Kardamom – Elettaria cardamomum
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Kardamomfrüchte werden traditionell und nach Kommission E bei dyspeptischen Beschwerden verwendet. Die Droge ist aromatisch, verdauungsfördernd und pharmakologisch plausibel, die moderne klinische Evidenz ist jedoch begrenzt. Nebenwirkungen sind in üblicher Dosierung kaum bekannt.
Elettaria cardamomum (syn. Alpinia cardamomum);
Kardamompflanze (syn. Malabarkardamom, Grüner Kardamom).

VORKOMMEN
Kardamom stammt aus Südindien und Sri Lanka. Heute wird die Pflanze in verschiedenen tropischen Regionen kultiviert, unter anderem in Guatemala, Indien, Tansania, Madagaskar, Papua-Neuguinea und Vietnam. Medizinisch und kulinarisch wichtig ist vor allem der Grüne Kardamom.
MERKMALE
Elettaria cardamomum ist eine ausdauernde krautige Pflanze aus der Familie der Zingiberaceae und erreicht meist 2 bis 3 m Höhe. Sie bildet ein kräftiges Rhizom und lange lanzettliche Blätter. Die Blütenstände entspringen bodennahen Seitentrieben. Die Früchte sind strohig bis grünlich, dreifächerig und enthalten zahlreiche aromatische, grau- bis rötlichbraune Samen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Cardamomi aetheroleum (syn. Oleum Cardamomi); Kardamomenöl.
Cardamomi fructus (syn. Fructus Cardamomi); Kardamomfrüchte beziehungsweise die Samen des Grünen Kardamoms.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Cardamomi aetheroleum: Das ätherische Öl besteht aus zahlreichen Monoterpenen und deren Derivaten. Besonders wichtig sind α-Terpinylacetat und 1,8-Cineol, daneben unter anderem α-Terpineol, Limonen, Linalylacetat, Sabinen und α-Pinen.
Cardamomi fructus: Die Früchte enthalten etwa 3 bis 7 % ätherisches Öl, dessen Zusammensetzung je nach Herkunft, Sorte und Verarbeitung schwanken kann. Daneben kommen fettes Öl, Stärke, Zucker, Eiweiss sowie Mineralstoffe vor.
PHARMAKOLOGIE
Kardamom wirkt aromatisch, leicht sekretionsfördernd und verdauungsanregend. Für das ätherische Öl werden spasmolytische, karminative und möglicherweise auch gallentreibende Effekte diskutiert. Die Anwendung bei funktionellen Verdauungsbeschwerden ist damit pharmakologisch plausibel.
Experimentelle Arbeiten beschreiben zusätzlich antioxidative, gastroprotektive und antimikrobielle Effekte. Diese Befunde sind interessant, ersetzen aber keine hochwertige klinische Evidenz für eine klar definierte medizinische Indikation.
EVIDENZ
Die Evidenz zu Kardamom ist insgesamt mässig. Die traditionelle Anwendung bei dyspeptischen Beschwerden ist gut etabliert und wird durch die aromatisch-karminative Pharmakologie plausibel gestützt. Moderne hochwertige klinische Studien speziell zur Monodroge Elettaria cardamomum bei funktionellen Verdauungsbeschwerden sind jedoch begrenzt, sodass Kardamom eher als traditionelle und plausibel wirksame als als klinisch stark abgesicherte Heilpflanze einzustufen ist.
- Jamal A. et al. (2006) – tierexperimentelle Arbeit zu gastroprotektiven Effekten von Elettaria cardamomum; unterstützt die pharmakologische Plausibilität, ersetzt aber keine klinische Studie.
- BfArM: Liste der Monographien der Kommission E – Nachweis der positiven Kommission-E-Monographie zu Cardamomi fructus.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendung (Kommission E):
- Anwendungsgebiet: Dyspeptische Beschwerden.
- Gegenanzeigen: Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit einem Arzt anwenden.
- Nebenwirkungen: Keine bekannt.
- Wechselwirkungen: Keine bekannt.
- Art der Anwendung: Zerkleinerte Samen sowie galenische Zubereitungen zur inneren Anwendung.
- Wirkungen: aromatisch, verdauungsfördernd; gallentreibende Effekte werden beschrieben.
Volksmedizin:
In der Volksheilkunde werden Frucht und ätherisches Öl bei Appetitlosigkeit und Verdauungsschwäche verwendet. Für diese Anwendungen gibt es vor allem traditionelle Erfahrung und pharmakologische Plausibilität, aber nur begrenzte moderne klinische Belege.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Dosierung (Kommission E):
Soweit nicht anders verordnet, mittlere Tagesdosis 1,5 g Droge; Zubereitungen entsprechend.
Die zerkleinerten Samen können als Bestandteil von Teemischungen oder anderen galenischen Zubereitungen innerlich verwendet werden. Die Anwendung erfolgt üblicherweise nach den Mahlzeiten oder bei Bedarf bei dyspeptischen Beschwerden.
SICHERHEIT
Kardamom gilt in üblicher Dosierung als gut verträglich. Bei bekannter Gallenwegserkrankung oder Gallensteinen ist Vorsicht sinnvoll, da für aromatische Drogen und ätherische Öle gallensekretionsfördernde Effekte diskutiert werden. Allergische Reaktionen sind selten, aber grundsätzlich möglich.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
SONSTIGES
Kardamom ist nicht nur Arzneidroge, sondern weltweit auch ein bedeutendes Gewürz. Besonders geschätzt wird er zur Aromatisierung von Kaffee, Gebäck, Süssspeisen und Gewürzmischungen. Im Handel werden vor allem Varianten des Grünen Kardamoms verwendet; botanisch und qualitativ bestehen dabei Unterschiede.
Ähnliche Heilpflanzen
- Fenchel (Foeniculum vulgare) – klassische aromatische Heilpflanze bei Blähungen und dyspeptischen Beschwerden.
- Kümmel (Carum carvi) – bewährte Heilpflanze mit karminativer und spasmolytischer Wirkung im Magen-Darm-Bereich.
- Ingwer (Zingiber officinale) – traditionell bei Dyspepsie, Übelkeit und Reisebeschwerden verwendet.
- Pfefferminze (Mentha x piperita) – aromatische Heilpflanze bei funktionellen Verdauungsbeschwerden und Völlegefühl.
FAQ
- Wofür wird Kardamom medizinisch verwendet?
Vor allem bei dyspeptischen Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen oder leichter Verdauungsschwäche. - Welche Droge ist medizinisch relevant?
Vor allem Cardamomi fructus, also die Kardamomfrüchte beziehungsweise deren Samen. - Wie gut ist die Wirkung belegt?
Die Anwendung ist traditionell gut etabliert und pharmakologisch plausibel, aber moderne klinische Studien sind begrenzt. - Gibt es bekannte Nebenwirkungen?
In üblicher Dosierung sind keine typischen Nebenwirkungen bekannt; bei Gallensteinleiden ist jedoch Vorsicht sinnvoll.
Letzte Änderung: 13.04.2026 / © W. Arnold


