Dill - Anethum graveolens
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die anerkannte traditionelle Anwendung von Dillfrüchten betrifft leichte Verdauungsbeschwerden. Dillfrüchte wirken carminativ und spasmolytisch. Die klinische Evidenz ist begrenzt.
Anethum graveolens (syn. Pastinaca graveolens, Angelica graveolens, Peucedanum graveolens);
Gemeiner Dill (syn. Gurkenkraut, Dillfenchel).
VORKOMMEN
Dill stammt wahrscheinlich aus Vorderasien und dem Mittelmeerraum. Heute wird die Pflanze in vielen Ländern als Gewürz- und Arzneipflanze kultiviert. In Mitteleuropa erfolgt der Anbau häufig in Gärten.
MERKMALE
Anethum graveolens ist eine einjährige, 50 bis 120 cm hohe, kahle und aromatische Pflanze. Die Blätter sind mehrfach gefiedert und fein gegliedert. Die kleinen gelben Blüten stehen in grossen Dolden. Die Früchte sind oval, abgeflacht und gerippt.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Anethi fructus – Dillfrüchte, die getrockneten Früchte.
2. Anethi herba – Dillkraut, die oberirdischen Pflanzenteile.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Anethi fructus – ätherisches Öl mit Carvon und Limonen als Hauptbestandteilen, ferner Cumarine und phenolische Verbindungen.
2. Anethi herba – ätherisches Öl mit schwankender Zusammensetzung, Flavonoide, Cumarine und phenolische Säuren.
PHARMAKOLOGIE
Dillfrüchte gehören zu den aromatischen Doldenblütler-Drogen. Das ätherische Öl wird mit carminativen und spasmolytischen Eigenschaften in Verbindung gebracht. Dadurch ist die traditionelle Anwendung bei Blähungen und Völlegefühl pharmakologisch plausibel.
EVIDENZ
Die medizinische Anwendung von Dillfrüchten beruht vor allem auf traditioneller Erfahrung, pharmakologischer Plausibilität und älteren Monographien. Moderne hochwertige klinische Studien sind begrenzt.
Experimentelle Untersuchungen zeigen gastroprotektive, antioxidative und antimikrobielle Effekte. Diese Daten unterstützen die traditionelle Verwendung bei leichten Verdauungsbeschwerden, ersetzen jedoch keine robuste klinische Evidenz.
Insgesamt ist die Datenlage für Dillfrüchte traditionell plausibel, klinisch jedoch begrenzt und heterogen.
- Hosseinzadeh et al. (2002) – tierexperimentelle Untersuchung zu gastroprotektiven und antisekretorischen Effekten von Dill-Samenextrakten.
- Nam et al. (2021) – experimentelle Daten zu entzündungshemmenden und protektiven Effekten von Dillsamen im oberen Gastrointestinaltrakt.
- Fazel et al. (2017) – randomisierte, placebokontrollierte Studie zu Dillöl bei postoperativer Flatulenz; klinischer Hinweis, aber keine direkte Dyspepsie-Studie.
- Jana und Shekhawat (2010) – Übersichtsarbeit zu traditionellen Anwendungen, Inhaltsstoffen und pharmakologischen Eigenschaften von Anethum graveolens.
ANWENDUNG
1. Anethi fructus – traditionell bei Blähungen, Völlegefühl, Aufstossen und leichten krampfartigen Verdauungsbeschwerden.
2. Anethi herba – vor allem als Gewürzpflanze verwendet.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
1. Anethi fructus – traditionell etwa 3 g pro Tag, beispielsweise als Teeaufguss.
2. Anethi herba – keine gleichwertig etablierte medizinische Standarddosierung.
SICHERHEIT
Dill gilt in üblichen Mengen als gut verträglich. Bei Überempfindlichkeit gegenüber Doldenblütlern ist Vorsicht angezeigt.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung für Anethi fructus.
- ESCOP: keine Monographie vorhanden.
- HMPC: keine Monographie vorhanden.
GARTEN
Dill gilt als heikel („Dill macht was er will“), was oft bestätigt wird. Wer ihn direkt ins Gartenbeet pflanzen will, kann dies versuchen. Dazu wird er zwischen April und Ende Juli ausgesät. Gurken und Karotten als Nachbarn verträgt die einjährige Pflanze gut. Weniger günstig sind Fenchel, Basilikum oder Gartenkresse.
Dill kann auch gut im Topf in normaler Gartenerde kultiviert werden. Er braucht viel Sonne und Wärme sowie ausreichend Wasser.
SONSTIGES
Anethum graveolens ist eine sehr alte Heil- und Küchenpflanze und wurde bereits im Alten Ägypten als Kulturpflanze angebaut. Nach Nordeuropa kam der Dill wahrscheinlich durch Mönche, die ihn in ihren Klostergärten anpflanzten. Das aus den Samen hergestellte Dillwasser galt traditionell als verdauungsfördernd, und die Früchte wurden gegen Mundgeruch gekaut.
Ähnliche Heilpflanzen
- Kümmel (Carum carvi) – klassische Fruchtdroge bei Blähungen.
- Fenchel (Foeniculum vulgare) – traditionell bei Verdauungsbeschwerden.
- Anis (Pimpinella anisum) – aromatische Fruchtdroge bei Blähungen.
FAQ
- Wofür wird Dill verwendet?
Vor allem traditionell bei leichten Verdauungsbeschwerden. - Was ist medizinisch wichtiger – Kraut oder Frucht?
Vor allem die Dillfrüchte. - Ist Dill gut verträglich?
In üblichen Mengen meist ja.
Letzte Änderung: 17.04.2026 / © W. Arnold





