Petersilie – Petroselinum crispum

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Petersilie im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Petersilienkraut und Petersilienwurzel besitzen eine traditionelle medizinische Anwendung zur Durchspülung bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Durchspülungstherapie bei Nierengriess. Petersilienfrüchte und isoliertes Petersilienöl sind dagegen wegen ihres Gehalts an Apiol und anderen ätherisch-ölhaltigen Inhaltsstoffen therapeutisch problematisch und sollen nicht zur Selbstmedikation verwendet werden.

Petroselinum crispum (Mill.) Fuss (syn. Apium hortense, A. petroselinum, Carum petroselinum, Petroselinum hortense, P. sativum, P. vulgare);
Petersilie (syn. Bittersilche, Gartenpetersilie, Peterchen, Peterling, Petersilling).

Petersilie (Petroselinum crispum)

Petroselinum crispum - Petersilie

VORKOMMEN

Die Petersilie ist eine Kulturpflanze. Die Heimat der unbekannten Stammsippe wird im östlichen Mittelmeergebiet bis Westasien vermutet. In Mitteleuropa wird sie vor allem in Gärten angebaut und verwildert nur sehr selten. Sie bevorzugt frische, nährstoffreiche und tiefgründige Lehmböden.

MERKMALE

Petersilie ist ein zweijähriger Hemikryptophyt. Die Pflanze besitzt eine mehr oder weniger rübenförmige Wurzel. Aus dieser entspringen meist mehrere kahle Stängel, die aufrecht, stielrund bis leicht gerillt und häufig röhrig sind.

Die Blätter sind dunkelgrün. Die untersten Blätter sind doppelt bis dreifach gefiedert; die Zipfel sind keilig bis breit eiförmig, fiederschnittig oder gelappt. Die Früchte sind etwa 2,5 bis 3 mm hoch und 1,5 bis 2 mm breit; ihre Form ist breit eiförmig.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Petroselini radix (syn. Radix Petroselini); Petersilienwurzel, die getrockneten unterirdischen Teile.

Petroselini herba (syn. Folia Petroselini, Herba Petroselini); Petersilienkraut, die frischen oder getrockneten oberirdischen Teile.

Petroselini fructus (syn. Fructus Petroselini, Semen Petroselini); Petersilienfrüchte, auch Peterleinsamen oder Petersiliensamen genannt, die meist in ihre Teilfrüchte zerfallenen, trockenen, reifen Spaltfrüchte.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Blätter und Wurzeln besitzen ähnliche Inhaltsstoffe. Die Hauptbestandteile des ätherischen Öls sind Myristicin, Limonen und 1,3,8-p-Menthatrien. In kleineren Mengen kommen weitere Mono- und Sesquiterpene vor. Frische Petersilienblätter enthalten zudem vergleichsweise viel Vitamin C.

Bei den Früchten herrschen je nach Chemotyp entweder Myristicin mit etwa 60–80 % oder – besonders bei glatter Petersilie – Apiol vor. Daneben gibt es chemische Rassen mit Tetramethoxyallylbenzol als Hauptbestandteil des ätherischen Öls.

Apiol und Myristicin – Inhaltsstoffe der Petersilie

Neben dem ätherischen Öl enthält Petersilie kleine Mengen Polyine. In der Wurzel kommen ausserdem Furanocumarine wie Bergapten und Isoimperatorin vor. Diese Stoffgruppe ist auch für mögliche phototoxische Reaktionen relevant.

PHARMAKOLOGIE

Petersilienkraut und Petersilienwurzel werden traditionell als milde Durchspülungsdrogen verwendet. Die Anwendung beruht vor allem auf traditioneller Erfahrung und einer plausiblen diuretischen Wirkung.

Die Petersilienfrüchte und das ätherische Petersilienöl sind toxikologisch deutlich problematischer. Das ätherische Öl der Früchte und insbesondere Apiol können in hoher Dosierung die glatte Muskulatur von Blase, Darm und Uterus beeinflussen. Historisch wurden Petersilienfrüchte und Petersilienöl deshalb auch missbräuchlich zu abortiven Zwecken verwendet.

Zubereitungen aus Petersilienfrüchten können Nierenepithelien reizen oder schädigen; ausserdem wurden Herzrhythmusstörungen beschrieben. Grössere Dosen Apiol können schwere Vergiftungserscheinungen verursachen. Isoliertes ätherisches Petersilienöl ist daher für die Selbstmedikation nicht geeignet.

EVIDENZ

Die Evidenz zur Petersilie ist je nach Pflanzenteil unterschiedlich zu bewerten. Für Petersilienkraut und Petersilienwurzel besteht eine traditionelle Anwendung zur Durchspülung bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei Nierengriess. Die klinische Studienlage ist jedoch begrenzt.

Die Kommission E bewertete Petersilienkraut und Petersilienwurzel positiv für die Durchspülungstherapie. Petersilienfrüchte wurden dagegen negativ beurteilt, weil die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist und die Risiken eine therapeutische Anwendung nicht rechtfertigen.

Eine eigenständige HMPC-Monographie zu Petroselinum crispum ist nicht vorhanden. In europäischen Kombinationsmonographien zu diuretischen Teemischungen können einzelne diuretisch verwendete Pflanzen berücksichtigt sein; dies ersetzt jedoch keine spezifische Monographie zu Petersilienkraut oder Petersilienwurzel.

Zusammenfassend ist Petersilie als Küchenkraut gut etabliert. Arzneilich sind Kraut und Wurzel traditionell zur Durchspülung verwendbar; Früchte und ätherisches Öl sind wegen ihrer Toxizität dagegen kritisch und nicht für die Selbstmedikation geeignet.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendung nach Kommission E:

  • Petroselini radix und Petroselini herba: zur Durchspülung bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege sowie zur Durchspülungstherapie zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengriess.
  • Petroselini fructus: keine therapeutische Empfehlung, da die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist und die Anwendung angesichts der Risiken nicht vertreten werden kann.

Die medizinische Anwendung unterscheidet sich deutlich von der Verwendung als Gewürzkraut. Normale Mengen frischer Petersilie in der Küche sind nicht mit konzentrierten Arzneizubereitungen, Petersilienfrüchten oder ätherischem Öl gleichzusetzen.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Für Petersilienkraut und Petersilienwurzel werden zerkleinerte Drogen für Aufgüsse sowie andere galenische Zubereitungen mit geringem Gehalt an ätherischem Öl verwendet. Die traditionelle Tagesdosis beträgt, soweit nicht anders verordnet, etwa 6 g Droge.

Bei einer Durchspülungstherapie ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Petersilienfrüchte und isoliertes Petersilienöl sollten wegen der Toxizität nicht therapeutisch verwendet werden.

SICHERHEIT

Medizinische Zubereitungen aus Petersilienkraut und Petersilienwurzel sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Ebenfalls nicht geeignet sind sie bei entzündlichen Nierenerkrankungen. Eine Durchspülungstherapie darf nicht bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit erfolgen.

In seltenen Fällen können allergische Haut- oder Schleimhautreaktionen auftreten. Wegen Furanocumarinen sind insbesondere bei empfindlichen oder hellhäutigen Personen phototoxische Reaktionen möglich.

Petersilienfrüchte und Petersilienöl sind sicherheitskritisch. Hohe Dosen können schwere Vergiftungserscheinungen verursachen, darunter Magen-Darm-Reizungen, Nierenschäden, Herzrhythmusstörungen und uterusstimulierende Effekte. Reines Petersilienöl darf nicht zur Selbstmedikation verwendet werden.

STATUS

  • Kommission E: positive Bewertung für Wurzel und Kraut; negative Beurteilung für die Früchte.
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

PETERSILIE IM GARTEN

Dieser zweijährige Doldenblütler ist nicht unbedingt ein Sonnenanbeter. Petersilie bevorzugt zwar einen hellen Standort im Garten, mag aber keine starke Dauersonne. Ein Platz im Halbschatten ist ideal, auch im Topf auf der Fensterbank.

Wohl fühlt sich Petersilie in einem feuchten, tiefgründigen und humusreichen Boden. Staunässe sollte vermieden werden. Petersilie sollte nicht neben anderen Doldenblütlern wie Möhren, Fenchel oder Dill gesetzt werden.

SONSTIGES

Die Petersilie wurde im antiken Griechenland als heilige Pflanze angesehen, jedoch nicht deutlich vom Sellerie unterschieden. Kränze aus Petersilie wurden den Siegern der Isthmischen und Nemëischen Spiele übergeben.

Petersilie war namensgebend für die in den Samen von Doldenblütlern vorkommende Fettsäure Petroselinsäure, ein Isomer der Ölsäure.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Goldrute (Solidago virgaurea) – traditionelle Heilpflanze zur Durchspülung der ableitenden Harnwege.
  • Birke (Betula pendula) – Birkenblätter werden traditionell als mildes Durchspülungsmittel verwendet.
  • Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) – traditionelle Durchspülungsdroge bei leichten Harnwegsbeschwerden.
  • Liebstöckel (Levisticum officinale) – aromatische Wurzeldroge mit traditioneller Anwendung im Harnwegsbereich.

FAQ

  • Wofür werden Petersilienkraut und Petersilienwurzel medizinisch verwendet?
    Petersilienkraut und Petersilienwurzel werden traditionell zur Durchspülung bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung oder Behandlung von Nierengriess verwendet.
  • Sind Petersilienfrüchte medizinisch empfehlenswert?
    Nein. Für Petersilienfrüchte ist die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt, während wegen Apiol und ätherischem Öl relevante Risiken bestehen.
  • Warum darf Petersilienöl nicht verwendet werden?
    Isoliertes Petersilienöl kann wegen seines Gehalts an Apiol und Myristicin toxisch wirken und sollte nicht therapeutisch verwendet werden.
  • Darf Petersilie in der Schwangerschaft angewendet werden?
    Petersilie als normales Küchenkraut ist von arzneilichen Zubereitungen zu unterscheiden. Medizinische Zubereitungen aus Petersilienkraut, Petersilienwurzel, Petersilienfrüchten oder Petersilienöl sind in der Schwangerschaft nicht geeignet.
  • Welche Inhaltsstoffe sind bei Petersilie wichtig?
    Wichtig sind ätherisches Öl mit Myristicin, Apiol und Monoterpenen, ausserdem Flavonoide, Furanocumarine und Vitamin C in den frischen Blättern.

Letzte Änderung: 07.05.2026 / © W. Arnold