Muskatnuss - Myristica fragrans

Myristica fragrans (syn. Myristica amboinensis, M. aromatica, M. moschata, M. officinalis, M. philippinensis);
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Muskatnussbaum

Myristica fragrans - Muskatnussbaum, Muskatnuss

Muskatnuss

Muskatnuss

VORKOMMEN

Die Muskatnuss ist ursprünglich auf den Molukkeninseln Ambon, Banda, Ceram, Damar und Nila („Gewürzinseln") beheimatet. Heute werden Muskatnussbäume auch auf Sumatra, Java, Borneo, Neuguinea, Minahassa (nördlich Celebes), Malakka und Penang, ferner in Vorder- und Hinterindien und in anderen Ländern der Tropen angebaut. Die Antilleninsel Grenada ist das nach Indonesien wichtigste Anbaugebiet. Die Muskatnuss ist daher Bestandteil der Flagge Grenadas.

MERKMALE

Der Muskatnussbaum ist ein bis zu 20 m hoher Baum mit immergrünen, lederigen, kurzgestielten, eiförmig-elliptischen, bis 8 cm langen Blättern. Die wechselständigen Laubblätter sind einfach und bis zu 12 Millimeter lang gestielt. Myristica fragrans ist im allgemeinen diözisch, d. h. entweder weiblich oder männlich. In der Umgangssprache bezeichnet man den Samen als Muskatnuss oder Muskat und den Samenmantel als Muskatblüte oder Macis.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Myristicae aetheroleum (syn. Aetheroleum Myristicae, Macidis aetheroleum, Myristicae essentia,Oleum Myristicae, Oleum Myristicae aethereum, Oleum Nucis moschati);
Muskatöl (syn. Ätherisches Muskatnussöl, Ätherisches Muskatöl, Macisöl), das äther. Öl des Samens oder des Samenmantels.

2. Myristicae semen (syn. Myristicae nux, Nuces Aromaticae, Nuces Nucistae, Nuclei Myristicae, Nucleus Mucistae, Nux Moschata, Nux Myristicae, Semen Myristicae, Semen Nucistae); Muskatnuss (syn. Muskatsamen), die getrockneten, vom Samenmantel und der Samenschale befreiten Samenkerne.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Ätherisches Öl:
Muskatnüsse enthalten 7 bis 16 % ätherisches Öl mit etwa 80 % Monoterpenkohlenwasserstoffen, hauptsächlich (+)-α-Pinen und (+)-β-Pinen, Terpenalkoholen wie Geraniol, Bomeol, Linalool und Terpineol, und etwa 10 % Phenylpropanderivaten, vor allem Myristicin [4-Methoxy-6-(2-propenyl)-1,3-benzodioxol] neben Safrol [5-(2-Propenyl)-1,3-benzodioxol], Eugenol und Elemicin.

Inhaltsstoffe der Muskatnuss

Phenylpmpanoide:
Es lassen sich 13 monomere und dimere Phenylpropanoide isolieren, darunter Myristicin, Eugenol- und Isoeugenolmethylether, Dehydrodieugenol, Dehydrodisoeugenol und 2,6-Dimethoxy-4-allylphenol.

Sterole:
Muskatnüsse enthalten im Gesamtsterol ca. 44 % Sitosterol, Campesterol und Desmosterol.

Weitere Verbindungen:
Kohlenhydrate wie Stärke, Saccharose, Xylan und Pentosane; bis 0,6 % Pektin; Gerbstoff in der Samenschale und Lipase. Muskatnüsse besitzen eine hohe Proteaseaktivität.

PHARMAKOLOGIE

In grösseren Dosen erzeugt die Muskatnuss Gastroenteritis und psychische Störungen. Die narkotische Wirkung der Nuss übertrifft die des ätherischen Öls anscheinend bei weitem. Gegen die Anwendung der Muskatnuss als Geruchs- oder Geschmackskorrigens bestehen jedoch keine Bedenken.
Die berauschende Wirkung der Muskatnuss rührt von dem im ätherischen Öl enthaltenen Myristicin her. Es führt bei den betreffenden Personen zu Halluzinationen und einem euphorischen Zustand, der über mehrere Tage lang anhalten kann. Muskatnuss soll in hohen Dosen während der Schwangerschaft zu einem Abort führen.

ANWENDUNG

Angaben der Kommission E:

  • Wirkungen: spasmolytisch; hebt die Monoaminooxidase; hemmt die Prostaglandinsynthese.
  • Anwendungsgebiete: Muskatsamen und/oder Muskatblüte wird bei Erkrankungen und Beschwerden. Im Bereich des Magen Darm-Traktes wie Durchfall, Magenkrämpfen, Darmkatarrh und Blähungen angewendet.
    Die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten ist nicht ausreichend belegt.

  • Risiken: Die Einnahme von etwa 5g Muskatsamenführt zu einer Reihe von psychischen Störungen, die sich in leichten Bewusstseinsveränderungen bis hin zu intensiven Halluzinationen äussern können. Bei der Einnahme von 9 Teelöffeln Muskatsamenpulver pro Tag wurde eine atropinartige Wirkung beobachtet. In grösserer Menge eingenommen wirkt die Droge abortiv. Das im ätherischen Öl enthaltene Safrol wirkt mutagen und imTierversuch kanzerogen.
    Für ätherisches Muskatöl sind keine mutagene Wirkungen bekannt.

  • Bewertung: Da die Wirksamkeit von Muskat-Zubereitungen nicht ausreichend belegt ist, ist eine therapeutische Anwendung unter Berücksichtigung der Risiken nicht vertretbar.
    Gegen die Anwendung als Geruchs- oder Geschmackskorrigens bestehen keine Bedenken.
Muskatöl wir oft in Kombination mit anderen ätherischen Ölen, von z.B. Pfefferminze, Eukalyptus, Lavendel, Rosmarin, Thymian, Zitrone, Salbei, Anis oder Melisse für z.B. Rheumasalben, Kräuterbonbons oder Einreibemittel angewendet.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

In kleinen Dosen wird Muskatnuss hauptsächlich als Gewürz (Kartoffelstock, Wild, Gemüse) verwendet.
Das ätherische Öl wird in Erkältungsbalsamen, Rheumasalben, Halspastillen, Massageölen und Anwendungen zur Förderung der Verdauung angewendet.

STATUS

HOMÖOPATHIE

Myristica fragrans HAB 1; Muskatnuss, die getrockneten, von Arillus und Samenschale befreiten, meist gekalkten Samenkerne.

Anwendungsgebiete Erkrankungen des Zentralnervensystems, des Magen-Darm-Traktes, der weiblichen Geschlechtsorgane sowie des Stütz- und Bewegungsapparates.

SONSTIGES

Die "Früchte" des Muskatnussbaumes gelangten vermutlich mit den Kreuzfahrern nach Europa. Die erste gesicherte Überlieferung stammt von dem byzantinischen Arzt Simon Seth, der im 10. Jahrhundert über die Muskatnuss schrieb, "dass sie dem Magen, der Leber und dem Herzen nütze", aber auch bereits vor deren übermässigem Verzehr warnte, "weil sie dann den Eingeweiden schade".

Letzte Änderung: 13.12.2017 / © W. Arnold