Faulbaum – Frangula alnus

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung & Dosierung | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Die medizinisch verwendete Faulbaumrinde (Frangulae cortex) dient der kurzfristigen Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung. Faulbaumrinde und entsprechende Zubereitungen sind nicht für den Dauergebrauch bestimmt. Mögliche unerwünschte Wirkungen sind Bauchschmerzen, Krämpfe und flüssiger Stuhl, besonders bei Überdosierung.

Frangula alnus Mill. (syn. Rhamnus frangula L.); Faulbaum, Amselbaum, Pulverholz, Spillbaum.

Faulbaum (Frangula alnus)

Faulbaum, auch Pulverholz genannt

Blüten des Faulbaums

Faulbaum mit Früchten

VORKOMMEN

Der Faulbaum ist in grossen Teilen Europas und Westasiens verbreitet und kommt auch in Nordafrika vor. Er wächst bevorzugt in eher feuchten Wäldern, an Waldrändern, in Erlenbrüchen, Auwäldern, Moor- und Heidegebieten sowie in Gebüschen und Parkanlagen. Staunässe wird schlecht vertragen, frische bis feuchte Standorte werden dagegen bevorzugt.

Als ökologisch wertvoller Strauch passt der Faulbaum gut in naturnahe Gärten. Neben Arten wie Weissdorn, Sanddorn, Holunder, Berberitze oder Weiden ist er ein interessanter heimischer Strauch für strukturreiche Pflanzungen.

MERKMALE

Der Faulbaum ist ein meist 1 bis 4 Meter hoher Strauch oder kleiner Baum. Die graubraune Rinde trägt auffällige helle Korkwarzen. Dornen fehlen, was ihn von anderen Kreuzdorngewächsen unterscheidet. Die Blätter sind eiförmig bis elliptisch, ganzrandig und zeigen mehrere deutlich gebogene Seitennerven.

Die kleinen, grünlichweissen Blüten stehen in achselständigen Gruppen und erscheinen von Mai bis Juli. Sie werden gerne von Insekten besucht. Die zunächst roten, später schwarz werdenden Früchte reifen meist von August bis September. Unreife Früchte gelten als giftig.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Frangulae cortex (syn. Cortex Frangulae, Cortex Rhamni frangulae); Faulbaumrinde, die getrocknete und ausreichend gelagerte Rinde der Stämme und Zweige.

Frische Rinde darf nicht unmittelbar medizinisch verwendet werden. Erst durch Lagerung oder geeignete Verarbeitung wird die Droge verträglicher.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die Faulbaumrinde enthält Anthranoid-Derivate, insbesondere Glucofrangulin A und B, Frangulin A und B sowie weitere hydroxyanthracenhaltige Verbindungen. Daneben kommen Gerbstoffe und geringe Mengen weiterer Begleitstoffe vor. Für die pharmakologische Wirkung sind vor allem die Anthranoid-Derivate verantwortlich.

Strukturformeln wichtiger Inhaltsstoffe des Faulbaums

PHARMAKOLOGIE

Faulbaumrinde gehört zu den anthranoidhaltigen Laxansdrogen. Die wirksamen Metaboliten entfalten ihre abführende Wirkung vorwiegend im Dickdarm. Dabei wird die Colonmotilität in Richtung propulsiver Bewegungen beeinflusst, die Darmpassage beschleunigt und die Rückresorption von Wasser vermindert. Zusätzlich wird die Sekretion von Wasser und Elektrolyten in das Darmlumen gefördert.

Im Vergleich mit anderen Anthranoid-Drogen wird Faulbaumrinde oft als etwas milder beschrieben. Trotzdem handelt es sich um ein stimulierendes Laxans, das nur kurzfristig eingesetzt werden soll.

EVIDENZ

Die medizinische Verwendung der Faulbaumrinde (Frangulae cortex) ist pharmakologisch gut begründet. Die abführende Wirkung beruht auf Anthranoid-Derivaten, deren aktive Metaboliten im Dickdarm die Darmmotilität beeinflussen, die Darmpassage beschleunigen und die Sekretion von Wasser und Elektrolyten erhöhen.

Klinische Studien im modernen Sinn sind für Faulbaumrinde nur begrenzt verfügbar. Die heutige Anwendung stützt sich daher vor allem auf pharmakologische Erkenntnisse, langjährige Erfahrung und die regulatorische Bewertung durch Fachgremien.

Die Monographie des HMPC (EMA) führt Frangulae cortex als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur kurzfristigen Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung. Eine Anwendung über längere Zeiträume wird nicht empfohlen.

Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass einzelne Inhaltsstoffe wie Emodin neben der laxierenden Wirkung auch zellbiologische Effekte besitzen können, was die Empfehlung zur zeitlich begrenzten Anwendung zusätzlich unterstützt.

ANWENDUNG

Heutige medizinische Einordnung

Faulbaumrinde wird zur kurzfristigen Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung verwendet. Sie sollte nur dann eingesetzt werden, wenn nichtmedikamentöse Massnahmen wie ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Bewegung nicht ausreichen.

Wichtige Hinweise

  • Faulbaumrinde ist nicht für den Dauergebrauch bestimmt.
  • Bei chronischer Obstipation ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.
  • Bei Bauchschmerzen unklarer Ursache, Darmverschluss, entzündlichen Darmerkrankungen oder schwerem Flüssigkeitsverlust darf die Droge nicht angewendet werden.
  • Eine längerfristige Einnahme stimulierender Laxanzien kann zu Elektrolytstörungen und zu einer Verstärkung der Darmträgheit beitragen.

Historische Einordnung

Faulbaumrinde gehört seit langem zu den pflanzlichen Abführmitteln. Die traditionelle Verwendung ist historisch gut belegt. Heute steht jedoch nicht die volksmedizinische Breite, sondern die klar begrenzte medizinische Indikation der kurzfristigen Obstipationsbehandlung im Vordergrund.

ZUBEREITUNG & DOSIERUNG

Faulbaumrinde sollte nur kurzfristig und in der geringstmöglichen wirksamen Dosis angewendet werden. Medizinisch üblich sind standardisierte Präparate. Die Dosierung richtet sich nach dem Gehalt an Hydroxyanthracen-Derivaten sowie nach den Angaben des jeweiligen Präparates.

Eine wiederholte oder längerfristige Selbstmedikation ist nicht zu empfehlen. Bei unzureichender Wirkung oder bei wiederkehrender Verstopfung sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

STATUS

  • Kommission E: positive Monographie
  • ESCOP: positive Monographie
  • HMPC / EMA: traditionelles pflanzliches Arzneimittel für Frangulae cortex (EMA)

FAULBAUM IM GARTEN

Der Faulbaum bevorzugt halbschattige bis sonnige Standorte mit frischem bis feuchtem Boden. Er ist sehr pflegeleicht, winterhart und insgesamt anspruchslos. Besonders gut passt er in naturnahe Hecken, an Gehölzränder und in Gärten mit eher feuchteren Bereichen.

Als heimischer Strauch ist der Faulbaum ökologisch wertvoll. Die Blüten werden von Insekten besucht, die Früchte dienen Vögeln als Nahrung. Gerade in Naturgärten kann er deshalb eine sinnvolle Ergänzung zu anderen heimischen Sträuchern sein. Wenn seine kleinen weissen Blüten zu Dutzenden von Bienen besucht werden, sitze ich im Sommer gerne unter dem Faulbaum und höre dem fast unglaublichen Summen zu.

Faulbaum im Garten

SONSTIGES

Das Holz des Faulbaums wurde früher unter anderem zur Herstellung hochwertiger Holzkohle verwendet. Der Name „Pulverholz“ erinnert an diese historische Nutzung. Für die heutige Phytotherapie steht jedoch eindeutig die Rinde als Arzneidroge im Vordergrund.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Senna alexandrina – anthranoidhaltige Arzneipflanze mit stärker laxierender Wirkung.
  • Rheum palmatum – enthält ebenfalls anthranoidhaltige Verbindungen und wurde traditionell als Laxans verwendet.
  • Linum usitatissimum – Quellstoffdroge, die bei Verstopfung grundsätzlich anders wirkt als stimulierende Laxanzien.

FAQ

  • Wofür wird Faulbaumrinde verwendet?
    Faulbaumrinde wird zur kurzfristigen Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung verwendet.
  • Ist Faulbaum für den Dauergebrauch geeignet?
    Nein. Faulbaumrinde und andere stimulierende anthranoidhaltige Laxanzien sind nicht für den Dauergebrauch bestimmt.
  • Welche Nebenwirkungen sind möglich?
    Möglich sind Bauchschmerzen, Krämpfe, flüssiger Stuhl und bei Überdosierung stärkere Magen-Darm-Beschwerden.
  • Was ist bei längerem Gebrauch problematisch?
    Längerer Gebrauch stimulierender Laxanzien ist nicht zu empfehlen, da er unter anderem zu Elektrolytstörungen und zu einer Verstärkung der Darmträgheit beitragen kann.

Letzte Änderung: 02.04.2026 / © W. Arnold