Kurkuma (Curcuma longa)

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Der Kurkumawurzelstock ist als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter Verdauungsbeschwerden eingestuft. Im Vordergrund stehen Völlegefühl, verlangsamte Verdauung und Blähungen. Bei Verschluss der Gallenwege darf Kurkuma nicht angewendet werden; bei Gallensteinleiden ist Vorsicht angezeigt.

Curcuma longa L. (syn. Curcuma domestica Val., Amomum curcuma Jacq.)
Gelbwurzel (Kurkuma)

Blühende Kurkumapflanze (Curcuma longa)

Kurkuma-Pflanze mit Blütenstand

Frische Gelbwurzel-Rhizome von Curcuma longa

VORKOMMEN

Kurkuma stammt ursprünglich aus Indien und wird heute in vielen tropischen Regionen angebaut, insbesondere in Indien, China, Indonesien, Malaysia und Madagaskar. Die arzneilich verwendeten Rhizome stammen aus dem Anbau. Die Pflanze benötigt ein warmes, feuchtes Klima und eine gute Wasserversorgung.

MERKMALE

Kurkuma ist eine ausdauernde, aufrechte und bis zu etwa 1,2 m hohe tropische Rhizomstaude. Die Pflanze besitzt grosse Blätter und bildet stark verzweigte, gelbe bis orange, aromatische Rhizome als Überdauerungsorgane aus. Das Rhizom ähnelt dem des Ingwers, ist jedoch intensiver gelb gefärbt.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide, Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Aus den Blattscheiden wird ein Scheinstamm gebildet. Endständig auf dem Scheinstamm sitzt ein zylindrischer, ähriger Blütenstand mit zahlreichen Blüten.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Curcumae longae rhizoma (syn. Rhizoma Curcumae, Rhizoma Curcumae longae); Kurkumawurzelstock (Gelbwurzelstock, Gelbwurzel), gebrühte und getrocknete Rhizome.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die Droge enthält im Durchschnitt etwa 3 bis 5 % ätherisches Öl. Hauptbestandteile des Öls sind Sesquiterpenketone wie ar-Turmeron sowie α- und β-Turmeron. Weitere Bestandteile sind unter anderem Atlanton, Curlon und Zingiberen.

Im Rhizom sind bis zu etwa 5 % Curcuminoide enthalten. Zu den wichtigsten gehören Curcumin, Monodesmethoxycurcumin, Didesmethoxycurcumin und Bisdesmethoxycurcumin. Das Verhältnis dieser Verbindungen variiert je nach Herkunft der Droge.

Daneben wurden immunologisch aktive Polysaccharide sowie grössere Mengen Stärke nachgewiesen.

Strukturformel von Turmeron aus dem ätherischen Öl der Kurkuma

PHARMAKOLOGIE

Experimentell gut belegt ist eine choleretische, also gallenflussfördernde Wirkung von Inhaltsstoffen des Kurkumawurzelstocks. Daneben werden entzündungsmodulierende und antioxidative Effekte beschrieben. Diese pharmakologischen Eigenschaften machen die traditionelle Anwendung bei leichten Verdauungsbeschwerden plausibel.

In der Literatur finden sich zahlreiche weitere experimentelle Befunde zu Curcumin und verwandten Stoffen, darunter antimikrobielle, immunmodulierende und weitere entzündungsbezogene Effekte. Für die medizinische Bewertung der Heilpflanze stehen jedoch die verdauungsbezogenen Anwendungen im Vordergrund.

Strukturformel von Curcumin als wichtigem Curcuminoid der Kurkuma

EVIDENZ

Die Evidenz für Kurkumawurzelstock bei leichten Verdauungsbeschwerden beruht vor allem auf langjähriger traditioneller Anwendung und pharmakologischer Plausibilität. Die HMPC-Monographie stuft Curcumae longae rhizoma als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Völlegefühl, verlangsamter Verdauung und Blähungen ein. Für weitergehende Anwendungen von Curcumin, etwa bei entzündlichen oder metabolischen Erkrankungen, ist die Studienlage heterogen und für anerkannte Hauptindikationen nicht ausreichend.

  • HMPC (EMA): Monographie zu Curcumae longae rhizoma mit traditioneller Anwendung bei leichten Verdauungsbeschwerden.
  • HMPC Assessment Report: ausführliche Bewertung zu Pharmakologie, Evidenz und Sicherheit.
  • ESCOP: Monographie vorhanden.
  • Randomisierte Studie bei Kniearthrose (2013): zeigt mögliche klinische Effekte eines Curcuma-longa-Extrakts, bleibt jedoch ausserhalb der klassischen Verdauungsindikation.

ANWENDUNG

Anerkannte beziehungsweise regulatorisch abgestützte Anwendung

  • Kommission E: dyspeptische Beschwerden.
  • ESCOP: symptomatische Behandlung leichter Verdauungsbeschwerden sowie leichter Leber- und Gallenbeschwerden.
  • HMPC: Für Curcumae longae rhizoma besteht eine HMPC-Monographie. Eingestuft als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, verlangsamter Verdauung und Blähungen.

Curcumin und Curcuma-Extrakte werden darüber hinaus in vielen klinischen und experimentellen Arbeiten bei anderen Fragestellungen untersucht. Solche Anwendungen gehen jedoch über die klassische regulatorische Hauptlinie der Droge hinaus.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Curcuminoide sind schlecht wasserlöslich. Viele der beschriebenen Effekte wurden mit Extrakten oder standardisierten Zubereitungen untersucht. Deshalb sind qualitativ hochwertige standardisierte Fertigpräparate meist sinnvoller als einfache Teezubereitungen.

Wenn dennoch eine Teezubereitung erfolgen soll, können etwa 2 g fein geschnittener Kurkumawurzelstock mit etwa 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach 10 bis 15 Minuten filtriert werden.

SICHERHEIT

Kurkuma gilt in den üblichen traditionellen Dosierungen insgesamt als gut verträglich. Nicht angewendet werden sollte Kurkumawurzelstock bei Verschluss der Gallenwege. Bei Gallensteinleiden ist eine Anwendung nur nach Rücksprache mit einem Arzt sinnvoll.

Neuere Sicherheitsbewertungen weisen darauf hin, dass hoch dosierte oder bioverfügbar gemachte Curcumin- beziehungsweise Curcuminoid-Zubereitungen mit einem Risiko für Leberschädigungen verbunden sein können. Für die in der EU-Monographie beschriebenen traditionellen Posologien wurden solche Leberschädigungen bisher nicht berichtet.

STATUS

KURKUMA IM GARTEN

Kurkuma ist eine tropische Pflanze und kann im Freiland in Mitteleuropa nicht kultiviert werden. Eine Kultur ist nur unter warmen und feuchten Bedingungen möglich, etwa im Gewächshaus oder Wintergarten. Unter solchen Bedingungen lässt sich die Pflanze auch im Haus halten.

Kurkuma-Pflanze im Topf mit grossen Blättern

SONSTIGES

Kurkuma dient nicht nur als Arzneidroge, sondern auch als Gewürz und farbgebender Bestandteil vieler Curry-Pulver. Der Name verweist auf die auffällige gelbe Farbe des Rhizoms. Das Artepitheton longa bezieht sich auf die langen Nebenrhizome der Pflanze.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Artischocke (Cynara scolymus) – fördert die Gallensekretion und unterstützt die Verdauung.
  • Ingwer (Zingiber officinale) – traditionell bei Verdauungsbeschwerden und Übelkeit.
  • Pfefferminze (Mentha piperita) – krampflösend bei Magen-Darm-Beschwerden.
  • Löwenzahn (Taraxacum officinale) – traditionell zur Anregung der Gallenfunktion.
  • Mariendistel (Silybum marianum) – Heilpflanze mit Schwerpunkt Leber und Galle.

FAQ

  • Was ist Kurkuma?
    Kurkuma (Curcuma longa) ist eine tropische Pflanze aus der Familie der Ingwergewächse. Medizinisch verwendet wird der getrocknete Kurkumawurzelstock.
  • Welche medizinische Wirkung hat Kurkuma?
    Kurkumawurzelstock wird traditionell zur Linderung leichter Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, verlangsamter Verdauung und Blähungen angewendet. Die Wirkung wird vor allem mit choleretischen und verdauungsfördernden Eigenschaften erklärt.
  • Welcher Inhaltsstoff ist für die Wirkung wichtig?
    Wichtige Inhaltsstoffe sind die Curcuminoide, insbesondere Curcumin. Daneben enthält das Rhizom ätherisches Öl mit Sesquiterpenen wie Turmeronen.
  • Kann Kurkuma auch als Tee verwendet werden?
    Eine Teezubereitung ist möglich, jedoch sind Curcuminoide schlecht wasserlöslich. Deshalb werden oft standardisierte Präparate bevorzugt.
  • Ist Kurkuma gut verträglich?
    Kurkuma gilt in den üblichen traditionellen Dosierungen allgemein als gut verträglich. Bei Verschluss der Gallenwege darf Kurkuma nicht angewendet werden; bei Gallensteinleiden ist Rücksprache mit einem Arzt sinnvoll.
  • Sind Kurkuma und Curcumin dasselbe?
    Nein. Kurkuma bezeichnet die Pflanze beziehungsweise den Kurkumawurzelstock, während Curcumin einer der wichtigsten gelben Inhaltsstoffe der Curcuminoide ist.

Letzte Änderung: 14.04.2026 / © W. Arnold