Rosenwurz - Rhodiola rosea

Die anerkannte medizinische, bzw. traditionelle Anwendung von Rosenwurz ist laut HMPC die innerlich Anwendung zur Linderung leichter Stresssymptome wie Erschöpfungszustände und Schwächegefühl. Extrakt aus dem Rosenwurzwurzelstock wirkt als sogenanntes Adaptogen. Im Jahr 2010 wurde in der Schweiz erstmals ein Arzneimittel auf der Basis von Rosenwurz zugelassen. Unerwünschte Wirkungen werden nur selten beobachtet.

Rhodiola rosea (syn. Sedum rhodiola, Sedum rosea)
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Rosenwurzel (syn. Goldene Wurzel)

Rhodiola rosea - Rosenwurz

weitere Bilder:

Rhodiola rosea (Rosenwurz mit Blüte) Goldene Wurzel (Rhodiola rosea, Rosenwurz) Rosenwurz - Rhodiola rosea (Habitus)  

VORKOMMEN

Rosenwurz ist in der nördlichen Hemisphäre verbreitet. Das Verbreitungsgebiet umfasst die arktischen Gebiete und die Gebirgsregionen Eurasiens und Nordamerikas. Rhodiola rosea gedeiht auf feuchten Böden der Berge oder Hochflächen (Feuchtwiesen und Moorböden) oberhalb der Nadelwaldgrenze, bis in Höhenlagen von fast 3000 Metern. Die Heilpflanze kommt jedoch auch auf trockenen, sandigen Böden in höheren Gebirgslagen vor - sie wächst langsam und ist bei uns extrem selten und gefährdet.

MERKMALE

Rosenwurz wächst als ausdauernde sukkulente Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 25 bis 40 Zentimeter. Die Pflanze bildet Pfahlwurzeln aus. Als Überdauerungsorgan wird ein horizontaler oder vertikaler und manchmal verzweigter, 1 bis 5 Zentimeter dicker, unterirdischer Stamm ausgebildet, der einen typischen rosenartigen Geruch aufweist (daher der deutsche Trivialname). Aus dem unterirdischen Stamm werden mehrere oberirdische Stängel gebildet, die dick, fleischig sowie kahl sind und Schuppen besitzen. Die fleischigen, blaugrünen Blätter sind wechselständig angeordnet. Sie sind flach-lanzettlich geformt und zum Teil gezähnt. Die Blätter sind öfter rot überlaufen und liegen nahe am Stängel. Die gelblichen Blüten stehen in dichten, halbkugeligen Trugdolden am Ende des Stängels. Die Blüten haben einen Durchmesser von etwa 5 mm und sind ebenfalls gelegentlich rötlich überlaufen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Das getrocknete Rhizom von Rhodiola rosea.
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Die Droge stammte früher hauptsächlich aus Wildsammlungen. Hauptsammelgebiete waren die Altai- und Ural-Region, und Karpaten. Durch extensives und unkontrolliertes Sammeln wurden die Bestände dezimiert. Versuche zum kommerziellen Anbau von R. rosea werden gegenwärtig auch in Deutschland und der Schweiz unternommen.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Polysaccharide, Phenylethanoide (p-Tyrosol, Salidrosid), Phenylpropanoide (Rosin, Rosarin, Rosavin), Flavonoide (als Glycoside), Flavolignane (Rhodiolin), Acetophenone (Picein), Polyphenolcarbonsäure, Cyanglycoside (Lotaustralin), etherische Ölkomponenten, Monoterpene (Rhodiolosid A-F, Rosiridin) und Sterole.

Inhaltsstoffe des Rosenwurzes

PHARMAKOLOGIE

Die Wirkungen werden möglicherweise durch Änderungen des Serotonin- und Dopamin-Niveaus im Gehirn vermittelt: etwa über eine Hemmung der Monoamin-Oxidase, eine bessere Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke für Neurotransmittervorstufen und einen Einfluss auf Opioidpeptide (z.B. Endorphine). Zudem wird eine verminderte Ausschüttung von Stresshormonen diskutiert. Ob Rosenwurz bei milden bis moderaten Depressionen eine Wirkung hat, wird kontrovers diskutiert. Zu möglichen Wechselwirkungen liegen keine ausreichenden Daten vor.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendung:

  • Das HMPC hat Rosenwurzelstock als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Rosenwurzwurzelstock kann innerlich zur Linderung leichter Stresssymptome wie Erschöpfungszustände und Schwächegefühl angewendet werden.

In Sibirien wird der Rosenwurz „Goldene Wurzel“ genannt, wohl weil der Wurzelextrakt Erinnerungsvermögen und Konzentration steigern soll. Auch bei Potenzstörungen wird er angewandt. Rosenwurzelstock ist eine adaptogene Heilpflanze, die seit langem medizinische Verwendung in russischen, baltischen und skandinavischen Ländern findet. Er wird sowohl als Tee als auch in Form von Extrakten verwendet. Auch in andere Länder verbreitet sich die traditionell begründete oder volksheilkundliche Anwendung von Zubereitungen des Rosenwurzrhizoms zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und zum Stressabbau (siehe auch Taigawurzel und Ginseng). Auch zur Behandlung leichter bis mittelschweren Depression wird die Anwendung von Rosenwurz getestet.
Die Anwendung ist durch eine Reihe klinischer Studien abgestützt, beruht aber auf Traditionen und Überlieferungen.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Heutzutage werden ausschliesslich ethanolische Trocken-Extrakte, die auf einen Gehalt von ca. 3 % Rosavinen eingestellt sind, verwendet.
In der Schweiz Ist das Produkt Vitango® (Filmtabletten) zur Linderung der Symptome bei Stress und Überarbeitung zugelassen. Zur Behandlung einer leichten bis mittelschweren Depression ist das Arzneimittel bisher von den Behörden nicht freigegeben.
Das Arzneimittel ist in Apotheken und Drogerien ohne ärztliche Verordnung erhältlich.

Vitango

STATUS

  • Kommission E: - nicht bearbeitet
  • ESCOP: - nicht bearbeitet
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft

ROSENWURZ IM GARTEN

Die ausdauernde und langsam wachsende Rosenwurz ist eine der Pflanze der alpinen und subalpinen Höhenlagen. Sie ist ein Sonnenanbeter und liebt somit sonnige bis vollsonnige Plätze. Der Boden muss stark durchlässig sein, ideal sind deshalb sandig-kiesige Böden die immer etwas feucht sind. Leicht saure bis kalkarme Erde ist zu empfehlen.
Rhodiola rosea kann sehr gut in einem Topf wachsen, aus dem überschüssiges Wasser ablaufen kann. Verwendet wird sandiger Boden vermischt mit Blumenerde. Stellen Sie den Topf an einen sonnigen Platz auf Ihrer Terrasse. Solange das Wasser gut aus dem Topf ablaufen kann, kann diese Pflanze im Winter draussen überwintern. Die Pflanze ist mehrjährig und absolut winterhart. Er wächst bei mir im Garten neben Alpenrose, Heidelbeere, Preiselbeere und Bärwurz.

SONSTIGES

Rhodiola rosea besitzt eine lange Tradition von über 2000 Jahren. Die Heilpflanze wurde um 77 v.Chr. erstmals durch Dioscorides in der griechischen "Materia Medica" erwähnt. Die Wikinger nutzten sie um Kraft und Ausdauer zu steigern. Chinesische Kaiser organisierten ganze Expeditionen nach Sibirien, um den wertvollen Rosenwurz zu finden. Im Jahre 1775 wurde Rosenwurz in die schwedische Pharmakopöe eingetragen.

Letzte Änderung: 26.01.2020 / © W. Arnold