Ruprechtskraut, Storchenschnabel – Geranium robertianum
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe / Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Ruprechtskraut (Geranium robertianum) besitzt keine anerkannte medizinische Anwendung. Volksheilkundlich wurde das gerbstoffhaltige Kraut innerlich bei Durchfall sowie äusserlich bei kleinen Wunden, Hautreizungen und Entzündungen der Mundschleimhaut verwendet. Klinische Wirksamkeitsbelege fehlen.
Geranium robertianum L. (syn. Geranium foetidum, G. robertium vulgare, G. rubellum); Ruprechtskraut, Bockskraut, Stinkender Storchschnabel.
VORKOMMEN
Das Ruprechtskraut ist eine häufige Storchschnabelart in Europa, Asien und Nordafrika. Hauptlebensräume sind schattige, stickstoffreiche Standorte, lichte Wälder, Mauern, Schuttplätze, Heckenränder und Geröllfluren. Die Art ist bis in montane Lagen zu finden und erscheint auch spontan in Gärten.
MERKMALE
Geranium robertianum ist eine ein- oder zweijährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen bis etwa 50 cm erreichen kann. Sie wächst stark verzweigt, ist behaart bis fast kahl und verströmt beim Zerreiben einen charakteristischen, oft als unangenehm empfundenen Geruch.
Die drei- bis fünfteiligen, handförmigen Laubblätter sind meist rötlich überlaufen. Die kleinen Blüten stehen paarweise, sind zwittrig, radiärsymmetrisch und fünfzählig. Die Kelchblätter sind etwa 5–7 mm lang; die rosafarbenen Kronblätter sind meist etwa doppelt so lang wie die Kelchblätter.
Aus frischen Blättern wurde ein unangenehm riechendes ätherisches Öl beschrieben. Nachgewiesen wurden unter anderem Geraniol, Germacren D, Limonen, Linalool, Phytol, Terpineol und Terpinen. Darauf bezieht sich auch der Name Stinkender Storchschnabel.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Geranii robertiani herba (syn. Herba Geranii Robertiani): Ruprechtskraut, die während der Blütezeit gesammelten und getrockneten oberirdischen Pflanzenteile von Geranium robertianum.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Droge enthält vor allem Gerbstoffe, Flavonoide und phenolische Verbindungen. Zu den beschriebenen Flavonoiden gehören Rutosid, Hyperosid, Isoquercitrin sowie weitere Quercetin- und Kämpferolglykoside.
Als Gerbstoffe wurden unter anderem β-Penta-O-galloylglucose sowie Ellagitannine wie Geraniin und Isogeraniin beschrieben. Geraniin gilt als wichtiger Vertreter der Gerbstofffraktion.
Weitere Inhaltsstoffe sind organische Säuren, darunter Citronensäure und Äpfelsäure, ausserdem Maltol, Vitamin C und geringe Mengen ätherisches Öl.
PHARMAKOLOGIE
Die adstringierende Wirkung von Ruprechtskraut ist aufgrund des Gerbstoffgehalts pharmakologisch plausibel. Gerbstoffe können Eiweisse an der Oberfläche von Schleimhäuten und Haut binden und dadurch zusammenziehende, leicht abdichtende und reizlindernde Effekte entfalten.
Experimentelle Untersuchungen zeigen antioxidative, antimikrobielle und entzündungsmodulierende Eigenschaften verschiedener Extrakte. Solche Befunde sind für die pharmakologische Einordnung interessant, erlauben aber keine direkte Aussage über eine klinisch gesicherte Wirksamkeit beim Menschen.
EVIDENZ
Die Evidenz zu Geranium robertianum beruht überwiegend auf traditioneller Anwendung, phytochemischen Untersuchungen und präklinischen Studien. Klinische Studien, die eine medizinische Wirksamkeit beim Menschen ausreichend belegen, fehlen. Die Anwendung bei leichtem Durchfall oder äusserlich bei kleineren Haut- und Schleimhautproblemen ist aufgrund des Gerbstoffgehalts plausibel, aber nicht klinisch gesichert.
- PubMed: Review 2025 – Übersicht zu biologischen Aktivitäten und Inhaltsstoffen von Geranium robertianum.
- PMC: Świątek et al. 2023 – Untersuchung zu phytochemischem Profil sowie antimikrobiellen und zellbiologischen Eigenschaften von Geranium robertianum.
- PubMed: Graça et al. 2016 – chemische Charakterisierung und biologische Eigenschaften von Geranium robertianum.
- PubMed: Antioxidative und entzündungsbezogene Untersuchungen – experimentelle Daten zu Abkochungen aus Blättern und Stängeln von Geranium robertianum.
- PubMed: Fodorea et al. 2005 – HPLC-Untersuchung zu Polyphenolen und Ellagitanninen von Geranium robertianum.
Zusammenfassend ist Ruprechtskraut eine traditionell genutzte, gerbstoffhaltige Pflanze mit experimentell belegten biologischen Aktivitäten. Eine anerkannte medizinische Anwendung besteht jedoch nicht.
ANWENDUNG
Volksheilkundlich wurde Ruprechtskraut innerlich vor allem bei Durchfall, Nieren- und Blasenbeschwerden sowie bei sogenannten Steinleiden verwendet. Die Anwendung bei leichtem Durchfall ist aufgrund des Gerbstoffgehalts nachvollziehbar, aber nicht durch ausreichende klinische Studien belegt.
Äusserlich wurde das Kraut traditionell bei schlecht heilenden kleinen Wunden, leichten Ausschlägen und Entzündungen der Mundhöhle eingesetzt. Auch diese Anwendungen sind nicht klinisch gesichert.
Bei anhaltendem oder blutigem Durchfall, Fieber, starken Schmerzen, Harnwegsbeschwerden, Blut im Urin, schlecht heilenden Wunden oder ausgedehnten Hautveränderungen ist eine medizinische Abklärung erforderlich.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Volksheilkundlich wird ein Tee aus dem getrockneten Kraut bereitet. Üblich ist etwa 1 Esslöffel Kraut auf ungefähr 500 mL Wasser; das Kraut wird kalt angesetzt, kurz zum Sieden erhitzt und etwa 10–15 Minuten ziehen gelassen.
Für die innerliche Anwendung werden traditionell 2–3 Tassen täglich zwischen den Mahlzeiten genannt. Eine standardisierte, behördlich anerkannte Dosierung liegt nicht vor.
Äusserlich kann der abgekühlte Tee volksheilkundlich zum Spülen, Gurgeln oder für Umschläge verwendet werden. Offene, tiefe, eitrige oder schlecht heilende Wunden gehören in medizinische Behandlung.
SICHERHEIT
- Für eine anerkannte medizinische Anwendung liegen keine ausreichenden klinischen Sicherheitsdaten vor.
- Gerbstoffreiche Zubereitungen können bei empfindlichen Personen Magenbeschwerden oder Übelkeit auslösen.
- Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder sollten wegen fehlender Daten als Vorsichtsbereiche gelten.
- Bei Durchfall, der länger anhält, blutig ist oder mit Fieber einhergeht, ist eine medizinische Abklärung erforderlich.
- Bei grossflächigen Hautveränderungen, eitrigen Wunden oder allergischen Reaktionen sollte keine Selbstbehandlung erfolgen.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
GARTEN
Von allen Storchschnabel-Arten wurde wahrscheinlich das Ruprechtskraut früh in Gärten geduldet oder kultiviert. Die alte Volksheilpflanze ist anspruchslos und leicht zu erhalten. Meistens wächst sie von selbst im Garten und bleibt dauerhaft, da sie sich zuverlässig aussät.
Ruprechtskraut bevorzugt schattige bis halbschattige, stickstoffreiche Standorte. In naturnahen Gärten kann es an Gehölzrändern, Mauern und schattigen Beeten erscheinen. Für viele Gärtner gilt die Pflanze als Unkraut; botanisch ist sie jedoch eine grazile, leicht erkennbare Wildpflanze.
Begleitpflanzen an ähnlichen Standorten sind Wurmfarn, Schöllkraut, Nelkenwurz, Engelsüss, Brennnessel und Haselwurz.
SONSTIGES
Ruprechtskraut wurde schon im Mittelalter als Heilpflanze genutzt. Die Namensgebung soll auf den heiligen Ruprecht verweisen, den ersten Bischof und Landesheiligen von Salzburg. Er soll die Verwendung des Heilkrauts gelehrt haben.
Ebenfalls möglich ist ein Zusammenhang mit dem althochdeutschen Ausdruck rōtpreht (rötlich), der auf die Färbung der Pflanze Bezug nimmt. Bei Tabernaemontanus (1664) wird die Art als Rotlaufkraut bezeichnet, nach der Rotlaufkrankheit, für welche sie ebenfalls als Heilmittel galt.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Nelkenwurz (Geum urbanum) – gerbstoffhaltige Pflanze mit traditioneller Anwendung im Mund- und Rachenbereich.
- Tormentill (Potentilla erecta) – stark gerbstoffhaltige Arzneipflanze bei Durchfall.
- Odermennig (Agrimonia eupatoria) – gerbstoffhaltige Pflanze mit traditioneller Anwendung bei leichten Schleimhautbeschwerden.
- Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) – gerbstoffreiche Volksheilpflanze mit traditioneller adstringierender Verwendung.
FAQ
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Hat Ruprechtskraut eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Geranium robertianum besteht keine anerkannte medizinische Anwendung als pflanzliche Arzneidroge. -
Wofür wird Ruprechtskraut traditionell verwendet?
Traditionell wird es innerlich unter anderem bei Durchfall und äusserlich bei kleinen Haut- und Schleimhautproblemen verwendet. Diese Anwendungen sind nicht klinisch gesichert. -
Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
Wichtig sind vor allem Gerbstoffe wie Geraniin und Isogeraniin, daneben Flavonoide, organische Säuren und geringe Mengen ätherisches Öl. -
Ist Ruprechtskraut bei Durchfall belegt?
Die Anwendung bei leichtem Durchfall ist aufgrund des Gerbstoffgehalts pharmakologisch plausibel, aber nicht durch ausreichende klinische Studien belegt.
Letzte Änderung: 02.05.2026 / © W. Arnold



