Echter Salbei - Salvia officinalis


Die anerkannte medizinische Anwendung von Salbeiblättern ist die innerliche Verwendung bei vermehrter Schweissekretion sowie äusserlich bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und bei Zahnfleischentzündungen. Salbeiblätter wirken antibakteriell, fungistatisch, virustatisch, adstringierend, sekretionsfördernd und schweisshemmend. Salbei hat kaum Nebenwirkungen.

Salvia officinalis (syn. Salvia cretica, S. grandiflora, S. tomentosa);
Echter Salbei (syn. Edler Salbei, Garten-Salbei).

Salbeiblätter (Salvia officinalis)

Blühender Salbei

VORKOMMEN

Das natürliche Vorkommen des Echten Salbeis ist der gesamte mediterrane Raum, insbesondere in Nord- und Zentralspanien, Südfrankreich und im Westen der Balkanhalbinsel. Als ursprüngliches Areal gilt die Region von Dalmatien. In Kultur ist der Echte Salbei in ganz Europa und Nordamerika. In Bauerngärten ist er eine traditionelle Pflanzenart. Die Pflanze ist nicht winterhart und verwildert daher selten. Salvia officinalis gehört in jeden Kräutergarten und ist zudem eine gute Bienenweide.

MERKMALE

Salvia officinalis ist ein bis zu 60 cm hoher Strauch. Seine Stengel sind aufrecht, mit vielen abstehenden, filzig-behaarten Seitenästen. Die Blätter sind einfach gebaut und gestielt. Die Spreite ist länglich, in Richtung Stiel sich mehr oder weniger verjüngend, gefurcht, oberseits fast kahl, grünlich und nur in der Jugend dicht behaart, unterseits weissfilzig behaart. Die Blüten sind als fünf- bis zehnblütige Scheinquirle angeordnet. Der Kelch ist 10 bis 14 mm lang, flaumig behaart und drüsig punktiert. Die Krone ist bis zu 35 mm, blauviolett, rosa oder weisslich.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Salviae folium (syn. Folia Salviae, Salviae officinalis folium); Salbeiblätter, die getrockneten Laubblätter.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Ätherisches Öl (bis zu 2,5 %) mit α- und β-Thujon (bis zu 60 %), Campher und Cineol je (bis zu 24 %), ferner u.a. Borneol, Bornylacetat, Camphen, Caryophyllen, α-Humulen α- und β-Pinen.
Die Blätter enthalten im weiteren Hydroxyzimtsäurederivate (Rosmarinsäure, Chlorogensäure, Cryptochlorogensäure und Neochlorogensäure), ferner Kaffeesäure, Flavonoidglykoside mit den Aglyka Apigenin, Luteolin und Kämpferol, Diterpene (Safficinolid, Carnosol = Pikrosalvin; entsteht beim Trocknen bzw. Lagern aus Carnosolsäure = Salvin), Triterpene (Ursolsäure) und Spurenelemente (v.a. Eisen und Zink)..

Salbei: Inhaltsstoffe

PHARMAKOLOGIE

Wässerige Auszüge des Salbeis wirken antibakteriell gegen grampositive und gramnegative Keime. Ausserdem wirken sie fungizid gegen Hefen und wirken antiviral (Herpesviren). Ursolsäure wirkt inhibierend auf Proteasen wie Urokinase und hemmt damit die Bildung von Metastasen. Die Rosmarinsäure wirkt ausgeprägt entzündungshemmend.
Der toxische Bestandteil des ätherischen Öls, die Thujone, sind Nervengifte. In hoher Dosierung können sie Verwirrtheit und epileptische Krämpfe auslösen.
Bei Zubereitungen aus Salbeiblättern (Teeaufguss, Tinktur, Extrakt) werden die toxischen Dosen an Thujon nicht erreicht. Von einer Verwendung des Salbeiöls wird abgeraten.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendung (Kommission E):

  • Wirkungen: Antibakteriell, fungistatisch, virustatisch, adstringierend, sekretionsfördernd und schweisshemmend.
  • Art der Anwendung: Geschnittene Droge für Aufgüsse, alkoholische Auszüge und Destillate zum Gurgeln, Spülen und zu Pinselungen sowie zur inneren Anwendung und als Frischpflanzen-Presssaft.
  • Anwendungsgebiete:
    Äussere Anwendung: Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.
    Innere Anwendung: dyspeptische Beschwerden; vermehrte Schweisssekretion.
  • Wechselwirkungen: Keine bekannt.
  • Gegenanzeigen: Während der Schwangerschaft sollen das reine ätherische Öl und alkoholische Extrakte nicht eingenommen werden.

Die ESCOP äussert sich für die Anwendung der Salbeiblätter in ähnlicher Weise, wobei die innerliche Anwendung bei vermehrter Schweisssekretion hervorgehoben wird.

Salbeiblätter wurden vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

Traditionell wird der Salbei als Tinktur, Extrakt oder Aufguss bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut oder Zahnfleischentzündungen verwendet. So wird der Salbei z.B. in Mundwassern, gerne in Kombination mit z.B. Kamille, Pfefferminze, Eichenrinde, Myrrhenbaum, Blutwurz, Fenchel, Süssholz und Anis, verwendet.

Innerlich wird der Salbei bei dyspeptischen Beschwerden angewendet. Beispielhaft erwähnt sei die Linderung von Magen- und Darmschmerzen nach einer Antibiotika-Therapie.

Im Sidroga Brust- und Hustentee ist Salbei neben Süssholz, Eibisch, Spitzwegerich, Thymian, Anis, Fenchel, Isländisch Moos und Klatschmohn enthalten.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

EinnahmeTagesdosis: 4 bis 6 g Droge; 0,1 bis 0,3 g ätherisches Öl; 2.5 bis 7.5 g Tinktur.

Innere Anwendung: 1-1.5 g Droge bzw. 1-2 Tropfen des ätherischen Öls auf eine Tasse als Aufguss mehrmals täglich nach Bedarf.

Zum Gurgeln und Spülen: 2,5 g Droge bzw. 2-3 Tropfen des ätherischen Öls auf 100 ml Wasser als Aufguss bzw. 5 g alkoholischer Auszug auf 1 Glas Wasser.

Pinselung: Unverdünnter alkoholischer Auszug.

Produkte Schweiz (Auswahl):

  • A. Vogel Menosan Salvia, Tabletten (Bioforce AG)
  • Echinamed Halsschmerz-Spray, Spray (Bioforce AG)
  • Künzle Salbeiblätter, geschnittene Droge (Kräuterpfarrer Künzle AG)
  • Morga Salbeiblättertee, geschnittene Droge (Morga AG)
  • Parodentosan Spüllösung (Tentan AG)
  • Sidroga Hals- und Rachentee, geschnittene Droge (Sidroga AG)

STATUS

HOMÖOPATHIE

Salvia officinalis HAB 1 Salbei, die frischen Blätter.
Anwendungsgebiet: Erkrankungen des Zentralnervensystems, Störung der Schweisssekretion.

SALBEI IM GARTEN

Die Pflanze liebt einen warmen, sonnigen Standort, besonders im windgeschützten Bereich. Im Garten ist eine Kiesschicht, die die Wärme speichert, besonders geeignet.
In jeder Gärtnerei können sie Jungpflanzen kaufen oder man kann Samen im zeitigen Frühjahr direkt ins Beet aussäen.

Die mehrjährige Pflanze liebt einen durchlässigen, eher kalkhaltigen Boden mit nicht zu hohem Humusgehalt. Übrigens lässt sich Salbei sehr gut als Topfpflanze halten. Sie mag mässig feuchten Boden ohne Staunässe, also immer erst giessen, wenn die oberste Erdschicht trocken ist. Ältere Pflanzen im Garten vertragen meist auch längere Trockenheit. Ab August soll die alte Heilpflanze nicht mehr zurückgeschnitten und auch nicht mehr gedüngt werden.

In milden Lagen kann Salvia officinalis im Freien überwintern, muss aber mit Laub und Tannenzweigen vor Dauerfrost geschützt werden.

Der echte Salbei gehört in jeden Heilpflanzen- bzw. Kräutergarten, macht sich aber auch in naturnahen Steingärten gut. In meinem Garten hat er Rosmarin, Lavendel, Thymian, Goldrute und Schlüsselblumen als Nachbarn.

Gruppe von Salbeipflanzen

SONSTIGES

Zum Schutz vor der Pest rieben sich Plünderer mit in Essig eingelegten Salbei (und anderen Zutaten wie Thymian, Lavendel und Rosmarin) ein.
Die Ärzte und Heilkundigen des Mittelalters schätzten die Pflanze jedoch aus anderen Gründen, so bei akutem Fieber, Koliken, Erkältungen und Zahnschmerzen. Der alten Heilpflanze sagte man eine desinfizierende und konservierende Wirkung nach.

Letzte Änderung: 20.04.2024 / © W. Arnold