Meerrettich – Armoracia rusticana
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | EVIDENZ | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | ÄHNLICHE HEILPFLANZEN | FAQ
Die anerkannte medizinische Anwendung der Meerrettichwurzel ist die innerliche und äusserliche Therapie bei Katarrhen der Luftwege, innerlich unterstützend bei Infektionen der ableitenden Harnwege sowie äusserlich zur durchblutungsfördernden Behandlung bei leichten Muskelschmerzen.
Armoracia rusticana (syn. Armoracia sativa, Cardamine armoracia, Cochlearia armoracia, Cochlearia rusticana, Nasturtium armoracia, Roripa armoracia, Roripa rusticana).
Meerrettich (syn. Kren, Pfefferwurzel).


VORKOMMEN
Meerrettich war schon in der Antike bekannt. Dies wird beispielsweise durch ein pompejisches Wandgemälde belegt. Cato befasste sich in seinen Abhandlungen zum Ackerbau ausführlich mit dieser Pflanze. Ursprünglich stammt der Meerrettich aus Ost- und Südeuropa.
Von dort wurde die Pflanze durch slawische Völker nach Mitteleuropa gebracht und verbreitet. Heute kommt sie in Mitteleuropa vielfach verwildert vor. In Ostrussland und in der Ukraine existieren noch Wildformen. In Deutschland dürfte Meerrettich seit dem Mittelalter angebaut worden sein.
Armoracia rusticana wurde zunächst als Heilpflanze und erst später in grösserem Umfang als Gewürzpflanze verwendet. Die Bezeichnung „Steirischer Kren“ geniesst seit 2009 den Schutz der EU als geschützte geographische Angabe.
MERKMALE
Der Meerrettich wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht meist Wuchshöhen von 50 bis 120 cm, gelegentlich auch mehr. Die Pflanze ist sehr winterhart. Als Überdauerungsorgan wird eine senkrechte, walzenförmige Pfahlwurzel gebildet, die 30 bis 40 cm lang und mehrere Zentimeter dick werden kann.
Die grossen Grundblätter sind länglich bis lanzettlich. Im Frühjahr beginnen sich die Blütenstände zu bilden. Die Blütezeit reicht meist von Mai bis Juli. Der traubige Blütenstand kann beachtliche Grösse erreichen. Die weissen Blüten duften deutlich.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Armoraciae radix (syn. Armoraciae radix recens); Meerrettichwurzel (syn. Krenwurzel, Pfefferwurzel), die frische oder getrocknete Wurzel.
WIRKSTOFFE
Die Wurzel enthält unter anderem Vitamin C, Vitamine der B-Gruppe, Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Phosphor sowie die Senfölglykoside Sinigrin und Gluconasturtiin.
Aus diesen Vorstufen entstehen nach Verletzung des Pflanzengewebes durch das Enzym Myrosinase die charakteristischen scharfen Senföle beziehungsweise Isothiocyanate. Hauptvertreter sind Allylisothiocyanat und 2-Phenylethylisothiocyanat.
Daneben wurden Flavonoide, Aminosäuren, organisch gebundener Schwefel sowie das Enzym Meerrettich-Peroxidase (HRP) beschrieben.

PHARMAKOLOGIE
Wissenschaftlich gut belegt ist die antimikrobielle Wirkung der aus den Senfölglykosiden entstehenden Isothiocyanate. In-vitro zeigen diese Stoffe je nach Konzentration bakteriostatische oder bakterizide Eigenschaften.
Allylisothiocyanat wirkt vor allem im gramnegativen Spektrum, während 2-Phenylethylisothiocyanat auch Aktivität gegen verschiedene grampositive Keime zeigt. Zusätzlich besitzt Meerrettich lokal reizende und durchblutungsfördernde Eigenschaften.
EVIDENZ
Die traditionelle Anwendung von Meerrettichwurzel bei Atemwegsbeschwerden und unterstützend bei Harnwegsinfekten ist seit langem dokumentiert. Die pharmakologische Plausibilität ist durch Senfölglykoside und antimikrobiell wirksame Isothiocyanate gut begründet.
Klinische Daten liegen vor allem für Kombinationen aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel vor. Für Meerrettichwurzel als Monodroge ist die moderne klinische Evidenz begrenzter, insgesamt aber plausibel.
- Negro et al. (2022) – Überblick zu Phytochemie und funktionellen Eigenschaften von Meerrettich.
- Albrecht et al. (2007) – randomisierte Studie zu Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel.
- Stange et al. (2017) – prospektive Studie bei unkomplizierter Zystitis.
- Fintelmann et al. (2012) – Untersuchung zur Prophylaxe rezidivierender Harnwegsinfekte.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendung (Kommission E):
- Wirkungen: antimikrobiell; hyperämisierend.
- Anwendungsgebiete: bei Einnahme Katarrhe der Luftwege; unterstützend bei Infekten der ableitenden Harnwege.
- Äussere Anwendung: hyperämisierende Behandlung bei leichten Muskelschmerzen.
- Gegenanzeigen: Magen- und Darmulzera; Nephritiden; keine Anwendung bei Kindern unter 4 Jahren.
- Wechselwirkungen: keine bekannt.
Senfölglykoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden in der Praxis kombiniert eingesetzt. Traditionell wird Meerrettich bei Erkältungskrankheiten auch mit anderen Heilpflanzen kombiniert.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Verwendet wird Meerrettichwurzel vor allem frisch gerieben, als Saft, Sirup, Elixier oder in standardisierten Zubereitungen.
Mittlere Tagesdosis: etwa 20 g frische Wurzel beziehungsweise entsprechende Zubereitungen.
Äusserlich werden Zubereitungen mit begrenztem Senfölgehalt verwendet.
SICHERHEIT
Meerrettich kann wegen seiner reizenden Inhaltsstoffe Magen, Darm, Haut und Schleimhäute reizen. Bei Magen- und Darmgeschwüren sowie entzündlichen Nierenerkrankungen sollte keine Anwendung erfolgen.
Äusserlich kann eine zu lange oder zu konzentrierte Anwendung Hautreizungen verursachen. Bei kleinen Kindern ist Meerrettich nicht angezeigt.
STATUS
- Kommission E: positive Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
GARTEN
Armoracia rusticana liebt tiefgründige Böden und einen sonnigen Standort. In tiefgründigen, humosen Böden bildet die Pflanze besonders schöne und aromatische Wurzeln.
Der Anbau erfolgt meist mit Wurzelstücken. Diese werden schräg in den Boden gesetzt. Das obere Ende soll ungefähr 5 cm unter der Erdoberfläche liegen. Auch kleine Wurzelstücke treiben erneut aus.
Dicke Stangen bildet Meerrettich besonders in ausreichend feuchter Erde. Bei Trockenheit sollte ein- bis zweimal pro Woche gründlich gegossen werden. Eine Kompostgabe vor dem Austrieb genügt meist für die Nährstoffversorgung.
Die beste Erntezeit reicht von September bis April. Geeignete Begleiter im Beet sind Petersilie, Fenchel und Dill.
Auf einem Beet, auf dem Meerrettich angebaut wurde, sollte erst nach mehreren Jahren wieder dieselbe Pflanze kultiviert werden.
SONSTIGES
Meerrettich ist seit Jahrhunderten Gewürz- und Heilpflanze. Im Volksglauben wurden der Wurzel schützende und glückbringende Eigenschaften zugeschrieben.
Die scharfe Wurzel gehört bis heute in vielen Regionen zur traditionellen Küche.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) – traditionell bei Atemwegs- und Harnwegsinfekten.
- Knoblauch (Allium sativum) – traditionell mit antimikrobieller Plausibilität verwendet.
- Weisser Senf (Sinapis alba) – ebenfalls reich an Senfölglykosiden.
FAQ
- Wofür wird Meerrettich medizinisch verwendet?
Bei Katarrhen der Luftwege, unterstützend bei Harnwegsinfekten und äusserlich bei leichten Muskelschmerzen. - Welche Stoffe sind wichtig?
Vor allem Senfölglykoside wie Sinigrin und Gluconasturtiin. - Ist die Wirkung wissenschaftlich belegt?
Die antimikrobielle Wirkung ist gut plausibel; klinische Daten liegen besonders für Kombinationen vor. - Wann sollte Meerrettich nicht angewendet werden?
Bei Ulzera, Nephritiden und bei Kindern unter 4 Jahren.
Letzte Änderung: 18.04.2026 / © W. Arnold