Fliegenpilz - Amanita muscaria
Synonyme: Agaricus muscarius; Agaricus pseudo-aurantiacus
Volksname: Fliegenpilz
Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) ist einer der bekanntesten und auffälligsten Pilze Europas. Sein leuchtend roter Hut mit weissen Flocken macht ihn unverwechselbar und zu einem festen Bestandteil von Märchen, Illustrationen und Volksvorstellungen. Trotz seines attraktiven Aussehens handelt es sich um einen giftigen Pilz, der nicht zum Verzehr geeignet ist. Für die sichere Pilzbestimmung ist der Fliegenpilz jedoch von grosser Bedeutung, da er wichtige Merkmale der Gattung Amanita exemplarisch zeigt und als Referenzart für gefährliche Verwechslungen dient.

Fliegenpilz (Amanita muscaria) – typisches Erscheinungsbild
Beschreibung des Pilzes
Hut
6–20 cm Ø, fleischig; jung halbkugelig, später ausgebreitet bis flach aufgeschirmt, oft leicht niedergedrückt. Oberfläche bei Feuchtigkeit etwas schmierig, Rand meist schwach gerieft. Farbe leuchtend rot bis orangerot, bedeckt mit zahlreichen weissen bis gelblichen, oft pyramidenförmigen Velumresten (Flocken); selten nahezu nackt.Lamellen
Sehr gedrängt, mit zahlreichen Zwischenlamellen, breit und bauchig, frei stehend, weiss bis leicht gelblich.Stiel
12–25 × 1–2,5 cm, zylindrisch; zunächst voll, später hohl. Basis zu einer Knolle verdickt, umgeben von konzentrischen Warzenringen (Reste des Velum universale). Manschette weit, weiss bis leicht gelblich, gerieft, am Rand oft flockig.Fleisch
Unter der abziehbaren Huthaut gelborange, darunter weiss.Geruch und Geschmack
Unauffällig, ohne charakteristischen Geruch oder Geschmack.Sporen
Glatt, elliptisch, 10–12 × 6–7 µm, nicht amyloid; Sporenpulver weiss.Verwechslung
Sind die weissen Velumreste auf dem Hut durch starken Regen weitgehend abgewaschen, kann der Fliegenpilz oberflächlich an rote Täublinge (Russula) erinnern. Eine sichere Unterscheidung ist jedoch anhand der freien Lamellen, der deutlich ausgebildeten Manschette sowie der knolligen Stielbasis mit Warzenresten problemlos möglich.
Vorkommen & Habitat
Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) ist in der gesamten Nordhalbkugel weit verbreitet und kommt in Europa, Asien und Nordamerika häufig vor. Er wächst vor allem in Nadel- und Laubwäldern auf eher sauren Böden und bildet eine ektomykorrhizale Symbiose mit verschiedenen Baumarten, insbesondere mit Birken, Fichten und Kiefern. Der Pilz erscheint meist einzeln oder in kleinen Gruppen vom Sommer bis in den Spätherbst. Typische Fundorte sind lichte Wälder, Waldränder, Waldwege sowie parkähnliche Landschaften mit geeignetem Baumbestand.
Giftigkeit & Wirkung
Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) ist ein giftiger Pilz und nicht zum Verzehr geeignet. Die toxische Wirkung beruht nicht auf Muscarin, sondern auf den spezifischen Inhaltsstoffen Ibotensäure und Muscimol, deren Gehalt je nach Standort, Alter des Fruchtkörpers und Zubereitung stark schwanken kann.
Ibotensäure
Ibotensäure ist die primäre toxische Verbindung im frischen Fliegenpilz. Sie wirkt als neurotoxische Substanz mit erregender Wirkung auf das zentrale Nervensystem. Typische Symptome einer Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Unruhe, Verwirrtheit sowie Koordinationsstörungen. Ibotensäure kann im Körper teilweise zu Muscimol decarboxyliert werden.Muscimol
Muscimol entsteht aus Ibotensäure durch Decarboxylierung und ist die pharmakologisch wirksamere Substanz. Es wirkt als GABAA-Rezeptor-Agonist und führt zu dämpfenden, bewusstseinsverändernden Effekten. Zu den möglichen Wirkungen zählen Benommenheit, veränderte Wahrnehmung, Müdigkeit, Verwirrtheit sowie in schweren Fällen Halluzinationen und Bewusstseinsstörungen.
Vergiftungssymptome
Die Symptome treten meist 30 Minuten bis 3 Stunden nach Aufnahme auf. Der Verlauf ist in der Regel nicht tödlich, kann jedoch insbesondere bei Kindern, älteren Personen oder nach Aufnahme grösserer Mengen ernsthafte Komplikationen verursachen. Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung ist umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
FAQ – Fliegenpilz (Amanita muscaria)
Ist der Fliegenpilz giftig?
Ja. Der Fliegenpilz ist giftig und nicht essbar. Er enthält die psychoaktiven Substanzen Ibotensäure und Muscimol, die das zentrale Nervensystem beeinflussen.
Wie wirkt der Fliegenpilz?
Nach Aufnahme kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Benommenheit, Koordinationsstörungen, Verwirrtheit sowie zu Halluzinationen kommen. Die Wirkung ist unberechenbar.
Wann treten Vergiftungssymptome auf?
Meist 30 Minuten bis 3 Stunden nach dem Verzehr. Der Verlauf ist oft unangenehm, aber in der Regel nicht tödlich – medizinische Abklärung ist dennoch immer erforderlich.
Ist der Fliegenpilz tödlich?
Todesfälle sind sehr selten. Dennoch kann eine Vergiftung insbesondere bei Kindern, älteren Personen oder bei hoher Dosis gefährlich sein.
Warum gilt der Fliegenpilz als Rauschpilz?
Durch Muscimol kann es zu bewusstseinsverändernden Effekten kommen. Historische Berichte über rituelle Nutzung existieren, eine Anwendung ist jedoch gesundheitlich riskant und wird nicht empfohlen.
Wird der Fliegenpilz durch Kochen oder Trocknen essbar?
Nein. Zwar wandelt sich Ibotensäure beim Trocknen teilweise in Muscimol um, der Pilz bleibt jedoch toxisch und gesundheitlich riskant.
Kann man den Fliegenpilz mit Speisepilzen verwechseln?
Aufgrund seines Aussehens meist kaum. Bei starkem Regen können jedoch die weissen Flocken abgewaschen sein; eine Verwechslung mit roten Täublingen ist theoretisch möglich, aber bei Beachtung von Lamellenfarbe, Stielring und Knolle gut vermeidbar.
Wo wächst der Fliegenpilz?
In Laub- und Nadelwäldern, häufig unter Birken, Fichten und Kiefern. Er bildet eine Mykorrhiza mit seinen Wirtsbäumen.
Hat der Fliegenpilz eine ökologische Bedeutung?
Ja. Als Mykorrhizapilz spielt er eine wichtige Rolle im Waldökosystem, insbesondere für die Nährstoffversorgung von Bäumen.
Was tun bei Verdacht auf Vergiftung?
Sofort medizinische Hilfe einholen oder Tox Info Suisse kontaktieren – keine Selbstbehandlung.
Bemerkungen
Der Fliegenpilz ist eindeutig giftig. Als Hauptwirkstoff gilt Ibotensäure und nicht – wie früher fälschlich angenommen – Muscarin. Der Pilz besitzt halluzinogene, psychoaktive und toxische Eigenschaften. Diese beruhen auf der Wechselwirkung seiner Inhaltsstoffe mit verschiedenen Neurotransmittersystemen des zentralen Nervensystems.
Die Wirkung setzt in der Regel nach 30 Minuten bis 2 Stunden ein und kann über einen Zeitraum von etwa 8 bis 24 Stunden anhalten.
Trotz seiner Giftigkeit ist der Fliegenpilz eine der auffälligsten und bekanntesten Erscheinungen unserer Wälder – und bleibt ihre unverkennbare Zierde.
Letzte Änderung: 24.01.2026 / © W. Arnold



