Kapuzinerkresse – Tropaeolum majus
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Kapuzinerkressekraut enthält Glucosinolate, aus denen Senföle wie Benzylisothiocyanat entstehen. Die Kommission E beurteilt Kapuzinerkresse positiv in Kombinationen zur unterstützenden Behandlung von Infekten der ableitenden Harnwege, Katarrhen der Luftwege sowie äusserlich bei leichten Muskelschmerzen. ESCOP und HMPC haben für Kapuzinerkressekraut keine Monographie veröffentlicht.
Tropaeolum majus L. (syn. Tropaeolum elatum);
Kapuzinerkresse (syn. Blumenkresse, Gelbes Vögerl, Grosse Kapuzinerkresse).
VORKOMMEN
Die Kapuzinerkresse ist in warmen Gebieten Südamerikas beheimatet. Sie gelangte im 17. Jahrhundert aus Peru nach Europa und wurde hier zunächst als Zierpflanze kultiviert. Heute ist sie eine bekannte und beliebte Gartenpflanze in Mitteleuropa. Vielerorts verwildert Tropaeolum majus vorübergehend; die Pflanze ist jedoch frostempfindlich und kann sich im mitteleuropäischen Raum meist nicht dauerhaft einbürgern.
MERKMALE
Die Kapuzinerkresse ist eine meist einjährige, kriechende oder kletternde Pflanze. Findet sie eine geeignete Unterlage, kann sie als Blattstielranker mehrere Meter hoch klettern. Die Hauptwurzel ist dünn. Die grünen Blätter sind langgestielt, unbehaart und exzentrisch an den glatten Stengeln ansetzend. Ihre Form ist rundlich-schildförmig, bis etwa 5 cm gross und am Stengelansatz tief gelappt.
Die Blüten sind glockenförmig, gelb bis orange oder rot, selten weiss, und entspringen auf langen Stielen in den Laubblattachseln. Der Kelch ist fünfblättrig. Die auffälligen Blüten und die schildförmigen Blätter machen die Kapuzinerkresse zu einer leicht erkennbaren Gartenpflanze.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Tropaeoli herba (syn. Herba Tropaeoli);
Kapuzinerkressekraut, das frische oder getrocknete Kraut beziehungsweise die oberirdischen Teile von Tropaeolum majus.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Glucosinolate: Glucotropaeolin (= Benzylglucosinolat) ist das Hauptglucosinolat des frischen Krautes. Durch enzymatische Spaltung mit Myrosinase entsteht Benzylisothiocyanat. Aus frischem Kraut wurde wenig ätherisches Öl gewonnen, das überwiegend Benzylisothiocyanat enthält.
Ascorbinsäure: In frischen Blättern wurden hohe Gehalte an Ascorbinsäure beschrieben; auch die Blüten enthalten Vitamin C.
Enzyme: In allen Pflanzenteilen kommt Myrosinase vor. Dieses Enzym ist für die Spaltung der Glucosinolate und damit für die Bildung der Senföle wesentlich.
Weitere Inhaltsstoffe:
Alle oberirdischen Teile der Pflanze enthalten mehrere Polyphenole, darunter Chlorogensäure und Flavonoide. In den oberirdischen grünen Pflanzenteilen wurde ein Quercetinglucosid als wichtiges Flavonoid beschrieben. In den Blüten wurden geringe Mengen von Kämpferolglucosiden sowie Anthocyane vom Cyanidin- und Pelargonidintyp gefunden. Carotinoide sind in den Blüten in grösserer Menge enthalten.
PHARMAKOLOGIE
Die pharmakologische Bedeutung der Kapuzinerkresse beruht vor allem auf den Glucosinolaten und den daraus entstehenden Isothiocyanaten. Glucotropaeolin wird durch Myrosinase zu Benzylisothiocyanat gespalten. Dieses Senföl besitzt in vitro antimikrobielle Eigenschaften und trägt zum scharfen, kresseartigen Geschmack der Pflanze bei.
Klinische Angaben der Kommission E:
Ärztliche und/oder klinische Berichte aus neuerer Zeit lagen zum Zeitpunkt der Kommission-E-Bewertung nicht vor. Ältere klinische Unterlagen gaben Hinweise auf eine Wirksamkeit bei Harnwegsinfektionen und Katarrhen der oberen Luftwege.
Die Kommission E beurteilt die Kapuzinerkresse mit folgender Begründung positiv: Aufgrund der pharmakologischen Eigenschaften kann qualitativ ein positiver Beitrag zur Wirksamkeit in Kombinationen zur unterstützenden Behandlung von Infekten der ableitenden Harnwege, Katarrhen der Luftwege sowie äusserlich bei leichten Muskelschmerzen angenommen werden.
Für die Kombination von Kapuzinerkressekraut mit Meerrettichwurzel liegen neuere klinische Untersuchungen und Beobachtungsdaten vor. Diese betreffen vor allem akute Bronchitis, Rhinosinusitis und unkomplizierte Harnwegsinfekte. Die Daten stützen eine mögliche supportive Rolle solcher Kombinationen, ersetzen aber keine ärztliche Abklärung bei schweren, fieberhaften oder wiederkehrenden Infektionen.
EVIDENZ
Die Evidenz für Kapuzinerkresse ist zweigeteilt: Die traditionelle und kommissionelle Bewertung stützt die Anwendung vor allem in Kombinationen. Für die Einzelpflanze allein ist die moderne klinische Datenlage begrenzt. Klinische Studien betreffen überwiegend Kombinationen aus Kapuzinerkressekraut und Meerrettichwurzel.
- Kommission E: Positive Bewertung von Kapuzinerkresse in Kombinationen zur unterstützenden Behandlung von Infekten der ableitenden Harnwege, Katarrhen der Luftwege sowie äusserlich bei leichten Muskelschmerzen.
- PubMed: Goos et al. 2007: Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit einer Kombination aus Kapuzinerkressekraut und Meerrettichwurzel bei Sinusitis, Bronchitis und Harnwegsinfekten.
- PubMed: Albrecht et al. 2023: Klinische Untersuchung zur Kombination von Tropaeolum majus-Kraut und Armoracia rusticana-Wurzel bei akuter Bronchitis.
- PMC: Real-World-Cohort-Studie: Beobachtungsdaten zur Anwendung einer Kombination aus Kapuzinerkressekraut und Meerrettichwurzel bei Atemwegs- und Harnwegsinfekten.
- Garzón et al. 2009: Untersuchung zu Anthocyanen und antioxidativer Aktivität von Blüten der Kapuzinerkresse. Diese Arbeit betrifft Inhaltsstoffe der Blüten und ist keine klinische Wirksamkeitsstudie zu Infektionen.
ANWENDUNG
Innerlich wird Kapuzinerkressekraut vor allem zur unterstützenden Behandlung von Infekten der ableitenden Harnwege und bei Katarrhen der Luftwege verwendet, insbesondere in Kombinationen mit anderen senfölhaltigen Drogen. Äusserlich wurde die Droge traditionell bei leichten Muskelschmerzen eingesetzt.
Die innerliche Anwendung reiner Benzylisothiocyanat-Präparate wird wegen der relativen Toxizität und Reizwirkung nicht empfohlen. Die medizinische Anwendung bezieht sich auf geeignete Zubereitungen der Droge beziehungsweise auf entsprechend geprüfte Kombinationen, nicht auf isoliertes Benzylisothiocyanat.
Volkstümliche Anwendungen:
Die Kapuzinerkresse wird in ihrer Heimat Peru und in anderen Regionen Südamerikas traditionell bei infizierten Wunden, Hautkrankheiten, Skorbut, Husten und Bronchitis verwendet. Die Anwendung gegen Skorbut ist durch den Vitamin-C-Gehalt der frischen Pflanze historisch plausibel.
In der europäischen Volksmedizin nimmt man die Frischpflanze bei Infektionen der Atem- und Harnwege, bei Menstruationsstörungen, zur Blutreinigung sowie gegen Skorbut ein; selten werden auch frische Blätter als Wundauflage verwendet. Für viele dieser volkstümlichen Anwendungen liegen keine ausreichenden klinischen Studien vor.
Kapuzinerkresse wird in Kombinationszubereitungen besonders häufig mit Meerrettich verwendet. Der gemeinsame Bezug sind die Senföle beziehungsweise Isothiocyanate.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Volkstümlich werden etwa 30 g frische Blätter auf 1 Liter Wasser als Aufguss verwendet; davon trinkt man 2 bis 3 Tassen pro Tag. Längeres Kochen ist ungünstig, weil flüchtige und empfindliche Inhaltsstoffe verloren gehen können.
Für medizinische Anwendungen werden standardisierte oder definierte Zubereitungen bevorzugt. Bei Harnwegsinfekten, Atemwegsinfekten, Fieber, Blut im Urin, Flankenschmerzen, starken Beschwerden oder wiederkehrenden Infektionen ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
SICHERHEIT
Senföle können Schleimhäute und Haut reizen. Bei empfindlichen Personen sind Magen-Darm-Beschwerden, Hautreizungen oder allergische Reaktionen möglich. Benzylisothiocyanat kann bei direktem Hautkontakt reizend wirken und als Kontaktallergen auftreten.
Bei Magen- oder Darmgeschwüren, schweren Nierenerkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit sowie bei Kindern sollte die Anwendung nur nach fachlicher Abklärung erfolgen. Reine Benzylisothiocyanat-Präparate sind wegen der Reizwirkung und Toxizität nicht zur Selbstbehandlung geeignet.
Infekte der Harnwege und Atemwege dürfen nicht verschleppt werden. Ärztliche Abklärung ist notwendig bei Fieber, starken Schmerzen, Atemnot, Blut im Urin, Flankenschmerzen, Beschwerden über mehrere Tage oder häufig wiederkehrenden Infekten.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung in Kombination mit anderen Heilpflanzen.
- ESCOP: keine Monographie vorhanden.
- HMPC: keine Monographie vorhanden.
KAPUZINERKRESSE IM GARTEN
Kapuzinerkresse mag es sonnig, gedeiht aber auch im Halbschatten noch recht gut. Ein humushaltiger, gleichmässig feuchter Boden ist ideal für die Pflanze. Auch etwas Kalk und Sand werden gut vertragen. Zu magere Böden werden durch das Einarbeiten von Blumenerde oder Kompost verbessert. Kapuzinerkresse braucht viel Wasser, aber kaum Dünger.
Ob als Berankung von Zäunen, Mauern oder Gittern, die Kapuzinerkresse ist immer ein echter Blickfang, egal ob kletternd oder kriechend. Die Kapuzinerkresse ist nicht winterhart und wird normalerweise nur einjährig kultiviert. Die Aussaat ab Mitte Mai erfolgt an Ort und Stelle ins Beet. Dazu nimmt man jeweils zwei bis drei Samen und bedeckt diese mit etwa 3 cm Erde.
Neben den jungen Blättern lassen sich auch die Blüten der Pflanze verwenden. Diese sind essbar und eignen sich gut zu Dekorationszwecken.
SONSTIGES
Mönche haben sich mit der Heilkunde der indigenen Bevölkerung Südamerikas befasst und dabei auch die Kapuzinerkresse als Heilpflanze beschrieben. In Südamerika wurde die Pflanze traditionell bei Hautkrankheiten, Skorbut, Vergiftungen, Kopfschmerzen, Husten und Bronchitis verwendet.
Vor etwa 300 Jahren wurde die Kapuzinerkresse auch in Europa bekannt. Zunächst verwendete man sie als Zierpflanze. Im 18. Jahrhundert wurde sie aufgrund des hohen Vitamin-C-Gehaltes vor allem gegen Skorbut eingesetzt.
Die frischen Blätter der Kapuzinerkresse werden als Salat verzehrt; die Früchte oder Blütenknospen, in Essig eingelegt, dienen gelegentlich als Ersatz für Kapern („falsche Kapern“). Die Grosse Kapuzinerkresse wurde im Herbst 2012 mit Verweis auf die in ihr enthaltenen Senföle zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Meerrettich (Armoracia rusticana) – senfölhaltige Arzneipflanze mit traditioneller Anwendung bei Atemwegs- und Harnwegsinfekten.
- Thymian (Thymus vulgaris) – bewährte Arzneipflanze bei Katarrhen der Luftwege und Husten.
- Purpursonnenhut (Echinacea purpurea) – immunologisch interessante Arzneipflanze mit Anwendung bei Erkältungskrankheiten.
- Knoblauch (Allium sativum) – schwefelhaltige Inhaltsstoffe mit antimikrobieller und kardiometabolischer Bedeutung.
FAQ
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Wofür wird Kapuzinerkresse medizinisch verwendet?
Vor allem in Kombinationen zur unterstützenden Behandlung von Infekten der ableitenden Harnwege und Katarrhen der Luftwege. -
Welcher Inhaltsstoff ist besonders wichtig?
Wichtig ist Glucotropaeolin, aus dem durch Myrosinase Benzylisothiocyanat entsteht. -
Gibt es eine HMPC-Monographie?
Nein. Für Kapuzinerkressekraut liegt keine HMPC-Monographie vor. -
Ist Kapuzinerkresse gut verträglich?
In üblichen Zubereitungen meist ja, doch Senföle können Haut, Schleimhäute und Magen-Darm-Trakt reizen. -
Darf man Kapuzinerkresse bei Harnwegsinfekten allein verwenden?
Nur bei leichten Beschwerden und kurzer Dauer. Bei Fieber, Blut im Urin, Flankenschmerzen oder wiederkehrenden Infekten ist ärztliche Abklärung nötig.
Letzte Änderung: 13.05.2026 / © W. Arnold