Myrte - Myrtus communis
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | EVIDENZ | Anwendung | Status | Myrte im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Echte Myrte hat keine anerkannte medizinische Anwendung im Sinne einer HMPC-Monographie. Pharmakologisch interessante Inhaltsstoffe sind gut untersucht, die klinische Evidenz für Myrte selbst ist jedoch begrenzt. Standardisiertes Myrtol ist ein Mischdestillat aus mehreren ätherischen Ölen und nicht mit der Monodroge Myrte gleichzusetzen.
Myrtus communis; Echte Myrte, Braut-Myrte.


VORKOMMEN
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Myrte umfasst den Mittelmeerraum und angrenzende Gebiete. Die Pflanze wächst dort in immergrünen Gebüschen, lichten Wäldern und Macchien. Sie wird seit dem Altertum kultiviert und ist deshalb in vielen warmen Regionen auch verwildert anzutreffen.
MERKMALE
Die Myrte ist ein immergrüner, stark verzweigter Strauch, der mehrere Meter hoch werden kann. Die gegenständigen, lederigen Blätter sind ganzrandig, glänzend und durchscheinend drüsig punktiert. Zwischen Mai und August erscheinen einzelne, weisse, angenehm duftende Blüten mit zahlreichen Staubblättern. Später entstehen kugelige, dunkel gefärbte Beerenfrüchte.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Myrti aetheroleum (syn. Oleum Myrti); Myrtenöl, das aus Blättern und Zweigspitzen gewonnene ätherische Öl.
Myrti folium (syn. Folia Myrti); Myrtenblätter, die getrockneten Blätter.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Myrti aetheroleum:
Das ätherische Öl enthält vor allem Mono- und Sesquiterpene. Als wichtige Bestandteile werden 1,8-Cineol, α-Pinen, Myrtenylacetat und Linalool beschrieben. Die Zusammensetzung kann je nach Herkunft und Chemotyp variieren.
Myrti folium:
Die Blätter enthalten ätherisches Öl, Gerbstoffe, Flavonoide sowie Phloroglucinderivate. Zu den besonders beachteten Inhaltsstoffen gehören Myrtucommulon A und B.
Myrtol:
Standardisiertes Myrtol ist kein Myrten-Einzelextrakt, sondern ein Mischdestillat aus mehreren ätherischen Ölen. Klinische Daten zu Myrtol dürfen daher nicht unmittelbar als klinische Evidenz für die Arzneidroge Myrte interpretiert werden.

PHARMAKOLOGIE
Für Myrtus communis wurden in präklinischen Untersuchungen antimikrobielle, antioxidative und entzündungshemmende Effekte beschrieben. Pharmakologisch interessant sind insbesondere das ätherische Öl sowie die Phloroglucinderivate der Blätter.
Myrtucommulon wurde experimentell als antiinflammatorisch und zytotoxisch gegenüber Tumorzellen untersucht. Diese Daten sind jedoch präklinisch und erlauben keine Aussage über eine etablierte klinische Anwendung der Myrte in der Onkologie.
Für standardisiertes Myrtol liegen klinische Daten zu akuter Bronchitis und Sinusitis vor. Da es sich dabei um ein Mischdestillat aus mehreren ätherischen Ölen handelt, darf diese Evidenz nicht unkritisch auf die Echte Myrte als Monodroge übertragen werden.

EVIDENZ
Die Evidenz für Myrtus communis selbst ist klinisch begrenzt. Es gibt moderne Übersichtsarbeiten zu Phytochemie und biologischen Effekten, doch eine etablierte regulatorische Anerkennung als Arzneidroge liegt derzeit nicht vor.
Die häufig zitierte gute Studienlage betrifft vor allem standardisiertes Myrtol. Dieses Präparat ist ein Mischdestillat aus mehreren ätherischen Ölen und nicht mit Myrtenblättern oder Myrtenöl allein gleichzusetzen. Klinische Wirksamkeitsdaten zu Myrtol bei akuter Bronchitis oder Sinusitis können daher nur eingeschränkt als Evidenz für Myrtus communis interpretiert werden.
Präklinische Arbeiten zu Myrtucommulon und anderen Inhaltsstoffen sind pharmakologisch interessant, insbesondere im Hinblick auf Entzündung und Tumorzellbiologie. Für eine medizinische Anwendung beim Menschen reichen diese Daten jedoch nicht aus.
- PubMed: Dabbaghi et al., 2023 – Übersichtsarbeit zu biologischen Effekten von Myrtus communis; zeigt breite präklinische Aktivität, aber keine gesicherte klinische Monographie.
- PubMed: Tretiakova et al., 2008 – präklinische Studie zu Myrtucommulon und Apoptose in Tumorzellen; kein klinischer Wirksamkeitsnachweis.
- PubMed: Matthys et al., 2000 – randomisierte Studie zu standardisiertem Myrtol bei akuter Bronchitis; betrifft ein Mischdestillat, nicht Myrte als Monodroge.
- PubMed: Federspil et al., 1997 – Studie zu standardisiertem Myrtol bei akuter Sinusitis; ebenfalls nicht direkt auf Myrte übertragbar.
Insgesamt ist die pharmakologische Plausibilität der Myrte gut, die klinische Evidenz für die Arzneidroge selbst aber begrenzt. Aussagen zu Bronchitis oder Sinusitis sollten primär auf standardisiertes Myrtol bezogen und nicht als gesicherte Monodrogen-Evidenz für Myrtus communis formuliert werden.
ANWENDUNG
Die Myrte wird traditionell in verschiedenen Medizinsystemen verwendet, unter anderem bei Beschwerden der Atemwege, im Mund- und Rachenraum sowie gelegentlich äusserlich. Für diese Anwendungen besteht jedoch keine anerkannte HMPC-Monographie.
Medizinisch sauber zu unterscheiden ist zwischen:
- Myrte als Arzneidroge – klinisch nur begrenzt belegt, ohne anerkannte europäische Monographie.
- Standardisiertem Myrtol – klinisch untersuchtes Mischdestillat aus mehreren ätherischen Ölen, vor allem für respiratorische Anwendungen.
Daher ist eine zurückhaltende Formulierung sinnvoll: Die Echte Myrte ist pharmakologisch interessant, jedoch keine regulatorisch anerkannte Arzneidroge mit gut gesicherter klinischer Evidenz.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
MYRTE IM GARTEN
Myrte eignet sich besonders gut als Kübelpflanze. Sie bevorzugt einen hellen, geschützten Standort und ein gut durchlässiges, eher schwach saures bis neutrales Substrat. Staunässe ist zu vermeiden.
Im Sommer benötigt die Pflanze regelmässige Wassergaben, ohne dass der Wurzelballen dauerhaft nass bleibt. Kalkarmes Wasser ist günstig. In Mitteleuropa ist Myrte nur bedingt winterhart und sollte deshalb hell und kühl überwintert werden.
SONSTIGES
Die Myrte spielte im Mittelmeerraum seit der Antike eine wichtige kulturelle Rolle. In der griechischen Mythologie war sie mit Aphrodite verbunden. In Europa war sie lange ein Symbol für Liebe, Reinheit und Hochzeit und fand so auch als Braut-Myrte Eingang in die Wohn- und Gartenkultur.
Ähnliche Heilpflanzen
- Eukalyptus (Eucalyptus globulus) – ätherisch-ölhaltige Arzneipflanze mit Bezug zu respiratorischen Anwendungen.
- Thymian (Thymus vulgaris) – klassische Heilpflanze bei Husten und Katarrhen der Luftwege.
- Salbei (Salvia officinalis) – traditionell bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum verwendet.
- Teebaum (Melaleuca alternifolia) – ätherisch-ölhaltige Pflanze mit antimikrobieller Tradition.
FAQ ZUR MYRTE
- Hat Myrte eine anerkannte medizinische Anwendung?
Für Myrte selbst besteht derzeit keine HMPC-Monographie mit anerkannter medizinischer Anwendung. Die klinische Evidenz für die Arzneidroge ist begrenzt. - Ist Myrtol dasselbe wie Myrte?
Nein. Standardisiertes Myrtol ist ein Mischdestillat aus mehreren ätherischen Ölen. Es ist nicht mit Myrtenblättern oder Myrtenöl als Monodroge gleichzusetzen. - Welche Inhaltsstoffe sind typisch?
Typisch sind 1,8-Cineol, α-Pinen, Myrtenylacetat, Gerbstoffe, Flavonoide und Phloroglucinderivate wie Myrtucommulon. - Ist Myrte eine Krebs-Heilpflanze?
Nein. Es gibt präklinische Daten zu Myrtucommulon und Tumorzellen, aber keine etablierte klinische Anwendung der Myrte in der Krebsbehandlung. - Kann man Myrte im Garten halten?
Ja. Besonders gut eignet sich die Pflanze als Kübelpflanze an einem hellen, geschützten Standort mit kühler Überwinterung.
Letzte Änderung: 14.04.2026 / © W. Arnold






