Deutsche Schwertlilie - Iris germanica

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Die Deutsche Schwertlilie hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Iriswurzelstock wurde volksmedizinisch als auswurfförderndes Mittel bei Erkältungskrankheiten und als sogenannte Veilchenwurzel zum Kauen bei zahnenden Kindern verwendet. Die Wirksamkeit ist nicht belegt; die Anwendung als Zahnungshilfe ist aus hygienischen Gründen kritisch.

Iris germanica (syn. Iris deflexa, Iris violacea, Iris vulgaris);
Deutsche Schwertlilie (syn. Blaue Lilie).

Deutsche Schwertlilie (Iris germanica) mit violetter Blüte

Irisblüte der Deutschen Schwertlilie

Iris germanica, Deutsche Schwertlilie im Garten

VORKOMMEN

Bei der Deutschen Schwertlilie handelt es sich um eine alte Kultur- und Gartenpflanze. Botanisch wird sie häufig als Hybridkomplex beziehungsweise Kulturhybride aufgefasst, die mit südosteuropäischen und kleinasiatischen Iris-Sippen verwandt ist. In älterer Literatur wird sie auch als Burgenpflanze und Bauerngartenpflanze beschrieben.

Iris germanica ist seit langem in Mitteleuropa kultiviert und stellenweise verwildert. Man findet sie an warmen, trockenen bis mässig frischen Standorten, an Mauern, Weinbergsmauern, Böschungen und in alten Gärten. Sie bevorzugt gut durchlässige, meist kalkhaltige Böden und sonnige Lagen.

MERKMALE

Die Deutsche Schwertlilie wird etwa 30 bis 80 cm hoch. Die Blätter sind schwertförmig, bläulich-grün, etwa 1 bis 3 cm breit und können bis etwa 70 cm lang werden. Die Pflanze besitzt ein kräftiges, kriechendes Rhizom.

Der Blütenstand trägt meist mehrere grosse Blüten. Die Blüten sind blauviolett, violett oder weiss. Die äusseren Perigonblätter sind auf der Oberseite bärtig und am Grund oft dunkler geadert. Iris germanica erhält sich vor allem durch vegetative Vermehrung über Rhizome.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Iridis rhizoma (syn. Radix Iridis, Rhizoma Iridis); Veilchenwurzel (syn. Iris-Rhizom, Iris-Wurzel, Kinderwurzel, Zahnwurzel), der geschälte und getrocknete Wurzelstock.

Der charakteristische veilchenartige Geruch entwickelt sich erst während der Lagerung und Verarbeitung der Droge. Neben Iris germanica werden für Veilchenwurzel auch andere Iris-Arten beziehungsweise Iris-Hybriden genutzt.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Der geschälte Wurzelstock enthält geringe Mengen ätherisches Öl. Als Duftträger sind besonders Irone wichtig. Weitere beschriebene Bestandteile sind Acetophenon, Acetovanillon, Acetoveratron, Iridale, Triterpene, Irisxanthon, Mangiferin, Piceol, Myristinsäure, Protocatechusäure und Sinapinsäure.

Zu den Isoflavonoiden zählen unter anderem Irilon, Irisolon, Irigenin, Irisolidon, Tectorigenin und Iridin. Ausserdem enthält die Droge Stärke, Schleim, Harz und Wachs.

Irone als Duftstoffe der Deutschen Schwertlilie

PHARMAKOLOGIE

Für Inhaltsstoffe aus Iris-Rhizomen wurden in experimentellen Untersuchungen biologische Aktivitäten beschrieben. Einige Iridale und verwandte Verbindungen zeigten in Zellmodellen zytotoxische Wirkungen. Solche Befunde sind pharmakologisch interessant, liefern aber keinen klinischen Wirksamkeitsnachweis für die traditionelle Anwendung der Droge.

Der veilchenartige Duft der gelagerten Droge beruht vor allem auf Ironen. Diese entstehen nicht in gleicher Form im frischen Rhizom, sondern bilden sich während Lagerung und Verarbeitung aus Vorstufen. Medizinisch relevante Wirkungen lassen sich daraus nicht ableiten.

EVIDENZ

Für Schwertlilienwurzelstock liegt keine belastbare klinische Evidenz für die beanspruchten Anwendungsgebiete vor. Die traditionelle Verwendung bei Erkältungen, Husten, Magen-Darm- Beschwerden, Hautproblemen, Schmerzen oder als sogenannte Blutreinigung ist nicht ausreichend belegt. Die Kommission E bewertete die therapeutische Anwendung deshalb negativ; gegen die Verwendung als Geruchs- oder Geschmackskorrigens bestehen keine grundsätzlichen Bedenken.

  • Kommission E – negative Bewertung von Schwertlilienwurzelstock: Die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten ist nicht belegt; eine therapeutische Anwendung wird nicht befürwortet.
  • EMA: European Union herbal monographs and list entries – Übersicht der EU-Herbal-Monographien; für Iridis rhizoma beziehungsweise Iris germanica ist keine spezifische HMPC-Monographie vorhanden.
  • PubMed: Iris germanica, Rhizom und Irone – Literaturrecherche zu Duftstoffen, Iridalen und Inhaltsstoffen von Iris-Rhizomen; vor allem phytochemisch und experimentell.
  • PubMed: Iridale und experimentelle Zytotoxizität – Literaturrecherche zu experimentellen Zellmodellen; kein Nachweis einer klinischen Anwendung.
  • ESCOP – europäische Fachorganisation für Phytotherapie; keine etablierte ESCOP-Monographie zu Schwertlilienwurzelstock.

ANWENDUNG

Schwertlilienwurzelstock wurde volksmedizinisch als "blutreinigendes", magenstärkendes und "drüsenanregendes" Mittel sowie zur Förderung der Nierentätigkeit und bei Hauterkrankungen verwendet. In Mischungen wurde die Droge unter anderem bei Katarrhen der Atemwege, Bronchitis, Husten, Verschleimung, Schnupfen, Heiserkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen, rheumatischen Beschwerden und Hautproblemen eingesetzt.

Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungsgebieten ist nicht belegt. Eine therapeutische Anwendung kann deshalb nicht empfohlen werden. Gegen eine Verwendung als Geruchs- oder Geschmackskorrigens in geeigneter Qualität und niedriger Dosierung bestehen nach der traditionellen Bewertung keine grundsätzlichen Bedenken.

Iriswurzelstock, auch Veilchenwurzel genannt, wurde ausserdem als Kaumittel für zahnende Kinder verwendet. Davon ist abzuraten, da feuchte Rhizomstücke hygienisch problematisch sein können und Keime aufnehmen. Eine medizinische Notwendigkeit oder gesicherte Wirksamkeit besteht dafür nicht.

In der Volksmedizin wurde Iriswurzelstock auch als auswurfförderndes Mittel bei Erkältungskrankheiten verwendet, häufig in Mischungen mit anderen Pflanzen wie Süssholz, Isländischem Moos, Spitzwegerich, Efeu, Andorn oder Alant.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Für eine medizinische Selbstanwendung wird keine Dosierung empfohlen. Aufgrund fehlender belegter Wirksamkeit und möglicher hygienischer beziehungsweise reizender Risiken sollte Schwertlilienwurzelstock nicht als Hausmittel verwendet werden.

Veilchenwurzelöl, auch Irisbutter genannt, wird durch Verarbeitung des geschälten, getrockneten und gemahlenen Wurzelstocks gewonnen. Es riecht veilchenähnlich und enthält neben Fettsäuren vor allem Irone als wichtige Duftstoffe. Diese Verwendung ist vor allem aromatisch und parfümistisch zu verstehen, nicht als medizinischer Wirksamkeitsnachweis.

SICHERHEIT

Frische Iris-Rhizome und Pflanzenteile können Schleimhäute und Haut reizen. Bei empfindlichen Personen sind Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder lokale Reizungen möglich. Eine innerliche Selbstanwendung ist nicht zu empfehlen.

Die Verwendung von Veilchenwurzel als Zahnungshilfe für Kinder ist kritisch. Durch wiederholtes Befeuchten können Rhizomstücke einen Nährboden für Mikroorganismen bilden. Zudem können kleine Pflanzenteile verschluckt werden oder mechanisch reizen.

Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Säuglingen und Kleinkindern soll Schwertlilienwurzelstock nicht medizinisch angewendet werden. Bei Beschwerden der Atemwege, länger anhaltendem Husten, Fieber, Atemnot, starken Schmerzen oder unklaren Symptomen ist eine medizinische Abklärung erforderlich.

STATUS

  • Kommission E: negative Bewertung; die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten ist nicht belegt, eine therapeutische Anwendung wird nicht befürwortet
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

SCHWERTLILIEN IM GARTEN

Schwertlilien mögen einen sonnigen Standort, gern mit zeitweiligem Schatten. Die robusten Pflanzen gedeihen auch auf Böden, die für andere Pflanzen eher karg sind. Grundsätzlich kommen sie mit normalem, gut durchlässigem Gartenboden zurecht. Staunasse Böden sind ungeeignet.

Bei der Pflanzung muss darauf geachtet werden, dass die Rhizome nicht zu tief in die Erde kommen. Der obere Rhizomteil sollte noch sichtbar sein. Dünger ist meist nicht nötig. Schwertlilien entwickeln sich am besten, wenn sie ungestört wachsen dürfen. In Kombination wirken sie besonders attraktiv neben Mohn, Storchschnabel, Lavendel und Salbei.

Deutsche Schwertlilie (Iris germanica) im Garten

SONSTIGES

Schwertlilien sind Pflanzen der griechischen Götterbotin Iris, die die Seelen der Verstorbenen entlang einem Regenbogen in das Reich des ewigen Friedens führen sollte. Noch heute werden in manchen Regionen weisse oder blaue Schwertlilien als Grabschmuck verwendet.

Das Irisöl gehört zu den kostbarsten Naturprodukten. Es wird in sehr kleinen Mengen für hochwertige Duftkompositionen und zur Aromatisierung verwendet. Das getrocknete Rhizom wird als Veilchenwurzel bezeichnet, obwohl es nicht vom Wohlriechenden Veilchen stammt.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Wohlriechendes Veilchen (Viola odorata) – namensgebend für den veilchenartigen Geruch der sogenannten Veilchenwurzel, botanisch jedoch nicht verwandt.
  • Alant (Inula helenium) – traditionelle Wurzeldroge bei Atemwegsbeschwerden mit kritisch zu bewertender Evidenz.
  • Efeu (Hedera helix) – besser belegte Arzneipflanze bei produktivem Husten.
  • Spitzwegerich (Plantago lanceolata) – schleimstoffreiche Arzneipflanze bei Reizhusten und Schleimhautreizungen.

FAQ

  • Hat die Deutsche Schwertlilie eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Die Kommission E bewertete Schwertlilienwurzelstock negativ, weil die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten nicht belegt ist.
  • Was ist Veilchenwurzel?
    Veilchenwurzel ist der geschälte und getrocknete Wurzelstock bestimmter Iris-Arten. Der Name bezieht sich auf den veilchenartigen Geruch, nicht auf das Wohlriechende Veilchen.
  • Ist Veilchenwurzel für zahnende Kinder sinnvoll?
    Nein. Von der Verwendung als Zahnungshilfe ist abzuraten, weil feuchte Rhizomstücke hygienisch problematisch sein können und eine medizinische Wirkung nicht belegt ist.
  • Welche Inhaltsstoffe sind typisch?
    Typisch sind Iridale, Isoflavonoide, Xanthone, Phenolcarbonsäuren, Stärke, Schleim, Harz, Wachs und geringe Mengen ätherisches Öl. Die wichtigen Duftstoffe sind Irone.
  • Wofür wird Irisöl verwendet?
    Irisöl beziehungsweise Irisbutter wird vor allem als wertvoller Duftstoff verwendet. Eine medizinische Anwendung der Droge wird dadurch nicht begründet.

Letzte Änderung: 03.05.2026 / © W. Arnold