Mädesüss – Filipendula ulmaria

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Mädesüsskraut und Mädesüssblüten sind von HMPC (EMA) als traditionelle pflanzliche Arzneimittel zur unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten und zur Linderung leichter Gelenkschmerzen eingestuft. Diese Anwendung beruht auf langjähriger Verwendung, nicht auf gesicherter klinischer Evidenz.

Filipendula ulmaria (syn. Spiraea ulmaria); Echtes Mädesüss, Wiesenkönigin, Johanniswedel.

Blütendolde des Mädesüss

Mädesüsspflanzen im Bestand

Mehrere Mädesüsspflanzen

Echtes Mädesüss

VORKOMMEN

Das Echte Mädesüss ist in grossen Teilen Europas verbreitet; es fehlt weitgehend im südlichen Mittelmeerraum. Ausserdem kommt es in Nord- und Mittelasien vor und wurde in Teile Nordamerikas eingeführt. Typische Standorte sind feuchte Wiesen, Gräben, Bachufer, Auen und nährstoffreiche Staudenfluren.

MERKMALE

Das Mädesüss ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht meist 50 bis 150 cm, gelegentlich auch bis etwa 200 cm Höhe. Der Stängel ist aufrecht, oft rötlich überlaufen und verzweigt sich vor allem im oberen Bereich. Die unpaarig gefiederten Blätter sind oberseits dunkelgrün, unterseits heller und deutlich behaart. Die Teilblättchen erinnern an Ulmenblätter, was sich im Artnamen ulmaria widerspiegelt.

Die Blütezeit liegt in Mitteleuropa meist zwischen Juni und August. Die zahlreichen cremeweissen Einzelblüten stehen in auffälligen, lockeren Blütenständen und verströmen insbesondere am Abend einen süsslich-honigartigen Duft. Beim Zerreiben der Pflanzenteile entsteht ein charakteristischer Geruch nach salicylathaltigen Aromastoffen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Filipendulae ulmariae flos (syn. Spiraeae flos): Mädesüssblüten.

Filipendulae ulmariae herba (syn. Spiraeae herba): blühendes Mädesüsskraut.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Mädesüss enthält unter anderem Salicylatderivate beziehungsweise phenolische Glycoside, Flavonoide, Gerbstoffe sowie geringe Mengen ätherisches Öl. Zu den häufig genannten Inhaltsstoffen gehören Spiraeosid, Monotropitin, Salicylaldehyd und Methylsalicylat. Daneben kommen Schleimstoffe, Zitronensäure und weitere Polyphenole vor.

Die Salicylatverbindungen erklären den charakteristischen Geruch, rechtfertigen aber keine Gleichsetzung mit Acetylsalicylsäure. Die Zusammensetzung ist zudem vom verwendeten Pflanzenteil und von der Zubereitung abhängig.

Spiraeosid und Methylsalicylat

PHARMAKOLOGIE

Pharmakologisch werden für Mädesüss vor allem antientzündliche und schwach analgetische Eigenschaften diskutiert. Diese beruhen wahrscheinlich nicht auf einem einzelnen Stoff, sondern auf dem Zusammenwirken von Salicylatvorstufen, Flavonoiden und weiteren Polyphenolen. Experimentelle Arbeiten zeigten unter anderem hemmende Effekte auf entzündungsbezogene Marker sowie eine Inhibition der Histidindecarboxylase.

Die publizierten Daten sind jedoch überwiegend präklinisch. Aus der Pharmakologie allein lässt sich daher keine gesicherte klinische Wirksamkeit ableiten.

EVIDENZ

  • HMPC (EMA): Für Filipendulae ulmariae herba und Filipendulae ulmariae flos liegen Monographien vor. Beide sind als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft und werden traditionell zur unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten sowie zur Linderung leichter Gelenkschmerzen verwendet. Diese Einstufung beruht auf langjähriger Erfahrung, nicht auf klinisch gesicherten Studien.
  • ESCOP: Die ESCOP beschreibt Mädesüsskraut als traditionelle Arzneipflanze zur Anwendung bei Erkältungskrankheiten. Die Bewertung stützt sich auf pharmakologische Plausibilität und langjährige Anwendung, nicht auf hochwertige klinische Studien.
  • PubMed: Nitta et al. 2013 zeigen für Inhaltsstoffe von Filipendula ulmaria eine Hemmung der Histidindecarboxylase. Dies weist auf mögliche antientzündliche Mechanismen hin, ist jedoch ein experimenteller Befund ohne direkte klinische Aussagekraft.
  • PubMed: Drummond et al. 2013 berichten über antiinflammatorische Effekte in Zellmodellen. Solche präklinischen Ergebnisse liefern Hinweise auf Wirkmechanismen, ersetzen jedoch keine klinischen Wirksamkeitsstudien.
  • Bewertung: Die Evidenz für Mädesüss ist insgesamt begrenzt. Die Anwendung beruht überwiegend auf traditioneller Nutzung und pharmakologischer Plausibilität; eine klinisch gesicherte Wirksamkeit ist nicht ausreichend belegt.

ANWENDUNG

Anerkannte beziehungsweise regulatorisch erfasste Anwendung:

  • Kommission E: positiv bewertet zur unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten.
  • HMPC (EMA): Filipendulae ulmariae herba und Filipendulae ulmariae flos sind als traditionelle pflanzliche Arzneimittel zur unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten und zur Linderung leichter Gelenkschmerzen eingestuft.

Einordnung: Die HMPC-Einstufung bedeutet traditional use. Sie beruht auf langjähriger Anwendung und Plausibilität, nicht auf einem klinisch gesicherten Wirksamkeitsnachweis im Sinne von well-established use.

Volksmedizin: Traditionell wurden Mädesüssblüten und Mädesüsskraut auch als schweisstreibendes, leicht harntreibendes und bei rheumatischen Beschwerden eingesetztes Hausmittel verwendet. Solche Anwendungen sind historisch interessant, wissenschaftlich aber nur begrenzt abgesichert.

Mädesüss findet sich gelegentlich in Erkältungsteemischungen zusammen mit anderen klassischen Teedrogen wie Weide, Lindenblüten, Holunder oder Königskerze.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Bei Fertigarzneimitteln gilt die jeweilige Packungsbeilage.

Teeaufguss: Mehrmals täglich eine Tasse frisch zubereiteten Aufguss trinken.

  • Mädesüsskraut: Tagesdosis 2 bis 18 g.
  • Mädesüssblüten: Tagesdosis 2,5 bis 6 g.

Bei Erkältungen sollte die Anwendung bei den ersten Symptomen beginnen. Wenn Beschwerden länger anhalten oder sich verschlechtern, ist ärztlicher Rat angezeigt.

WARNUNG

  • Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegen Salicylate.
  • Die gleichzeitige Anwendung mit Salicylaten oder anderen NSAR sollte nicht ohne fachlichen Rat erfolgen.
  • Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird die Anwendung mangels ausreichender Daten nicht empfohlen.
  • Während Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung mangels ausreichender Daten nicht empfohlen.
  • Bei akuten Gelenkentzündungen, hohem Fieber oder anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.

STATUS

  • Kommission E: positive Bewertung zur unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten.
  • ESCOP: Monographie für Filipendulae ulmariae herba vorhanden. Beschrieben wird die Anwendung bei Erkältungskrankheiten; die Bewertung beruht im Wesentlichen auf traditioneller Verwendung und pharmakologischer Plausibilität.
  • HMPC (EMA): Filipendulae ulmariae herba und Filipendulae ulmariae flos sind als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft (unterstützend bei Erkältungskrankheiten und leichten Gelenkschmerzen).

MÄDESÜSS IM GARTEN

Das einheimische Mädesüss bevorzugt einen halbschattigen bis sonnigen Standort mit dauerhaft frischem bis feuchtem, nährstoffreichem Boden. Besonders gut gedeiht es an Teichrändern, in feuchten Staudenbeeten oder an Gräben. Trockenheit wird schlecht vertragen.

Die winterharte, mehrjährige Pflanze lässt sich durch Teilung des Wurzelstocks oder durch Aussaat vermehren. Wo der Standort passt, ist sie robust und langlebig. Im naturnahen Garten ist Mädesüss wegen seiner grossen, duftenden Blütenstände auch eine attraktive Insektenpflanze.

Mädesüss im Garten

SONSTIGES

Mädesüss wurde früher wegen seines angenehmen Dufts als Streukraut verwendet. Frische Pflanzenteile wurden auf Böden oder in Räumen ausgelegt, um einen süsslich-aromatischen Geruch zu verbreiten. Auch die Blüten wurden gelegentlich zum Aromatisieren von Getränken und Süssspeisen benutzt.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Salix – ebenfalls salicylathaltige Arzneipflanze mit traditioneller Anwendung bei Schmerzen und Erkältungsbeschwerden.
  • Gaultheria procumbens – enthält Methylsalicylat und zeigt einen ähnlichen aromatischen Bezug zu Salicylatverbindungen.

FAQ

  • Wofür wird Mädesüss traditionell verwendet?
    Mädesüsskraut und Mädesüssblüten werden traditionell unterstützend bei Erkältungskrankheiten und zur Linderung leichter Gelenkschmerzen verwendet.
  • Ist Mädesüss ein pflanzliches Aspirin?
    Nein. Mädesüss enthält Salicylatvorstufen und aromatische Salicylatverbindungen, ist aber nicht mit Acetylsalicylsäure gleichzusetzen.
  • Ist die Wirkung klinisch gesichert?
    Die regulatorische Einordnung beruht auf traditional use. Die klinische Evidenz ist begrenzt.
  • Wer sollte Mädesüss meiden?
    Personen mit Salicylatüberempfindlichkeit sowie Schwangere, Stillende und Kinder unter 18 Jahren sollten Mädesüss nicht ohne fachlichen Rat anwenden.

Letzte Änderung: 05.04.2026 / © W. Arnold