Rosenwurz (Rhodiola rosea)
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | EVIDENZ | Anwendung | Zubereitung & Dosierung | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Rhodiola rosea ist eine traditionelle Arzneipflanze. Nach HMPC/EMA wird Rosenwurz-Wurzelstock innerlich zur Linderung von Stresssymptomen wie Müdigkeit, Erschöpfung und Schwächegefühl angewendet. Die Einstufung beruht auf langjähriger Verwendung; eine arzneimittelrechtlich anerkannte Indikation bei Depressionen besteht nicht.
Rhodiola rosea (syn. Sedum roseum, Sedum rhodiola);
Rosenwurz (syn. Goldene Wurzel).
Weitere Bilder:
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VORKOMMEN
Rosenwurz ist in der nördlichen Hemisphäre verbreitet. Das Verbreitungsgebiet umfasst arktische Gebiete sowie Gebirgsregionen Eurasiens und Nordamerikas. Rhodiola rosea gedeiht auf feuchten Böden der Berge und Hochflächen, etwa in Feuchtwiesen und Moorbereichen oberhalb der Nadelwaldgrenze, bis in Höhenlagen von nahezu 3000 Metern.
Die Pflanze kommt jedoch auch auf trockeneren, sandig-kiesigen Böden höherer Gebirgslagen vor. Sie wächst langsam und ist in Mitteleuropa regional selten.
MERKMALE
Rosenwurz ist eine ausdauernde sukkulente Pflanze und erreicht meist Wuchshöhen von etwa 25 bis 40 Zentimetern. Sie bildet ein kräftiges, unterirdisches Rhizom mit Wurzeln aus. Dieses Rhizom verströmt beim Anschneiden einen rosenähnlichen Geruch, worauf sich der Name Rosenwurz bezieht.
Aus dem unterirdischen Spross gehen mehrere aufrechte, dickfleischige und kahle Stängel hervor. Die blaugrünen, sitzenden Blätter sind wechselständig angeordnet, flach-lanzettlich und teilweise gezähnt. Die gelblichen Blüten stehen in dichten endständigen Blütenständen; gelegentlich zeigen sie rötliche Tönungen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Rhodiolae roseae rhizoma et radix – getrockneter Rosenwurz-Wurzelstock mit Wurzeln.
Medizinisch verwendet werden Trockenextrakte aus Rhizom und Wurzel. Historisch stammte die Droge vielfach aus Wildsammlungen; heute wird aus Gründen des Bestandschutzes auch kultiviert.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Wichtige Inhaltsstoffe sind Phenylpropanoide wie Rosavin, Rosarin und Rosin, ferner Phenylethanoide wie Salidrosid und p-Tyrosol. Hinzu kommen Flavonoide, Flavolignane, Monoterpene, Sterole, Gerbstoffe und weitere polyphenolische Verbindungen.

PHARMAKOLOGIE
Rosenwurz wird häufig als sogenannte adaptogene Pflanze beschrieben. Diskutiert werden Einflüsse auf Stressreaktionen, auf zentrale Neurotransmittersysteme sowie auf neuroendokrine Regulationsmechanismen. Die zugrunde liegenden Effekte sind jedoch nicht abschliessend geklärt.
Experimentell werden Wirkungen auf serotonerge und dopaminerge Signalwege, auf die Stresshormonantwort sowie auf körperliche und geistige Ermüdung beschrieben. Solche pharmakologischen Überlegungen erklären die traditionelle Anwendung, ersetzen aber keine gesicherte klinische Evidenz für weitergehende Indikationen.
EVIDENZ
- HMPC (EMA) – zuständiges europäisches Fachgremium für pflanzliche Arzneimittel.
- EMA / HMPC: Rhodiolae roseae rhizoma et radix – Zusammenfassung für die Öffentlichkeit.
- EMA / HMPC-Monographie (Revision 1, 2024) – traditionelle Anwendung zur Linderung von Stresssymptomen wie Müdigkeit und Erschöpfung.
- EMA Assessment Report – wissenschaftliche Begründung der HMPC-Bewertung.
- Anghelescu et al. 2018 – Übersichtsarbeit zu Stressmanagement und Rhodiola rosea.
- Systematische Übersicht zu klinischen Studien – Hinweise auf mögliche Wirkung bei Müdigkeit und Stress, jedoch methodische Einschränkungen.
Die klinische Evidenz zu Rosenwurz ist begrenzt. Kleinere Studien deuten auf mögliche positive Effekte bei Stress, Müdigkeit und Erschöpfung hin, weisen jedoch methodische Schwächen auf. Daher stützt HMPC die Monographie ausdrücklich auf traditional use und nicht auf eine well-established use-Bewertung.
Für Depressionen, Angststörungen oder andere psychische Erkrankungen besteht keine ausreichend gesicherte Evidenz für eine anerkannte arzneiliche Anwendung. Die Seite sollte deshalb in diesem Punkt bewusst zurückhaltend formuliert sein.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendung:
- HMPC (EMA) – traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur vorübergehenden Linderung von Stresssymptomen wie Müdigkeit, Erschöpfung und Schwächegefühl.
Volkstümliche Anwendungen und andere Anwendungsgebiete:
Rosenwurz besitzt eine lange Tradition in Russland, Skandinavien und anderen nördlichen Regionen. Verwendet wurde die Pflanze unter anderem zur Unterstützung der Belastbarkeit und gegen Erschöpfung. Solche Anwendungen sind traditionsbasiert und nicht mit einer arzneimittelrechtlich anerkannten Indikation bei Depression oder anderen Erkrankungen gleichzusetzen.
ZUBEREITUNG & DOSIERUNG
Medizinisch verwendet werden standardisierte Trockenextrakte aus Rhizom und Wurzel, meist in Form fester Zubereitungen zum Einnehmen. Gemäss HMPC-Monographie liegen die Einzeldosen bei 144 bis 200 mg, die Tagesdosis bei 144 bis 400 mg.
Wenn die Beschwerden unter der Anwendung länger als zwei Wochen anhalten oder sich verschlimmern, sollte eine ärztliche oder fachliche Abklärung erfolgen.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Stresssymptomen wie Müdigkeit und Erschöpfung
GARTEN
Rosenwurz ist eine ausdauernde und langsam wachsende Pflanze alpiner und subalpiner Lebensräume. Sie bevorzugt sonnige bis vollsonnige Standorte. Der Boden sollte sehr gut durchlässig sein; günstig sind sandig-kiesige Substrate, die nie staunass, aber leicht frisch bleiben.
Rhodiola rosea lässt sich auch gut im Topf kultivieren, sofern überschüssiges Wasser rasch ablaufen kann. Ein mineralisch geprägtes Substrat ist vorteilhaft. Die Pflanze ist winterhart. Bei mir wächst sie im Garten neben Alpenrose, Heidelbeere, Preiselbeere und Bärwurz.
SONSTIGES
Rhodiola rosea besitzt eine lange Medizingeschichte. Bereits Dioskurides erwähnte die Pflanze in der Antike. In nördlichen Regionen Europas und Asiens wurde sie traditionell geschätzt, insbesondere in klimatisch rauen Gebieten.
Auch kulturhistorisch ist Rosenwurz bemerkenswert, weil sie seit Jahrhunderten mit Ausdauer, Widerstandskraft und Bergregionen in Verbindung gebracht wird.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Ginseng (Panax ginseng) – traditionelles Tonikum zur Unterstützung von Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit.
- Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) – traditionell bei Erschöpfung und nachlassender Leistungsfähigkeit verwendet.
- Ginkgo (Ginkgo biloba) – Arzneipflanze mit anderer Indikationslage, aber ebenfalls Gegenstand standardisierter Extrakttherapie.
FAQ
- Wofür wird Rosenwurz angewendet?
Rosenwurz wird traditionell innerlich zur Linderung von Stresssymptomen wie Müdigkeit, Erschöpfung und Schwächegefühl angewendet. - Ist Rosenwurz als Arzneipflanze anerkannt?
Ja. HMPC/EMA stuft Rhodiolae roseae rhizoma et radix als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein. Die Anwendung beruht auf langjähriger Erfahrung, nicht auf einer well-established use-Monographie. - Welche Inhaltsstoffe sind für Rosenwurz typisch?
Typisch sind unter anderem Rosavin, Rosarin, Rosin, Salidrosid und p-Tyrosol. - Hilft Rosenwurz gegen Depressionen?
Für eine Anwendung bei Depressionen liegt keine arzneimittelrechtlich anerkannte Indikation vor. Die Datenlage ist hierfür nicht ausreichend. - Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Möglich sind unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall sowie Hautreaktionen wie Ausschlag oder Juckreiz.
Letzte Änderung: 12.04.2026 / © W. Arnold





