Wohlriechendes Veilchen - Viola odorata
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Das Wohlriechende Veilchen hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Veilchenkraut, Veilchenblüten und Veilchenwurzel wurden traditionell bei Husten, Heiserkeit, Bronchitis und als schweisstreibende Mittel verwendet. Die klinische Wirksamkeit dieser Anwendungen ist nicht ausreichend belegt.
Duftveilchen (syn. Heckenveilchen, Märzveilchen, Veilchen, Wohlriechendes Veilchen).
VORKOMMEN
Das Duftveilchen bevorzugt lichte bis halbschattige Plätze und fühlt sich unter sommergrünen, nicht zu dicht stehenden Sträuchern, beispielsweise gemeinsam mit Leberblümchen oder als Rosenbegleiter im Garten, sehr wohl. In der freien Natur ist es an Waldrändern, in sommergrünen Hecken, Gebüschen und an schattigen Säumen zu finden.
Viola odorata ist nach Plants of the World Online eine akzeptierte Art. Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht von Europa bis West- und Nordiran sowie nach Nordwestafrika. Die Art wächst vor allem in gemässigten Lebensräumen.
MERKMALE
Das Duftveilchen ist vor allem wegen seines süssen Duftes bekannt. Es handelt sich um eine rhizombildende, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 5 bis 15 Zentimetern erreicht. Die in einer grundständigen Blattrosette stehenden Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert.
Am rückwärts behaarten Blattstiel befinden sich in der Mitte zwei Vorblätter. Die grasgrünen, einfachen Blattspreiten sind etwa gleich lang wie breit und rundlich nierenförmig bis breit eiförmig. Die breit lanzettlichen bis eiförmigen Nebenblätter tragen einzelne Fransen oder sind kahl.
Die Blütezeit erstreckt sich von März bis April. Die wohlriechenden, manchmal kleistogamen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind stumpf. Die fünf dunkelviolettfarbenen Kronblätter bilden eine 2 bis 3 Zentimeter grosse Krone. Der Sporn ist meist gerade ausgebildet.
DROGEN
1. Oleum Violae
(syn. Oleum Violae odoratae aethereum);
Veilchenblütenöl (syn. Veilchenöl,
Viola odorata-Blütenöl), das ätherische Öl der frischen
Blüten.
2. Violae odoratae flos
(syn. Flores Violae odoratae); Veilchenblüten, die
getrockneten Blüten.
3. Violae odoratae folium
(syn. Folia Violae odoratae); Veilchenblätter, die zur
Blütezeit gesammelten und an der Luft getrockneten Blätter.
4. Violae odoratae herba
(syn. Herba Violae odoratae); Veilchenkraut, das blühende
Kraut.
5. Violae odoratae rhizoma
(syn. Radix Violae, Radix Violae odoratae,
Rhizoma Violae, Rhizoma Violae odoratae);
Echte Veilchenwurzel, der getrocknete Wurzelstock.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Oleum Violae:
Das ätherische Öl der frischen Blüten enthält unter anderem Parmon
beziehungsweise trans-alpha-Ionon als wichtiges Duftprinzip, ferner
2-Undecanon, Isoborneol, 2,6-Nonadien-1-al sowie Sesquiterpene wie
(-)-Zingiberen, (+)-alpha-Curcumen und alpha- beziehungsweise
beta-Ionon.
2. Violae odoratae flos:
Ätherisches Öl, Flavonoide, unter anderem Rutosid, Anthocyane,
besonders Violanin und Gaulin, Schleimstoffe,
Salicylsäuremethylester. Saponine wurden nachgewiesen.
3. Violae odoratae folium:
Schleimstoffe, Triterpene, unter anderem Friedelin,
beta-Sitosterol, Salicylsäuremethylester, Phenolcarbonsäuren,
unter anderem Ferulasäure und Sinapinsäure, sowie das Alkaloid
Violin. Auch in der Blattdroge wurden Saponine nachgewiesen.
4. Violae odoratae herba:
siehe Violae odoratae folium.
5. Violae odoratae rhizoma:
Der getrocknete Wurzelstock enthält ätherisches Öl, beta-Nitropropionsäure
und Salicylsäuremethylester, das Salicylsäureglucosid Gaultherin
sowie das Alkaloid Violin. Die Anwesenheit von Saponinen wurde in
älteren Arbeiten festgestellt.
PHARMAKOLOGIE
Moderne experimentelle Untersuchungen konnten für Extrakte aus Viola odorata unter anderem antihypertensive, antidyslipidämische und vasodilatierende Effekte zeigen. Diese Befunde stammen jedoch vor allem aus Tiermodellen und In-vitro- Untersuchungen. Sie erklären mögliche pharmakologische Ansätze, begründen aber keine anerkannte Anwendung beim Menschen.
Für Cyclotide aus Viola odorata, insbesondere Cycloviolacin O2, wurden in experimentellen Arbeiten zytotoxische, chemosensibilisierende und antibakterielle Effekte beschrieben. Diese Forschung ist vor allem für die Wirkstoffchemie und Arzneistoffentwicklung interessant. Sie darf nicht als Beleg für eine krebstherapeutische Anwendung von Veilchenkraut oder Veilchenpräparaten verstanden werden.
EVIDENZ
Für Viola odorata besteht heute keine anerkannte medizinische Anwendung. Die traditionelle Anwendung bei Husten, Heiserkeit, Bronchitis und als schweisstreibendes Mittel ist historisch und volksmedizinisch gut bekannt, klinisch aber nicht ausreichend belegt. Die vorhandenen pharmakologischen Studien sind überwiegend präklinisch.
Die Evidenz ist deshalb insgesamt schwach bis mässig: Für Inhaltsstoffe und experimentelle Wirkungen gibt es plausible Daten, für eine gesicherte therapeutische Anwendung beim Menschen fehlen jedoch belastbare klinische Studien. Das Wohlriechende Veilchen ist daher nüchtern als traditionelle, nicht anerkannte Arzneipflanze einzuordnen.
- PMC: Siddiqi HS et al. Studies on the antihypertensive and antidyslipidemic activities of Viola odorata leaves extract. Lipids Health Dis. 2012. Präklinische Studie zu blutdrucksenkenden und lipidsenkenden Effekten von Blattextrakten; pharmakologisch interessant, aber kein klinischer Wirksamkeitsnachweis.
- PubMed: Gerlach SL et al. Anticancer and chemosensitizing abilities of cycloviolacin O2 from Viola odorata. Biopolymers. 2010. In-vitro-Arbeit zu Cycloviolacin O2; relevant für die Wirkstoffforschung, nicht für eine Anwendung als Heilpflanze.
- PubMed: Pränting M et al. The cyclotide cycloviolacin O2 from Viola odorata has potent bactericidal activity. J Antimicrob Chemother. 2010. Experimentelle Arbeit zur antibakteriellen Aktivität eines isolierten Cyclotids; kein klinischer Beleg für Veilchenkraut.
- PubMed: Lindholm P et al. Cyclotides: a novel type of cytotoxic agents. Mol Cancer Ther. 2002. Grundlagenarbeit zu Cyclotiden und zytotoxischen Eigenschaften; wichtig für die Naturstoffchemie.
- EMA/HMPC: Violae herba cum flore. Die HMPC-Monographie betrifft Viola tricolor und verwandte Sippen, nicht Viola odorata. Eine direkte Anerkennung für Viola odorata lässt sich daraus nicht ableiten.
- Plants of the World Online: Viola odorata L. Botanische Referenz zur akzeptierten Art, Nomenklatur und Verbreitung.
ANWENDUNG
1. Oleum Violae:
Das kostbare Veilchenblütenöl wird in der gehobenen Parfümerie zur
Herstellung von Parfüm und Pomade verwendet. Dies ist eine
parfümerische, keine medizinische Anwendung.
2. Violae odoratae flos:
Die Blüten finden traditionell Verwendung in Teezubereitungen zur
Schleimlösung bei Bronchialkatarrh, bei chronischer Bronchitis,
Asthma und Migräne. Speziell als Kinderarznei wurde Veilchensirup
bei Bronchialkatarrh zur Reizmilderung und Schleimlösung verwendet.
Die Wirksamkeit der Veilchenblüten bei diesen Indikationen ist
nicht ausreichend belegt.
3. Violae odoratae folium:
wie Violae odoratae herba.
4. Violae odoratae herba:
Veilchenkraut findet traditionell als Teeaufguss bei Husten,
Heiserkeit, Halsentzündungen, Bronchitis mit festsitzendem Schleim
und als schweisstreibendes Mittel Verwendung. Die Wirksamkeit bei
den genannten Indikationen ist nicht ausreichend belegt.
5. Violae odoratae rhizoma:
Veilchenwurzel wurde bei Erkrankungen der Atmungsorgane,
insbesondere bei trockenen Katarrhen mit spärlicher Sekretion,
verwendet. Durch die vorhandenen Saponine kann man die Droge zu den
auswurffördernden Hustenmitteln rechnen. Die Wirkung ähnelt jener
der Schlüsselblume,
gilt aber als schwächer. Die Wirksamkeit der Droge bei den genannten
Anwendungsgebieten ist nicht ausreichend belegt.
Die traditionell beim Zahnen von Säuglingen und Kleinkindern verwendete sogenannte "Veilchenwurzel" stammt in der Regel nicht von Viola odorata, sondern von Iris-Arten, vor allem von der Deutschen Schwertlilie.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Violae odoratae flos:
Als traditioneller Teeaufguss 1 gehäufter Teelöffel auf 1 Tasse
Wasser. Zweimal täglich 1 Tasse schluckweise trinken.
Violae odoratae herba:
Traditionelle Teezubereitung: 2 Teelöffel Veilchenkraut auf
250 mL Wasser. Zwei- bis dreimal täglich 1 Tasse trinken.
Violae odoratae rhizoma:
Mittlere Einzelgabe der Echten Veilchenwurzel zum Einnehmen:
1,0 g.
Die Dosierungsangaben entsprechen traditionellen Drogenangaben und stellen keine Empfehlung zur Selbstbehandlung dar. Bei Atemnot, Fieber, blutigem Auswurf, länger dauerndem Husten oder Beschwerden bei Kindern ist eine medizinische Abklärung erforderlich.
SICHERHEIT
Für Viola odorata liegen keine ausreichenden modernen klinischen Sicherheitsdaten für eine breit empfohlene Anwendung vor. Bei gelegentlicher traditioneller Teeanwendung in üblichen Mengen sind schwerwiegende Risiken nicht im Vordergrund, dennoch ist wegen fehlender gesicherter Daten Zurückhaltung sinnvoll.
Schwangere, Stillende, Säuglinge und Kleinkinder sollten Veilchenzubereitungen nicht ohne fachliche Beratung anwenden. Auch bei chronischen Atemwegserkrankungen, Asthma, unklaren Beschwerden oder gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln ist eine medizinische oder pharmazeutische Rücksprache angezeigt.
STATUS
- Kommission E: negative Bewertung für Blüte, Kraut und Wurzel.
- ESCOP: keine Monographie vorhanden.
- HMPC: keine Monographie zu Viola odorata vorhanden; HMPC-Monographie vorhanden für Violae herba cum flore aus Viola tricolor und verwandten Sippen.
DUFTVEILCHEN IM GARTEN
Als einer der ersten Frühlingsboten zeigt das Veilchen seine schönen Blüten. Duftveilchen sind im Garten völlig problemlos zu halten, solange der Standort nicht allzu heiss ist. Die Pflanze bevorzugt kühle und luftfeuchte Plätze im Halbschatten von Gehölzen bei lehmigem und nährstoffreichem Boden.
Gute Begleiter sind zum Beispiel die Weisse Taubnessel oder das Lungenkraut. Solange das Wohlriechende Veilchen genug Wasser und nicht zu viel Sonne hat, kann es sich im Garten regelmässig ausbreiten und mit seinem Duft den Frühling anzeigen.
SONSTIGES
Bereits Hippokrates und Dioskurides verwendeten Veilchen als Arzneipflanzen. Das Duftveilchen war im griechischen und römischen Altertum eine mehreren Gottheiten geweihte Kultpflanze. Aufgrund des Duftes und der dunklen Blüten galt das Veilchen den Griechen auch als Blume der Liebe.
2007 wurde das Duftveilchen zur Heilpflanze des Jahres gekürt. Diese Auszeichnung ändert nichts daran, dass für Viola odorata heute keine anerkannte medizinische Anwendung besteht.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor) – verwandte Viola-Art mit HMPC-Monographie für das blühende Kraut.
- Schlüsselblume (Primula veris) – saponinhaltige Arzneipflanze mit traditioneller Anwendung bei Husten.
- Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) – traditionelle Pflanze bei Atemwegsbeschwerden.
- Wilde Malve (Malva sylvestris) – schleimstoffreiche Pflanze bei Reizungen im Mund- und Rachenraum.
FAQ
-
Hat das Wohlriechende Veilchen eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Viola odorata besteht heute keine anerkannte medizinische Anwendung. Die Anwendung bei Atemwegsbeschwerden ist traditionell, aber klinisch nicht ausreichend belegt. -
Wofür wurde Veilchenkraut traditionell verwendet?
Veilchenkraut wurde traditionell als Tee bei Husten, Heiserkeit, Bronchitis und festsitzendem Schleim verwendet. -
Ist Veilchenwurzel dasselbe wie Zahnwurzel für Säuglinge?
Nein. Die sogenannte Veilchenwurzel zum Zahnen stammt traditionell meist von Iris-Arten, nicht vom Wohlriechenden Veilchen. -
Ist Viola odorata mit dem Wilden Stiefmütterchen gleichzusetzen?
Nein. Viola odorata ist das Wohlriechende Veilchen. Das Wilde Stiefmütterchen wird botanisch als Viola tricolor bezeichnet und ist regulatorisch anders zu beurteilen.
Letzte Änderung: 14.05.2026 / © W. Arnold