Steinpilz (Boletus edulis)
Volksname: Herrenpilz, Fichtensteinpilz.
Allgemeines und Arten des Steinpilzes
Bei uns in Europa sind die Steinpilze neben den Pfifferlingen und Riesenschirmlingen wohl die meistgesuchten Speisepilze. Früher kannte man nur „den“ Steinpilz, heute unterteilt man ihn in mehrere Arten:
- Bronze-Röhrling oder Schwarzhütiger Steinpilz (Boletus aereus)
- Sommer- oder Eichen-Steinpilz (Boletus aestivalis)
- Birken-Steinpilz (Boletus betulicola)
- Gemeiner Steinpilz oder Herrenpilz (Boletus edulis)
- Weisser Steinpilz (Boletus edulis var. albus)
- Kiefern- oder Rotbrauner Steinpilz (Boletus pinophilus)
Merkmale des Fichtensteinpilzes
Für den Fichtensteinpilz gilt in der Regel die Bindung an die Fichte, der dunkelnussbraune, am Rand weissliche Hut und die glatte, im Alter klebrige Oberhaut.
In manchen Jungfichtenbeständen tritt er alle fünf bis sieben Jahre massenhaft auf, oft jedoch nur während einer kurzen Phase von etwa einer Woche im September. In den Folgejahren scheint er dann fast ganz zu fehlen.
Steinpilze können nicht kultiviert werden. Zwar ist es gelungen, Pflanzen im Labor mit dem Fichtensteinpilz zu infizieren, doch gelingt keine dauerhafte Weiterentwicklung der Symbiose.
Beschreibung des Fichtensteinpilzes
Hut
Der Hut erreicht 8–20 (–30) cm Durchmesser. Jung ist er fast weiss, später hell- bis dunkelbraun, anfänglich weiss bereift, später kahl und glatt. Bei feuchter Witterung wird er schmierig. Zunächst kugelig, später polsterförmig bis flach gewölbt. Die Huthaut ist nicht abziehbar.Röhren
Die Röhren sind zunächst weiss, später grünlichgelb bis olivgrün, 1–3 cm lang, leicht vom Hutfleisch lösbar und unveränderlich. Die Poren sind eng und gleichfarbig.Stiel
Der Stiel ist blassbräunlich mit weissem Adernetz, besonders an der Spitze. Zunächst fast kugelig, später keulenförmig und sehr dick, im Alter gelegentlich zylindrisch.Fleisch
Das Fleisch ist weiss und unveränderlich, unter der Huthaut rötlichbraun, anfangs fest, später schwammig.Geruch und Geschmack
Geruch typisch pilzartig, Geschmack mild und nussartig.Sporen
Spindelig, 13–17 × 4.5–5.5 µm, Sporenpulver braun-olivlich.Verwechslungsmöglichkeiten
Der Steinpilz kann mit mehreren Röhrlingen verwechselt werden. Eine detaillierte Gegenüberstellung mit Fotos und Unterscheidungsmerkmalen findest du auf der Seite Steinpilz – Doppelgänger und Verwechslungen .
Junge Gallenröhrlinge können dem Steinpilz sehr ähnlich sein. In Zweifelsfällen empfiehlt sich eine sehr kleine Kostprobe (sofort ausspucken), da der Gallenröhrling extrem bitter schmeckt und eine ganze Mahlzeit verderben kann.
Der Sommer-Steinpilz (Boletus aestivalis) unterscheidet sich durch den felderig aufgerissenen, blasseren Hut und das weichere, fast schwammige Fleisch.
Auch mit dickstieligen Exemplaren des Maronenröhrlings (Imleria badia, syn. Xerocomus badius) kann der Steinpilz verwechselt werden. Diese sowie Rotfussröhrlinge (Xerocomellus chrysenteron) und andere Steinpilzarten sind jedoch gute Speisepilze.
Das folgende Video zeigt den Steinpilz (Boletus edulis) in seinem natürlichen Lebensraum. Zu sehen sind typische Merkmale wie Hutform, Röhrenschicht und Wuchsweise sowie Aufnahmen vom Auffinden und Sammeln. Das Video ergänzt die obigen Informationen zur Bestimmung und hilft, den Steinpilz im Gelände besser zu erkennen.
Eigenes Video: Steinpilze und Pfifferlinge – Nach dem Pilzrundgang bereit für die Küche.
Symbiosepartner
Der Fichtensteinpilz ist ein Mykorrhiza-Pilz und geht Symbiosen mit zahlreichen Baumarten ein. Im Bergland vor allem mit Fichten, im Flachland auch mit Eichen und Buchen. Weitere Partner sind Kiefern, Birken, Tannen, Hainbuchen, Kastanien und Linden.
Er wächst überwiegend in Wäldern sowie an Waldrändern der kollinen bis montanen Höhenstufen. Ausserhalb von Wäldern tritt er nur selten bei einzelnen Bäumen auf.
Bodenansprüche
Der Steinpilz bevorzugt saure bis neutrale Böden. Auf basischem Untergrund kommt er nur dann vor, wenn dieser oberflächlich versauert ist. Im Bergwald ist sein Auftreten häufig mit Heidelbeeren verbunden, die ebenfalls saure Böden (pH 4–5) anzeigen.
Begleiter des Steinpilzes
Typische Begleitarten sind:
- Mehlräsling (Clitopilus prunulus)
- Pfefferröhrling (Chalciporus piperatus)
- Fliegenpilz (Amanita muscaria)
Wenn diese Arten auftreten, lohnt sich ein genauer Blick – oft stehen Steinpilze in der Nähe.
Vorkommen und Saison
Juni bis Oktober. In Nadel- und Laubwäldern sowie auf Weiden häufig anzutreffen.
Typische Fundorte sind Gebirgswälder, besonders Waldränder und einzeln stehende Fichten.

Typisches Steinpilzgebiet im Bergwald: Waldränder sowie einzelne Fichten und Buchen sind häufige Fundorte des Steinpilzes.
Der Steinpilz ist ein sehr geschätzter Speisepilz und wird entsprechend häufig gesammelt.
Speisewert und Verwendung
Der Steinpilz ist ein sehr geschätzter Speisepilz, wird aber aufgrund seiner Beliebtheit stark gesammelt. Er ist zudem stark madenanfällig.
Besonders gut eignet er sich zum Trocknen, wobei sich sein typisches Aroma erst voll entfaltet.
Frische, feste Steinpilze in 5–10 mm dicke Scheiben geschnitten und in Butter oder Olivenöl gebraten, gehören zu den beliebtesten Zubereitungsarten. Besonders geschätzt werden auch gebratene Parasolhüte.
Häufige Fragen zum Steinpilz (FAQ)
Was ist ein Steinpilz?
Der Steinpilz (Boletus edulis) ist ein sehr beliebter essbarer Röhrling und zählt zu den wichtigsten Speisepilzen Europas. Er ist bekannt für sein festes Fleisch und sein aromatisches, nussiges Aroma.
Woran erkennt man einen echten Steinpilz?
Typisch sind Röhren (keine Lamellen) unter dem Hut, anfangs helle Poren, ein blassbräunlicher bis heller Stiel mit deutlicher weisser Netzzeichnung (vor allem im oberen Stielbereich) sowie weisses Fleisch, das sich beim Anschneiden nicht blau verfärbt.
Gibt es giftige Doppelgänger des Steinpilzes?
Es gibt keine bekannten tödlich giftigen Doppelgänger, die dem Steinpilz sehr ähnlich sehen. Verwechslungen sind aber mit ungeniessbaren oder minderwertigen Röhrlingen möglich (z. B. Gallenröhrling).
Wie unterscheidet man den Steinpilz vom Gallenröhrling?
Der Gallenröhrling besitzt häufig ein dunkleres, gröberes Stielnetz, im Alter eher rosa bis schmutzig gefärbte Poren und einen deutlich bitteren Geschmack. Im Zweifel den Fund nicht verwenden.
Verfärbt sich der Steinpilz beim Anschneiden?
Nein. Das Fleisch bleibt weiss (allenfalls unter der Huthaut leicht bräunlich). Eine deutliche Blauverfärbung spricht gegen einen Steinpilz.
Wo wächst der Steinpilz?
Der Steinpilz ist ein Mykorrhizapilz und wächst in Symbiose mit Bäumen wie Fichte, Buche, Eiche oder Kiefer. Man findet ihn in Laub- und Nadelwäldern, häufig an Waldrändern.
Wann ist Steinpilz-Saison?
Meist von Juni bis Oktober, mit Schwerpunkt im Spätsommer und Herbst. Die Häufigkeit hängt stark von Niederschlag und Temperatur ab.
Ist der Steinpilz roh essbar?
Nein. Steinpilze sollten stets gut erhitzt werden. Roh verzehrt können sie Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
Wie verwendet man Steinpilze in der Küche?
Frisch eignen sie sich zum Braten (z. B. in Scheiben), für Risotto, Pasta oder Saucen. Getrocknet sind Steinpilze besonders aromatisch und ideal für Suppen und Pilzgerichte. Auch Einfrieren ist möglich (zuvor kurz blanchieren oder anbraten).
Warum sind viele Steinpilze madig?
Steinpilze werden häufig von Insektenlarven befallen, besonders bei warm-feuchtem Wetter. Junge, feste Exemplare sind oft weniger betroffen.
Darf man Steinpilze unbegrenzt sammeln?
Nein. In der Schweiz gelten kantonale Sammelbeschränkungen (z. B. Tagesmengen, Schonzeiten). Bitte die regionalen Vorschriften beachten.
Sind Steinpilze gesundheitlich wertvoll?
Steinpilze liefern Ballaststoffe und Mineralstoffe, stehen aber vor allem als Genusspilz im Vordergrund. Medizinische Wirkungen sind nicht das Hauptthema.
Letzte Änderung: 18.01.2026 / © W. Arnold



