Wasserdost - Eupatorium cannabinum

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Wasserdost, Gewöhnlicher Wasserdost, Wasserhanf, Kunigundenkraut, Grundheil, Blauwetterkühl; Eupatorium cannabinum L.

Der Wasserdost hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Frühere volksmedizinische Anwendungen als abführendes, galletreibendes, harntreibendes, brechreizförderndes und fiebersenkendes Mittel sind heute kritisch zu beurteilen. Wegen Pyrrolizidinalkaloiden und fehlender klinischer Evidenz wird die innerliche Anwendung nicht empfohlen.

Wasserdost mit rosafarbenen Blütenständen am feuchten Standort

Eupatorium cannabinum, blühender Wasserdost mit dichtem Blütenstand

Wasserdost, Eupatorium cannabinum, mit zahlreichen kleinen Röhrenblüten

Wasserhanf, Eupatorium cannabinum, mit hanfähnlich geteilten Blättern

VORKOMMEN

Der Wasserdost ist in Europa, Westasien und Nordafrika verbreitet. Er wächst bevorzugt an feuchten, nährstoffreichen Standorten, besonders an Bachufern, Gräben, Waldrändern, Auwäldern, Waldlichtungen und feuchten Gebüschsäumen. Die Pflanze ist ein typischer Vertreter feuchter Hochstaudenfluren.

Innerhalb der Gattung Eupatorium ist Eupatorium cannabinum der in Mitteleuropa wichtigste heimische Vertreter. Viele verwandte Arten stammen aus Nord- und Südamerika.

MERKMALE

Wasserhanf nennt man diese stattliche Pflanze, weil ihre handförmig geteilten Blätter an Hanfblätter erinnern. Der Wasserdost wird etwa 50 bis 170 cm hoch und bildet kräftige, aufrechte Stängel. Die Blätter sind im unteren Teil gegenständig, im oberen Bereich teilweise wechselständig oder etwas verschoben angeordnet.

Die hellrötlichen bis rosafarbenen Köpfchen enthalten meist vier bis sechs zwittrige Röhrenblüten. Zahlreiche Köpfchen bilden einen reich verzweigten, dicht wirkenden, fast doldenartigen Gesamtblütenstand. Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Während dieser Zeit wird die Pflanze stark von Schmetterlingen, Fliegen, Bienen und Hummeln besucht. Die kleinen Früchte werden durch den Wind verbreitet.

DROGEN

Historisch wurden zwei Pflanzendrogen beschrieben:

Radix Eupatorii cannabini, auch Rhizoma Eupatorii cannabini, Wasserdostwurzel: die Wurzeln beziehungsweise Rhizome.

Herba Eupatorii cannabini, auch Herba Cannabinae aquaticae, Wasserdostkraut oder Wasserhanfkraut: das blühende Kraut.

Eine arzneiliche Verwendung ist heute wegen ungenügender Evidenz und Sicherheitsbedenken nicht zu empfehlen.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

In der Wurzel beziehungsweise im Rhizom werden unter anderem Benzofuranderivate wie Euparin und ätherisches Öl beschrieben.

Im Kraut finden sich unter anderem Euparin, Sesquiterpenlactone wie Eupatoriopikrin, Taraxasterol, Flavonoide, Saponine, Triterpene, Gerbstoffe, Harz, Inulin, Inosit, ätherisches Öl, Polysaccharide und Pyrrolizidinalkaloide. Letztere sind toxikologisch besonders relevant.

Ausgewählte Inhaltsstoffe von Wasserdost, darunter Euparin und Eupatoriopikrin

PHARMAKOLOGIE

Für Extrakte aus Eupatorium cannabinum wurden in präklinischen Untersuchungen verschiedene biologische Effekte beschrieben, darunter immunmodulierende, zytotoxische oder entzündungsbezogene Wirkungen. Diese Befunde stammen jedoch überwiegend aus Laboruntersuchungen und erlauben keine sichere therapeutische Anwendungsempfehlung.

Die traditionelle Annahme einer immunstimulierenden Wirkung wird unter anderem mit Polysacchariden in Verbindung gebracht. Gleichzeitig ist die Pflanze wegen nachgewiesener Pyrrolizidinalkaloide problematisch. Diese Stoffgruppe kann lebertoxisch sein und wird bei bestimmten Verbindungen mit genotoxischen und karzinogenen Risiken in Verbindung gebracht.

EVIDENZ

Für Eupatorium cannabinum fehlen belastbare moderne klinische Studien, die eine therapeutische Anwendung ausreichend stützen. Die vorhandenen Daten betreffen vor allem Inhaltsstoffe, traditionelle Anwendung, präklinische Effekte und toxikologische Risiken. Wegen der Pyrrolizidinalkaloide überwiegt aus heutiger Sicht die Sicherheitsproblematik.

  • PubMed – Untersuchung zu Pyrrolizidinalkaloiden, Flavonoiden und flüchtigen Inhaltsstoffen in der Gattung Eupatorium, einschliesslich Eupatorium cannabinum.
  • PubMed – Nachweis und Strukturaufklärung von Pyrrolizidinalkaloiden in Eupatorium cannabinum.
  • PMC – präklinische Untersuchung zu zytotoxischen und protektiven Effekten von Eupatorium cannabinum-Extrakten.
  • PMC / EFSA – wissenschaftliche Bewertung gesundheitlicher Risiken durch Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln.
  • EMA – European Union herbal monographs and list entries – Übersicht der europäischen pflanzlichen Monographien und Listeneinträge; keine spezifische HMPC-Monographie zu Eupatorium cannabinum bekannt.

ANWENDUNG

In der Volksmedizin wurde Wasserdost als mildes Abführmittel, galletreibendes Mittel, Diuretikum, Brechmittel und Fiebermittel verwendet. Weitere traditionelle Anwendungen betrafen Bronchitis, chronische Rhinitis sowie äusserlich Hautausschläge und Ekzeme. Diese Anwendungen sind klinisch nicht ausreichend belegt.

Aufgrund der Pyrrolizidinalkaloide, der unklaren Dosierbarkeit und des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses wird eine innerliche Anwendung nicht empfohlen.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Eine Zubereitung als Tee, Auszug oder Hausmittel wird nicht empfohlen. Frühere Dosierungsangaben sind aus heutiger Sicht wegen der möglichen Pyrrolizidinalkaloid-Belastung und fehlender Sicherheitsdaten nicht geeignet.

SICHERHEIT

Wasserdost kann Pyrrolizidinalkaloide enthalten. Besonders 1,2-ungesättigte Pyrrolizidinalkaloide gelten als problematisch, weil sie nach metabolischer Aktivierung Leberschäden verursachen können und toxikologisch mit genotoxischen und karzinogenen Risiken verbunden sind. Eine innerliche Anwendung, besonders über mehrere Tage oder wiederholt, ist deshalb nicht zu empfehlen.

Nicht anwenden in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern, bei Lebererkrankungen, bei gleichzeitiger Einnahme lebertoxischer Arzneimittel oder bei unklarer Pflanzenqualität. Auch eine Selbstbehandlung von Fieber, Atemwegsbeschwerden, Leber-, Gallen- oder Verdauungsbeschwerden mit Wasserdost ist nicht vertretbar.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

WASSERDOST IM GARTEN

Die Pflanze fühlt sich in feuchter, nährstoffreicher und eher lehmiger Erde wohl. Ein guter Standort ist der Rand eines Gartenteichs, Bachlaufs oder Gehölzsaums im Halbschatten. Bei genügend Bodenfeuchtigkeit kommt Wasserdost auch mit voller Sonne zurecht.

Wasserdost ist eine grosse, robuste und winterharte Staude für naturnahe Gärten. Er braucht wenig Pflege und ist besonders wegen seiner späten Blütezeit ökologisch wertvoll. Die Blüten sind eine wichtige Nektarquelle für Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und andere Insekten.

In naturnahen Pflanzungen passt Wasserdost zu feuchtigkeitsliebenden Arten und Gehölzen wie Sanddorn, Faulbaum, Kreuzdorn, Salweide, Baldrian und Eibisch.

Blühender Wasserdost als Nektarpflanze im Naturgarten

SONSTIGES

Wasserdost wurde bereits in der antiken und mittelalterlichen Kräuterkunde erwähnt. Historisch wurden Samen und Blätter unter anderem bei Ruhr, Leberleiden und Schlangenbissen verwendet. Solche Angaben sind heute als historische Information zu verstehen und begründen keine Anwendungsempfehlung.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Huflattich (Tussilago farfara) – traditionell bei Husten verwendet, wegen Pyrrolizidinalkaloiden sicherheitlich relevant.
  • Beinwell (Symphytum officinale) – äusserlich verwendete Pflanze mit PA-Problematik bei innerlicher Anwendung.
  • Pestwurz (Petasites hybridus) – nur PA-kontrollierte Spezialextrakte sind sicherheitlich vertretbar.
  • Schafgarbe (Achillea millefolium) – Asteraceae-Droge mit traditioneller Anwendung bei Verdauungsbeschwerden.

FAQ

  • Hat Wasserdost eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Für Eupatorium cannabinum besteht keine anerkannte medizinische Anwendung.
  • Warum wird die innerliche Anwendung von Wasserdost nicht empfohlen?
    Wasserdost kann Pyrrolizidinalkaloide enthalten. Diese Stoffgruppe ist toxikologisch problematisch, besonders wegen möglicher Lebertoxizität und genotoxischer Risiken.
  • Wurde Wasserdost traditionell verwendet?
    Ja. Traditionell wurde Wasserdost unter anderem bei Verdauungsbeschwerden, Fieber, Atemwegsbeschwerden und Hautproblemen verwendet. Diese Anwendungen sind klinisch nicht ausreichend belegt.
  • Ist Wasserdost im Garten wertvoll?
    Ja. Wasserdost ist eine wertvolle spätblühende Nektarpflanze für Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und andere Insekten.

Letzte Änderung: 29.04.2026 / © W. Arnold