Fliegenpilz - Amanita muscaria

Beschreibung | Verwechslung | Vorkommen & Habitat | Giftigkeit & Wirkung | Bemerkungen | FAQ

Synonyme: Agaricus muscarius; Agaricus pseudo-aurantiacus

Volksname: Fliegenpilz

Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) ist einer der bekanntesten und auffälligsten Pilze Europas. Sein leuchtend roter Hut mit weissen Flocken macht ihn unverwechselbar und zu einem festen Bestandteil von Märchen, Illustrationen und Volksvorstellungen.

Trotz seines attraktiven Aussehens handelt es sich um einen giftigen Pilz, der nicht zum Verzehr geeignet ist. Für die sichere Pilzbestimmung besitzt der Fliegenpilz grosse Bedeutung, da er typische Merkmale der Gattung Amanita zeigt.

Drei Fliegenpilze (Amanita muscaria) im Wald

Fliegenpilz (Amanita muscaria) mit rotem Hut und weissen Flocken
Fliegenpilz (Amanita muscaria) – typisches Erscheinungsbild

Beschreibung

Hut

6–20 cm Ø, fleischig; jung halbkugelig, später ausgebreitet bis flach aufgeschirmt. Oberfläche bei Feuchtigkeit etwas schmierig. Farbe leuchtend rot bis orangerot, bedeckt mit zahlreichen weissen bis gelblichen Velumresten.

Lamellen

Sehr gedrängt, breit, frei stehend, weiss bis leicht gelblich.

Stiel

12–25 × 1–2,5 cm, weiss, mit deutlicher Manschette. Die Basis ist knollig verdickt und von konzentrischen Warzenringen umgeben.

Fleisch

Unter der Huthaut gelborange, darunter weiss.

Geruch und Geschmack

Unauffällig.

Sporen

Glatt, elliptisch, 10–12 × 6–7 µm; Sporenpulver weiss.

Verwechslung

Sind die weissen Velumreste durch starken Regen weitgehend abgewaschen, kann der Fliegenpilz oberflächlich an rote Täublinge (Russula) erinnern.

Eine sichere Unterscheidung ist jedoch anhand der freien Lamellen, der Manschette sowie der knolligen Stielbasis mit Warzenresten meist problemlos möglich.

Vorkommen & Habitat

Der Fliegenpilz ist in der Nordhalbkugel weit verbreitet. Er wächst in Nadel- und Laubwäldern auf eher sauren Böden und bildet eine ektomykorrhizale Symbiose insbesondere mit Birken, Fichten und Kiefern.

Die Fruchtkörper erscheinen meist vom Sommer bis in den Spätherbst. Typische Standorte sind lichte Wälder, Waldränder, Waldwege und parkähnliche Landschaften.

Giftigkeit & Wirkung

Der Fliegenpilz ist ein giftiger Pilz und nicht zum Verzehr geeignet. Die toxische Wirkung beruht hauptsächlich auf den Inhaltsstoffen Ibotensäure und Muscimol.

Ibotensäure

Ibotensäure wirkt neurotoxisch und erregend auf das zentrale Nervensystem. Typische Symptome einer Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Unruhe, Verwirrtheit und Koordinationsstörungen.

Muscimol

Muscimol entsteht aus Ibotensäure durch Decarboxylierung und ist pharmakologisch wirksamer. Die Substanz wirkt als GABAA-Rezeptor-Agonist und kann Benommenheit, Müdigkeit, Wahrnehmungsveränderungen, Halluzinationen und Bewusstseinsstörungen verursachen.

Chemische Formel von Muscimol

Vergiftungssymptome

Die Symptome treten meist 30 Minuten bis 3 Stunden nach Aufnahme auf. Der Verlauf ist oft unangenehm, aber nur selten tödlich. Insbesondere bei Kindern, älteren Personen oder nach Aufnahme grösserer Mengen können ernsthafte Komplikationen auftreten.

Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung ist umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Bemerkungen

Der Fliegenpilz gehört zu den bekanntesten Pilzen Europas und besitzt eine grosse kulturelle Bedeutung. Er erscheint häufig in Märchen, Illustrationen und Glückssymbolen.

Früher wurde Muscarin irrtümlich als Hauptgiftstoff angesehen. Heute gelten Ibotensäure und Muscimol als die wichtigsten pharmakologisch aktiven Inhaltsstoffe.

Historische Berichte über rituelle oder berauschende Anwendungen existieren, eine Verwendung ist jedoch gesundheitlich riskant und nicht zu empfehlen.

Trotz seiner Giftigkeit zählt der Fliegenpilz zu den auffälligsten Erscheinungen unserer Wälder.

FAQ

  • Ist der Fliegenpilz giftig?
    Ja. Der Fliegenpilz ist giftig und nicht essbar.
  • Wie wirkt der Fliegenpilz?
    Er kann Übelkeit, Schwindel, Benommenheit, Verwirrtheit und Halluzinationen verursachen.
  • Wann treten Vergiftungssymptome auf?
    Meist 30 Minuten bis 3 Stunden nach dem Verzehr.
  • Ist der Fliegenpilz tödlich?
    Todesfälle sind selten, dennoch sind Vergiftungen medizinisch ernst zu nehmen.
  • Kann man den Fliegenpilz essen?
    Nein. Auch nach Trocknung oder Kochen bleibt der Pilz gesundheitlich riskant.
  • Kann man den Fliegenpilz verwechseln?
    Bei abgewaschenen Hutflecken theoretisch mit roten Täublingen, jedoch meist gut unterscheidbar.
  • Wo wächst der Fliegenpilz?
    Vor allem in Nadel- und Laubwäldern unter Birken, Fichten und Kiefern.
  • Was tun bei Verdacht auf Vergiftung?
    Sofort medizinische Hilfe oder Tox Info Suisse kontaktieren.

Letzte Änderung: 17.05.2026 / © W. Arnold