Meisterwurz – Peucedanum ostruthium
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Der Meisterwurz besitzt keine allgemein anerkannte medizinische Anwendung. Die aromatische Alpenpflanze wird traditionell als Bittermittel sowie bei Erkältungen und Verdauungsbeschwerden verwendet.
Peucedanum ostruthium (syn. Imperatoria ostruthium); Meisterwurz (syn. Kaiserwurz, Ostruz, Bergwurz, Strangwurzel).
VORKOMMEN
Die Meisterwurz ist in den Alpen und Voralpen Mittel- und Südeuropas heimisch. Die Pflanze wächst bevorzugt auf feuchten Bergwiesen, Hochstaudenfluren, Schutthalden und in lichten Gebirgswäldern. Sie bevorzugt kalkhaltige, humose und ausreichend feuchte Böden in Höhenlagen zwischen etwa 1.400 und 2.700 Metern.
MERKMALE
Die ausdauernde krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen zwischen 30 und 100 Zentimetern. Der Stängel ist aufrecht, gerillt und hohl. Die grossen Laubblätter sind grob gezähnt und an der Unterseite teilweise behaart.
Beim Zerreiben entwickelt die Pflanze einen kräftigen aromatischen Geruch, der an Sellerie und Möhren erinnert. Die weisslichen bis rötlichen Blüten erscheinen von Juni bis August in grossen Dolden.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Rhizoma Imperatoriae (syn. Radix Imperatoriae); verwendet wird das aromatische Rhizom beziehungsweise die Wurzel.
Der Geschmack ist bitterlich, würzig und leicht brennend. Die Wurzel wird traditionell im Frühjahr oder Herbst geerntet.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Der Wurzelstock enthält zwischen 0,2 und 1,4 % ätherisches Öl. Hauptbestandteile sind Sabinen, α-Pinen, Phellandren und Limonen. Daneben kommen verschiedene Cumarine und Furocumarine vor, unter anderem Ostruthin, Oxypeucedanin, Ostruthol und Osthol.
PHARMAKOLOGIE
Für einzelne Inhaltsstoffe wurden antibakterielle, entzündungshemmende und antipyretische Eigenschaften beschrieben. Besonders Ostruthin zeigte in experimentellen Untersuchungen eine Aktivität gegen verschiedene Mykobakterien.
Die pharmakologischen Daten beruhen überwiegend auf Labor- und Tierexperimenten. Eine Übertragbarkeit auf klinische Anwendungen beim Menschen ist nur eingeschränkt möglich.
EVIDENZ
Die traditionelle Anwendung der Meisterwurz bei Verdauungsbeschwerden, Erkältungen und allgemeinen Schwächezuständen ist volksmedizinisch gut dokumentiert. Hochwertige klinische Studien zur Wirksamkeit fehlen jedoch weitgehend.
Die vorhandenen experimentellen Untersuchungen liefern Hinweise auf entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften einzelner Inhaltsstoffe. Eine wissenschaftlich gesicherte medizinische Anwendung lässt sich daraus derzeit nicht ableiten.
- A. Schinkovitz et al.: Ostruthin: An Antimycobacterial Coumarin from the Roots of Peucedanum ostruthium ; Planta Medica 2003.
- A. Hiermann et al.: Antiphlogistic and Antipyretic Activity of Peucedanum ostruthium ; Planta Medica 1998.
- HMPC : für Meisterwurz ist derzeit keine europäische Monographie vorhanden.
- Info Flora Schweiz: Peucedanum ostruthium .
- Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag.
ANWENDUNG
In der Volksmedizin wird Meisterwurz traditionell als aromatisches Bittermittel bei Völlegefühl, Appetitlosigkeit und Erkältungen verwendet. Die Wurzel diente ausserdem als Zusatz in Kräuterlikören und Bitterspirituosen.
Historisch wurden Zubereitungen aus Meisterwurz bei Bronchialkatarrh, Magenbeschwerden, Fieber, Zahnschmerzen und äusserlich zur Wundbehandlung eingesetzt. Wissenschaftliche Belege für diese Anwendungen sind begrenzt.
Traditionell wurde Meisterwurz häufig mit anderen Heilpflanzen kombiniert, darunter Engelwurz, Fenchel, Süssholz, Spitzwegerich und Schlüsselblume.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Traditionell wird etwa 1 Teelöffel der getrockneten Wurzel für einen kalten oder warmen Auszug verwendet.
Die Anwendung erfolgt überwiegend in der Volksmedizin. Standardisierte medizinische Dosierungsempfehlungen liegen nicht vor.
SICHERHEIT
Die Meisterwurz enthält Cumarine und Furocumarine. Bei empfindlichen Personen können allergische Hautreaktionen oder Photosensibilisierung auftreten.
Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei schweren Lebererkrankungen oder bekannten Allergien gegen Doldenblütler sollte auf die Anwendung verzichtet werden.
Bei anhaltenden Beschwerden, Fieber oder unklaren Symptomen ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP : keine Monographie vorhanden
- HMPC : keine Monographie vorhanden
MEISTERWURZ IM GARTEN
Die robuste Alpenpflanze bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte mit humosem, nährstoffreichem und ausreichend feuchtem Boden. Staunässe sollte vermieden werden.
Die Vermehrung erfolgt durch Teilung älterer Pflanzen oder durch Aussaat. In naturnahen Kräutergärten wirkt Meisterwurz besonders attraktiv in Kombination mit Baldrian und Gelbem Enzian.
SONSTIGES
Die Meisterwurz gehört zu den traditionellen Alpenheilpflanzen. Historisch spielte sie besonders in der Volksmedizin der Gebirgsregionen eine Rolle.
Die aromatische Wurzel wurde ausserdem zur Herstellung von Bitterschnäpsen und Kräuterlikören verwendet.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Engelwurz (Angelica archangelica) – aromatische Arzneipflanze mit traditioneller Anwendung bei Verdauungsbeschwerden.
- Liebstöckel (Levisticum officinale) – würzige Doldenblütler-Art mit traditioneller Verwendung als Bittermittel.
- Kalmus (Acorus calamus) – traditionelle Bitterdroge mit aromatischem Rhizom.
- Gelber Enzian (Gentiana lutea) – klassische Bitterpflanze der Alpenregionen.
FAQ
-
Wofür wird Meisterwurz verwendet?
Traditionell wird Meisterwurz bei Verdauungsbeschwerden, Erkältungen und als Bittermittel verwendet. -
Ist Meisterwurz medizinisch anerkannt?
Es existiert derzeit keine allgemein anerkannte medizinische Anwendung und keine HMPC-Monographie. -
Welche Inhaltsstoffe enthält Meisterwurz?
Die Pflanze enthält ätherisches Öl sowie verschiedene Cumarine und Furocumarine. -
Gibt es klinische Studien?
Hochwertige klinische Studien fehlen weitgehend. Die Evidenz ist begrenzt. -
Kann Meisterwurz Nebenwirkungen verursachen?
Bei empfindlichen Personen können allergische Reaktionen oder Photosensibilisierung auftreten.
Letzte Änderung: 08.05.2026 / © W. Arnold