Parasol (Riesenschirmling) – Macrolepiota procera

Beschreibung | Wichtige Merkmale | Verwechslung | Vorkommen | Speisewert | Sicherheit | FAQ

Der Parasol oder Riesenschirmling (Macrolepiota procera) ist ein ausgezeichneter Speisepilz. Für die sichere Bestimmung sind besonders der grosse schuppige Hut, der genatterte Stiel und der deutlich verschiebbare Ring wichtig. Kleine Schirmlinge dürfen nicht gesammelt werden, da darunter tödlich giftige Arten vorkommen.

Der Parasol oder Riesenschirmling (Macrolepiota procera) ist einer der bekanntesten und beliebtesten Speisepilze Europas. Mit seinem grossen, schuppigen Hut und dem charakteristisch genatterten Stiel ist er vergleichsweise gut erkennbar. Dennoch kommt es immer wieder zu gefährlichen Verwechslungen mit kleineren oder giftigen Schirmlingsarten.

Auf dieser Seite werden die wichtigsten Merkmale, das typische Vorkommen, mögliche Doppelgänger sowie Hinweise zur sicheren Bestimmung des Parasols beschrieben.

Volksnamen: Grosser Schirmling, Parasol, Riesenschirmling, Paukenschläger, Paukenschleger, Schulmeisterpilz, Eulchen.

Synonyme: Mastocephalus procerus, Lepiota procera.

Parasol (Riesenschirmling, Macrolepiota procera)

Parasol (Macrolepiota procera) - grosser Fruchtkörper im Freiland

Mehrere Parasole (Riesenschirmlinge, Macrolepiota procera) im Freiland

BESCHREIBUNG DES PILZES

Hut

10–25 cm breit, zunächst eiförmig bis fast kugelig, später ausgebreitet und aufgeschirmt, meist deutlich gebuckelt. Der Rand ist anfangs etwas eingebogen, später flach. Die Grundfarbe ist bräunlich bis braungrau; die Huthaut ist mit grossen, unregelmässigen, dunkleren und mehr oder weniger zerrissenen Schuppen bedeckt. Der Buckel bleibt meist glatt und gleichmässig gefärbt.

Lamellen

Zahlreich, gedrängt, unregelmässig angeordnet und bauchig; zunächst weiss bis gelblich, im Alter teils bräunlich bis schwach rötlich verfärbend. Die Lamellen sind frei bis fast frei und erreichen den Stiel nicht direkt.

Stiel

20–40 cm lang und 1–2 cm dick, zylindrisch, hohl, faserig und hart, zur Basis hin knollig verdickt. Die Oberfläche ist auffallend genattert und mit zahlreichen kleinen braunen Schuppen bedeckt. Der Ring ist gross, kräftig, doppelt gebaut und am Stiel deutlich verschiebbar.

Fleisch

Wenig fest und zart; im Hut weich, im Stiel deutlich faserig. Weiss, an der Luft höchstens schwach rötlich bis rosafarben verfärbend. Eine starke Safranrötung spricht eher für rötende Schirmlinge.

Geruch / Geschmack

Angenehm, nussartig; Geruch und Geschmack erinnern an Haselnüsse. Geschmacksproben sind bei unsicher bestimmten Pilzen nicht sinnvoll.

Sporen

Hyalin, elliptisch, gross, mit Keimporus und Öltropfen, 13–20 × 9–13 µm. Das Sporenpulver ist weiss.

WICHTIGE MERKMALE

Für die Bestimmung des Parasols sind mehrere Merkmale gemeinsam zu beurteilen. Kein einzelnes Merkmal genügt für sich allein.

  • grosser, aufgeschirmter Hut mit braunen Schuppen;
  • glatter, dunklerer Buckel in der Hutmitte;
  • langer, deutlich genatterter Stiel;
  • knollig verdickte Stielbasis, aber keine häutige Scheide;
  • kräftiger, verschiebbarer Ring;
  • weisses Sporenpulver;
  • angenehm nussartiger Geruch.

Besonders wichtig ist die Kombination aus grossem Fruchtkörper, genattertem Stiel und verschiebbarem Ring. Junge, noch geschlossene Fruchtkörper sind schwieriger zu beurteilen und sollten von unerfahrenen Sammlern nicht verwendet werden.

VERWECHSLUNG

Der Parasol ist zwar recht gut kenntlich, dennoch kommt es in der Praxis immer wieder zu Verwechslungen. Entscheidend sind immer mehrere Merkmale zusammen: grosser, aufgeschirmter, braun geschuppter Hut, genatterter Stiel und ein deutlich verschiebbarer, kräftiger Ring.

Safranschirmling und rötende Schirmlinge

Ein häufiger Doppelgänger ist der Safranschirmling (Chlorophyllum rhacodes; in älterer Literatur teils als Macrolepiota rhacodes geführt). Typisch ist eine deutliche Rot- bis Safranrötung des Fleisches bei Druck oder Schnitt. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist der Stiel: Beim Safranschirmling ist er nicht genattert, sondern glatt bis fein faserig. Der Parasol besitzt dagegen fast immer das charakteristische Nattermuster.

Rötende Schirmlinge sind nicht einheitlich zu bewerten. Einige gelten als essbar, andere können Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Bei Unsicherheit oder empfindlicher Verdauung sollten rötende Schirmlinge stehen gelassen werden.

Warzenschirmpilz / Zitzen-Riesenschirmling

Der Warzenschirmpilz beziehungsweise Zitzen-Riesenschirmling (Macrolepiota mastoidea) kann dem Parasol ähnlich sehen, ist aber meist zierlicher und besitzt oft einen spitzer wirkenden Buckel. Auch der Ring ist häufig einfacher ausgebildet. Die Art ist als Vergleichsart wichtig, ändert aber nichts an der Grundregel, dass immer das Gesamtbild geprüft werden muss.

Kleine Schirmlinge – besondere Gefahr

Die wichtigste Sicherheitsregel lautet: Keine kleinen Schirmlinge sammeln. Kleine Arten der Gattung Lepiota, zum Beispiel Lepiota brunneoincarnata, können amatoxinhaltig und tödlich giftig sein. Gerade junge, noch geschlossene kleine Schirmlinge sind für Anfänger besonders riskant.

Merksatz: Parasole nur sammeln, wenn Grösse, Hutbeschuppung, genatterter Stiel und verschiebbarer Ring gemeinsam passen. Im Zweifel den Pilz stehen lassen oder durch eine Pilzkontrollstelle prüfen lassen.

VORKOMMEN

Der Parasol wächst vor allem in lichten Wäldern sowie an Übergängen von Wald zu Offenland. Typische Standorte sind Waldränder, Lichtungen, grasige Stellen, Wegränder, Wiesen, Weiden und Parks. Bevorzugt werden eher frische, nährstoffreichere Böden; sowohl Kalk- als auch Silikatböden werden besiedelt.

Die Art kommt von der Tieflage bis in subalpine Höhenstufen vor. Funde auf Bergwiesen bis etwa 1500 m sind daher gut möglich. Die Hauptsaison liegt im Sommer und Herbst, abhängig von Witterung und Niederschlägen.

SPEISEWERT

Der Parasol gilt als ausgezeichneter Speisepilz und zählt zu den beliebtesten Wildpilzen. Besonders geschätzt werden die grossen, aufgeschirmten Hüte, die ein mildes, angenehm nussiges Aroma besitzen. Der Stiel ist zäh und faserig und wird in der Küche meist nicht verwendet.

Die Hüte eignen sich hervorragend zum Braten, Panieren oder Grillieren. Bekannt ist die Zubereitung als „Parasol-Schnitzel“. Pilze sollten stets gut erhitzt werden, da rohe oder unzureichend gegarte Wildpilze unverträglich sein können.

Junge, noch geschlossene Exemplare sind weniger empfehlenswert, da sie schwerer bestimmbar sind und leichter mit giftigen Schirmlingen verwechselt werden können.

Für mich ist der Parasol der beste Speisepilz.

Gebratener Parasol (Riesenschirmling, Macrolepiota procera) als Speisepilz

SICHERHEIT

Wildpilze dürfen nur gegessen werden, wenn sie sicher bestimmt sind. Beim Parasol sind insbesondere kleine Schirmlinge gefährlich, weil in dieser Gruppe stark giftige bis tödlich giftige Arten vorkommen. Für Speisezwecke sollten deshalb nur grosse, typisch entwickelte und eindeutig bestimmbare Exemplare gesammelt werden.

Bei Unsicherheit ist eine Pilzkontrollstelle die richtige Anlaufstelle. Fotos allein ersetzen keine sichere Pilzkontrolle am frischen Fund.

HÄUFIGE FRAGEN (FAQ)

  • Ist der Parasol essbar?
    Ja. Der Parasol (Macrolepiota procera) gilt als ausgezeichneter Speisepilz. Verwendet werden vor allem die grossen Hüte; der Stiel ist zäh und faserig. Wie alle Wildpilze sollte Parasol nur sicher bestimmt und gut durchgegart verzehrt werden.
  • Woran erkennt man einen echten Parasol besonders zuverlässig?
    Typisch sind der grosse, schuppige Hut mit glattem Buckel, der lange genatterte Stiel und ein deutlich verschiebbarer, kräftiger Ring. Für eine sichere Bestimmung sollten immer mehrere Merkmale zusammenpassen.
  • Womit kann man den Parasol verwechseln?
    Häufige Verwechslungen betreffen rötende Schirmlinge, andere Riesenschirmlinge und kleine Schirmlinge. Besonders gefährlich sind kleine Lepiota-Arten, darunter auch giftige bis tödlich giftige Arten.
  • Warum sollte man kleine Schirmlinge nicht sammeln?
    Kleine Schirmlinge sind schwer sicher zu bestimmen. In dieser Gruppe kommen stark giftige bis tödlich giftige Arten vor. Deshalb gilt: Nur grosse, eindeutig bestimmbare Parasole sammeln und bei Unsicherheit stehen lassen.
  • Wie bereitet man Parasol am besten zu?
    Beliebt sind die grossen Hüte gebraten, paniert oder grilliert. Die Pilze sollten sauber geputzt und ausreichend erhitzt werden. Rohe oder nur halb gegarte Pilze können unverträglich sein.
  • Wann und wo findet man den Parasol am ehesten?
    Parasol wächst in lichten Wäldern, an Waldrändern, auf Wiesen und an grasigen Wegrändern. Die Hauptsaison liegt im Sommer und Herbst; in geeigneten Lagen sind Funde auch auf Bergwiesen möglich.

Letzte Änderung: 17.05.2026 / © W. Arnold