Kiefer – Pinus sylvestris
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Kiefernsprossen und Kiefernnadelöl besitzen eine anerkannte traditionelle medizinische Anwendung. Sie werden innerlich bei Erkältungen und Katarrhen der Atemwege sowie äusserlich bei Muskel- und Nervenschmerzen verwendet.
Pinus sylvestris
Gemeine Kiefer (syn. Föhre, Rotföhre, Waldkiefer, Waldföhre).
VORKOMMEN
Die Waldkiefer ist in grossen Teilen Europas und Asiens verbreitet. Ihr Areal reicht von Spanien über Mitteleuropa bis nach Sibirien. Sie wächst bevorzugt auf trockenen, sandigen oder nährstoffarmen Böden und bildet häufig Mischbestände mit Birken und Eichen.
Die Kiefer gehört zu den wichtigsten europäischen Nadelbäumen und besitzt eine hohe ökologische Anpassungsfähigkeit.
MERKMALE
Die Waldkiefer ist ein immergrüner Nadelbaum mit charakteristischer rotbrauner Borke im oberen Stammbereich. Die Nadeln stehen paarweise und erreichen eine Länge von etwa 3–6 cm. Die Zapfen sind klein und rundlich.
Die Kiefer kann Höhen bis etwa 40 m erreichen und mehrere hundert Jahre alt werden. Je nach Standort variiert die Kronenform deutlich.
Ätherische Öle und Terpentin werden aus verschiedenen Kiefernarten gewonnen, unter anderem aus Pinus sylvestris, Pinus mugo und Pinus pinaster.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Pini turiones – Kiefernsprossen.
Pini aetheroleum – Kiefernnadelöl.
Terebinthinae aetheroleum rectificatum – gereinigtes Terpentinöl.
Pinaceae pix – Holzteer.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Kiefernsprossen und Kiefernnadelöl enthalten ätherische Öle mit Monoterpenen wie α-Pinen, β-Pinen, Bornylacetat, Camphen, Limonen und 3-Caren.
Daneben kommen Harze, Bitterstoffe sowie geringe Mengen Vitamin C vor.
PHARMAKOLOGIE
Kiefernnadelöl wirkt sekretolytisch, leicht antiseptisch und durchblutungsfördernd. Die ätherischen Öle fördern die Schleimlösung in den Atemwegen und werden deshalb traditionell bei Erkältungen und Husten eingesetzt.
Bei äusserlicher Anwendung entfalten die ätherischen Öle eine leicht hyperämisierende Wirkung und werden in Einreibungen oder Badezusätzen verwendet.
Terpentinöl kann hautreizend wirken. Besonders höhere Konzentrationen können zu Reizungen und Entzündungen führen.
EVIDENZ
Die Anwendung von Kiefernsprossen (Pini turiones) und Kiefernnadelöl (Pini aetheroleum) bei Erkältungen und katarrhalischen Erkrankungen der Atemwege ist traditionell etabliert. Die enthaltenen Monoterpene wie α-Pinen, β-Pinen und Bornylacetat zeigen pharmakologisch plausible sekretolytische und antimikrobielle Eigenschaften.
Die klinische Evidenz beim Menschen ist jedoch begrenzt. Die heutige Anwendung beruht überwiegend auf traditioneller Erfahrung, pharmakologischen Untersuchungen zu ätherischen Ölen und experimentellen Daten zu inhalativer Anwendung.
- Csikós et al. 2022 – experimentelle Untersuchung zu Pinus sylvestris-Öl (Scots pine essential oil) bei inhalativer Anwendung und Atemwegsentzündung.
- PMC Volltext: Pinus sylvestris essential oils inhibit endotoxin-induced airway hyperreactivity – tierexperimentelle Untersuchung zur Wirkung von Scots-pine-Öl auf Atemwegsreaktionen und Entzündungsparameter.
- Ács et al. 2018 – Untersuchung ätherischer Öle, darunter Scots-pine-Öl, gegen respiratorische bakterielle Erreger.
- Forest Volatile Organic Compounds and Their Effects on Human Health – Übersichtsarbeit zu Pinenen und anderen Wald-Terpenen mit möglichen Effekten auf Atemwege und Entzündungsprozesse.
- HMPC – Committee on Herbal Medicinal Products – zentrale EMA-Seite des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel. Eine spezifische HMPC-Monographie zu Pini turiones oder Pini aetheroleum liegt derzeit nicht vor.
ANWENDUNG
Kiefernsprossen und Kiefernnadelöl werden traditionell verwendet:
- bei Erkältungen und Husten
- bei Katarrhen der oberen Atemwege
- zur Inhalation
- als Badezusatz
- äusserlich bei Muskel- und Nervenschmerzen
Kiefernnadelöl wird häufig mit anderen ätherischen Ölen kombiniert, beispielsweise mit Eukalyptus, Thymian oder Rosmarin.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Kiefernsprossen werden als Sirup, Tee oder Tinktur verwendet.
Kiefernnadelöl wird in Salben, Badezusätzen, Inhalationen und alkoholischen Einreibungen eingesetzt.
Ätherische Öle sollten nur verdünnt angewendet werden.
SICHERHEIT
Kiefernnadelöl darf nicht im Bereich der Augen angewendet werden.
Bei Säuglingen und Kleinkindern dürfen ätherische Öle nicht im Gesichtsbereich eingesetzt werden, da die Gefahr eines Glottiskrampfes oder Atemstillstands besteht.
Bei Bronchialasthma oder Keuchhusten ist Vorsicht angezeigt, da ätherische Öle Bronchospasmen verstärken können.
Hoch konzentrierte Terpentinöle können Hautreizungen verursachen.
STATUS
- Kommission E: positive Monographie
- ESCOP : keine Monographie vorhanden
- HMPC : keine Monographie vorhanden
SONSTIGES
Die Kiefer gehört seit Jahrhunderten zu den wichtigsten europäischen Nutz- und Heilpflanzen. Kiefernharz, Teer und ätherische Öle wurden traditionell bei Atemwegserkrankungen und rheumatischen Beschwerden verwendet.
Die bekannte Latschenkiefer (Pinus mugo) ist eine nahe verwandte Art, besitzt jedoch eigene pharmakognostische Eigenschaften.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Eukalyptus (Eucalyptus globulus) – ätherisches Öl bei Erkältungen und Husten.
- Thymian (Thymus vulgaris) – sekretolytische und krampflösende Heilpflanze.
- Rosmarin (Rosmarinus officinalis) – ätherisches Öl zur äusserlichen Anwendung.
- Lavendel (Lavandula angustifolia) – traditionell beruhigend und aromatisch.
FAQ
-
Wofür werden Kiefernsprossen verwendet?
Vor allem bei Erkältungen, Husten und Katarrhen der Atemwege. -
Wie wirkt Kiefernnadelöl?
Es wirkt sekretolytisch, leicht antiseptisch und durchblutungsfördernd. -
Darf Kiefernnadelöl bei Kindern angewendet werden?
Nicht im Gesichtsbereich von Säuglingen und Kleinkindern. -
Gibt es klinische Studien?
Die Evidenz beruht hauptsächlich auf traditioneller Anwendung und pharmakologischer Plausibilität.
Letzte Änderung: 09.05.2026 / © W. Arnold