Kiefer - Pinus sylvestris


Kiefernsprossen und Kiefernnadelöl haben eine anerkannte medizinische Anwendung. Sprossen und Öl werden innerliche bei katarrhalischen Erkrankungen der oberen und unteren Luftwege und äusserlich bei leichten Muskel- und Nervenschmerzen angewendet.

Pinus sylvestris (syn. Pinus nigra);
Gemeine Kiefer (syn. Föhre, Rotföhre, Rotkiefer, Samalkiefer, Waldföhre, Waldkiefer, Wissföhre).

Pinus sylvestris - Gemeine Kiefer

Kiefer (Gemeine Kiefer)

Pinus mugo (Latschenkiefer, Bergkiefer)Pinus mugo, Latschenkiefer

VORKOMMEN

Das Hauptverbreitungsgebiet der Kiefer umfasst Europa bis weit nach Sibirien, hier meist in Begleitung von Birke und Eiche. Das Vorkommen reicht im Norden bis Lappland, im Süden bis in den äussersten Nordwesten Spaniens und in die Türkei (nordisch-eurasiatisch-kontinentales Areal). In Westeuropa (Frankreich und Schottland) ist sie zerstreut anzutreffen, in den südlichen Arealteilen beinahe ausschliesslich Reliktvorkommen im Gebirge.

MERKMALE

Die Waldkiefer ist ein schnellwüchsiger immergrüner Nadelbaum mit rotbrauner Rinde, 3-6 cm langen, nadelförmigen Blättern („Nadeln") und kleinen, fast runden Zapfen. Sie kann Wipfelhöhen bis 40 m und Stammdurchmesser bis zu 1 m erreichen. Ihr erreich­bares Alter beträgt ca. 600 Jahre. Die Waldkiefer ist in der Wuchsform sehr variabel. Je nach Standort kommen schmale kegelförmige oder breite schirmförmige Kronen vor. Die Aststockwerke sind locker aufgebaut. Ältere Bäume haben oftmals eine halbkugelige Krone und einen vollholzigen langen Stamm, bei dem die unteren Äste abgestorben sind.
Terpentin (Oleoresin) und ätherisches Öl (durch Wasserdampfdestillation) werden aus mehreren Arten gewonnen, u. a. aus Krummholz-Kiefer (Pinus mugo ssp. pumilio), Meerkiefer (P. pinaster), Sumpfkiefer (P. palustris), Fichte (Picea abies), Weisstanne (Abies alba) und Europäischer Lärche (Larix decidtta).

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Pinaceae pix - (syn. Pix Abietarum, Pix liquida, Pyroleum Pini); Holzteer

Pini aetheroleum - (syn. Oleum Pini sylvestris); Kiefernnadelöl.

Terebinthinae aetheroleum rectificatum - (syn. Oleum Terebinthinae medicinale, Oleum Terebinthinae rectificatum); Gereinigtes Terpentinöl.

Pini turiones - (syn. Strobuli Pini, Turiones Pini); Kiefernsprosse (syn. Föhrensprossen), die frischen oder getrockneten, 3-5 cm langen, im Frühjahr gesammelten Triebe.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Pinaceae pix - Kohlenwasserstoffe, besonders Benzol, Styrol, Toluol, Xylol, polycyclische Kohlenwasserstoffe, u.a.

Pini aetheroleum - besonders (+)-α-Pinen (10-50 %), 3-Caren, Camphen (bis zu 12 %) und Bornylacetat.

Terebinthinae aetheroleum rectificatum - besonders α-Pinen (39-87 %), (-)-β-Pinen, (+)-3-Caren, Limonen und Camphen.

Pini turiones - ÀtherIsches Öl (0,2-0,5 %), u.a. mit Bornylacetat, Cadinen, (+)-3-Caren, Limonen, Phellandren und (-)-α-Pinen, ausserdem Harz, Bitterstoffe, Vitamin C und verschiedene Zucker, u.a. Melibiose, Raffinose und Saccharose.

3-Caren - Inhaltsstoff des Kiefernöls

PHARMAKOLOGIE

Terpentinöl und Nadelöle wirken antiseptisch und sekretolytisch. Bei äusserlicher Anwendung stimulieren Terpentinöl oder Nadelöl die periphere Durchblutung (hyperämische Eigenschaften).

Terpentinöl wirkt hautreizend, antiseptisch und wird deshalb zu Einreibungen bei rheumatischen Erkrankungen verwendet. Bei längerer Einwirkung treten allerdings schmerzhafte Hautentzündungen auf, ebenso geschwürige Veränderungen und tiefgreifende Gewebezerstörungen. Hierfür ist besonders das delta-3-Caren verantwortlich. Auch Bronchospasmen können verstärkt werden.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E):

  • Kiefernsprossen: innerliche bei katarrhalischen Erkrankungen der oberen und unteren Luftwege; äusserlich bei leichten Muskel- und Nervenschmerzen.
  • Kiefernnadelöl: innerlich bei katarrhalischen Erkrankungen der oberen und unteren Luftwege; äusserlich zur Behandlung rheumatischer Beschwerden und bei Nervenschmerzen.

Kiefernnadelöl (Oleum pini silvestris) ist das aus frischen Nadeln oder Zweigspitzen destillierte ätherische Öl. Es wird vor allem als schleimlösendes Mittel bei Bronchitis verwendet. Sein typischer Geruch stammt von dem hohen Gehalt an Bornylacetat.

Kiefernöl ist in zahlreichen topischen Präparaten gegen Erkältungkrankheiten entahlten, oft kombiniert mit z.B. Süssholz, Islandisches Moos, Spitzwegerich, Eukalyptus und Thymian.

Ausserdem ist Kiefernöl ist in zahlreichen Rheumasalben und Sportgelen enthalten, hier oft kombiniert mit den ätherischen Ölen von z.B. Wintergrün, Lavendel, Salbei, Thymian, Eukalyptus, Rosmarin, Muskatnuss und Zitrone.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Kiefernsprossen werden in Form von Sirup oder Tinktur angewendet. Kiefernnadelöl in alkoholischen Lösungen (auch als Zusatz zu Franzbranntwein), Salben, Cremes, Emulsionen, Ölen und Bädern (Erkältungsbad) zur äusseren Anwendung.

STATUS

SONSTIGES

Schon in der Antike wurde die Kiefer medizinisch eingesetzt. So fand sie u.a. bei Geschwüren und bei Husten Einsatz.

Sie ist allerdings nicht mit der bekannten Latschenkiefer zu verwechseln. Bei der Latschenkiefer und dem Latschenkieferöl, handelt es sich um einen anderen Baum, die Latsche, die allerdings eine nahe Verwandte Art der Kiefer darstellt.

Letzte Änderung: 22.04.2024 / © W. Arnold