlung.
MERKMALE
Cetraria islandica ist kein Moos, sondern eine Flechte. Sie wächst bodennah und bildet einen bis etwa 12 cm hohen, strauchig verzweigten Thallus. Die Triebe sind geweihartig verzweigt, blattähnlich, gekrümmt oder teilweise röhrenartig eingerollt. Die meist 3 bis 6 mm breiten Bänder sind am Rand regelmässig gezähnt.
Die Farbe variiert je nach Standort und Lichtverhältnissen von olivgrün bis braun oder dunkelbraun. In stark belichteten Hochgebirgslagen können vermehrt dunkle Pigmente eingelagert werden, die als Lichtschutz dienen.
DROGEN
Lichen islandicus; Isländisches Moos, die getrockneten Thalli von Cetraria islandica.
WIRKSTOFFE
Die Droge enthält einen hohen Anteil an Polysacchariden, vor allem Lichenan und Isolichenan. Lichenan ist ein lineares Copolymer der β-D-Glucopyranose und löst sich vor allem in heissem Wasser. Isolichenan ist ein weiteres Polysaccharid, das strukturell davon abweicht.
Daneben enthält Isländisches Moos bitter schmeckende aromatische Flechtensäuren, darunter Fumarprotocetrarsäure, Protocetrarsäure und Cetrarsäure. Zu den aliphatischen Flechtensäuren gehören Protolichesterinsäure und Lichesterinsäure. Weitere Bestandteile sind Sterole, Fette, Carotinoide, Vitamine und geringe Mengen ätherischer Ölbestandteile.
PHARMAKOLOGIE
Die reizlindernde Wirkung beruht vor allem auf den schleimstoffartigen Polysacchariden. Sie können sich als schützender Film über gereizte Schleimhäute im Mund- und Rachenraum legen und dadurch Trockenheitsgefühl, Heiserkeit, Kratzen im Hals und trockenen Reizhusten lindern.
Die bitter schmeckenden Flechtensäuren erklären die traditionelle Verwendung bei vorübergehendem Appetitverlust pharmakologisch plausibel. Für einzelne Inhaltsstoffe und Extrakte wurden antimikrobielle, entzündungsmodulierende und immunologische Effekte in experimentellen Untersuchungen beschrieben. Diese Befunde ersetzen jedoch keine klinische Wirksamkeitsprüfung.
EVIDENZ
Die Evidenz für Isländisches Moos ist insgesamt solide für die traditionelle, schleimhautreizlindernde Anwendung, aber begrenzt im Sinne moderner klinischer Studien. Die pharmakologische Plausibilität ist durch den hohen Polysaccharidgehalt und die bittere Flechtensäure-Fraktion gut nachvollziehbar. Klinische Daten liegen nur in begrenztem Umfang vor; die HMPC-Einstufung beruht deshalb auf traditioneller Anwendung und langjähriger Erfahrung.
- HMPC – Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur.
- EMA – Lichen islandicus – HMPC-Seite zur traditionellen Anwendung von Lichen islandicus bei Mund- und Rachenreizungen mit trockenem Husten sowie bei vorübergehendem Appetitverlust.
- PubMed – klinische Untersuchung zu Isländisch-Moos-Lutschzubereitungen bei Reizungen der Rachenschleimhaut.
- PubMed – Untersuchung zur Verträglichkeit von Isländisch-Moos- Lutschzubereitungen bei Kindern mit Beschwerden der oberen Atemwege.
- PubMed – experimentelle Arbeit zu immunmodulierenden Polysacchariden aus wässrigen Extrakten von Cetraria islandica.
- PubMed – experimentelle Untersuchung zu entzündungsmodulierenden Effekten von Cetraria islandica-Extrakt.
- PMC – Review zur Gattung Cetraria mit Angaben zu Botanik, Inhaltsstoffen und biologischen Aktivitäten.
ANWENDUNG
Isländisches Moos wird traditionell innerlich oder oromukosal bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut und damit verbundenem trockenem Husten verwendet. Die Anwendung ist besonders bei trockenem Reizhusten, Kratzen im Hals, Heiserkeit und Trockenheitsgefühl im Rachen plausibel.
Bei trockenem Reizhusten und Schleimhautreizungen kann Isländisches Moos als Bestandteil traditioneller Hustenzubereitungen verwendet werden. Weitere bewährte Arzneipflanzen und Hinweise finden sich unter Heilpflanzen gegen Husten.
Eine weitere traditionelle Anwendung betrifft vorübergehenden Appetitverlust. Diese Anwendung wird durch die bitter schmeckenden Flechtensäuren pharmakologisch plausibel gestützt, ist aber klinisch weniger gut untersucht.
Volkstümlich wurde Isländisches Moos auch bei Bronchitis, Keuchhusten, Magenbeschwerden, Durchfall, Gallenbeschwerden sowie äusserlich bei schlecht heilenden Wunden verwendet. Für diese weiter gefassten Anwendungen liegt keine ausreichende moderne klinische Evidenz vor.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Für Tee werden üblicherweise 1,5 g zerkleinerte Droge mit etwa 150 ml Wasser als Aufguss oder Dekokt zubereitet und mehrmals täglich eingenommen. Die traditionelle Tagesdosis liegt bei etwa 4 bis 6 g Droge.
Bei Zubereitungen als Lutschpastillen, Sirup oder anderen Darreichungsformen richtet sich die Anwendung nach der jeweiligen Deklaration. Bei anhaltenden Beschwerden, Fieber, Atemnot, eitrigem Auswurf oder Beschwerden über mehr als eine Woche sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
SICHERHEIT
Isländisches Moos gilt bei sachgemässer Anwendung im Allgemeinen als gut verträglich. Gelegentlich können Magen-Darm-Beschwerden oder Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten.
Schleimstoffhaltige Zubereitungen können die Aufnahme gleichzeitig eingenommener Arzneimittel verzögern. Vorsorglich sollte ein Abstand von etwa einer halben bis einer Stunde zu anderen Arzneimitteln eingehalten werden. In Schwangerschaft, Stillzeit und bei kleinen Kindern sollte die Anwendung vorsichtig erfolgen und sich an den Angaben der jeweiligen Zubereitung orientieren.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung bei Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum mit trockenem Reizhusten sowie bei Appetitlosigkeit.
- ESCOP: positive Bewertung bei trockenem Husten sowie Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.
- HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Lichen islandicus).
GARTEN
Cetraria islandica wächst am Boden in feucht-kühlen, nährstoffarmen und lichtreichen Lagen des arktischen, subarktischen und alpinen Klimas. Im Garten ist die Flechte kaum dauerhaft zu kultivieren, da sie sehr langsam wächst und spezielle Standortbedingungen benötigt.
SONSTIGES
Die erste bekannte Beschreibung des Isländischen Mooses findet sich in einem Arzneimittelverzeichnis von 1672. Isländisches Moos galt früher als Mittel gegen Abmagerung, Durchfall und Erkrankungen der Atemwege wie Keuchhusten, Asthma und Lungentuberkulose.
Die Bezeichnung "Isländisches" bezieht sich nicht ausschliesslich auf das Vorkommen, sondern auf die frühe traditionelle Verwendung in Island. In Deutschland ist Isländisches Moos selten geworden und geschützt; Wildsammlung ist dort nicht zulässig.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Eibisch (Althaea officinalis) – schleimstoffreiche Arzneipflanze bei trockenem Reizhusten und gereizter Rachenschleimhaut.
- Malve (Malva sylvestris) – enthält Schleimstoffe und wird traditionell bei Reizungen im Mund- und Rachenraum verwendet.
- Spitzwegerich (Plantago lanceolata) – traditionell bei Katarrhen der Atemwege und Reizhusten eingesetzt.
- Thymian (Thymus vulgaris) – aromatische Arzneipflanze bei produktivem Husten und Bronchialkatarrh.
- Süssholz (Glycyrrhiza glabra) – traditionell bei Katarrhen der oberen Atemwege, mit besonderer Beachtung möglicher Nebenwirkungen.
FAQ
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Ist Isländisches Moos wirklich ein Moos?
Nein. Isländisches Moos ist kein Moos, sondern eine Flechte. -
Wofür wird Isländisches Moos verwendet?
Traditionell wird es bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut mit trockenem Husten sowie bei vorübergehendem Appetitverlust verwendet. -
Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
Wichtig sind vor allem Schleimstoffe beziehungsweise Polysaccharide wie Lichenan und Isolichenan sowie bitter schmeckende Flechtensäuren. -
Wie gut ist die klinische Evidenz?
Die klinische Evidenz ist begrenzt. Die Anwendung beruht vor allem auf traditioneller Erfahrung, pharmakologischer Plausibilität und regulatorischer Bewertung. -
Was ist bei der Einnahme zu beachten?
Schleimstoffhaltige Zubereitungen können die Aufnahme anderer Arzneimittel verzögern. Ein zeitlicher Abstand von etwa einer halben bis einer Stunde ist sinnvoll.
Letzte Änderung: 25.04.2026 / © W. Arnold