Echter Alant - Inula helenium
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Der Echte Alant hat keine befürwortete anerkannte medizinische Anwendung. Alantwurzel wurde traditionell bei Beschwerden der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts sowie der ableitenden Harnwege verwendet. Die Wirksamkeit ist nicht ausreichend belegt; wegen des Risikos allergischer Reaktionen wird eine therapeutische Selbstanwendung nicht empfohlen.
Inula helenium
(syn. Aster helenium, Aster officinalis,
Helenium grandiflorum);
Echter Alant (syn. Brustalant, Grosser Heinrich,
Helenenkraut, Schlangenwurz).
VORKOMMEN
Echter Alant stammt ursprünglich aus West- und Zentralasien sowie Südosteuropa und wurde in Europa seit langem als Arznei- und Gartenpflanze kultiviert. Heute ist die Art vielerorts verwildert oder eingebürgert. Sie bevorzugt frische bis feuchte, nährstoffreiche Böden und sonnige bis halbschattige Standorte.
Bei geeigneten Bedingungen wächst Alant an Wegrändern, in Bauerngärten, an feuchten Wiesenrändern und in der Nähe von Gewässern. Im Garten passt er zu kräftigen Stauden und nährstoffliebenden Pflanzen wie Brennnessel, Hagebutte und Beinwell.
MERKMALE
Alant ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die bis etwa zwei Meter hoch werden kann. Die Stengel sind kräftig und meist verzweigt. Die grossen, länglichen Blätter können bis etwa 50 cm lang werden; ihre Unterseite ist filzig behaart.
Die auffälligen gelben Blütenköpfe erscheinen von Juli bis September. Der starke Wurzelstock besitzt einen charakteristischen, aromatischen Geruch und wurde früher als Arzneidroge verwendet.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Helenii rhizoma
(syn. Helenii radix, Radix Inulae,
Rhizoma Helenii);
Alantwurzel (syn. Brustalant, Darmwurz, Grosser Heinrich,
Handwurzel, Odinskopfwurzel). Verwendet wurde der getrocknete
Wurzelstock mit Wurzeln.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Ätherisches Öl, Terpene und Wachse:
Die Alantwurzel enthält ätherisches Öl, dessen wichtiger Anteil
aus Sesquiterpenlactonen des Eudesmanolidtypus besteht. Dazu
zählen Alantolacton, Isoalantolacton, Dihydroisoalantolacton,
Dihydroalantolacton und Tetrahydroalantolacton. Das Gemisch
dieser Alantolactonderivate wurde historisch auch als Helenin,
Alantcampher oder Alantolacton bezeichnet.
Weitere Inhaltsstoffe sind Triterpene wie Friedelin und Dammarandienol, Sterole wie β-Sitosterol, β-Sitosterolglucosid und Stigmasterol sowie Harze und Wachse.
Polysaccharide:
Alantwurzel enthält Pectine und grössere Mengen Inulin. Inulin
wurde erstmals 1804 aus Alant isoliert.
PHARMAKOLOGIE
Die Sesquiterpenlactone der Alantwurzel, besonders Alantolacton und Isoalantolacton, sind pharmakologisch aktive Substanzen. In experimentellen Untersuchungen wurden unter anderem antimikrobielle, antifungale, entzündungshemmende und zytotoxische Effekte beschrieben. Diese Befunde betreffen vor allem Labor- und Modelluntersuchungen.
Toxikologisch wichtig ist das Reiz- und Sensibilisierungspotential der Sesquiterpenlactone. Alantolacton kann als Hapten an Hautproteine binden und allergische Kontaktdermatitiden auslösen. Kreuzreaktionen mit anderen Sesquiterpenlactonen aus Korbblütlern sind möglich.
Grössere Mengen der Droge können Schleimhäute reizen und zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfen und weiteren Vergiftungserscheinungen führen. Die experimentell beschriebenen Wirkungen begründen keine sichere therapeutische Anwendung.
EVIDENZ
Die klinische Evidenz für Alantwurzel ist schwach. Traditionelle Anwendungen bei Husten, Bronchialkatarrh, Verdauungsbeschwerden oder Beschwerden der ableitenden Harnwege sind historisch bekannt, aber nicht ausreichend durch kontrollierte klinische Studien belegt. Das Allergie- und Reizpotential schränkt eine therapeutische Anwendung zusätzlich ein.
- PMC: The Antimicrobial Potential of Inula helenium – Untersuchung zu antimikrobiellen Sesquiterpenlactonen aus Alantwurzel; experimentell plausibel, aber kein klinischer Wirksamkeitsnachweis.
- PubMed: Isoalantolactone – review on pharmacological effects – Übersichtsarbeit zu pharmakologischen Effekten von Isoalantolacton; für die traditionelle Anwendung der Droge nicht beweisend.
- PubMed: Allergic contact dermatitis to alantolactone and isoalantolactone – experimentelle Arbeit zum allergenen Potential von Alantolacton und Isoalantolacton.
- PubMed: Active ingredients of Inula helenium – Zellkulturarbeit zu Inhaltsstoffen von Inula helenium; nicht als klinischer Wirksamkeitsnachweis zu bewerten.
- EMA: European Union herbal monographs and list entries – Übersicht der EU-Herbal-Monographien; für Alantwurzel ist keine spezifische HMPC-Monographie vorhanden.
ANWENDUNG
Alantwurzel wurde traditionell innerlich bei Erkrankungen und Beschwerden der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts sowie der Niere und ableitenden Harnwege verwendet. Genannt werden unter anderem Bronchialkatarrh, Husten, Verdauungsstörungen, Harnwegsbeschwerden, Wurmbefall und äusserliche Anwendungen bei Hautproblemen.
Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungsgebieten ist nicht ausreichend belegt. Angesichts des Allergiepotentials und der möglichen Schleimhautreizung ist eine medizinische Anwendung der Droge nicht zu befürworten.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Eine sichere Dosierung für die Selbstanwendung wird nicht empfohlen. Historische Teezubereitungen mit Alantwurzel sind wegen fehlender gesicherter Wirksamkeit und wegen des Allergie- und Reizpotentials problematisch.
SICHERHEIT
Alantwurzel kann allergische Kontaktdermatitiden auslösen. Besonders Personen mit bekannter Allergie gegen Korbblütler oder gegen Sesquiterpenlactone sollten Alant meiden. Auch bei äusserlicher Anwendung sind Sensibilisierungen möglich.
Innerlich können höhere Mengen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe und Schleimhautreizungen verursachen. Während Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern sowie bei bestehenden Magen-Darm-Erkrankungen sollte Alantwurzel nicht angewendet werden.
STATUS
- Kommission E: negative Gesamtbewertung wegen nicht ausreichend belegter Wirksamkeit und relevantem Allergiepotential
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
ALANT IM GARTEN
Der Echte Alant ist eine typische Pflanze alter Bauerngärten. Er ist mehrjährig, winterhart, robust und pflegeleicht. Alant liebt einen sonnigen bis halbschattigen Platz und kommt auch mit Morgen- oder Abendsonne gut zurecht.
Die imposante Staude braucht einen humosen, nährstoffreichen und eher frischen Boden. Etwas Kompost oder gelegentliche Nährstoffgaben fördern das Wachstum. Alant kann ausgesät werden; meist ist die Pflanzung kräftiger Jungpflanzen einfacher. An idealen Standorten kann die Pflanze stark wachsen und sollte genügend Platz erhalten.
SONSTIGES
Der Alant gehört zu den alten europäischen Arznei- und Gartenpflanzen. In der Antike wurde er als "Helenion" bezeichnet und bei Husten, Krämpfen, Blähungen und Magenschwäche verwendet. In der mittelalterlichen Heilkunde spielte Alant eine grosse Rolle, besonders in Form des Alantweins.
Alant wurde auch im Volksglauben verwendet. Er galt als Pflanze des Abwehrzaubers und wurde in früheren Zeiten als Mittel gegen Seuchen angesehen.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Huflattich (Tussilago farfara) – traditionelle Atemwegspflanze, toxikologisch wegen Pyrrolizidinalkaloiden eingeschränkt.
- Thymian (Thymus vulgaris) – besser belegte Arzneipflanze bei produktivem Husten und Katarrhen der Atemwege.
- Schlüsselblume (Primula veris) – saponinhaltige Arzneipflanze bei Husten und verschleimten Atemwegen.
- Wegwarte (Cichorium intybus) – inulinhaltige Pflanze mit traditioneller Verwendung als Bitterdroge.
FAQ
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Hat Alant eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Die Kommission E bewertete Alantwurzel negativ, weil die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist und ein relevantes Allergierisiko besteht. -
Welche Inhaltsstoffe sind für Alant typisch?
Typisch sind Sesquiterpenlactone wie Alantolacton und Isoalantolacton sowie Inulin, ätherisches Öl, Harze, Wachse und Sterole. -
Warum ist Alantwurzel problematisch?
Alantwurzel kann Schleimhäute reizen und allergische Kontaktdermatitiden auslösen. Besonders Korbblütler-Allergiker sollten Alant meiden. -
Kann Alant als Hustentee verwendet werden?
Eine Selbstanwendung als Hustentee ist nicht empfehlenswert, da die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist und Sicherheitsrisiken bestehen. -
Enthält Alant Inulin?
Ja. Alantwurzel enthält Inulin; dieser Inhaltsstoff wurde historisch erstmals aus Alant isoliert.
Letzte Änderung: 03.05.2026 / © W. Arnold