Schlafmohn – Papaver somniferum
Opium ist der aus den unreifen Kapseln des Schlafmohns gewonnene, eingetrocknete Milchsaft. Im Opium sind über 40 Alkaloide enthalten, die wichtigsten sind Morphin, Codein, Papaverin, Noscapin (= Narkotin), Thebain und Narcein. Durch chemische Derivatisierung (Acetylierung) des Morphins entsteht Heroin (Diamorphin, Diacetylmorphin), das die drei- bis sechsfache analgetische (schmerzstillende) Wirkung von Morphin besitzt. Opium und Opiumzubereitungen und die daraus isolierten Alkaloide sind stark wirksame Arzneimittel und dürfen phytotherapeutisch nicht verwendet werden. Opium und die Opioide unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz.
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Gewinnung von Opium | Anwendung | Status | FAQ | Garten | Rechtslage Schweiz
Papaver somniferum (syn. Papaver amplexicaule, P. nigrum, P. officinale);
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Schlafmohn (syn. Gartenmohn, Mohn).
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VORKOMMEN
Der Schlafmohn ist eine alte Kulturpflanze, die sich vom im Mittelmeergebiet vorkommenden Borstigen Mohn (Papaver setigerum) ableitet; Die exakte Herkunft ist schwer bestimmbar; Kultur derzeit bevorzugt in Afghanistan, Indien, der Türkei und den ehemaligen GUS-Staaten.
MERKMALE
Der runde, überlaufende Stängel wird bis über 1 m hoch. Die relativ grossen Blüten haben einen zweiblättrigen Kelch, der beim Aufblühen abfällt, sowie vier weisse bis violette Blütenblätter, die auf schlanken, haarigen Stielen stehen. Blütezeit ist von Mai bis August. Die Blüte ist meist schon nach wenigen Tagen komplett bestäubt und wirft dann ihre Blütenblätter ab. Die kugeligen Fruchtkapseln enthalten zahlreiche Samen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Stramentum Papaveris: Mohnstroh, die reifen, entsamten Kapseln.
2. Opium (syn. Laudanum, Meconium, Opium crudum): Opium (Rohopium), der aus meist unreifen Früchten gewonnene und an der Luft eingetrocknete Milchsaft.
3. Papaveris semen (syn. Semen Papaveris): Mohnsamen (syn. Schlafmohnsamen). Die Farbe der Samen kann variieren von schwarz, grau, graublau, braun bis weiss.
4. Papaveris seminis oleum (syn. Oleum Papaveris): Mohnöl.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Schlafmohns sind die im weissen Milchsaft enthaltenen Alkaloide. Zu den bedeutendsten der insgesamt über 40 Opiumalkaloide zählen Morphin, Codein, Papaverin, Noscapin (= Narkotin), Thebain und Narcein. Morphin, Codein und Thebain gehören zu den Morphinan-Alkaloiden. Narkotin, Papaverin und Narcein dagegen sind Benzylisochinolin-Alkaloide. Ein grosser Teil der Alkaloide liegt im Opium als Salz der Mekonsäure vor (so genannte Mekonate). Das Heroin (Diamorphin, Diacetylmorphin) wird durch chemische Derivatisierung des Morphins hergestellt, kommt jedoch natürlicherweise nicht im Mohn vor.
Die Alkaloidzusammensetzung der Pflanze verändert sich im Verlauf der Fruchtreife: Ausgereifte Fruchtkapseln enthalten im Vergleich zu grünen Kapseln in der Regel mehr Codein und weniger Morphin. Historisch wurden aus verschiedenen Pflanzenteilen unterschiedliche Zubereitungen hergestellt; aufgrund der starken pharmakologischen Wirkung sowie der betäubungsmittelrechtlichen Einordnung sind solche Anwendungen heute jedoch nicht Gegenstand der Phytotherapie.

PHARMAKOLOGIE
Morphin wirkt zentral als Agonist an Opioidrezeptoren. Dadurch wird die
Schmerzweiterleitung verhindert und das Schmerzempfinden des Patienten
gesenkt. Im Vordergrund steht dabei die Aktivierung der μ-Rezeptoren. Zu
κ-Rezeptoren hat Morphin eine geringere Affinität. Präsynaptisch führt
Morphin über den Opioidrezeptor G-Protein vermittelt zu einer Abnahme
des zellulären Calcium-Einstroms und damit zur Hyperpolarisation.
Postsynaptisch erfolgt eine G-Protein vermittelte Aktivierung von
Kaliumkanälen mit nachfolgenden Kalium-Ausstrom. Der Kaliumausstrom
führt ebenso zur Hyperpolarisation und effektiven Verhinderung einer
Schmerzweiterleitung.
Morphin weist nach oraler Gabe zwar eine gute Resorption
auf, die Bioverfügbarkeit ist jedoch aufgrund des hohen
First-pass-Effektes mit 20-40% relativ gering. Nach intravenöser oder
intramuskulärer Applikation liegt die Bioverfügbarkeit hingegen bei
nahezu 100 %, wobei die maximale Analgesie bei i.v. Gabe nach 20
Minuten, bei i.m. Gabe nach 30-60 Minuten und bei subkutaner Applikation
nach 45-90 Minuten erreicht wird. Die Wirkungsdauer nach intravenöser
oder intramuskulärer Gabe beträgt 4-5 Stunden und ist für gewöhnlich und
naturgemäss bei der (oralen) Gabe retardierter Darreichungsformen
deutlich verlängert. Metabolite sind z. B. das inaktive
Morphin-3-Glucuronid sowie das aktive (analgetisch wirksame)
Morphin-6-Glucuronid, das eine deutlich längere Wirkdauer zeigt als das
Morphin selber. Andere Metabolite sind u. a. Normorphin und Codein. Die
Elimination erfolgt überwiegend renal mittels hydrophiler Konjugate.
Morphin weist keinen sogenannten Ceiling-Effekt auf.
Naloxon:
Der klassische Opioid-Antagonist ist Naloxon und gehört mit Naltrexon zu den reinen Opioidantagonisten, die als kompetitive Antagonisten an allen Opioidrezeptoren wirken. Damit heben sie die Wirkungen, die durch Opiate und Opioide verursacht werden, teilweise oder ganz auf. Naloxon wird in der Notfallmedizin als Antidot bei Opiatüberdosierung (Medikamente, Drogen wie Heroin und Methadon), verwendet. Im Zusammenhang mit Atemdepression bzw. bei Atemstillstand angewandt, wirkt Naloxon (bei intravenöser Gabe) innerhalb von Sekunden.
GEWINNUNG VON OPIUM
Zur Gewinnung von Opium werden die schon dick angeschwollenen, aber noch grünen Mohnkapseln in den Abendstunden stellenweise angeritzt. In den folgenden Morgenstunden wird der getrocknete, braun verfärbte Milchsaft der gegliederten Milchröhren − das Rohopium − durch Abkratzen gewonnen. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt, bis die Fruchtkapsel gleichmässig vernarbt ist. Eine Kapsel liefert etwa 20-50 mg Rohopium, das 3-23 % Morphin enthält. Rauchopium oder Chandu wird traditionell durch Wiederauflösen des Rohopiums in Wasser und anschliessendes Einkochen gewonnen. Die feuchtbleibende Masse wird nun der Fermentation überlassen, die nach einigen Tagen oder Wochen abgeschlossen ist. Anschliessend wird das Ferment getrocknet, bis es eine feste knetbare Masse ergibt. Eine andere Sorte Rauchopium wird durch Wasserlösung und filtrative Abscheidung des Latex' und Wachses hergestellt. Durch chemische Derivatisierung (Acetylierung → Säureesterbildung) des Morphins entsteht Heroin (Diamorphin, Diacetylmorphin), das die drei- bis sechsfache analgetische (schmerzstillende) Wirkung von Morphin besitzt.
ANWENDUNG
Morphin wird zur Schmerzbekämpfung bei starken Schmerzen, wie bei Tumoren, sowie bei chronischen Schmerzen verschiedenen Ursprungs eingesetzt, aber auch als Droge missbraucht. Morphin ist bei Gallen- und Nierenkoliken zur Schmerzstillung nicht geeignet. Morphin kann psychisch und physisch abhängig machen. Bei Überdosierung von Morphin setzt der Tod (Letale Dosis) durch Atemdepression ein. Codein besitzt nur ein Sechstel bis ein Zwölftel der analgetischen Wirksamkeit von Morphin und wird als Antitussivum bei starkem Reizhusten verwendet. Noscapin und Narcein sind nicht schmerzstillend und besitzen wie Codein eine antitussive Wirkung, die aber schwächer ist. Weiter sind Noscapin und Narcein im Gegensatz zu Morphin schwach atemanregend und bronchodilatatorisch. Papaverin wird angewendet bei Krämpfen des Magens, der Gallenblase, des Darms und der Harnwege und auch bei Nierenkoliken. Opiumtinktur wurde früher oft sowohl bei Magen-Darm-Krämpfen, Durchfall als auch bei seelischen Leiden verschrieben, wegen der suchterzeugenden Wirkung heute jedoch kaum noch. Die enthaltenen Benzylisochinolinalkaloide (z. B. Papaverin) können auch als Spasmolytikum eingesetzt werden.
STATUS
Opium, Opiumzubereitungen und daraus isolierte Alkaloide (z. B. Morphin, Codein, Noscapin) sind stark wirksame Arzneistoffe und keine Phytotherapeutika. Für Schlafmohn bestehen keine HMPC-, ESCOP- oder Kommission-E-Monografien als klassische Heilpflanze im phytotherapeutischen Sinn. Opium und Opioide unterliegen den betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften.
Die Informationen auf dieser Seite dienen der sachlichen Darstellung und ersetzen keine medizinische oder rechtliche Beratung.
HÄUFIGE FRAGEN ZUM SCHLAFMOHN (FAQ)
Was ist Schlafmohn?
Schlafmohn (Papaver somniferum) ist eine alte Kultur- und Arzneipflanze. Aus dem Milchsaft unreifer Kapseln kann Opium gewonnen werden; enthalten sind zahlreiche Alkaloide, u. a. Morphin und Codein.
Welche Alkaloide sind besonders wichtig?
Zu den wichtigsten Opiumalkaloiden zählen Morphin, Codein, Thebain, Papaverin und Noscapin (Narkotin). Ein Teil liegt als Salz (z. B. Mekonate) gebunden vor.
Wie wirkt Morphin pharmakologisch?
Morphin wirkt zentral als Agonist an Opioidrezeptoren (v. a. μ-Rezeptoren) und hemmt die Schmerzweiterleitung. Es kann atemdepressiv wirken und hat ein relevantes Abhängigkeitspotenzial.
Wofür werden Morphin und Codein medizinisch verwendet?
Morphin wird zur Behandlung starker Schmerzen eingesetzt (z. B. Tumorschmerz). Codein wird u. a. als Antitussivum bei starkem Reizhusten verwendet; die analgetische Wirkung ist deutlich geringer als bei Morphin.
Was ist Naloxon?
Naloxon ist ein Opioid-Antagonist und wird in der Notfallmedizin als Antidot bei Opioid-Überdosierung eingesetzt (z. B. bei Atemdepression). Es kann Opioidwirkungen teilweise oder ganz aufheben.
Ist der Anbau von Schlafmohn in der Schweiz erlaubt?
In der Schweiz ist der Anbau grundsätzlich erlaubt; verboten ist der Anbau zur Betäubungsmittelgewinnung. Opium und Opioide unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz; Details können sich je nach Rechtslage ändern.
Darf Opium phytotherapeutisch verwendet werden?
Nein. Opium und Opiumzubereitungen sowie isolierte Alkaloide sind stark wirksame Arzneimittel und dürfen phytotherapeutisch nicht verwendet werden. Inhalte auf dieser Seite dienen der sachlichen Information und ersetzen keine medizinische Beratung.
Worin unterscheidet sich Schlafmohn von Ziermohn/anderen Mohnarten?
Die Gattung Papaver umfasst mehrere Arten. Schlafmohn ist besonders wegen seines Alkaloidspektrums (Opiumalkaloide) bedeutsam; andere Mohnarten sind vor allem Zier- oder Wildpflanzen und unterscheiden sich in Morphologie und Inhaltsstoffen.
SCHLAFMOHN IM GARTEN
In der Schweiz ist der Anbau von Schlafmohn grundsätzlich erlaubt; verboten ist jedoch der Anbau zur Betäubungsmittelgewinnung. Gegen einige wenige Pflanzen im Garten hat wohl niemand etwas auszusetzen. Der Schlafmohn ist wohl eine der ältesten Arznei- bzw. Heilpflanzen überhaupt. Vom Schlafmohn gibt es heute über 100 Sorten.
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Schlafmohn wirkt als wunderschöner, aber schnell verblühender Blickfang im Garten. Die Pflanze liebt die volle Sonne. Sandige, stark durchlässige Böden sind für die Kultur am besten geeignet. Schlafmohn ist konkurrenzschwach; man muss ihm also andere Pflanzen vom Leibe halten. Lässt man die Samenkapseln stehen, so sät sich der Schlafmohn von selbst aus. Bei mir im Garten sind seine Begleiter die Kamille, Andorn, Diptam und Adonisröschen.
RECHTSLAGE SCHWEIZ
In der Schweiz ist der Anbau von Schlafmohn (Papaver somniferum) grundsätzlich erlaubt. Untersagt ist jedoch der Anbau zur Gewinnung von Betäubungsmitteln. Opium sowie daraus gewonnene Opioide unterliegen dem schweizerischen Betäubungsmittelgesetz.
Historisch hatte der Mohnanbau in der Schweiz eine deutlich grössere Bedeutung. Seine grösste Ausdehnung erreichte er im Jahr 1945 mit rund 1313 Hektar Anbaufläche. Der Mohn wurde sowohl zur Ölgewinnung als auch zur Herstellung von Morphin für die pharmazeutische Industrie, insbesondere im Raum Basel, genutzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Anbau stark zurück (1955 nur noch etwa 3 Hektar) und wurde weitgehend eingestellt. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es vereinzelt neue Ansätze, wobei die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) den Mohnanbau unter anderem im biologischen Landbau untersucht.
Heute werden in der Schweiz nur noch Kleinstflächen von wenigen Hektar bewirtschaftet. Aufgrund des vergleichsweise geringen inländischen Mohnverbrauchs (geschätzt rund 114 t pro Jahr) ist nicht zu erwarten, dass der Anbau über den Charakter einer Nischenproduktion hinauswächst.
Letzte Änderung: 20.02.2026 / © W. Arnold












